Intel legt mit Core i9 gegenüber AMDs Ryzen Threadripper vor

Wie angekündigt hat Intel nun seine neue Enthusiasten-Plattform mit Sockel LGA2066 namens Basin Falls offiziell vorgestellt. Die Plattform löst den seit Jahren in diesem Segment verwendeten Sockel LGA2011(v3) ab. Bisher war bei den Broadwell-E-Prozessoren bei 10 Kernen Schluss. Ältere Folien weisen darauf hin, dass Intel ursprünglich für Basin Falls und die neuen Skylake-X-Prozessoren maximal 12 Kerne vorgesehen hatte. Die bei Intel seit Jahren praktizierte Politik der kleinen Schritte eben.

Doch dann kam AMD mit der Vorstellung des Ryzen 7 und an der Ankündigung einer eigenen High-End-Desktop (HEDT) Plattform namens Ryzen Threadripper dazwischen, der bis zu 16 Kerne und 32 Threads für Enthusiasten bieten wird. Daher sah sich Intel offenbar gezwungen zu handeln (auch wenn man es offiziell bestreitet). Nun wird es Skylake X mit bis zu 18 Kernen geben. Doch so weit ist es noch nicht. Bisher hat Intel lediglich fünf Prozessoren mit Skylake-X- und Kaby-Lake-X-Architektur für den Sockel LGA2066 vorgestellt, wobei nur die Skylake-X-Prozessoren DDR4-RAM im Quad-Channel nutzen können:

Während Kaby Lake X der gleiche Kern ist wie Kaby Lake für den Mainstream, lediglich für den Sockel LGA2066 verpackt, ist Skylake X eine Weiterentwicklung der Skylake-Architektur von 2015. Neben der höheren Kernanzahl und dem Mehr an PCIe-Lanes wurde auch die Cache-Verwaltung überarbeitet. So ist der L3-Cache nicht mehr inclusive, allerdings auch nicht exclusive wie bei AMD üblich, sondern von Intel non-inclusive genannt. Das bedeutet, dass Einträge des L2-Cache nicht mehr zwangsläufig im L3-Cache liegen müssen wie bisher bei Intel üblich, ausgeschlossen ist es – anders als bei den traditionellen AMD-Architekturen – auch nicht. Damit konnte Intel den L2-Cache massiv vergrößern von bisher 256 KiB auf 1024 KiB je Kern ohne dabei unnötig L3-Platz zu verschwenden. Die L3-Caches sind zudem nicht mehr über einen Ring-Bus verbunden, sondern mit einem sogenannten Mesh-Netz. Dank Turbo-Boost-Max-Technik 3.0 kann Skylake X nun bis zu zwei besonders gute Kerne sehr hoch takten sofern nur wenige Threads Last verursachen. Der neue, dazu gehörenden X299-Chipsatz beherrscht nun auch Optane-Memory (3D-XPoint-Speicher zu Caching-Zwecken) und DDR4-2667 offiziell (je nach CPU).

Allerdings merkt man, dass Intel dieses Mal unter Zugzwang stand. Offenbar wollte man die Core X Prozessorreihe unbedingt noch vor AMDs Threadripper veröffentlichen und auch in Sachen Kernanzahl nicht zurückstehen. So wurden die Prozessoren zwar vorgestellt, kaufbar sind sie jedoch noch nicht. Zudem wurden die Redaktionen in Europa entweder gar nicht bemustert oder so spät, dass ein seriöses Review rechtzeitig zum (Paper-)Launch nicht mehr zu schaffen war. Auch bei den Boards gibt es anscheinend noch zahlreiche Baustellen. Die Tester sprechen von Inkonsistenzen bei den Leistungswerten und täglich neuen Beta-BIOS-Versionen für die Mainboards. Tests gibt’s daher vorerst nur von US-Seiten oder von Publikationen, die sich auf eigene Faust über dunkle Kanäle mit Samples versorgt haben: