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Was gehört eigentlich in einen perfekten Netzteilartikel?

Veröffentlicht: 17.12.2009 um 08:03 von ProphetCHRIS

Was gehört eigentlich in einen perfekten Netzteilartikel?

Ich habe mich die Tage einmal mit ein paar Leuten aus der Industrie über die aktuelle Reviewsituation über Netzteile unterhalten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es generell im Moment ein wenig ruhig um Reviews geworden ist, oder täuscht das? Man findet kaum noch interessante Dinge, nicht viele Webseiten bringen mehr konstante Artikel über Mainboards oder Grafikkarten. Woran liegt das?

Zurück zum Gespräch mit den Vertretern aus der Industrie in dem es um das Thema Netzteiltesten ging. Es gibt, geht man nach der Meinung dieser Leute, keinerlei wirklich guten Reviews über Netzteile. Jeder Reviewer macht Fehler, kennt sich in der Industrie oder dem Bereich zu wenig aus, um simple Zusammenhänge zu verstehen oder testet die Netzteile ganz einfach gar nicht oder falsch. Man sagte mir, ich bin immernoch baff von dem Kompliment wenn man bedenkt von wem es kam [Danke J.], dass meine Reviews wenigstens den Anschein von Sinn hatten und das gerade Artikel wie „Debunking Power Supply Myths“ selten oder gar einzigartig im Netz wären.

Das gab mir zu denken.

Was gehört denn nun zu einem perfekten Artikel über Netzteile? Viele Fotos? Viel Text? Viele Eigenschaften getestet? Hübsche Grafiken? Awards?

Ich war immer ein großer Fan von guten Darstellungen und ich liebe es Dinge simpel und klar darzustellen, sodass ein User die Grafik auf anhieb versteht. Ich denke, hier mangelt es leider bei vielen Reviews im Netz. Zudem kommt natürlich auch das fehlende Testequipment der meisten Reviewer. Es gibt zwar mittlerweile viele, die mit Selbstbauten testen, aber bitte, diese reichen gerade einmal aus das Netzteil auf eine bestimmte Last zu bringen. Dann gibt es welche, die mit Sunmoons testen. Die sind sicherlich schon am Rande eines guten Reviews aber wirklich richtige Daten vermögen auch sie nicht daraus zu ziehen. Wenn ich heute die Möglichkeit hätte zu testen, während ich noch bei FSP arbeite, das hätte schon was. Ich hab mehr als 30 Chroma ATEs zur Verfügung und zwei Chroma 8000, die nur auch mich warten. Zudem macht FSP vor jeder Massenproduktion eines neuen Produktes einen so genannten B-Test. Dieser ist der wirklich umfangreichste Test, den ich je gesehen habe. Er besteht aus über 100 DIN A4 Seiten mit Tests an die ich in meinen kühnsten Träumen nicht gedacht hätte. All diese Information in einem Artikel und man hätte wirklich keine Fragen mehr am Ende. Leider dauert solch ein B-Test auch rund 2 Wochen. Aber für mich ist solch ein Test wirklich die Perfektion, oder eher Perversion? Ich habe mittlerweile meine eigene Testreihe auf der Chroma 8000, so wie ich es früher immer gemacht hatte, nur habe ich es um ein paar Tests erweitert, wozu ich vorher keine Chance hatte. Ich habe nun ebenfalls immer 5% Last mit drinne und gehe dann ab 10% in 10%-Schritten bis hin zu 110%. Dieses bei 90, 120 und 230VAC. Der Chromareport ist nun auch auf 60 A4 Seiten angewachsen, und es ist ehrlich gesagt immer wieder eine Freude soviel Informationen aus einem kleinen Netzteil heraus zu ziehen. Andere Firmen haben auch schon davon Wind bekommen. Letzte Woche war Newegg hier mit deren 80PLUS-Gold Netzteil und wollte noch einmal eben nachtesten bei [H] irgendeinen Mist von zu hohem Ripple erzählt hat. Stellte sich heraus, dass es nicht stimmte, wobei wir wieder bei den „hochwertigen“ Testmethoden sind... Das NT wird ganz nebenbei von ATNG hergestellt. Hätte im Leben nicht daran gedacht, dass die so etwas schaffen.

Und zum Thema Awards, ich war nie ein wirklicher Fan von Awards. Man muss dies aus zwei Blickwinkeln betrachten, aus beiden macht es leider Sinn. Die Firmen wollen natülich die Awards, weil sie diese herumzeigen können und schöne lange Auflistungen machen können. Der eine User mag sie auch, weil er dann nicht mehr wirklich denken muss, er bekommt von dem Verfasser des Artikels vorgegeben, welches Produkt er kaufen soll. Genauso habe ich es vorher auch immer gemacht. Ich habe mit einen Roundup bei AnandTech über Mainboards angeschaut und hab mir dann das Mainboard mit dem Gold Award gekauft. Ich habe keine Fragen gestellt und mich einfach darauf verlassen, dass es einfach ein cooles Produkt ist. Ich hatte vor einem Monat Georg Schnurer, Chefredakteur der c’t, in Taipei getroffen und dieser hatte mir die Grundprinzipien der c’t erklärt. Ich hatte vorher nie darüber nachgedacht, aber die c’t bietet wirklich keinerlei Awards. Warum nicht? Weil die c’t dem User genügend Informationen zukommen lassen möchte, damit sich dieser eine eigene Meinung bilden kann, um dann das richtige Produkt selber zu wählen.

Was ist nun also besser? Für Leute, die sich mit der Materie nicht auskennen ist ein Award-System sicherlich lohnenswert, für diejenigen, die etwas mehr wissen wollen, wird mehr Text als angemessen sein. Für die breite Masse ist die Sache sicherlich auch klar, denn die breite Masse möchte doch eigentlich nur gesagt bekommen, was sie zu kaufen hat, oder?

Das größte Phänomen ist aber das Vertrauen, das Vertrauen der Menschen in die Schreiber der Artikel. Was um Himmelswillsen verleitet Menschen dazu einfach blind auf die Meinung in irgendeiner Webseite zu vertrauen? Ist es die Größe der Seite? Je größer desto besser sollte der Reviewer sein, also kann man dem schon vertrauen? Ich kann euch nur warnen, glaubt nicht alles was die Leute so schreiben. Schaut euch an, welches Wissen sie rüberbringen, welches Testequipment sie zur Verfügung haben, wie die Berichte aufgebaut sind. Nicht jeder User kann die ganzen tollen Geschichten kennen, die wir aus „der Szene“ täglich mitbekommen, das ist klar. Aber wenn, dann würden einige Seite gar nicht mehr gelesen werden.

Also, wie sieht euer perfekter Netzteilreview aus?
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Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Benutzerbild von Reisi
    Hmm,... ich sollte öfter mal die Blogs lesen...

    Das Problem bei den Netzteilreviews ist meiner Meinung die Tatsache, dass zu viel gelabert und zuwenig getestet wird. Man hat den Eindruck, dass sich die verschiedenen Seiten nur über die Beschreibungen der Netzteilinnereien voneinander abheben wollen und nicht über umfangreichere Tests.

    Gerade bei den Beschreibungen merkt man aber, dass die meisten Reviewschreiber ihre Kompetenz deutlich überschätzen. Das fängt meist damit an, dass die EMV Komponenten anhand der Optik beurteilt werden (und wehe es ist irgend ein Bauteil nicht bestückt, dann gibts gleich Punktabzug), anschließend werden die Elkos anhand ihres Aufdrucks bzw. Herkunftlandes bewertet. Weiterhin werden Bauteile bzw. Bauteilgruppen falsch bezeichnet, oder es werden irgendwelche Bezeichnungen erfunden (teilweise werden die auch von den Marketingabteilungen so vorgegeben und nur nachgeplappert), anstatt die gängigen Fachbegriffe zu verwenden (dann hätten interessierte Leser wenigstens die Chance sich über Google und Co mehr Informationen zu finden).

    Bei den Tests an sich geht es dann im gleichen Schema weiter. Auch ich bin hier nicht der Meinung, dass man hier zwingend Messequipment im Wert einer Oberklasselimusine benötigt, aber der Tester sollte sich Grenzen seiner Ausrüstung kennen, was leider auch nicht immer der Fall ist.

    Der eigenltiche Netzteiltest besteht dann meist nur aus einer DC-Messung der Ausgangsspannung und Effizienz bei verschiedenen konstanten Belastungsstuffen, das ist für ein Netzteil aber nicht mehr als ein gemütlicher Spaziergang am Nachmittag. Dabei gäbe es so viel, was man messen könnte, man muss sich nur mal den Design Guide von Intel ansehn, alles was dort mit notwendig betitelt ist könnte man auch testen. Natürlich müsste dann aber der Autor dem Laien auch klar machen, was wichtig und was weniger wichtig ist.

    Daher mein Fazit: Lieber weniger Beschreibung vom internen Aufbau (der Laie kann damit eh nichts anfangen), dafür umfangreichere Tests, die ein Netzteil auch wirklich forden.
    Veröffentlicht: 31.12.2009 um 11:05 von Reisi Reisi ist offline
  2. Alter Kommentar
    Benutzerbild von OBrian
    Auch auf die Gefahr hin, daß ich was wiederhole (hab nicht alle Kommentare gelesen): Die Erläuterungen zum Innenleben sind ganz interessant, aber die meisten Leute werden das nicht bewerten können, daher muß dabei unbedingt immer auch eine Bewertung rein. Also Bauteil XY ist soundso verbaut, was bedeutet das? ist das gut oder schlecht? wozu führt das, was kann man bei den Messungen erwarten? usw.

    Und ein Award riecht für mich (und wohl auch viele andere) sowieso meist nach gekaufter Werbung. Wenn schon, dann könnte man in bestimmten Kategorien (Effizienz, Lautstärke, Preis/Leistung, Leuchtstärke der verbauten LEDs oder was auch immer) den besten hervorheben, denn jeder Käufer setzt seine Prioritäten anders und hat entsprechend einen anderen Sieger.
    Veröffentlicht: 10.01.2010 um 14:28 von OBrian OBrian ist offline
    Aktualisiert: 10.01.2010 um 14:33 von OBrian
  3. Alter Kommentar
    ich halte auch nicht von Awards/Testsieger und sehe so wie es die c't macht richtig. Netzteiltest gibt es gerade glaube ich nicht mehr so viele weil sich gerade nicht viel ändert z.B. Enermax Pro87+ 80Plus bekommen geht aber erst ab 500W los. Den meisten würden Netzteil unter 300 W reichen und mit den neuen Intel Cpus werden die Ansprüche auch nicht höher .

    In der 80Plus liste geistert ja auch ein FSP mit 250 W und 80plus Gold herum, wo gibt es das zu kaufen?
    Veröffentlicht: 18.01.2010 um 12:27 von ned_flanders ned_flanders ist offline
  4. Alter Kommentar
    Benutzerbild von ProphetCHRIS
    Zitat:
    Zitat von ned_flanders Kommentar anzeigen
    In der 80Plus liste geistert ja auch ein FSP mit 250 W und 80plus Gold herum, wo gibt es das zu kaufen?
    Das wird es nie geben. Aber FSP arbeitet an kleinen goldenen um die 300W. Aber das wird sich sicherlich noch hinziehen...
    Veröffentlicht: 20.01.2010 um 02:07 von ProphetCHRIS ProphetCHRIS ist offline
  5. Alter Kommentar
    Ich melde mich auch einmal zu Wort bzgl. der Netzteiltests.
    Wie schon viele gesagt haben, muss man generell unterscheiden, an wen sich ein Netzteiltest richtet. Zum einen gibt es da die "normalen" Hardware-Interessierten, sie sich einen Netzteil-, Prozessor- oder Mainboard-Tests durchlesen um sich auf aktuellem Wissensstand zu halten oder nach einer Kaufhilfe suchen. Zum anderen sind da die Hardware-Geeks, die grundsätzlich die neu erworbene Hardware zerpflücken um zu sehen, welche technischen Veränderungen es zur Vorgängerversion gibt.
    Letzter Gruppe gibt sich dann auch nicht mit allgemeinen technischen Daten, wie Gewicht, Abmessungen und Garantie zufrieden. Sie wollen am liebsten alle Details und wie es in einem Kommentar schon schön drinsteht: am besten mit Schaltplan vom Ganzen
    Auf der anderen Seite gibt es aber auch die "normalen" Nutzer, die von solchen geballten Informationen eher abgeschreckt werden - vor allem, wenn riesige Textblöcke durchgelesen - aber nicht verstanden - werden. Hier stiftet ein ausführlicher Test also eher Verwirrung. Logische Konsequenz: Man springt zu Fazit, liest sich die Pro und Contras des Testobjekts durch und gibt sich mehr oder minder damit zufrieden.

    Nun gibt es in der Journalistik schöne Theorien, die genau auf diese Problematiken abzielen. Wenn ich damit nun anfangen würde, wäre ich aber erst morgen früh damit fertig
    Als Ergebnis kann man aus meiner Sicht festhalten, dass es generell gesprochen darauf ankommt, welche Zielgruppe der Journalist mit seinem Artikel erreichen will. Für "Geeks" dient der Journalist als Experte, der das Thema tiefgründig behandelt und nicht auf die breite Masse setzt. Andersrum setzt ein Journalist der für die Breite schreibt, auf verständlichen Informationsgehalt, ohne dabei aber sehr tief zu graben. Beide Arten des Journalismus sind vorhanden und in der heutzutage ausgeprägten Wissensgesellschaft notwendig.

    Letztendlich: Es gibt nie eine perfekte Vorlage, da die Ansprüche der Zielgruppen immer unterschiedlich sind.
    Veröffentlicht: 26.01.2010 um 18:08 von Strahleman Strahleman ist offline
 

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