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Nero24.

Windows 10 Update-Politik das beste Mittel gegen Langeweile

Bewertung: 3 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 5,00.
Hallo liebe Gemeinde,

ich bin kein Windows-10-Hater, nutze es selber und finde, es hätte nach Windows XP und Windows 7 das Potenzial, das nächste Kult-Windows zu werden, von dem sich die Anwender nur schwer trennen können. Siehe Nutzerverhalten.

Wäre da nicht die desaströse Update-Politik. Zum einen kann man das automatische Update bei Windows 10 zumindest offiziell nicht mehr abschalten. Das kann aber notwendig sein aus verschiedensten Gründen, z.B. bei Systemen, die unbeaufsichtigt 24/7 laufen. Solange es sich dabei um die monatlichen Sicherheitsupdates handelt, wäre das noch kein großes Problem, unterscheiden die sich doch nicht wesentlich von Windows 7 in Standard-Einstellung mit aktivierten automatischen Updates.

Problematisch sind die Upgrades für Windows 10, die Microsoft nun alle 6-10 Monate ausrollen möchte. Zuletzt war das im November 2015 der Fall (Threshold 2), nun seit August 2016 (Anniversary-Update auf Redstone) erneut. Das ist keines dieser Pipifax-Updates, wie sie jeden Monat stattfinden, sondern defacto eine Upgrade-Installation. Dabei wird das alte Betriebssystem beiseite geschoben (in Windows.old), Windows 10 in der neuesten Version frisch installiert und anschließend Programme und Daten zurückkopiert. Dass dabei etliche der Einstellungen verloren gehen, die manuell wieder hingebogen werden müssen, sieht Microsoft offenbar als normal an. Siehe unseren Artikel.

Leider ist es mit ein paar zurückzusetzenden Einstellungen nicht getan. Die Sound- und Wartungscenter-Einstellungen wären ja rasch wiederhergestellt, auch wenn es mit zunehmender Rechner-Anzahl mühsam ist. Aber bei dieser Art von Upgrade kann so viel schiefgehen. Hier mal eine Auswahl an Sachen, mit denen ich mich als IT-Betreuer von diversen Privatkunden und kleinen Unternehmen nur im Monat Oktober herumzuschlagen hatte:

- Firma: DATEV compact startet nicht mehr. Funktionsbenutzer zurücksetzen, SQL-Server neu installieren, manuelle Reparatur-Installation von DATEV 5.1 an 17 Modulen; Einstellungen manuell wieder eingestellt. Zeitaufwand 2,5 Stunden.

- Firma: bei PC3 fehlen nach Update alle Kyocera-Drucker, manuell wieder eingerichtet, bei PC2 funktioniert das Backup nicht mehr, manuell wieder repariert; Einstellungen an allen 5 PCs manuell wieder eingestellt. Zeitaufwand 1,5 Stunden.

- Privatkunde: beim Versuch das Update zu installieren geht der Laptop in den Soft-Off statt zu rebooten. Zum zurücksetzen muss der Akku ausgebaut werden. Da der Laptop keine Wartungsklappe hat, muss das gesamte Gerät zerlegt werden, um an den Akku zu kommen. Anschließend durchführen des Updates, Einstellungen manuell wieder eingestellt. Zeitaufwand 2,5 Stunden.

- Firma: nach Update funktioniert der Remotezugriff auf die virtuelle Maschine nicht mehr. Anfahrt und vor Ort zurücksetzen der Remote- und Firewall-Einstellungen und installieren einer neuen OpenVPN-Version, damit User wieder von extern auf das System kommen; Zeitaufwand 2 Stunden.

- Privatkunde: nach dem Update kein Zugriff mehr auf den Ordner des Virenscanners. Somit funktioniert er nicht mehr, kann weder deinstalliert, noch reinstalliert werden. Nicht einmal Windows hat mehr die Berechtigung auf seinen eigenen Ordner zuzugreifen, selbst mit Besitzerübernahme nicht. Erst durch booten mit einer Linux-CD kann der fehlerhafte Ordner entfernt und der Virenschutz frisch installiert werden. Zeitaufwand 2 Stunden.

- Firma: Anwender fährt PC herunter und bemerkt nicht, dass Windows die Upgrade-Installation durchführt - und schaltet die Steckerleiste ab. Anschließend kein booten mehr möglich, da die neue Installation noch nicht startet und die alte nicht mehr. Chkdsk findet so viele Fehler, dass Reparatur nicht lohnt. Komplette Neuinstallation mit aller Software und Konfiguration notwendig. Zeitaufwand: 6,5 Stunden.

- 4 Privatkunden: nach dem Update dauert bei deren Laptops mit AMD Dual-GPU Grafik das Booten mehr als 5 Minuten aufgrund nicht mehr unterstützter Hardware-Konfiguration in Sachen Dual-GPU. Hatte das mit Registry-Einträgen bei allen hingebogen. Nach dem Update waren die alle wieder weg, sodass ich die Workarounds bei allen neu machen musste.

- Firma: nach Update startet das Kalkulationsprogramm nicht mehr. Reinitialisieren sämtlicher Frameworks (VC++, .NET, MSXML, usw.). Nun startet das Programm wenigstens wieder. Allerdings fehlen einige Features, sodass der kostenpflichtige Audatex-Support das Programm reparieren muss. Zeitaufwand 2 Stunden.

- Privatkunde: nach Update sind alle installierten Spiele der Steam-Plattform weg. Die kann man zwar neu herunterladen, via Internet dauert es jedoch 4 Tage bis alle Spiele wieder heruntergeladen und installiert sind.

- Firma: nach Update kein Scannen mehr möglich aus Paperport. Recherchieren weshalb, probieren etlicher Lösungsansätze, installieren eines Patches, der eigentlich für eine andere Paperport-Version gedacht war; funktioniert zum Glück. Zeitaufwand 2 Stunden.

- Privatkunde: nach Update ist ausgerechnet Office 2016 nicht mehr da, neben zahlreichen anderen Programmen (CPU-Z, 7-Zip, GIMP, etc.). Neu installieren der betroffenen Programme. Zeitaufwand 3 Stunden.
Wie gesagt; das sind nur die Fälle der letzten Tage. Das geht aber schon seit August so! Ich mache praktisch nichts anderes mehr, als den Saustall aufzuräumen, den das Windows-Update auf Redstone hinterlässt. Klar läuft es bei vielen Nutzern, überwiegend Privatkunden mit kaum was drauf, auch mal problemlos. Diverse Einstellungen (Wartungscenter, Sound, etc.) sind jedoch immer verstellt; denen ist es dann nur egal.

Aber was mache ich mit den Kunden, die von den geschilderten Problemen betroffen sind? Firmen zahlen natürlich für die Stunden, die ich brauche, um die Systeme wieder funktionsfähig zu bekommen. Aber was mache ich mit den Privatkunden, die absolut nichts falsch gemacht haben, weder den Laptop zugeklappt, noch den PC vom Strom getrennt haben, während das Upgrade lief?

Einer meinte kürzlich: "schreib das doch alles zusammen und schick die Rechnung an Microsoft!". Nette Idee, aber eine, für deren Umsetzung ich mir die Zeit sparen kann. Irgendwo auf der 500-seitigen EULA wird schon stehen, dass Microsoft für sowas nicht haftet. Nur wer dann? Ich, wie's scheint, auch ohne EULA...

CU

Nero24

Aktualisiert: 12.10.2016 um 17:19 von Nero24.

Kategorien
Pleiten, Pech und Pannen

Kommentare

Seite 2 von 2 ErsteErste 12
  1. Avatar von JulianK
    Als "kleiner" Service-Dienstleister hat man ziemlich Pech, wenn Microsoft oder sonstige Software Giganten solche Spielchen machen. Für die Kunden ist das auch nicht lustig und immer mit viel Zeit / Geld verbunden. Schade, aber derzeit gibt es für Benutzer keine gangbare Alternative.
  2. Avatar von Zidane
    Tja Windows 10 wird dadurch immer eine kleine Zeitbombe sein, und hoffen das bei größeren Updates noch alles läuft.

    Ich nutze es ja nun auch schon lange, und habe im Freundes und Bekanntenkreis installiert, obwohl es z.t da auch mal kleinere Probleme gab. Bei den anderen lief soweit.

    Da ich es nur zum Hobby mache verdiene kein Geld damit ist nur mehr Beschäftigungstherapie + Taschengeld, habe da auch kein Zeitdruck wenn ein defekter Rechner 1 Tag dauert bis alles ab Zusammenbau wieder läuft dann ist das halt so.
  3. Avatar von Fruehling
    Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windows .. aber was MS mit Windows 10 betreibt, da klappen sich
    mir die Fussnägel hoch. Ich nutze den Rechner nur privat und betreiben auch kein Kunden Support; aber
    die Kundschaft sollte sich meiner Meinung nach, langsam von MS lösen.
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