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sim
Vice Admiral
Special ![]() Registriert seit: 29.03.2002
Ort: Tübingen
Beiträge: 807
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Meine Heimat, der Meinungs-Mainstream
Meine Heimat, der Meinungs-Mainstream
Irgendwann habe ich mal in der Schule einen Satz von Immanuel Kant gelernt: "Aufklärung ist die Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Auch das Wort "Aufklärung" kommt mir seltsam bekannt vor. Also, wir haben ein Blümchen und ein Bienchen - halt! War das nicht so eine Epoche, in der die Menschen anfingen, sich von Dogmen der Kirche zu lösen, Vorgaben der Obrigkeit zu hinterfragen und ihren eigenen Verstand einzusetzen? Damals fingen die Menschen an, neue Erkenntnisse, aber auch altbekanntes empirisch zu überprüfen. Heute aber ist mir das eigentlich alles egal. Ist die Wissenschaft heutzutage nicht schon so weit fortgeschritten, wenn nicht perfekt und unbeirrbar, um absolut sicher zu sein, dass dieses nicht sein bzw. funktionieren kann und es jenes garantiert niemals geben wird? Auch wenn etwas aus naturwissenschaftlicher Sicht theoretisch funktionieren könnte, es mir aber komisch vorkommt, vertraue ich dem Mainstream und brülle engagiert im Chor mit. Zur Aufführung kommen Stücke wie "Roflmao, so ein Mist!"; für Leute, die solches Zeug auch noch als möglich betrachten oder es gar für vernünftig und logisch halten, singen wir gerne mal ein bemitleidendes Requiem à la "Ich kenn' da 'nen guten Psychiater". Merkwürdigerweise finden diese Freaks, die mit ihrer Meinung offenbar immer allein dastehen wollen (was ich absolut nicht verstehen kann), dass meine Mainstream-Kumpels und ich schnell aggressiv und beleidigend werden, wenn diese armen, gedissten Outsider hartnäckig sind. Dabei versuchen wir doch nur, sie wieder auf den rechten Weg zu bringen - der zudem noch um einiges bequemer ist. Es gibt nur einen rechten Weg, und das ist unserer. Tag für Tag versuchen wir, die verlorenen Schäflein wieder einzusammeln. Wenn die wüssten, wie kuschelig und warm es unter lauter gleichgesinnten Freunden ist... Zugegeben, manchmal verstricken meine Freunde und ich uns in unlogische und öfters eigentlich sogar lächerliche Behauptungen. Aber die Masse macht's! Als Musiker fällt mir nur wieder ein Vergleich mit dem Chor ein: Das Tutti kann den Solisten in Grund und Boden dröhnen, sei es noch so falsch, was es singt. Geschichte wird ja sowieso von den Siegern geschrieben, deswegen hört man nach einer Weile auch nichts mehr von den armen, vom Wege abgekommenen Schäflein. Recht so. Diese wunderbare Konsonanz von ähnlichen Klängen, nur ab und zu durch kleine Disharmonien gestört... Zu meinem Leidwesen und dem meiner Mainstream-Freunde wurde die Musik später um weitere Tonabstände erweitert. Angeblich sollen die auch harmonisch klingen, aber unserer Meinung nach stören sie einfach! Wie soll das denn noch enden, irgendwann kann man sich in völliger Atonalität mit dem Hintern auf die Klaviatur setzen und es wird als schön empfunden... Da bleibe ich lieber bei Grundton und Oktave, wozu brauche ich bitte sehr Abwechslung, Unterschiede und Komplexität? Nun, was ich euch, liebe Freunde, eigentlich übermitteln wollte, ist, dass ich mich inmitten diesem riesigen Ensemble, das sich durch absolute, aber lautstarke Unmündigkeit (stimmt, mit Kant, diesem alten Schwätzer, ääh ich meine dem armen Schäflein, habe ich ja angefangen) auszeichnet, einfach sauwohl fühle. |