Mit dem ALiveDual-eSATA2 hat ASRock ein Mainboard vorgestellt, welches eine lange Tradition von ungewöhnlichen Hauptplatinen fortsetzt. So verbaut ASRock einen AGP 8x-Steckplatz, gleichzeitig aber auch einen PCIe x16-Slot. Aufgrund dieser Kombination wird das Mainboard speziell für Auf- und Umrüster interessant, da endlich auch die Paarung eines AMD Phenom mit einer AGP-Grafikkarte möglich wird.
Erreicht wird diese Kombination durch Verwendung eines nForce3 250 (für AGP verantwortlich) sowie eines ULi M1695 (für PCIe verantwortlich). Beides Chipsätze, die eigentlich längst von der Bildfläche verschwunden sein sollten, liegt deren Geburt doch bereits mehrere Jahre zurück. Aber um einem Phenom-User den Betrieb einer AGP-Karte zu ermöglichen, verwertet ASRock Restbestände dieser beiden Chips - eine wie wir finden gelungene Idee.
Leider hat diese Kombination auch ihre Tücken. So ist der nForce3 beispielsweise dafür bekannt, Probleme mit ATI-Grafikkarten zu haben. Unter Windows XP noch mit Tricks beherrschbar, ist eine solche Konstellation unter Windows Vista zum Scheitern verurteilt. Aber auch mit NVIDIA-Grafikkarten ist unter Vista nicht gut Kirschen essen. Hinzu kommt, dass es keine nForce-Treiber für Windows Vista gibt und in diesem Fall auf Vista-Standardtreiber zurückgegriffen werden muss. Damit einhergehend ist es nicht möglich, ein Raid-Array an den SATA-Ports des nForce3 250 unter Vista zu betreiben. Als Ersatz bleibt dafür der Zusatzcontroller JMicron JMB363, bei welchem dies widerum möglich ist.
Abseits der Vista-Problematik hat sich das Mainboard unter Windows XP wacker geschlagen. Zwar darf man keine Geschwindigkeitsrekorde erwarten (dazu ist die Kombination der Chipsätze wahrscheinlich zu exotisch), die Performance unseres Samples liegt mit einem X2 aber auf einem absolut akzeptablen Niveau. Wer einen Phenom einsetzt, wird durch den im BIOS implementierten und als nicht abschaltbar gestalteten Erratum 298-Workaround eingebremst. Wer dennoch die volle Leistung seiner CPU nutzen möchte, sollte einen Blick auf das
ASRock TLB Utility werfen.
Extrem überrascht sind wir von der Gutmütigkeit des Mainboards. Wobei Gutmütigkeit vielleicht das falsche Wort ist, schließlich darf man eigentlich erwarten, dass vorhandene BIOS-Einstellungen auch tatsächlich funktionieren. Denn das ALiveDual-eSATA2 hat gezeigt, wie ein gut programmiertes BIOS aussieht. Im Gegensatz zu den bisher getesteten Mainboards mit Phenom-Unterstützung gab es keinerlei Probleme bei Änderung diverser BIOS-Optionen. DDR2-1066 funktionierte auf Anhieb, ohne dass wir eine hochwissenschaftliche Kombination aus Takt, Timings und Spannungen vornehmen mussten (so wie beispielsweise beim
Gigabyte GA-MA790FX-DQ6). Aber auch die Verstellung des Northbridge-Multiplikators, des Referenztaktes, des Prozessormultiplikators sowie der Speichereinstellungen verlief ohne ein einziges Problem und wurde in jedem Fall korrekt übernommen - so macht Mainboard-testen Spaß.
Ebenfalls positiv überrascht sind wir von der Signalqualität des Onboard-Soundcodecs C-Media CM6501. In den Bewertungen der einzelnen Tests erzielt das ASRock ALiveDual-eSATA2 in vier von sechs Teilergebnissen die Höchstnote "Exzellent", in den verbleibenden zwei Ergebnissen die Bewertung "Sehr gut". Ein Ergebnis, was wir in der Form nicht unbedingt erwartet hätten. Es zeigt jedoch einmal mehr die hervorragende Arbeit von ASRock.
Doch nach all dem Lob müssen wir auch noch einen nicht so schönen Aspekt ansprechen. Aufgrund der Auslegung des Mainboards als Single-Power-Plane-Mainboard funktioniert Cool'n'Quiet unter Verwendung eines AMD Phenom nicht so, wie es eigentlich sollte. Das ALiveDual-eSATA2 kann in dieser Konstellation zwar den Prozessortakt verringern, die Kernspannung verbleibt jedoch auf dem Standard-Niveau. Stromsparen im Idle-Betrieb ist somit kaum möglich, da die Taktverringerung allein einen wesentlich geringeren Effekt halt als die Absenkung der Spannung. Cool'n'Quiet mit einem K8-Prozessor funktioniert hingegen wie gewünscht.
Das fanden wir gut :)
- mehrsprachiges Handbuch
- sehr gute Signalqualität des Onboard-Soundcodecs
- BIOS-Einstellungen werden korrekt übernommen (DDR2-1066, Speichertimings, Multiplikatoren usw.)
- sehr gutes Übertaktungsergebnis
Das fanden wir nicht so gut :(
- aufgrund der Chipsatz-Kombination kein voller Nutzungsumfang bei Windows Vista (fehlende Treiber)
- keine Spannungsabsenkung bei Cool'n'Quiet mit AMD Phenom
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