Komponenten Kauf und Konfiguration - Mainboard
Kauf und Bestückung des Mainboards mit Geräten hängen zu nahe beisammen, um das Thema zu trennen. Was der Anwender vor hat mit seinem System bestimmt natürlich maßgeblich den Kaufentscheid. Gottlob gibt es heute keine totalen Blindgänger mehr wie zur Sockel 7 Zeit. Die Hersteller, die ein Sockel A Board anbieten, liefern im allgemeinen durchwegs brauchbare Produkte ab. Dennoch gibt es natürlich Unterschiede.
Als erstes mal sollte man sich im Klaren sein, welche Aufgaben das System im täglichen Einsatz erledigen soll und wie es bestückt werden soll. Wieso zum Beispiel Geld für einen Onboard-Raid Controller ausgeben, wenn man lediglich eine Festplatte und DVD-/Brenner einbauen möchte? Das Geld dafür ist anderswo besser angelegt.
Auch die Auswahl des Chipsatzes ist von nicht minderer Bedeutung. Der Standard-Chipsatz für den Sockel A ist zur Zeit der VIA KT266A. VIA hat einen Fuß in den AMD-Markt bekommen, als sie damals als einzige Firma (neben AMD selbst) einen Chipsatz für den ersten Athlon präsentiert haben. Das hat ihnen eine Marktführerposition auf der AMD-Schiene beschert. Über die Chipsätze aus dem Hause VIA mag man geteilter Meinung sein. Die Bug-Serie mit dem alten KT133A hat tiefe Spuren bei den Anwendern hinterlassen. Der neue KT266A dagegen steht bis auf ein paar in der Praxis eher unbedeutende Schwächen beim Burst-Durchsatz bisher noch mit weißer Weste da. Daher greifen die meisten Anwender auch zu einem Mainboard mit diesem Chipsatz. Er ist schnell, mittlerweile auch ausgereift und die Boards sind relativ preiswert.
Dennoch sollte man sich nicht zu früh festlegen. Klar im Nachteil ist ein Mainboard mit VIA-Chipsatz, wenn der Anwender vor hat, viele PCI-Karten in seinem System zu verwenden. Die VIA-Chipsätze haben nur vier INT-Leitungen. Das heißt, daß sich zwei oder mehrere PCI-Slots einen INT-Eingang teilen müssen. Bei zwei, drei PCI-Karten im Rechner mag das noch kein Problem sein, wenn jedoch irgendwann drei Geräte auf einer Leitung liegen, dann wird's happig. Die Fälle im Forum sind nicht mehr an einer Hand abzuzählen, wo Mainboards mit VIA-Chipsatz bei Vollbestückung die weiße Fahne geschwenkt haben. Verstärkt wird das Szenario noch, wenn ein Mainboard zahlreiche Onboard-Komponenten verbaut hat (Raid, Sound, LAN).
Korrigierte INT-Request Table des A7V266-E. Die im Handbuch abgedruckte Version ist bzgl. AGP-Port/INT B nicht korrekt.
Im Bild sehen wir die INT-Request Table des Asus A7V266-E mit VIA KT266A Chipsatz. Man sieht, daß die shared PCI-Slots mit mindestens zwei anderen auf der selben Leitung liegt. Dabei haben es die Käufer dieses Mainboards noch gut. Asus druckt die Tabelle wenigstens ins Handbuch, viele andere Hersteller dagegen nicht. So bleibt dem Käufer nur ein Trial & Error Spielchen. Zu den von uns getesteten Mainboards haben wir in den jeweiligen Reviews jedoch INT-Request Tables für Euch erstellt, sodaß Euch das zumindest erspart bleibt.
"...es ist nicht egal, welche PCI-Karte man in welchen Slot steckt..."
Wie unschwer zu erkennen ist es bei den aktuellen Mainboards nicht egal, welche PCI-Karte man in welchen Slot steckt. Generell sollte man der Grafikkarte wenn irgend möglich keinen zweiten Gott vor die Nase setzen. Kritische PCI-Karten sollte man stets in einen Slot setzen, der mit keinem anderen shared, oder wenn er schon shared, dann den anderen Slot zumindest nicht bestücken. Kritische Karten sind High-Bandwidth Karten wie Raid-Controller, TV-Karten oder Soundkarten aus dem Hause Creative. Im obigen Fall zum Beispiel würde man so eine Karte in den Slot 4 stecken, da dieser einen INT-Eingang für sich alleine hat.
Doch hier ahnt man schon, daß diese Empfehlung hinkt. Will man zum Beispiel Raid-Controller und Creative-Soundkarte verwenden, womögich noch einen SCSI-Controller für den Brenner dazu, dann kommt man um Sharing nicht mehr herum. Dann muß man notfalls probieren, welche Karte mit welcher anderen auf einer Leitung am besten zurechtkommt. In diesem Fall sollte man dann ein Highbandwidth-Gerät mit einem Lowbandwidth-Gerät wie ISDN-Karte etc. sharen lassen. Wie gut das im Endeffekt funktioniert, hängt hauptsächlich von der Qualität der Treiber der beiden Karten ab. Auf dem Papier sollte im Prinzip jede Karte mit jeder sharen können, in der Praxis jedoch... Naja.
Ein Anwendungsbeispiel für obiges Mainboard könnte so aussehen:
- PCI Slot 1 : nur Netzwerkkarte, ISDN-Karte bzw. Karte die keinen IRQ benötigt (weil Sharing mit Raid-Controller)
- PCI Slot 2 : leer (weil Sharing mit AGP)
- PCI Slot 3 : Onboard-Sound; bzw. bei deaktiviertem Onboard-Sound: Soundkarte, SCSI Controller oder TV-Karte
- PCI Slot 4 : TV-Karte, SCSI Controller oder andere High-Bandwidth-Karte (einziger unshared Slot!).
- PCI Slot 5 : nur Netzwerkkarte, ISDN-Karte bzw. Karte die keinen IRQ benötigt (weil Sharing mit Raid-Controller).
Doch es geht auch anders, denn "AMD-Prozessor" ist ja nicht zwingend gleich "VIA-Chipsatz!" Auf diesem Bild zum Beispiel sieht man die INT-Request Table des ALi MAGiK 1 Mainboards A7A266-E:
Korrigierte INT-Request Table des A7A266-E. Die im Handbuch abgedruckte Version ist bzgl. AGP-Port/INT B nicht korrekt.
Es fallen sofort die sechs INT-Eingänge (statt vier) auf. Ferner findet der Anwender gleich drei PCI-Slots vor, die mit keinem anderen Gerät sharen. Wer viele PCI-Karten in seinem System braucht, dem sei dieser Chipsatz nur wärmstens empfohlen.
Doch leider haben nicht alle ALi MAGiK 1 Mainboards sechs INT-Leitungen. Der Chipsatz selbst würde gar acht unterstützen wie Au-Ja.org unlängst herausgefunden hat, aber einige Hersteller nutzen doch tätsächlich nur vier und verschenken damit das größte Plus des MAGiK 1. Also Vorsicht beim Kauf des Magiers!
Ein weiterer interessanter Chipsatz ist der neue nVidia nForce. Zum einen bietet er einen 128 Bit Memory-Controller, kann damit bei Verwendung zweier RAM-Module theoretisch also die doppelte Speicherbandbreite zur Verfügung stellen. Ferner bietet er in den 420er Versionen eine Onboard-Grafikkarte, die in etwa die Leistung einer GeForce 2 MX bringt und damit für schnelle Office-Rechner geradezu prädestiniert ist. In der Version 420D tragen die Boards sogar einen Dynamic Dolby Digital Audio Controller mit sich herum. Wer den Onboard-VGA dagegen nicht braucht, kann auch ein 415er Board wählen. Ferner hat der nVidia-Chipsatz wenigstens fünf INT-Leitungen statt nur vier und gibt dem Anwender damit mehr Spielraum für seine PCI-Karten.
Keinesfalls vergessen im Reigen der Sockel A Chipsätze dürfen wir natürlich die Vertreter aus dem Hause SiS. Obwohl die Taiwanesen beteuern, sich in Zukunft vor allem dem gewinnträchtigen Pentium 4 Sektor widmen zu wollen, erfreut sich insbesondere der SiS 745 steigender Beliebtheit bei Herstellern und Kunden. Die Pluspunkte auf dem Papier sind bemerkswert: Hohe Integrationsdichte, günstiger Preis, gute Performance und satte 8 INT-Leitungen. In der Praxis jedoch nutzt leider kein Hersteller alle acht INT-Eingänge. Einige verlegen gar wie auf den VIA-Platinen nur vier Leitungen - aus Kostengründen. Daher gilt hier das selbe Motto, wie beim ALi: vor dem Board-Kauf unbedingt informieren, wieviele Eingänge der Hersteller nutzt! Doch auch so hat der SiS 745 einige Argumente auf seiner Seite. PCI-Probleme gleich welcher Art sind bisher nicht bekannt und die Boards gelten in der Regel als zuverlässige Arbeitstiere, auch wenn sie in Sachen Performance nicht ganz an die Konkurrenten von VIA oder nVidia heranreichen.
Neben dem Chipsatz gibt es noch weitere Kriterien, die man beachten sollte. Ein gutes Board sollte die Möglichkeit bieten, die Spannung für den Speicher zu manipulieren. Hat man wirklich mal ein weniger gutes oder nicht zum Chipsatz passendes Modul erwischt, kann man das RAM mit ein paar Zehntel Volt Überspannung meist doch noch stabilisieren. Ferner sollte das Board gut designed sein. Damit sind nicht metallic blaue Fuchsschwanzhalter auf der Platine gemeint, sondern die Positionierung bestimmter Bauteile. Zum Beispiel hat das Board genügend Platz um den CPU-Sockel für einen großen Kühler? Liegen die Anschlüsse für IDE günstig, so daß die Länge des Kabels auch noch zu den 5,25" Geräten reicht? Sind genügend Anschlüsse für Lüfter vorhanden? Liegt der ATX-Connector günstig? Alles Fragen, auf die man in guten Reviews der Kollegen (und hoffentlich auch bei uns) Antworten findet.
Welches Board für den Anwender nun das beste ist, muß er sich anhand seines Anforderungs-Profils selbst herauspicken. Wir können nur raten, zuvor fleißig Reviews zu studieren. Unsere Artikel zum Beispiel findet Ihr im Archiv. Ferner möchten wir Euch ans Herz legen, Webseiten zu besuchen, die in ihren Reviews nicht ausschließlich Benchmark-Marathons fahren. Schnell sind mittlerweile die meisten Boards, wie stabil sie sind, wie sie mit bestimmter Hardware zurechtkommen usw. steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt. Bei Planet 3DNow! findet Ihr in den Reviews stets auf Seite 10 unsere ausführlichen Stability- und Compatibility-Tests.
Ein paar aktuelle Mainboards möchten wir jedoch noch herauspicken, die unsere Test-Tortouren mit Bravour gemeistert haben und wir guten Gewissens empfehlen können (alphabetisch):
* Abit KG7-Raid [AMD 761+VIA 686B] (Vorsicht bei ECP/EPP-Geräten! Siehe Review)
* Asus A7A266-E [ALi MAGiK 1] (siehe PCI-Kompatibilität)
* Asus A7N266 [nVidia nForce 420] (siehe PCI-Kompatibilität)
* Asus A7V266-E [VIA KT266A]
* Asus A7V266-EX [VIA KT266A]
* EPoX EP-8K3A+ [VIA KT333]
* EPoX EP-8KHA+ [VIA KT266A]
* MSI K7T266 Pro2 RU [VIA KT266A]
* Shuttle AK31 [VIA KT266A]
* Shuttle AK35GTR [VIA KT266A]
* Soyo SY-K7V Dragon Plus [VIA KT266A]
Diese Liste wird auch künftig regelmäßig gepflegt werden, da die Halbwertzeiten solcher Empfehlungen gewöhnlichen im Bereich von Anti-Materie und Tachionen liegen...
Last but noch least sollte man natürlich auch nicht vergessen, wie emsig der Hersteller seine Produkte pflegt. Wer nach ein paar Monaten eine größere Festplatte nachrüsten will, sie aber nicht nutzen kann, weil der Board-Hersteller nur alle Schaltjahre mal ein BIOS-Update für seine Produkte präsentiert, sitzt erstmal im Regen.
Kriterien
- Den Chipsatz nach den Anforderungen an PCI-Karten wählen
- Board sollte VDIMM-Manipulation erlauben
- Guter Hersteller-Support (BIOS-Updates)
- Ausführliches Handbuch mit INT-Request Table
- Unbedingt Reviews mit Stability-Tests lesen
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