Ergebnis 1 bis 1 von 1
  1. Beitrag #1
    Themenstarter
    Technische Administration
    Dinosaurier

    Avatar von mj
    • Mein System
      Notebook
      Modell: 2,4kg schwer
      Prozessor: eckig... glaub ich
      Mainboard: quadratisch, praktisch, gut
      Kühlung: kühler?
      Arbeitsspeicher: ja
      Grafikkarte: auch
      Display: viel bunt
      Festplatte(n): ist drin
      Optische Laufwerke: ist auch drin (irgendwo)
      Soundkarte: tut manchmal tuuut
      Gehäuse: mit aufkleber!
      Netzteil: so mit kabel und so... voll toll
      Betriebssystem(e): das eine da das wo dingenskirchen halt, nech?
      Browser: so ein teil da... so grün und so
      Sonstiges: nunu!

    Registriert seit
    17.10.2000
    Ort
    zeltplatz?
    Beiträge
    14.955
    Danke
    0
    Gedankt 193 Mal für 40 Themen
    Blog-Einträge
    5

    Die Causa RS780

    780G


    Kauft man einen neuen Computer, dann erwartet man auch, dass er mit allen Betriebssystemen, für die der Hersteller gleichermaßen Treiber anbietet, auch gleichermaßen zu betreiben ist. Egal ob dies nun XP, Vista, oder gar Linux ist. Kein Kunde würde den Zwangsumstieg auf ein neues System akzeptieren, nur weil der Betrieb unter einem anderen System zwar zugesichert wurde, jedoch defakto aufgrund eines Fehlers unmöglich ist. Und wenn der Kunde dann auch keinerlei Garantieansprüche zugestanden bekommt, weil der Hersteller das Problem nicht kennt, nicht nachstellen kann, die Inkompatibilität partout nicht akzeptieren will oder es hochnäsig als Einzelfall abtut, dann kann man nur auf Kulanzregelung des Händlers hoffen. Was tun jedoch, wenn nachweislich jeder Käufer des gleichen Computers von dem Problem betroffen ist und es sich somit sehr offensichtlich um einen Konstruktions- oder Designfehler und nicht eine Ausnahmeerscheinung handelt?

    So müssen sich Käufer von AMD 780G und 790GX-Plattform fühlen, denn hier tritt tatsächlich ein äußerst interessantes Problem zu Tage, welches AMD/ATI bis heute hartnäckig abstreitet und/oder (wissentlich) ignoriert. Offizielle Stellungnahme: Fehlanzeige. Inoffizielle Informationen: Fehlanzeige. Will man das Problem womöglich lieber nicht wahr haben und spielt auf Zeit? Der Vorteil für AMD: den meisten Anwendern ist dieses Problem entweder nicht bewusst, oder sie akzeptieren es als Eigenschaft des Systems.

    [break=Symptome]
    Das bisher noch namenlose Problem äußert sich wie folgt: installiert man auf einem AMD 780G oder 790GX-Mainboard Windows XP oder XP-64 und nutzt die chipsatzinterne Grafik, dann ist die Grafikleistung in 2D inakzeptabel langsam, fast so, als wäre sie vollkommen unbeschleunigt und ähnlich dem Verhalten von Windows frisch nach der Installation, wenn gar kein Grafikkartentreiber installiert ist. Dies äußerst sich besonders auf Webseiten mit vielen Flash-Inhalten, aber auch schon beim einfachen Scrollen auf textlastigen Webseiten (beispielsweise der Hauptseite von Planet 3DNow!), langen Word-Dokumenten oder dem simplen Verschieben von Fenstern. Aufgaben also, die selbst der fast schon antike nForce 220 Chipsatz mit integrierter Geforce 2 IGP völlig ohne Murren und Ruckeln erledigt. Aber da Bilder bekanntlich mehr sagen als Worte, haben wir ein kurzes Video gedreht, welches das Problem dokumentiert. Das Video ist auch in höherer Qualität verfügbar, diese muss allerdings manuell beim Abspielen über den Button unten rechts im Video aktiviert werden.



    Installiert man auf dem gleichen System hingegen Windows Vista, dann tritt der Fehler - wie auf dem Video gut zu sehen ist - nicht auf und das System läuft flüssig. Webseiten scrollen butterweich und weder Flash-Inhalte, noch das Verschieben von Fenstern bringen die Darstellung aus dem Konzept. Auch unter Windows 7 tritt das Problem nicht auf, lediglich Windows XP und Windows XP-64 sind davon betroffen.

    [break=Sorgenkind XP]
    Jetzt kann AMD natürlich damit argumentieren, dass Windows XP ohnehin nicht mehr aktuell ist und die Käufer von 780G- und 790GX-Plattformen stattdessen weitestgehend auf Vista setzen würden. Leider hat diese an sich logische Argumentationskette ein Problem: sie ist falsch.

    Um dies zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Der Haupteinsatz von integrierten Grafiklösungen ist mitnichten im Privatanwenderbereich, denn hier spaltet sich das Lager in zwei unterschiedliche Klientel: diejenigen, die mehr 3D-Leistung benötigen als eine integrierte Grafik zu leisten vermag und daher auf dedizierte Karten setzen und diejenigen, die aus Unwissenheit, Unerfahrenheit, oder der Einfachheit halber Komplettsysteme mit dedizierter Grafik kaufen, obwohl eine integrierte ihren Ansprüchen mehr als genügt hätte. Nicht selten handelt es sich bei den Karten um Wölfe im Schafspelz, die lediglich aus Prestigegründen einen prominenten Platz im Prospekt des Händlers einnehmen. Letzten Endes setzen jedoch Anwender im Privatbereich eher selten auf integrierte Grafik, die einen aus Leistungshunger, die anderen aus Unwissenheit.

    Anders im Segment der Büro-PCs, in dem AMD traditionell ohnehin nichts zu melden hat. Hier spielen ganz andere Aspekte eine viel wichtigere Rolle, Leistung ist hier eher nebensächlich, insbesondere 3D-Leistung. Allen voran stehen drei Anforderungen: Ein Büro-PC muss möglichst energieeffizient arbeiten. Ein Büro-PC muss möglichst zuverlässig arbeiten. Ein Büro-PC muss möglichst günstig in Anschaffung und Wartung/Betrieb sein. Leistung spielt hingegen nur in Randbereichen überhaupt eine Rolle, unter anderem im professionellen CAD-Bereich oder in der Videobearbeitung. Einen Text, eine Tabelle oder eine E-Mail hat man jedoch nicht dadurch schneller verfasst, dass eine überdimensionierte 3D-Grafikkarte für die Bildausgabe von Word, Excel oder Outlook sorgt. Der ideale Einsatzbereich also für ausreichend leistungsstarke integrierte Grafik.

    Soweit, so gut. Auch AMD könnte hier theoretisch gut aufgestellt punkten und mit integrierten IGPs und stromsparenden Prozessoren der 45W TDP-Klasse an Intels Quasi-Dominanz nagen. Nur hat die Sache an dieser Stelle leider einen Haken, denn anders als im privaten Bereich hat sich Vista im Büroalltag trotz Microsofts Schönrechnerei (jedes XP-Downgrade geht mit einer Vista-Business-Lizenz in die Verkaufszahlen ein) nicht durchsetzen können. Hier ist weiterhin Windows XP das Maß aller Dinge und eine hohe Hürde auch für Windows 7. Und dass ausgerechnet hier, wo Chipsätze wie der 780G quasi zu Hause sind, die Darstellung bitweise im Schneckentempo über den Monitor flimmert, kann nur als äußerst unglücklich bezeichnet werden. AMDs ohnehin schon extrem schlechten Ruf im Business-Sektor dürfte das Auftreten des Fehlers also eher schlecht bekömmlich sein. Viel schlimmer wiegt jedoch das nicht vorhandene Krisenmanagement, denn das Problem ist seit mindestens Juli 2008 bekannt.

    Wer sich da noch wundert, dass es kaum Business-PCs mit AMD inside zu kaufen gibt, der kennt nun zumindest einen der Gründe. Knebelverträge sind eine Sache, fehlerhafte Produkte und ein Totschweigen des Problems eine ganz andere.

    [break=Das Problem im Detail]
    Um noch mal eine Aussage aus der Einleitung aufzugreifen, die weiterer Erläuterung bedarf:
      Das Problem an der Sache: den meisten Anwendern ist dieses Problem entweder nicht bewusst, oder sie akzeptieren es als Eigenschaft des Systems.

    Natürlich wurde das Problem schon frühzeitig erkannt und auch lebhaft bei uns im Forum diskutiert – seit August 2008 genauer gesagt. Während sich einige Diskussionteilnehmer partout weigerten, den Fehler überhaupt als solchen anzuerkennen und pauschal allen betroffenen Anwendern Unwissenheit, Unfähigkeit und Dummheit unterstellten, ließen andere eine sehr interessante Beobachtung zu: so mancher von dem Problem betroffene war sich dessen gar nicht bewusst, bis man Ihm das Problem demonstrierte. Viele erachteten ihr System als fehlerfrei, bis Sie einen entsprechenden Benchmark durchführten oder eine Webseite mit vielen Flash-Inhalten besuchten. Berühmt-berüchtigt war in diesem Zusammenhang das Wownachten-Spiel von eBay Deutschland, welches selbst einen 3 GHz Quad auf einem 780G/790GX-Board in die Knie zwang, auf jedem anderen System mit halbwegs schnellem Singlecore-Prozessor oder auf dem gleichen System, jedoch unter Windows Vista, flüssig spielbar blieb.

    Dass Anwender sich dieses Problems nicht bewusst waren, kann unseren Recherchen zufolge auf drei Ursachen zurückgeführt werden. Zum ersten wäre da eine niedrige Auflösung, denn unterhalb von 1.280x1.024 konnten wir subjektiv kaum eine Verlangsamung feststellen – scrollen lief flüssig, Flash-Videos ließen sich in Vollbild subjektiv flüssig abspielen. Nur Sorgenkinder wie Photoshop oder Lightroom waren ob der fehlenden Beschleunigung weiterhin unbrauchbar und auch die entsprechenden Benchmarks zeigten sich unbeeindruckt von der eingestellten Auflösung - wirklich verschwunden war das Problem also nicht, lediglich subjektiv nicht mehr spürbar. Zum zweiten können Besitzer mehrerer Monitore aufatmen, denn im Multimonitorbetrieb scheint der Fehler nur stark abgemindert aufzutreten, hier war selbst ein Arbeiten mit Photoshop und Lightroom noch möglich. Und zum dritten beeinflusst auch die Schriftkantenglättung die Gesamtleistung spürbar – ist Standard statt Cleartype eingestellt, wird das System spürbar schneller und umgekehrt. Zum Grund hierfür siehe „Exkurs Fensterdarstellung“.

    Die Ursachen für das Auftreten des Fehlers können vielseitig sein – fehlerhafte IGP, fehlerhafter Treiber, fehlerhafte IGP-Firmware, fehlerhaftes BIOS, fehlerhafte Implementierung des Mainboardherstellers, etc. Um also möglichst allgemeingültige Aussagen zu machen, haben wir sieben unterschiedliche 780G und 790GX-Boards auftreiben und testen können:
    • Asus M3A-H/HDMI
    • Gigabyte GA-MA78GM-S2H
    • Gigabyte GA-MA78G-DS3H
    • MSI K9A2GM-FD
    • Biostar TA790GX A2+
    • Elitegroup A780GM-A
    • Acer Komplettsystem 780G-Board

    Zusätzlich verfügen wir über einen reichen Fundus an Erfahrung unserer Leser, die mit folgenden Mainboards aufwarten konnten:
    • Asus M3A78-EM
    • Asus M3A78-T
    • Asus M3A78-EMH HDMI
    • Gigabyte GA-MA790GP-DS4H
    • Asrock AOD790GX/128M
    • Asrock 780 Full-HD
    • Jetway PA78M4-H

    Das ernüchternde Ergebnis: bei 14 getesteten Mainboards, sieben von uns und sieben von unseren Lesern, lag die Fehlerquote bei 100%. In allen bisherigen Fällen, in denen die Besitzer von subjektiv flüssiger Darstellung berichteten und sich des Problems nicht bewusst waren, war eine Rückführung auf einen oder oben genannten Faktoren möglich: Auflösung, Multimonitor-Setup oder Schriftkantenglättung. Älteren Chipsätzen, wie dem 690G und seinem umbenannten eineiigen Zwilling 740G sind solche Sperenzchen hingegen völlig unbekannt.

    Warum niemand etwas merkte
    Interessierte Leser stellen sich zurecht die Frage, warum ein solcher Fehler bisher noch in keinem Review auftauchte und so lange fast unbemerkt blieb. Schließlich hatten auch wir 780G und 790GX-Platinen im Test, konnten jedoch nichts feststellen. Fünf Gründe hierfür konnten wir ausmachen:
    • Testalltag und Testmethodik
      Der Fehler zieht im Testalltag fast unsichtbar an den Reviewern vorüber, denn heutzutage wird nurmehr die 3D-Leistung einer integrierten Grafik gemessen und bewertet. Dies ist wiederum der Tatsache geschuldet, dass die 2D-Leistung seit Einführung der ersten AGP-Karten anno dazumal niemals Grund zur Sorge war und dadurch in den Hintergrund rückte. Und da sich weder 780G noch 790GX in punkto 3D-Leistung einen solchen Fauxpas erlaubten, blieb die schlechte 2D-Leistung tatsächlich unerkannt. Auch verwenden Redakteure ihre Testobjekte nicht in den aktuellen Arbeits-PCs und testen Sie quasi im Live-Betrieb, sondern haben einen Arbeits-PC und nebenan die zu testende Plattform, so natürlich auch unser hausinterner Chef-Mainboard-Tester MusicIsMyLife.
    • Getestet wird unter Vista
      Ein zweiter Grund kann auf das Testsystem zurückgeführt werden, denn die meisten Mainboards werden heutzutage fast exklusiv unter Windows Vista getestet und nicht mehr unter Windows XP. Dieser etwas über zwei Jahre nach der Einführung von Vista logische Schritt erfolgt keineswegs aus Gründen der Loyalität zu Microsoft, sondern bleibt der Realitätsnähe der Reviews geschuldet. Defakto setzen die meisten Anwender zu Hause bereits Vista ein und heutige Speichermenge schreien geradezu nach dem Einsatz eines 64-bit Betriebssystems - ein Schritt, den fast alle Anwender gleich mit dem Umstieg von XP oder gar noch 2000 auf Vista kombinieren.
    • Schriftkantenglättung
      Standardmäßig ist die Schriftkantenglättung unter Windows XP zwar aktiviert, nicht jedoch Cleartype (siehe Bild). Dies muss zunächst händisch eingestellt werden (siehe Bild), was bei Test-PCs in Anbetracht des Testverlaufs gar keine Rolle spielt. In Fällen also, in denen die Reviewer hätten theoretisch etwas merken können, lief die Darstellung aufgrund deaktivierter Cleartype Schriftkantenglättung subjektiv verhältnismäßig flüssig ab, so dass kein Problem erkennbar war.
    780G

    Letzten Endes bleibt es also der Testmethodik und der Zuverlässigkeit bisheriger 2D-Beschleuniger zu verdanken, dass der Fehler nicht schon im Juli oder August zu einem Aufschrei der Empörung führte.

    [break=Spekulationen zur Ursache]
    Leider konnten wir AMD nicht zu einer Stellungnahme bewegen und auch in Kommunikation mit Entwicklern und Ingenieuren stießen wir immer wieder auf die Wand der Unwissenheit (oder des Schweigens) und mussten jedem neuen Gesprächspartner das Problem von der Pike auf erneut erläutern.

    Da der Fehler ausschließlich unter Windows XP auftritt – und das wie eben dargelegt mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit entgegen bisheriger Vermutungen tatsächlich auf jedem 780G und 790GX-Mainboard – ist die wahrscheinlichste Fehlerursache der Treiber. Zwar hieß es zunächst, dass ein neues VGA-BIOS das Problem beseitigen würde und es fanden sich tatsächlich vereinzelte Anwender, die von einer subjektiven Verbesserung berichteten. Nachvollziehen oder gar nachstellen konnten wir dies jedoch nicht, denn die miserable Leistung zeigte sich äußerst resistent gegenüber etwaigen Modifikationen am VGA-BIOS.

    Dann plötzlich, Anfang Dezember und über sechs Monate nach den ersten Berichten über einen möglichen Bug, tauchte AMDs Catalyst 8.12 auf und die Lage änderte sich quasi über Nacht. Kurioserweise waren wir nur wenige Tage zuvor im Gespräch mit den Entwicklern eben jener Treiber auf die bereits bekannte Wand aus Unwissenheit gestoßen und selbst eine Woche nach Veröffentlichung des anscheinend fehlerbereinigten Treibers wollte man bei AMD von dem Problem immer noch nichts wissen.

    Trotzdem wiesen auf einen Schlag durch die Bank durch alle 780G/790GX-Platinen unter Windows XP deutlich höhere Werte in den 2D-Benchmarks auf und auch subjektiv schien die Leistung massiv zugenommen zu haben. Zwar erreichte sie weder in den Benchmarks noch subjektiv auch nur annähernd die Leistung einer dedizierten Grafikkarte oder einer integrierten Grafikkarte von Intel oder Nvidia, erste Abhilfe war jedoch geschaffen. Nach dieser Erkenntnis konzentrierte sich unsere Fehlersuche jedoch auf den Treiber, denn wenn hier derartige Verbesserungen möglich sind, dann muss der Fehlerteufel ja folglich auch hier begraben sein. Leider können wir bis heute nur über die tatsächliche Ursache spekulieren und keine gesicherten Fakten präsentieren.

    Fensterdarstellung
    Mit Windows Vista hielt ja bekanntermaßen mit dem WDDM 1.0 (Windows Display Driver Model) ein neues Treibermodell für Grafikkartentreiber Einzug, wodurch XP-Treiber nicht Vista-kompatibel sind. Grund für die Notwendigkeit war das geänderte Verfahren zur Berechnung aller auf dem Bildschirm dargestellten Objekte unter Vista. Während diese unter XP mittels GDI+ und DirectDraw als reines 2D-Bild berechnet und gerendert werden, setzt Vista mit dem Desktop Window Manager DWM auf den 3D-beschleunigten Aero-Desktop und nutzt die 2D-Beschleunigung des Grafikchips überhaupt nicht mehr. Als Folge dessen beinhaltet das WDDM 1.0 für GDI+ und DirectDraw auch keine 2D-Beschleunigung mehr, erst mit dem für Windows 7 vorgesehenen WDDM 1.1 kommt diese für die wichtigsten Operationen in Form von Direct2D zurück.

    Genau an dieser Stelle vermuten wir das Problem, denn die GUI von Windows XP setzt im Gegensatz zu Vista wie schon erwähnt sehr exzessiv auf die 2D-Beschleunigung der Treiber, was gut zu erkennen ist, wenn man mal keinen oder nur den VGA-Treiber installiert hat – die Darstellung ist träge, die CPU-Last bei Veränderungen auf dem Bildschirm enorm hoch. Dank des DWM benötigt Vista eben jene 2D-Beschleunigung nicht mehr und fordert stattdessen die 3D-Fähigkeiten des Grafikchips, was zum einen die gute Leistung der 780G/790GX-Platinen unter Vista erklärt und zum anderen die schlechte Leistung bei hoher Auflösung langsamer Karten vom Schlage einer FX5200/6200. Mit anderen Worten: eine schlechte Leistung im für GDI+ sehr wichtigen BitBlt und ReverseBlt schlägt sich unter Vista nicht in der Leistung nieder, unter XP hingegen durchaus. Das gleiche gilt für die Schriftkantenglättung Cleartype, die unter XP noch mittels DirectDraw beschleunigt wird, unter Vista hingegen direkt über den DWM läuft. Im Umkehrschluss deutet all dies auf eine fehlerhaft implementierte GDI+/DirectDraw-Beschleunigung in den XP-Treibern hin. Deaktiviert man die 2D-Beschleunigung des Treibers über die in Windows integrierten Regler zur Steuerung der Hardwarebeschleunigung, wird das System plötzlich um ein Vielfaches schneller.

    780G


    Dass AMDs Catalyst 8.12 hier Abhilfe schaffen konnte, heißen wir natürlich gut, jedoch ist auch Kritik von Nöten. Denn die Leistung hinkt wie bereits erwähnt der von Chipsätzen aus dem eigenen Haus, wie dem dem 690G/740G, noch immer nachweislich und spürbar hinterher, von der Konkurrenz oder dedizierten Grafikkarten ganz zu schweigen. In Zeiten, in denen flüssige 2D-Darstellung alltäglich sein sollte, fallen 780G und 790GX selbst mit dem neuen Treiber noch durch sämtliche Raster und disqualifizieren sich für den Einsatz unter Windows XP.

    [break=Benchmarks]
    Um unsere Vermutungen (alle 780G/790GX-Boards sind betroffen) und Spekulationen (weil AMD/ATI bei der Implementierung der 2D-Beschleunigung für GDI+ und DirectDraw geschlampt/versagt hat) mit Zahlen zu unterlegen, haben wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mainboards Benchmarks unter Windows XP und Vista durchgeführt. Zusätzlich und zum Vergleich kamen ein AMD 780G-Board mit dedizierter Radeon HD3850 Grafikkarte, ein Geforce 8200 Mainboard und ein Dell-Laptop mit Intels 965-Chipsatz und integrierter GMA X3100 zum Einsatz. Als Benchmarks setzten wir zum einen auf BltTest, der die Leistung der für GDI+ (und somit die gesamte Darstellung unter XP) immens wichtigen Operationen BitBlt und ReverseBlt misst, zum anderen auf den Passmark PerformanceTest 2D-Bench (Text), der die Hardwarebeschleunigung für DirectDraw-Komponenten unter XP ermittelt. Detaillierte Erläuterungen hierzu befinden sich auf den folgenden Seiten.

    [break=Benchmarks: BltTest]
    Der nur 23KB kleine Benchmark BltTest ermittelt zwei Werte, die über das Ausmaß der 2D-Beschleunigung unter Windows XP Aussagen erlauben. Der Wert für BitBlt bezeichnet dabei die Geschwindigkeit, mit der einzelne Punkte (Bitmaps) vom System- und den Videospeicher kopiert werden, aber auch grafikkartenintern von Pufferspeicher zu Pufferspeicher. ReverseBlt steht für den umgekehrten Weg, also vom Video- zurück in den Hauptspeicher.
    Bei BitBlt handelt es sich um eine der elementarsten Operationen einer Grafikkarte und, wie der Autor des Benchmarks selber sagt, um eine auf die man als Anwender im schlimmsten Fall immer warten muss. Sind die Werte niedrig, leidet darunter die gesamte Systemperformance. BitBlt und ReverseBlt Operationen sind die Quintessenz von GDI und GDI+, denn beide greifen exzessiv darauf zurück.

    Volle Hardwarebeschleunigung, Catalyst 8.11:
    780G-Benches

    780G-Benches


    Deaktivierte Hardwarebeschleunigung, Catalyst 8.11:
    780G-Benches

    780G-Benches


    Sofort erkennbar: alle Werte ziehen bei Umgehen der 2D-Beschleunigung des Grafikkartentreibers (Einstellung: keine Hardwarebeschleunigung) stark an. Dennoch ist wirklich flüssiges Arbeiten nicht möglich, da das System mit deaktivierter Hardwarebeschleunigung trotz allem subjektiv träger scheint, als es den Werten zufolge eigentlich sein müsste.

    Installiert man den aktuellen Catalyst 8.12 ändert sich das Bild. Für das Elitegroup A780GM-A stehen uns leider keine Messergebnisse mit Catalyst 8.12 zur Verfügung.
    780G-Benches

    780G-Benches


    Zwar reichen insbesondere die Ergebnisse der BitBlt-Operation nicht an die Geschwindigkeit der Konkurrenz heran, nichtsdestotrotz handelt es sich um einen beachtlichen Fortschritt.

    Zum Vergleich hier der gleiche Benchmark auf exakt den gleichen Systemen (auch hier mit dem Catalyst 8.11) unter Windows Vista. Für die beiden Mainboards von Elitegroup stehen uns leider keine Ergebnisse zur Verfügung. Diese Ergebnisse sind für Vista jedoch weniger relevant als für XP, da ersteres zur Darstellung von Objekten wie bereits erwähnt nicht mehr auf GDI+ und somit BitBlt/ReverseBlt zurückgreift, sondern mittels DWM auf die 3D-Fähigkeiten eines modernen Grafikchips.
    780G-Benches

    780G-Benches


    Hier kann sich - wie abzusehen war - lediglich die dedizierte Grafikkarte von der integrierten Konkurrenz absetzen, zwischen den IGPs selber herrscht jedoch weitestgehend Gleichstand. Die Intel-Grafik liegt messbar, jedoch in der Praxis nicht spürbar, zurück. Erwartungsgemäß spiegelt das Ergebnis, wenn auch nur in Bezug auf Platzierung, die relative 3D-Leistung der jeweiligen Chips wieder.

    [break=Benchmarks: Passmark]
    Der Passmark PerformanceTest steht kostenfrei als Testversion zur Verfügung und bietet unter anderem die Möglichkeit, die 2D-Performance eines Systems detailliert und ausgiebig zu testen. Nachdem wir mittels dem BltTest bereits die schlechte Leistung von GDI+ nachweisen konnten, konzentrierten wir uns diesmal auf die zweite beschleunigte 2D-Komponente in Windows XPs GUI: DirectDraw. Dieses ist unter anderem für die Beschleunigung der Schriftkantenglättung Cleartype verantwortlich, einer speziell auf Flachbildschirme optimierten Art des Font-Antialiasing.

    Volle Hardwarebeschleunigung, Catalyst 8.11:
    780G-Benches


    Ohne Hardwarebeschleunigung, Catalyst 8.11:
    780G-Benches


    Auch hier ist genau dasselbe zu beobachten, wie schon bei BitBlt und GDI+. Umgeht man die 2D-Beschleunigung des Grafikkartentreibers, ergibt sich ein ganz anderes Bild und die Werte schrauben sich fast um den Faktor 10x in die Höhe.

    Ein sehr ähnliches Bild ergibt die Deaktivierung der Schriftkantenglättung bei voller Hardwarebeschleunigung, denn jetzt wird die Darstellung nicht mehr mittels DirectDraw beschleunigt. Für die beiden Elitegroup-Mainboards liegen uns keine Ergebnisse vor.
    780G-Benches


    Und wie schon bei BltTest ergibt sich mit dem Catalyst 8.12 hier ein völlig anderes Bild, auch hier liegt für das Elitegroup-Board kein Ergebnis vor:
    780G-Benches


    Zum Vergleich die unter Windows Vista (Catalyst 8.11) ermittelten Werte, abzüglich der beiden Elitegroup-Boards, für die uns keine Werte vorliegen. Auch hier gilt wie beim BltTest: anders als XP setzt Vista zur Beschleunigung der Darstellung von mit Cleartype geglätteter Schrift nicht mehr auf DirectDraw, sondern auf den DWM und somit die 3D-Leistung eines Grafikchips.
    780G-Benches

    Auch hier kann sich lediglich die dedizierte Radeon HD 3850 spürbar vom Feld der integrierten Grafikchips absetzen, am unteren Ende findet sich erwartungsgemäß leicht abgeschlagen Intels X3100.

    [break=Fazit]
    780G


    Dass selbst jetzt noch Anwender kommen werden, die A) das Problem grundsätzlich aus rein ideologischen Gründen leugnen, oder B) es aufgrund der genannten Einschränkungsfaktoren nicht bemerken werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nach mehreren Wochen Recherche und vielen einsamen Teststunden war ich bereits der Verzweiflung nahe, als der Catalyst 8.12 allen geplagten Anwendern endlich erste Erleichterung brachte und die Lage sich ein wenig entspannte. Dennoch können wir nicht uneingeschränkt zum Kauf eines 780G oder 790GX-Mainboards raten, wenn unter Umständen jemals auch Windows XP zum Einsatz kommen soll, denn wer weiß, ob die Situation mit zukünftigen Treibern nicht wieder schlimmer wird. Gleiches gilt übrigens für den AMD 760G, bei dem es sich um ein Derivat der 780G handelt und müsste als solcher ebenfalls davon betroffen sein. Testen konnten wir es mangels 760G-Board logischerweise nicht. Die Tatsache, dass das Problem zwar spürbar abgeschwächt, nicht jedoch beseitigt wurde, deutet darauf hin, dass es sich hier um ein tiefgründigeres Problem handelt, als lediglich eine vergessene Variable oder eine versehentlich deaktivierte Beschleunigung. Über sechs Monate hinweg schien es fast so, als wolle AMD/ATI das Problem einfach aussitzen und die leidgeplagten Anwender im Regen stehen lassen, so, als wolle man sich den Support für Windows XP sparen und hoffen, dass sich enttäuschte Anwender eine dedizierte Grafikkarte - am besten natürlich eine aus dem Hause AMD - kaufen.

    Wo exakt der Hund begraben liegt, können wir jedoch selbst nach wochenlanger Arbeit nicht definitiv sagen. Fakt ist, dass die 2D-Beschleunigung für GDI und DirectDraw unter Windows XP schlichtweg nicht funktioniert, da hilft auch herumrechnen, Auflösung runterschrauben oder schönreden nicht. Dass die meisten Anwender dank Vista nichts davon merken, entledigt AMD noch lange nicht der Pflicht, für die Masse der XP-Anwender möglichst schnell eine Lösung zu finden. Der Catalyst 8.12 ist ein Schritt in die richtige Richtung, die weitestgehende Leugnung der Existenz des Problems ist es definitiv nicht. Denn Vertrauen schafft man so mit Sicherheit nicht.

    ...weitere Artikel
    ...diesen Artikel im Forum diskutieren

  2. Die folgenden Benutzer sagen Danke zu mj für diesen nützlichen Beitrag:

    Crashtest (11.05.2013)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Single Sign On provided by vBSSO