1789 war das Jahr für ein bedeutendes Ereignis, der Französischen Revolution. Revolution ist im Grunde nichts anderes als eine Veränderung oder Wandel, jedoch im ganz großen Stil. Auch die Enermax Revolution85+ Serie hat einiges zu bieten, zwar nicht von historischer Relevanz, wohl aber mit Einfluss auf den Netzteilmarkt. Und während der Geschichtsunterricht viele Schüler doch eher langweilt als begeistert, wird dieses Netzteil sicherlich viele Leser interessieren. Egal, ob man das Produkt tatsächlich für einen Rechner gebrauchen kann, oder nur um zu sehen, was technisch aktuell möglich ist. Mit steigenden Anforderungen bedarf es vieler Neuerungen, um dem anspruchsvollen Käufer gerecht zu werden.

Daher wirbt das Enermax Revolution85+ in der 1050W Version, welche uns aktuell vorliegt, nicht nur mit dem 80Plus Silver Zertifikat, vielen Anschlüssen und geringer Lautstärke, sondern auch mit hochwertigen Komponenten, die den Betrieb bei 50°C dauerhaft möglich machen. Darüber hinaus gibt es aber auch eine kleinere 850W und 950W Version und wird nach oben hin durch die 1250W Variante ergänzt. Nur wenige Teststationen sind fähig, dieses Netzteil stark zu belasten. Wir testen wie gewohnt mit 10% Überlast durch unsere professionellen Gerätschaften, um zu sehen, ob das Revolution85+ seinen Mann steht. Und natürlich beurteilen wir auch, ob der Kostenfaktor gerechtfertigt ist. Anbei bedanken wir uns für die Bereitstellung bei Enermax und wünschen unseren Lesern wie immer viel Spaß beim Studieren des Textes.

[break=Produkteigenschaften]
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Alleine die Verpackung ist schon überdimensional groß und suggeriert, dass sich ein ganz schön starkes Stück Hardware dahinter verbirgt. Doch der Reihe nach. Angeliefert wird das Netzteil in einem 36cm langen Paket, dass komplett schwarz gehalten ist und durch Produktinformationen in Silber, passend zum 80Plus Zertifikat, ergänzt wird. Auf der Frontseite wird auch näher darauf eingegangen, dass man im 230VAC (400V Versorgungsnetz auf 87-91% kommt. Seitlich sind Angaben zu den Anschlüssen und zur Leistungsverteilung.

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Das Netzteil ist mit 19cm Bautiefe nicht überall einsetzbar. Es wurde schwarz verpulvert, was dem ganzen einen sehr stabilen Hauch verleiht und wurde um das matt schwarze Lüftergitter mit einer roten Fläche verziert. Auf den Seiten sind Vertiefungen in Form von Pfeilen, die einem geradezu Performance, Dynamik und fast schon modische Aspekte entgegen rufen.

Zu den Produkteigenschaften zählt neben der bereits genannten Effizienz, die wir natürlich überprüfen, das verliehene SLI Zertifikat und der nette Vermerk, dass man wuchtige acht Grafikkartenstecker erhält. Eine Reihe an Mechanismen, der so genannte HeatGuard (als Nachlaufsteuerung des Lüfters), der PowerGuard (zur Statusanzeige mit LED), der AirGuard (was der patentierte Lufteinlass ist) und der SafeGuard (der Chip mit Sicherungsmechanismen) ergänzt das Ganze. Apropos Sicherungsmechanismen. Natürlich ist es nichts besonderes, einen derartigen Chip als High-End Netzteil zu haben, auch wenn man dem ganzen in der Marketingabteilung einen neuen Namen verpasst hat. Zutreffend ist aber, dass man neben den Standardfunktionen, die im Design Guide empfohlen werden, weitere Schutzmechanismen hinzufügt.

In Folge dessen hat man neben OVP (Überspannungsschutz), SCP (Kurzschlussschutz), OCP (Überstromschutz) auch den OPP (Überlastschutz), den empfohlenen OTP (Überhitzungsschutz), den AC und DC UVP (Schutz vor Unterspannung) integriert und den etwas ungewöhnlichen, aber sinnvollen SIP (Schutz vor unvorhergesehenen Stromstößen) realisiert. Darüber hinaus gewährt Enermax eine Garantie von 3 Jahren, vielleicht etwas kurz angesichts der guten Spezifikationen. Wie viele auch bereits wissen, wird Enermax mit dem DC-DC Converter das Rad nicht neu erfinden, aber eine mittlerweile gängige und meist recht effektive Technologie einsetzen. Abschließend ermöglicht das Zero Load Design den stabilen Betrieb ohne Last. Normalerweise sind die Spannungswerte nämlich sehr hoch, wenn im Gegenzug wenig Amperefluss herrscht. Man sieht dass auch an den Spannungskurven in unseren Messungen, wo diese in der Regel höher startet als sie endet. Das ganze ist physikalisch bedingt und lässt sich auch rechnerisch nachvollziehen.

Revolution85+ LED
Revolution85+ LED
Revolution85+ LED
Revolution85+ LED








Diese praktischen LED geben Aufschluss darüber, in welchem Zustand sich das Netzteil befindet. Wenn es nicht leuchtet, ist die PSU aus, sobald man den Standbybetrieb aufnimmt, erleuchtet es in orange und im normalen Betrieb zeigt sich die grüne Farbe. Sollte etwas nicht stimmen und ein Fehler vorliegen, bestätigt der rote Farbton die aktive Schutzschaltung.

[break=Leistung, Lüfter und Leitungen]

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Und schon sind wir wieder beim Lieferumfang angelangt. Im Paket selbst sind zwei weitere Kartons, eines mit dem Netzteil und ein anderes mit zusätzlichem Zubehör. Enthalten sind wie gängig ein Kaltgerätestecker, die Befestigungsschrauben, ein gut gestaltetes Benutzerhandbuch, sechs Kabelbinder, die modularen Anschlüsse inklusive einer Leitungstasche und natürlich die PSU selbst. Insgesamt bietet man dem Kunden also klassische Beilagen, allerdings en masse.

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Als Lüfter kommt ein "Silence B1352512LB-3M" zum Einsatz mit 0,28A.


Leistungsverteilung:


Anschlüsse:
Revolution85+ Anschlüsse


Neben den Mainboardanschlüssen werden auch zwei der PEG Stecker fest angeschlossen. Bei diesem Leistungsgrad geht man schließlich davon aus, dass mindestens zwei Verwendung finden. Der Rest ist optional anschließbar. An der Anschlussanzahl gibt es wahrlich nicht das Geringste zu kritisieren. Acht Grafikkartenanschlüsse sind ebenso üppig wie 16 SATA Stecker. Wer hat Lust, mal eben 16 Festplatten zu betreiben, als wäre es selbstverständlich? Nicht viele Netzteile bieten solch umfangreiche Anschlussmöglichkeiten. Einzig die Länge ist mitunter etwas wenig bei den Peripherieleitungen, sollte insgesamt aber keine Probleme in etwas größeren Gehäusen machen. Weiterhin integrierte man einen Anschluss zum Auslesen der Lüfterdrehzahl. An eine Kabelmuffe hat man gedacht.

[break= Grundlagen Elektronik]

Elektrolytkondensator


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Der klassische Elektrolytkondensator (kurz Elko) dient in der Leistungselektronik als Energiespeicher. Weiterhin werden sie sekundär als sogenannte Glättungskondensatoren eingesetzt, um Restwelligkeitsanteile zu kompensieren. Ein Qualitätsmerkmal ist also, wie sauber die ausgegebene Gleichspannung geglättet ist. Ein weiteres Kriterium ist die Lebensdauer des Bauteils, der in Stunden angegeben und einer bestimmten Temperaturgröße und Lastbedingungen zugeordnet ist. Typische Angaben sind hierbei 85°C bzw. 105°C, wobei ein Temperaturanstieg von 10°C im Netzteil die halbierte Lebensdauer zur Folge hat, weshalb 105°C Varianten bei gleicher Stundenangabe theoretisch doppelt so lange leben. Aus dem Grund werden wir in unseren Tests auf dieses Detail achten. Außerdem bieten Kondensatoren hohe Kapazitäten, angegeben in MicroFarad und sind daher für ihr Anwendungsgebiet mit höheren Lastströmen optimiert. Vor allem die Pendanten aus Japan gelten als besonders hochwertig, da sie ganz andere Qualitätsstandards befolgen als in China oder Taiwan, wo eher auf Kosten geachtet wird. Konkret äußert sich das durch die Verwendung guten Elektrolyts und der besseren Versiegelung. Denn durch ein Leck könnte flüssiges Elektrolyt auslaufen, weshalb dies ein sehr wichtiger Faktor ist.


EMI Filtereinheit


Auftretende Störungen müssen durch eine eingangsseitig platzierte und aufwändige Schaltung kompensiert werden.


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Der X-Kondensator ist ein wesentliches Element der EMI-Filterung, da er Gegentaktstörungen kurzschließt. Er ist rechteckig und meist gelb oder grün und befindet sich vor der Gleichrichterbrücke, bzw. mit leicht abgerundeten Kanten in rot oder blau nach der selbiger. Währenddessen kann der Y-Kondensator Gleichtaktstörungen unterdrücken. Dieser ist meist blau mit einer flachen, rundlichen Form.


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MOV (Metal Oxide Varistor) dienen zur Spannungsbegrenzung und stellen damit eine wichtige Schutzinstanz dar. Optisch ähneln sie ein wenig den Y-Kondensatoren, sind aber oftmals orange. Sehr häufig wird daran gespart, weshalb wir auch hier darauf achten, ob das Bauteil im PC-Netzteil realisiert wird.


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Die längliche Schmelzsicherung schützt die Komponenten vor Überströmen. Der dünne Draht ist eine Sollbruchstelle und schmilzt bei zu hoher Belastung. Das Bauelement darf nicht überbrückt werden.


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Die Spulen, als eingesetzte Vertreter für Induktivitäten, stellen Filter etwa für Oberwellen dar, die nicht komplett unterdrückt werden können. Darüber hinaus können diese aber auch als Speicher fungieren. Sie bestehen aus mehreren Drahtwindungen um einen Ferritkern und können zum bekannten Netzteilpeifen führen, wenn sie nicht gut genug angebracht werden. Denn falls die Drähte keinen Halt mehr haben, vibrieren sie in der Luft, was zu hochfrequenten Geräuschen führt. Entgegenwirken kann man dem Phänomen mit Klebstoffen, Epoxidharz oder auch Schrumpfschläuchen.


Transformatoren und Optokoppler


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Der Transformator arbeitet mit einer hochfrequenten Rechteckspannung und überträgt Spannungen auf ein anderes Niveau.


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Optokoppler haben einen ähnlichen Effekt wie Transformatoren, indem sie zwei unabhängige Stromkreise galvanisch trennen.


Transistoren und Dioden


Die Transistoren (speziell Leistungs-MOSFET) sind Halbleiter, die in Schaltnetzteilen als Wechselrichter und Gleichrichter fungieren. Deren Vorteil liegt im schnellen und daher effizienten Schalten. Diese Halbleiter leiten/blockieren Ströme, stellen also eine Art Ventil dar. Zudem zerhacken sie die Spannung passend für den Transformator.

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Dioden werden als Gleichrichter von Wechselspannungen verwendet und sind die Bauteile im Netzteil, die die Spannung vor der Ausgabe final auf dieses Niveau bringen. Manchmal werden sie auch statt der Gleichrichterbrücke primär eingesetzt, sind dort aber eher ein Element in sehr günstigen Netzteilen.

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Diese Abbildung zeigt eine Halbleiter Diode.


Chips


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Es gibt drei wichtige Arten von relativ intelligenten Chips in primärgetakteten Schaltnetzteilen. Der PWM-Chip, meist in Kombination mit der PFC Steuerung, sorgt als Lastregler für eine hohe Effizienz und kontrolliert die Ausgangsspannungen. Ein zusätzlicher Sicherungschip, der gerne vergessen wird, beinhaltet die verschiedenen Schutzmechanismen. Je nach Art deckt dieser verschiedene Sicherungen ab, die in Abhängigkeit unterschiedlicher Bedingungen in Kraft treten, wie beispielsweise bei Kurzschlüssen oder Überlastungen. Der für die Lüfterregelung zuständige Chip bestimmt maßgeblich, wie schnell oder langsam der Lüfter dreht und mit welcher Anlaufspannung er gestartet wird. Je nach Ausrichtung kann man damit eine leisere, oder effektivere, Kühlung erreichen.


[break= Grundlagen Messungen]
In unseren Test führen wir zu vielen Werten Messungen durch. Da nicht jeder wissen kann, was es mit den Begriffen auf sich hat, werden diese noch einmal kurz erklärt.

PFC

Die Werte zum PFC (Power Factor Correction), zu Deutsch Leistungsfaktorkorrektur, findet man bei unseren Berichten zu jedem Netzteil. Die Generatoren in den Kraftwerken erzeugen bekanntermaßen sinusförmige Spannungsverläufe. Nun ist es so, dass die Gleichrichterbrücke und die impulsartige Aufnahme der Kondensatoren zu Verzerrungen dieses sinusförmigen Bildes führen und Oberschwingungen generieren, die Störungen hervorrufen können. Mit dem Leistungsfaktorkorrektur strebt man an, diesen Effekt zu kompensieren und den Faktor nahe Eins zu bringen, was dem perfekten Abbild entsprechen würde. Wie nah man die Eins tangiert, überprüfen wir. Anzumerken ist, dass eine aktive Lösung meist höhere und damit bessere Resultate hervorbringt, als eine passive.

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad (auch Effizienz) zeigt auf, wie viel von der aufgenommenen Energie an das System ausgegeben wird. In einem Netzteil treten nämlich Verlustleistungen an den unterschiedlichen Bauteilen auf, die in abzuführende Wärme umgewandelt werden. Die ermittelte Prozentzahl gibt Aufschluss darüber, wie viel Prozent der Eingangsleistung in Ausgangsleistung umgewandelt werden und somit auch darüber, wie viel Energie in Wärme verpufft.

Restwelligkeit

Dass aus Wechselspannung im Netzteil letzen Endes eine geglättete Gleichspannung wird, ist jedem bekannt. Denn nur mit dieser können die PC-Komponenten operieren. Was in der Theorie gut funktioniert, ist in der Praxis problematischer. Denn Spannung kann abhängig von der Qualität nicht perfekt geglättet werden und hinterlässt Restwelligkeitsanteile. Je niedriger diese sind desto besser. Die Spezifikationen legen folgende Maximalwerte fest:

  • +12V 120mV
  • +5V 50mV
  • +3,3V 50mV
  • -12V 120mV
  • +5VSB 50mV

Auch wenn diese Angaben bei unseren Artikeln nicht immer genannt werden, überprüfen wir sie natürlich. Allerdings finden sie nur dann Erwähnung, wenn es sich um ein besonders niedriges (also gutes) oder hohes (also schlechtes) Resultat handelt. Bei allen Tests ohne Vermerk gilt, dass die Werte innerhalb des unkritischen Bereiches liegen.

Spannungen: Toleranz

Von der optimalen Linie ausgehend sind bei den einzelnen Spannungen jeweils 5% nach oben und 5% nach unten hin als Toleranzgrenze gesetzt.
Daraus ergibt sich folgendes Bild:

  • +12V = 11.40V / 12.60V
  • +5V / +5VSB = 4.75V/ 5.25V
  • +3,3V = 3.14V / 3.47V


Für -12V gilt gesondert eine Schwelle von 10%.
Da dies mittlerweile sehr großzügig gesetzt ist, beurteilen wird nicht nur die Einhaltung der Werte, sondern auch, wie nah sie tatsächlich am Optimum sind.

Um hohe Belastungen zu simulieren und repräsentative Werte messen zu können, ist kein gängiges PC-System zum Einsatz gekommen, da sich die dort ermittelten Ergebnisse immer nur unmittelbar auf die Hardwarekombination beziehen lassen, zumal man viele der großen Fabrikate nur selten voll auslasten kann. Und ein Netzteil ist nur dann gut, wenn es die gesamte versprochene Leistung auch zu 100% bereitstellen kann, ohne in irgendeiner Weise Probleme zu verursachen. Hierzu wird die professionelle Teststation Chroma 8000 eingesetzt, um eine detaillierte Belastung in mehreren Stufen zu ermöglichen und mit Volllast, bzw.10% Überlast, alle relevanten Fähigkeiten überprüfen.

[break=Grundlagen DC-DC Converter]
Momentan ist es in aller Munde und neuere High-End Netzteile werden mittlerweile überwiegend mit einem DC-DC (direct current to direct current) Converter bestückt. Der ein oder andere wird mit dieser Technologie aber nicht allzu viel anfangen können, weshalb wir noch mal kurz darauf eingehen.


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Die Spannungen +3,3V, +5V und +12V werden normalerweise über eine einzige Quelle generiert, wobei +3,3V meist von +5V abgeleitet wird mit jeweils eigenen Filtereinheiten. Etwas anders ist es nun bei der DC-DC Nutzung. Hier generiert der Haupttransformator nur die überaus wichtige +12V Schiene und kann somit sein volles Leistungspotenzial theoretisch auf dieser Leitung ausgeben. Allerdings gibt es nun je einen Spannungswandler, der aus der Gleichspannung +12V die beiden kleineren Gleichspannungen ableitet.

Aus Platzgründen steht dabei meist eine eigene kleine Leiterplatte zur Verfügung, die Spulen und Kondensatoren, oftmals gar Feststoffkondensatoren, beinhaltet. Der Vorteil ist zum einen, dass man mit diesem Hilfsmittel derweil an die Effizienzgrenze von nahezu 90% vorstoßen kann, wenn man es gut umsetzt. Der Hauptgrund in früheren Tagen, die den Einsatz dieser eigentlich altbekannten Technik verhinderte, war, dass die Umsetzung damals noch recht ineffizient war. Einen Vorteil konnte man aber immer vorweisen: Die Stabilität. Wenn zur Korrektur der Leitungen die Spannung angehoben oder gesenkt wird, wären normalerweise alle Schienen betroffen. Das hat zur Folge, dass eine Spannung optimiert ist, während die andere fälschlicherweise mit beeinflusst wird und so schlechtere Werte erzielt. Mit der DC-DC Variante kann man also derartiges vermeiden, denn die Leitungen sind in Sachen Optimierung unabhängig.

[break=Das Revolution85+ Design]
Das Revolution85+ ist anders als die meisten Netzteile ihrer Gattung. Zur allgemeinen Erläuterung des Gleichstromwandlers ergänzen wir in diesem Abschnitt einige spezifische Eigenschaften, die bei Enermax eingesetzt werden. Man hat sich insbesondere um die Verteilung der elektronischen Lasten auf die einzelnen Bauteile Gedanken gemacht und die Verlustleistungen an den jeweiligen Baugruppen minimiert. Und diese technischen Veränderungen wurden auch adäquat umgesetzt, denn wir konnten den höchsten Wirkungsgrad feststellen, der jemals bei Planet 3DNow! ermittelt wurde. Um dieses Design in der Theorie näher zu beleuchten, erläutern wir nun im Überblick, welche Schaltkreise einem Wechsel unterzogen wurden.

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Wie wir aus dem vorherigen Abschnitt wissen, generiert der Transformator bei Eingliederung der DC-DC Technik dank anschließender Umwandlung der kleineren Spannungen +3,3V und +5V ausschließlich +12V über die einzelnen Wicklungen. Bei Betrachtung des Schaubildes mit dem Modell der Netzteiltopologie zum zentralen Bereich wird man feststellen, dass zwei Transformatoren eingesetzt werden, die sich die Lasten aufteilen, was mehr Leistungspotenzial mit sich bringt und darüber hinaus eine geringere punktuelle Wärmeentwicklung zur Folge hat. Jede davon ausgehenden Schiene beschreibt also tatsächlich eine getrennte +12V Leitungen, es handelt sich hierbei nicht um eine virtuelle Aufteilung. Bei der virtuellen Aufteilung würde man aus einer einzigen +12V Schiene mehrere ableiten. Hier handelt es sich um zwei Quellen, deren Energie im Nachhinein getrennt wird.

Dabei darf man die beiden Bauteile aber nicht einfach unabhängig voneinander integrieren, was den Effekt haben kann, dass einer der beiden die meiste Last übernimmt und der andere einfach vor sich hin vegetiert. Für die weniger versierten Leser könnte man das auch so formulieren, als hätte man einen Quad-Core Prozessor, der nicht auf das Programm zugeschnitten ist, nur zwei Rechenkerne ausnutzt und die anderen mehr oder weniger brach liegen. Was macht man dagegen? Man bringt organisierte Vorgänge ins Spiel. Durch Synchronisation beider Bauelemente T2 und T3 wird die Last gerecht verteilt, um sie in Balance zu bringen mit einem 50:50 Gefüge. Der dort nicht vertretene T1 Transformator ist lediglich für die Spannung +5VSB zuständig, weshalb er in diesem Zusammenhang keine Rolle spielt und nicht weiter Erwähnung bei uns findet.

Der Unterschied zwischen Enermax und vielen anderen Netzteilen ist folglich, dass man an dieser Stelle bessere und vor allem mehr Komponenten integriert hat. Wie auch das Netzteil in seiner Gesamtheit, haben die Baugruppen jeweils eine Effizienzkurve, die sich durch die verschiedenen Lastbedingungen und auf die Grundlagen physikalischer Grundsätze festlegt. Deshalb legte man nicht nur auf die duale Generierung wert, sondern erweiterte zudem die Anzahl der Gleichrichterdioden, Halbleiter und Filtergruppen auf eine angemessenere Zahl. Die Verteilung bewirkt dort wiederum weniger Verlustleistungen.

Das selbe kann man auch auf die Filtergruppen beziehen. Die 16V Glättungskondensatoren sekundär, wie wir in der Komponentenanalyse feststellen werden, sind sauber aufgereiht zu einer enormen Kapazitätspräsenz von 20.000 microFarad, auf die ein weiterer Filterschaltkreis auf der Leiterplatte für die Anschlüsse selbst folgt. Sprich, man nimmt auch kurz vor dem Ouput nochmals Einfluss auf die Sauberkeit der Spannung, zumal +3,3V und +5V ohnehin eigens gefiltert und nicht wie in günstigeren Modellen einer Gruppenfilterung unterzogen werden. Bei vergleichbaren Netzteilen mit DC-DC Converter ist das gleichermaßen realisiert.

Markant wurde das ganze unter dem Begriff AHD² (Asymmetrische Hybrid DC-to-DC) definiert. Im Wortschatz des gemeinen Autofahrers dürfte das Wort Hybrid schon im Zusammenhang mit mehreren Antriebsarten geläufig sein. Nicht anders ist es hier, wo man mehrere Technologien zum selben Zweck einsetzt, was uns letzen Endes zum Resultat unserer Messungen führen wird. Nach dieser Ergänzung folgt nun direkt die konkrete Betrachtung der verwendeten Baugruppen.

[break=Komponentenanalyse]
Wenn wir nun zu den elektronischen Details übergehen, werden weitere Indizien zum Produzenten gesammelt, anhand derer die Verarbeitungsqualität und die Wahl der einzelnen Bauteile beurteilt werden kann. Bevor ein Netzteil nun aber geöffnet wird, ist der Sicherheitshinweis erforderlich, dass dieser Vorgang lebensgefährlich sein kann und davon abzuraten ist, wenn man ein solches Produkt als Privatkunde erwirbt. In den Kondensatoren kann sich immer noch Restspannung befinden, die sich bei Berührung entlädt.

Abhängig von der Kapazität benötigen diese üblicherweise eine Ruhepause von etwas mehr als einem Tag, damit sich die Spannung komplett abbauen kann. Jedoch lässt sich auch einfach der Stromstecker trennen, während man das Netzteil im AN Zustand behält, sodass sich die Restenergie in Richtung der Verbraucher (PC-Komponenten) verteilen kann. In jedem Fall sollte man im spannungsfreien Zustand damit hantieren. Ein sorgfältiger und vorsichtiger Umgang mit dem Gerät ist zudem erforderlich, um keine empfindlichen Bauteile zu beschädigen. Bei einem Eingriff erlischt außerdem die Herstellergarantie, wenn der Garantieaufkleber beschädigt wird. Das Enermax Netzteil wird mittels dem Lösen von acht Schrauben geöffnet.

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Was zunächst nach den typischen Charakteristika eines PC-Schaltnetzteils aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als einzigartiges Design, wenn man in die Untiefen der Elektronik vordringt. Zwar ist die klassische Topologie optisch vorhanden, aber wenn man den Blick über die Ausgangsleitungen schweifen lässt, wird man feststellen, dass orange (+3,3V) und rote (+5V) Leitungen fehlen. Wer errät, warum? In den nächsten Absätzen werden wir es auflösen, doch zunächst fahren wir mit dem Eingangsbereich fort.

Revolution85+ Technik


Die geschirmte EMI-Filterung gegen Interferenzen wird durch zwei Y-Kondenastoren, drei X-Kondensatoren und drei mit Schrumpfschläuchen ummantelten Induktivitäten ergänzt. Der MOV liegt etwas versteckt unter dem Eingangsfilter. Dem Brückgleichrichter hat man einen kleinen Kühlkörper spendiert. Zu unserer Freude ist die Drossel der aktiven PFC Schaltung nicht mit einem Kabelbinder befestigt worden, sondern vorbildlich auf einem schwarz eloxierten Sockel befestigt. Das ist die stabilste, aber leider nicht gängigste Methode. Daher begrüßen wir diesen Schritt, der angesichts des Preises allerdings aus Sicht eines Elektronikers fast selbstverständlich erscheint. In der Realität wird derartiges aber so selten durchgeführt, dass wir das an dieser Stelle nur loben können. Schließlich schaut ein durchschnittlicher Kunde niemals in das Innere und trotzdem hat man hier auf eine besonders solide Bauweise geachtet. Wie mittlerweile oft gesehen, teilt sich die Last auf mehrere parallel geschaltete Primärkondensatoren auf. Diese sind mit 85°C zwar nicht besonders hoch spezifiziert, kommen aber aus einer guten Quelle, denn Matsushita hat diese hergestellt. Die Kapazitäten von je 220 microFarad addieren sich durch die Schaltungsart zu 660 microFarad. Hier hat man also gut gewählt.

Insgesamt wirkt das Layout sehr sauber strukturiert und die angemessen dimensionierten Kühlkörper fächern sich nach oben hin aus, um die Wärmeabfuhr zu verbessern. Im zentralen Bereich erblicken wir zwei Übertrager, die beide jeweils ausschließlich +12V Spannungen transformieren. Zwei Stück sind auch durchaus sinnvoll, denn mehr Bauteile bedeuten in diesem Fall mehr Leistungspotenzial. Die spannungszerhackenden Halbleiter stammen mitunter von Fairchild. Wir sehen auf der Leiterplatte für das Kabelmanagement weitere Chips von Anpec Electronics, wie etwa den APW7073 PWM Controller zur Pulsweitenmodulationssteuerung. Eine Kontrolle durch Chipbausätze führt zur intelligenten Steuerung und damit hohen Effektivität.

Sekundär haben wir für beide Trafoausgänge je eine Filterspule, denen 105°C Kondensatoren der Marke CEC zugeschaltet sind. CECIH (CEC International Holdings Limited) wird sehr gerne von Enermax eingesetzt und das Unternehmen kann auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Elektronikproduktion und Entwicklung zurückgreifen. Dort befindet sich auch die Zusatzplatine für die Lüftersteuerung. Das ganze wird auf einer hochwertigen Epoxidharzplatine aufgebracht.

Revolution DC-DC


Am Anfang haben wir darüber gesprochen, dass nur +12V Leitungen zur oberen Platine hin verlegt wurden. Das liegt daran, dass der DC-DC Converter dort aufgebracht wurde, was ein sehr intelligentes AEC (arrangement of electronic components) ist. Damit spart man Platz auf der Hauptleiterplatte und muss nicht so viele Leitungen im Ausgangsbereich platzieren, was zudem den Luftstrom begünstigt. Was uns nicht verborgen bleibt ist das Integrieren von weiteren Pufferkondensatoren, die hochwertige Feststoffkondensatoren sind und durch weitere Filterspulen für +3,3V und +5V ein gutes Bild ergeben. Auch wenn die Verluste gering sind, hat man an der Stelle im Gehäuse einige Entlüftungslöcher integriert, da sich die Wärme sonst sehr schnell im kleinen Raum anstauen würde.

Revolution85+ Lötqualität


Und dennoch, trotz der herausragenden Komponentenwahl, der durchdachten Struktur und dem hoch interessanten DC-DC Converter gibt es einen massiven Kritikpunkt. Die Lötqualität. Die auf der Rückseite der Hauptplatine befindlichen Dioden wurden etwas unsauber angebracht. Wie auf dem oberen Bild zu sehen, gibt es zudem eine Beschädigung des Isoliermaterials von Leitungen, die zum oberen PCB hinführen und weiterhin keine Schrumpfschläuche haben. Allerdings sei erwähnt, dass dieser Fall in der Regel nicht eintritt und bisher nur bei diesem Fabrikat beobachtet werden konnte. Was letzten Endes bleibt, ist folglich die Kritik an der Lötqualität.

[break=Messresultate]
Die Geschütze sind poliert, die Dragoner stehen bereit und die Musketen der Rotröcke werden geladen. Die Yankees erzittern schon vor dem Anblick unserer Schlachtaufstellung mit der Chroma 8000. Auf ins Gefecht!

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Dem Leser wird sicher aufgefallen sein, dass die Spannungen zunächst leicht absinken, sich danach sehr stabil halten, aber bei Überlast dramatisch in die Knie gehen. Zur Beruhigung müssen wir entgegnen, dass kein Netzteil zwangsweise mehr leisten muss, als angegeben wird. Trotz dessen wäre der Eindruck natürlich besser, wenn dem Netzteil selbst starke Stresssituationen nichts anhaben könnten. Teils bewegt sich das Revolution85+ zu dem Zeitpunkt noch knapp innerhalb der Spezifikation. +3,3V hält sich bei 3,6% Abfall noch recht wacker, +12V6 fällt mit 4,1% unter das Optimum, während sich +5V mit 5,2% unterhalb des Sollwertes bereits außerhalb des Design Guides bewegt. Der merkwürdige Verlauf gegen Ende von +12V kommt im Übrigen daher zustande, dass sich 12V3 überraschenderweise stabilisiert, während die anderen wie erwähnt einen stärkeren Abfall ertragen müssen. Wenn wir die Werte nur bis 100% Last berügsichtigen, sieht das Bild wieder ganz anders aus und es gibt keinen Anlass zur Kritik.

Die nicht in der Grafik angezeigten Spannungen -12V und +5VSB blieben konstant, letztere fiel gerade mal auf 4,87V bei Maximallast. Gleichermaßen gut sieht es mit dem Leistungsfaktor aus. Dieser liegt bereits bei 10% Last mit 0.94 sehr hoch und geht nach und nach bis über 0.99.

Enermax hat nicht zu viel versprochen, als man mit einem hohen Wirkungsgrad geworben hat. Bereits bei 20% Lastzustand konnten 88% Effizienz gemessen werden. Man könnte das Netzteil also auch ohne größere Verlustleistung in kleineren Systemen einsetzen, wo 1050W eigentlich überdimensioniert wären. Bei mittlerer Last kratzt man tatsächlich an 90%, was durchaus beeindruckend ist.

Aus diesem Grund und dank der sauberen Anordnung bleiben die Temperaturen in einem hervorragenden Bereich. 41°C wurden am Sekundärkühlkörper gemessen, womit man bereits den Spitzenwert erreicht hat. Sehr gut nach verfolgen kann man anhand dessen auch die Lüfterregelung, die sich mit steigenden Ansprüchen erstklassig anpasst und sich so bei 100% Last sogar geringere Temperaturen entwickeln als bei 80%. Daraus resultiert eine ausgezeichnete Lüfterregelung, wobei man bei dem guten Konzept nicht allzu viel Aufwand betreiben muss. Daher kann man bis 50% Last mit gerade mal 700rpm bei 18dBA auskommen, während 29 dBA mit 1600 Umdrehungen das obere Limit bilden.

[break=Zusammenfassung]


Die Enermax Revolution85+ Serie hat eine lange Liste an hervorstechenden Gesichtszügen und ist zusammenfassend eine interessante Konstruktion, die ihren Preis wert ist. Folglich konnte die 1050W Version in unserer sehr anspruchsvollen Teststation beweisen, dass sie ihre hohe Leistung tatsächlich bereitstellen kann und selbst die volle Last nicht zu dramatischen Spannungseinbrüchen führt.

Überhaupt verläuft der Betrieb bis 100% Last sehr stabil und die Restwelligkeitswerte bewegen sich im niedrigen zweistelligen Bereich. Und eines steht sowieso fest: Das Enermax Revolution85+ ist mit das effizienteste Netzteil am Markt. In dieser Hinsicht ist es wirklich eine Revolution, allerdings ist es wie in der Geschichte ein Ereignis, das nicht immer ganz reibungslos abläuft.

Es gib nämlich einen einzigen, umso unangenehmeren Kritikpunkt. Die Lötqualität wirkt sehr unsauber und ist dem nahezu perfekten Rest nicht ebenbürtig. Leicht beschädigte Isolierungen und etwas zu grob nachgezogener Lötzinn können nicht gerade begeistern. Derartiges möchten wir beim nächsten High-End Netzteil von Enermax nicht mehr sehen.

Und was folgte ironischerweise auf die Monarchie des Königs Ludwig nach der Revolution? Die Monarchie Napoleons. Auch Enermax integriert mit dem Gleichstromwandler keine neue Technik, setzt sie jedoch besser um als die Konkurrenz und hat sie zudem noch intelligent platziert. Taktisch klug wie schon der Feldherr selbst bei der Aufstellung seiner Truppenblöcke mit Artillerieverbänden und Reiterei. Nur, dass die Garde hier aus Widerständen, Kondensatoren und Transistoren besteht. Was zum bereits erwähnten Effekt beim Wirkungsgrad führt.

Die daraus hervorgehende Verlustleistung im geringeren Maße bedeutet auch eine einfacher zu gestaltende Kühlung. Und das beeindruckende dabei ist, dass man einen sehr leisen Lüfter mit guten Temperaturwerten erhält, auch wenn das Bild bei der Geräuschentwicklung unter höchster Last dementsprechend anders aussieht. Dennoch liegt man für ein derart leistungsstarkes Netzteil unter den relevanten Lastgraden in einem guten Bereich bei der Lautstärke und kann einige der Konkurrenten damit in die Schranken weisen. 41°C als Maximum an einem der Kühlkörper ist beachtlich.

Bei dem für uns wichtigsten Faktor, der Elektronik, beeindruckt man mit hochwertigen Kondensatoren, sowohl in der klassischen Variante, als auch in Form von Feststoffkondensatoren vertreten, einer geschirmten EMI-Filterung, dem Gleichspannungswandler, der für den hohen Wirkungsgrad sorgt und vor allem einem: Gesockelte Spulen! Endlich hat ein Hersteller das cost-cutting hinter sich gelassen und das hohe Budget sinnvoll investiert. Wir hoffen, in Zukunft auch bei den kleineren Netzteilen von Enermax dieselbe stabile Art an Spulenbefestigungen anzutreffen. Auf der anderen Seite hebt man sich so aber vom Mittelklassebereich sichtbar ab und scheint daher bewusst im kleineren Rahmen, wie etwa beim LibertyECO 400W, darauf verzichtet zu haben. Die Topologie verfällt durch ihre modifizierte Anordnung nicht der Monotonie, wie es bei vielen konventionellen Netzteilen der Fall ist. Das zuvor erläuterte Grundkonzept der Revolution85+ lässt sich mit einem einzigen Wort beschreiben: Parallelisierung. Mehrere parallel geschaltete Bauteile teilen sich die Last geschickt auf.

Als äußerst zufrieden stellend erwies sich insbesondere die Anschlussanzahl. Acht Grafikkarten Anschlüsse und noch mal doppelt so viele SATA Stecker sind gewaltig und machen das Netzteil zu einem der mit am besten ausgestatteten Produkt der Branche. Dazu gibt es einen Chip mit allen erdenklichen Sicherungsmechanismen, wozu auch der Schutz vor unvorhergesehenen Stromstößen zählt.

Das recht positive Gesamtbild hat man der außergewöhnlich hohen Effizienz als auch dem ansehnlich ausgestatteten Sicherungschip zu verdanken. In diesen Momenten wirkt das Netzteil wirklich wie eine Revolution. Für dieses ordentliche Ergebnis muss sich Enermax wahrlich nicht nach St. Helena zurückziehen.

[break=Turbo-Cool 860W vs. Revolution85+ 1050W]

Turbo-Cool 860W vs. Revolution85+ 1050W



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Persönliche Anmerkungen von Martin Kaffei:

Die beiden Kontrahenten könnten unterschiedlicher nicht sein, und haben dennoch eines gemeinsam. Sie möchten höchsten Ansprüchen gerecht werden. Jetzt kommt die Thematik, nach der viele Leser fragen werden, welches der beiden Fabrikate gewissermaßen besser ist.

Sicherlich muss man beachten, dass die Lautstärke und das modulare Kabelmanagement viele Endkunden eher ansprechen werden. Das Turbo-Cool hat sein Einsatzgebiet mehr in den professionellen Bereich gesetzt und verlagert nur einen Teil der Eigenschaften in den Anspruchsbereich für Privatpersonen.

Zwar hat das Revolution85+ mehr Anschlüsse, ist aber auch auf 190W mehr Leistung spezifiziert. Dennoch kann man im Verhältnis mit acht Grafikkarten- und sehr vielen SATA-Steckern beeindrucken.

Beide Netzteile sind sehr stabil im Betrieb, wobei die geringere Restwelligkeit zu Gunsten des Turbo-Cool entscheidet. Dafür konnte das Enermax unser aktuelles Referenzgerät beim Wirkungsgrad deutlich schlagen und hat nicht nur eine höhere Spitze, sondern auch einen konstant besseren Wert.

Bei der Elektronik schicken die Hersteller alle erdenklichen Geheimwaffen auf das Schlachtfeld und ergänzen sich in mehreren Punkten. Das Turbo-Cool hat mit den besten 105°C Primärkondensator, dafür teilt das Enermax seine Lasten auf mehrere auf. Beide verfügen über eine temperaturresistente Epoxidharzplatine und eine PWM-gesteuerte DC-DC Technik. Wobei Enermax den Wandler geschickter platziert und mit Feststoffkondensatoren versehen hat. Feststoffkondensatoren können nicht auslaufen, wie es beim flüssigen Elektrolyt der Fall ist, was unter sicherheits- und umwelttechnischen Aspekten wichtig ist, leben dadurch länger und entladen sich zügiger. In diesem Kontext war auch die geringe Baugröße entscheidend, da zwischen der Platinenrückseite und der Gehäusewand nicht viel Platz ist.

Die Netzteile haben überzeugende Temperaturwerte, allerdings dreht der Lüfter des Enermax erst etwas später stärker auf. In der Bautiefe kann die einzigartige Topologie des Turbo-Cool überzeugen, denn 15cm werden in mehr Gehäuse passen als 19cm. Letzten Endes gleichen sich die Eigenschaften stark aus und man könnte sagen, dass das Revolution85+ das ersehnte Gegenstück zum Turbo-Cool 860W darstellt und sie sich in mehreren Disziplinen passend ergänzen. Wäre da nicht die mäßige Lötqualität des Enermax, die es uns unmöglich machte, einen Award zu rechtfertigen. Schließlich sind wir keine karitative Einrichtung mit Auszeichnungsinflation. Zumal wir uns die Auszeichnungen ein wenig für die kommenden 80Plus Gold Netzteile aufheben wollen. Wer als Leser aber auf Seiten der geräuscharmen und hocheffizienten High-End Netzteile steht, erhält mit dem Revolution85+ 1050W einer der aktuell besten Endkundennetzteile. Für diese Benutzergruppe können wir auf jeden Fall eine eindeutige Empfehlung aussprechen.

Bleibt noch die Frage offen, ob dies der Aufbruch in ein neues Technikzeitalter ist?

Genau genommen ist das Revolution85+ nicht das erste und einzige Netzteil, das die 90% Effizienzmarke knackt, wohl aber das erste, das in der Form dem Endkunden zugänglich gemacht wird und damit praxisrelevant ist. Mit diesem interessanten Konstrukt leitet man jedenfalls ein Zeitalter der kommenden 80Plus Gold Fabrikate ein, die sich immer mehr etablieren werden und in langsamen Schritten ihr Anwendungsgebiet bei realitätsnahen Umgebungen finden. In absehbarer Zeit hoffentlich auch für den kleinen Leistungsbereich. Denn bei all der gesparten Energie schont man eines bislang nicht: Den Geldbeutel. Das Enermax kostet über 250€.

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Update:
Wir präsentieren aus aktuellem Anlass die verbesserte Lötqualität, welche rückwirkend eine Auszeichnung zur Folge hat. Mehr dazu im Kommentarthread.

Das Enermax Revolution85+ 1050W erhält den Editors Choice Award!



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