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Nachdem wir vor einiger Zeit das Everest Pro 1200W vorgestellt und dessen Technologiebaum zumindest kurz erörtert haben, geht es nun in die Details der Elektonik und der Messungen selbst. Als erste Seite der Welt stellen wir nun also das neue FSP Netzteil in einem konkreten Testablauf vor. Zu den Äußerlichkeiten und Beigaben kann man den bisherigen Artikel studieren. Im Abschluss werden wir wie bei den sonstigen Überprüfungen auch ein Fazit aus allen Kriterien zusammenstellen, um die Kaufentscheidung zu erleichtern bzw. um generell festzustellen, wer bei den Netzteilherstellern aktuell die Nase vorne hat. Sicherlich wird auch auffallen, dass wir sehr in die technischen Details gehen. Das Netzteil eignet sich nämlich hervorragend für Anschauungszwecke. Auch wenn die Thematik keine einfache ist, lohnt sich der Blick auf die Netzteilstruktur.

Viel Spaß beim Lesen!

[break=Produkteigenschaften]
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Wie bereits bekannt, wird das Netzteil in einer Metallbox unter die Leute gebracht und enthält neben dem Netzteil selbst Schrauben, einen Aufkleber mit dem Herstellerlogo, den Kaltgerätestecker, eine Leitungstasche und die Anschlüsse sebst.

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Sehr gut gefällt uns die farbliche Unterscheidung der Leitungen, die durch die Beschreibung der Anschlusssockel auf dem Gehäuse ergänzt wird. Die Stränge sind komplett ummantelt und mit Schrumpfschläuchen versehen worden, was schön aussieht, allerdings auch ein wenig an Flexibilität einbüßt. Das einzige, was fehlt, wäre vielleicht eine Kabelmuffe für die fest installierten Anschlüsse, da der scharfkantige Ausgang schon ein wenig die Ummantelung beschädigt hat.

Leistung:



Anschlüsse:
FSP Leitungslänge

Mit der Anschlussanzahl sind wir recht zufrieden, da sechs Grafikkartenstecker ausreichend für Triple-SLI oder gleichwertige CrossFire Systeme sind. Dennoch gibt es einige Konkurrenten, die bereits acht Stück bieten. Weiterhin ist der Hauptanschluss für die Hauptplatine mit 45cm doch etwas kurz geraten. Dafür werden genügend Möglichkeiten für Festplatten geboten und auch hungrige Dual-Socket Mainboards werden sich über die beiden 8-pin Zusatzversorgungen freuen.

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Das FSP Everest Pro 1200W reiht sich mit Sicherheit zu den leistungsstarken Exoten am Markt ein. Wer es besitzt, erhält eine Elektronik, die in ihrer Anordnung zumindest momentan nur bei dieser Serie in der Form vorzufinden ist. Zunächst beginnt man mit der EMI-Filterung in der üblichen Position. Direkt hinter dem Eingangsbereich ist eine kleine Platine parallel zur Gehäusewand montiert und beherbergt einen X-Kondensator, zwei Y-Kondensatoren und eine Spule. Letztere werden generell mit einer Plastikfolie vor Berührungen geschützt. Die einzelnen Leitungen dieser sind wie üblich in Lack getränkt, da der Strom entlang der Leitungen fließen und keine anderen Wege über die sich nahestehenden Wicklungen suchen soll. Das identifiziert sich durch die etwas hellere Farbe, da das Kupfer als solches etwas dunkler wirken würde.





Als kleiner Exkurs sei nochmals gesagt, dass X-Kondensatoren zwischen Hin- und Rückleiter geschaltet werden, während die Y-Kondensatoren zwischen Phasenleiter (braun) bzw. Neutralleiter (blau) und dem PE Leiter (Grün-Gelb) sitzen. Letztere dienen zur Kompensation der Gleichtaktstörungen, welche parallel/gleichsinnig zum Empfänger (sog. Störsenke) fließen. Nun gelangt man wie üblich auf die Hauptplatine selbst, wo es mit der Schmelzsicherung gegen Überstrom und den Metall Oxid Varistoren als Sperre gegen Überspannungen weitergeht. Die dort hinführenden Leitungen wurden zum Schutz gegen elektromagnetische Interferenzen um einen Ferritkern gewickelt. Früher, aber auch heute noch, hat man diese einfach verdrillt, damit die so genannte destruktive Interferenz wirkt. Das ist nichts anders, als dass sich die entstehenden Magnetfelder der paarweise gewickelten Leitungen gegenseitig aufheben. Netzwerkexperten werden dabei sofort an das Koaxialkabel denken. Der Emission entgegenzuwirken ist eine der wichtigsten Aufgaben der Ingenieure und FSP ist dafür bekannt, gute Gerätschaften für diesen Zweck zu haben und dem EMV-Problem mit üppigen Maßnahmen zu begegnen. Ein geschirmter "Line Filter" (wie etwa beim PC Power & Cooling Turbo-Cool 860W gesehen) wäre allerdings eine passende Ergänzung.

Es geht weiter mit zwei zusätzlichen X-Kondensatoren und Spulen vor, bzw. drei weiteren X-Kondensatoren hinter dem Brückengleichrichter zum Kurzschließen eventueller Gegentakttaktstörungen, beispielsweise ausgelöst von der magnetischen Kopplung der Induktivitäten. Die Kapazität derer ist weniger entscheidend, dafür sind schließlich die induzierten Spannungen der Spulen zuständig. Im Wechselstromkreis ist die Induktion durch die sich stetig wandelnde Stromstärke auch gewährleistet. Alles gemäß der grundlegenden und mittlerweile ausgebauten EN 50081-1 : 01.92 und DIN EN 50081-1 : 03.93 Normung, die für Klasse B Geräte, sprich für Wohnbereiche und Geschäfte geltend, während es für die Kategorie A im Industriebereich etwas gelockert die EN 50081-2 : 08.93 DIN EN 50081-2 : 03.94 zu beachten gilt. Schließlich hat man im Wohnbereich unmittelbaren Kontakt zu vielen Geräten der Nachbarn, während die Industrie eher etwas abseits operiert und deshalb nicht ganz so stark auf die Verträglichkeit in der unmittelbaren Umgebung achten muss. Was nicht heißt, dass es dort ein minder entscheidender Faktor ist. Parasitäre Störungen sind übergreifend unerwünscht.

Warum das ganze so schwierig ist, definiert sich alleine schon an der Vielfalt an Normen in ihren jeweiligen Einsatzgebieten:

Spoiler


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Hier zeigt sich nochmals in der Ansicht, wie die Bausteine des ersten Filtergefüges, X- und Y-Kondensatoren, geschaltet werden. Während der X-Kondensator zwecks Kompensation von Gegentaktstörungen nur einmal mittig vertreten ist, erklärt die Anbringung der Y-Kondensatoren gegen Gleichtaktstörungen, warum diese in der Regel paarweise auftreten.

Im Anschluss an den ersten Filtermechanismus kommt die PFC-Sektion zum Korrigieren des Leistungsfaktors, der durch die Verzerrungen vom impulsartigen Laden und unlinearer Halbleiter verhindert, dass auf der Rückleitung Störungen in das Stromnetz eingespeist werden. Den von Widerständen umgebenen Primärkondensator hat FSP hierbei sehr genial gewählt, denn wir kennen den Hitachi HU als ein Modell mit 4000 Stunden effektiver Nutzbarkeit bei 105°C, während die oft gewählte HP3 Fassung die selbe Dauer nur bei 85°C aufweist. Und da wir den HP3 bereits für gut befinden, kann man sich vorstellen, was wir von dem blauen Industriekondensator denken. Klar hat Hitachi noch exklusivere Materialien auf Lager (XL1, HL2), aber in der Praxis werden die Topmodelle so selten eingesetzt, dass die HU Version unter realen Kaufbedingungen mit die bestmögliche Wahl ist. Die Elektrolytkondensatoren auf chemischer Basis sind ein wahrer Cocktail an Inhaltsstoffen flüssiger Natur und die Kombination der Inhaltsstoffe prägt das hochwertige Bild als auch die Preislage. FSP spart also nicht, sondern investiert viel Geld in dieses gut zu lokalisierende Element, was bei vielen Kollegen als Augenfänger einen guten Eindruck machen wird. Auch bei uns, nur dass wir nun noch weiter in die generelle Struktur eindringen und überprüfen, ob sich das forsetzt.

Jetzt kommt der ungewöhnliche Einschnitt in die Anordnung. Im unteren Bereich links neben dem Primärkondensator wird etwas Strom zu einem kleinen Transistor abgeleitet, der zu dem Standbytransformator und damit zur Standbyspannung beim Output führt. Die Hauptenergie fließt aber nach oben, zunächst über die drei Transistoren zum PFC-Ship und über nachfolgende MOSFETs weiter zum Haupttransformator, worauf ein Spannungsniveau mit +12V folgt. Ab dort wird folgendes Schaubild Aufschluss geben, wie es weiter geht.

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Kurz gesagt wird also ein Teil von +12V direkt über die gelben Leitungen zum PCB geführt, während ein Folgekreis für +3,3V und +5V verantwortlich ist und sich etwas von +12V genehmigt. Sehr interessant wird es auf der Rückseite der Platine für die Sockel der abnehmbaren Anschlüsse in verschiedenen Farben. Zum einen befindet sich dort der feste Anschluss mit entsprechendem Controlling für den Lüfter. Ansehnlich sind aber auch die beiden Chips von Fairchild.

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Die Komparatoren LM339 vergleichen positive und negative Eingänge und die Ausgangsspannung nähert sich dem höheren der beiden Werte. Sie stellen damit den Pulsweitenmodulator dar und können als Schutzschaltung bzw. Regeleinheit fungieren; zur Strombegrenzung bzw. Spannungskontrolle. In digitaler Form werden damit Logikgatter des Typs XNOR nachgebildet. Man hat bei solchen Digitalschaltungen gewissermaßen eine „Wenn, dann“ Funktion. Wenn die Spannung A höher als B ist, dann wird die Ausgangsspannung dem optimaleren Wert A angenähert.

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Leider hat man mit dem LM339 nicht den besten Chip des Hauses gewählt, da die nächst kleineren Nummern LM239 und LM139 eine bessere Temperaturfestigkeit haben und damit in ihrem Anwendungsbereich auch schwierigeren Umgebungsbedingungen zugeordnet werden können. Zumal auf der Platinenrückseite fast keine Ventilationsmöglichkeit besteht. Das hat Enermax mit seinen wabenförmigen Entlüftungslöchern passender bewerkstelligt. Trotzdem sind die zwei PWM-Chips von guter Herkunft ein Indiz dafür, warum es FSP immer wieder schafft, gute Regulationen zu erreichen.

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Das ganze wird auf einer hochwertigen Grundplatine (FSP12A-BOMLA2) in der frischen Revision 1.01 aufgebracht und da man die Bahnen nicht aufdringlich mit Lötzinn nachgezogen, sondern nur punktuell an den Bauteilen gearbeitet hat, zeichnet sich die Lötqualität durch eine recht gute Solidität aus. Der galvanischen Trennung entsprechend hat man ausreichende Sicherheitsabstände zwischen den primären und sekundären Stromkreisen realisiert, damit etwa keine Schrauben beim Herunterfallen eine Brücke bilden könnten.

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Neben Fairchild Transistoren und Chips können wir auf der Platine für den PFC-Controller auch einen Chip von ST Microelectronics sehen. Und ein weiterer Chip fällt auf, der Quad Operational Amplifier LM324A, also ein Verstärker, wie im Schaubild darüber dargestellt. Vcc ist hierbei die positive Versorgungsspannung und natürlich wird das Gebilde über GND geerdet. Ansonsten werden auch hier wie beim oberen Chip + und - verglichen. Das Bauteil hat im Grunde genommen vier unabhängige Verstärker speziell für den Einsatz in Netzteilen als Operationsverstärker (Op Amp circuit) und aktiver Wandler. Prinzipiell ein sehr vielfältig einsetzbares Instrument der Elektrotechnik.

Sekundär haben wir die aus der Erstvorstellung bekannten 105°C Kondensatoren der Marke OSTOR. +12V bietet eine kombinierte Kapazität von 16.500 microFarad (5x 3300 microFarad). Keine schlechte Wahl, aber auch nicht unbedingt hochwertig, wenn man die Spezifikationen mit denen des Hitachi Kondensators vergleicht. Die Ladung wird in Form eines elektrischen Feldes (Spule: elektromagnetisches Feldes) gespeichert. Die Kapazität ergibt sich etwa beim Plattenkondensator aus der Nähe beider Platten, der Art des Dielektrikums (bspw. Luft, Keramik oder die chemische Verbindung Polymer etwa aus Nitrocellulose oder Celluloid), indem mit der Größe der Permittivitätszahl die Kapazität zunimmt und natürlich der Größe der Platten selbst. Aber auch der Leitungsquerschnitt selbst spielt eine Rolle. Man rechnet als Faustformel mit 10A pro mm² bei kurzzeitigen Belastungen und mit 5A pro mm² bei dauerhaften Belastungen. Beachten muss man dabei natürlich die Umgebungsbedingungen mit der Wärmeabfuhr. Denn sobald ein Bauteil eingeengt ist oder im Windschatten einer anderen Komponente steht, kommt es schnell zur Überhitzung. Und jede Zunahme von nur 10°C vermindert die Lebensdauer bereits um die Hälfte. Die Leitungsdicke entscheidet auch über den Eigenwiderstand und damit den Spannungsabfall. Man kann sich das mit einer zweispurigen Straße veranschaulichen, auf der viele Autos dicht gedrängt entlang fahren. Fährt dieselbe Menge an Autos über eine dreispurige Autobahn, kommen sie selbstverständlich schneller voran, da sie sich gegenseitig weniger behindern.

Beiläufig erwähnt ist es ein häufiger Fehler, dass man bei einem Kurzschluss einen unendlich hohen Strom vermutet, was aufgrund des natürlichen Widerstandes einer spannungsführenden Leitung nicht sein kann. Sie beträgt "nur" ein Vielfaches des eigentlichen Betriebsstromes.

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[break=Messungen]

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Wie üblich wurden die Messungen mit den elektronischen Lasten vorgenommen. Die Verteilung der Last ist gemäß des aktuellsten Design Guides an der ATX Spezifikation angelehnt und somit repräsentativ.

Prinzipiell läuft das FSP in der reinen Statistik stabil. Sogar stabiler als das zuvor getestete Revolution85+. Bei der Betrachtung der Temperaturwerte dürfte aber auffallen, dass es sehr zügig nach oben geht. Wir haben das Netzteil nur bis zum Abschluss unserer Messungen belastet. In anderen und vor allem unter längeren Umgebungsbedingungen kann es sich schnell noch stärker als 65°C aufheizen. Trotz der hohen Lüfterdrehzahl geht die Temperatur nämlich kontinuierlich nach oben und stabilisiert sich nicht. Das Problem ist einfach. Die Hitze verweilt in den klein dimensionierten Kühlkörpern und wird über das sehr lange housing hinweg nicht richtig abgetragen. Viele der Filterbausteine versperren den Weg durch die wabenförmigen Entlüftungslöcher und die Anordnung verschlechtert den Luftstrom ein wenig. Zumal ein 1200W Netzteil unter Maximallast viel Verlustleistung hat, trotz der relativ hohen Effizienz. Wobei man nicht ganz die 90% Marke erreichen konnte, sondern 88% das obere Limit unserer Messungen bildeten. Dafür fällt der Wirkungsgrad nicht so schnell ab, wobei man unter 10% gerne auch mehr als 70% Effizienz hätte realisieren können.

Die Spannungen bleiben, so wie es sich für einen erfahrenen Hersteller gehört, stabil. Nur +12V5 und +12V6 fallen etwas stärker ab, sodass 11,76V das untere Limit bilden. +3,3V fiel nur 1,5% unter den Sollwert, +5V nur 2,2%. Ein wirklich schönes Ergebnis. Beim Leistungsfaktor konnten wir feststellen, dass dieser zunächst niedrig startet, sich später aber bei nahezu 0.99 einpendelte.

Wie erwähnt muss der Lüfter sehr stark aufdrehen und erreicht bereits bei 10% Last mit 1000rpm 20dBA. In der Anfangsregion bleibt der Lüfter tatsächlich im Stillstand und macht ergo keine Geräusche. Dafür fällt das starke Fiepen der Spulen auf, die selbst für Serverraum-verwöhnte Ohren etwas aufdringlich sind. Bis 50% Last steigt die Lautstärke immerhin kaum an, dreht später aber dafür umso stärker aus, da die Temperatur sonst noch viel höher gewesen wäre. Mit 1600 Umdrehungen und 33 dBA hat man die obere Grenze erreicht. Ab diesem Punkt kann der Lüfter nicht mehr schneller drehen, die Temperaturwerte zweier Kühlkörper dramatisieren sich.

[break=Beurteilung]
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FSP ist uns bekannt als Hersteller für viele andere Netzteilmarken und vor allem auch als Produzent für OEM Systeme. Darüber hinaus werden auch diverse Adapterlösungen gefertigt. Da dort die Position gefestigt ist, bräuchte FSP den Endkundenmarkt im Grunde genommen nicht stark auszubauen. Und dennoch versuchen sie, sich diesem immer mehr zu nähern, was das Everest Pro 1200W als Vertreter für ein High-End Produkt beweist. Dort setzt man nicht auf mausgraue, sondern blau lackierte Gehäuse, um sich dem Teilbereich und den dazugehörigen Käufern besser zu nähern. Apropos blau, primär konnten wir einen Hitachi HU Kondensator mit 105°C Temperaturspezifikation antreffen, der sich klar von der konventionellen Wahl abhebt, was dem Kostenaufwand sicherlich gerecht wird.

Insgesamt ist die Topologie durchaus als einzigartig zu bezeichen, da das Platzmanagement mit dem komplizierten Aufbau nur wenig Interprationsraum bei der Beurteilung zulässt. Es wurde sicherlich professionell gearbeitet. Selbst, wenn man es an kleinen, aber feinen Gesichtspunkten wie der guten Isolation vieler Bauteile festmacht oder der intelligenten Spannungsregulation, nur dadurch, dass man die relative Einfachheit der Glättungs- und Filtergruppen in hoher Anzahl mit den Kontrollchips besser zu organisieren vermag. Dem Leistungsgrad entsprechend hat man üppige Kapazitäten im Leitungsquerschnitt, was zudem förderlich beim Widerstand ist, wie dem großen, quer liegenden Transformator, wie unsere nähere Betrachtung ergeben hat. Die symptomatische Analytik des aufgereihten Filtergefüges und den parallelisierten Feldeffekttransistoren, inklusive des Metall Oxid Varistors, den man einst in den einfacheren FSP-Gebilden vermisste, lässt es zu, die Elektronik insgesamt als gelungen zu klassifizieren und den gesamten Überblick für mehr als praktikabel zu erachten.

Leider gibt es auch eine ganze Reihe an Punkten, die man an diesem Neulingswerk verbessern könnte. Die Bautiefe ist ohne Zweifel sehr groß und macht den Einbau nicht überall möglich. Vielleicht hätte man auch gezielter mit dem Präzisionskleber umgehen können und die blau lackierte Oberfläche ist sehr schön, aber umso empfindlicher gegen Kratzer. Dank uns sieht das Netzteil daher schon ein wenig verunstaltet aus. ;-) Außerdem ist die Wahl der Elektronikbauteile besonders in den Gefilden der sekundären Stromkreise nicht unbedingt hochwertig. Teure Einzelstücke sind für einen Großfabrikanten aber auch schwierig zu realisieren und man muss sich eine gewisse Wirtschaftlichkeit beibehalten. So ist es mehr das Gesamtkonzept, dass durch Qualität und wertige Umsetzung besticht, statt Einzelheiten, die man extra hervorhebt. Mal abgesehen vom Primärkondensator. Angesichts des Preises bezahlt man mehr für das ungewöhnliche Gebilde, weniger für übergreifend ungewöhnliche Komponenten. Zudem ist die Verarbeitungs- und Lötqualität sehr gut, womit sich FSP vor allem an die elementaren Dinge anlehnt, die ein gutes Netzteil ausmacht, anstatt nur auf irgendwelche verkaufsfördernden Extras zu setzen.

Das Hauptproblem ist aber nicht die Bauteilwahl, teils aus der zweiten Klasse, sondern das gesamte Kühlkonzept. Wärme wird nicht sonderlich zielstrebig abgeführt und so heizen sich die kleinen Kühlkörper, besonders im Sekundärteil, selbst unter moderaten Bedingungen sehr schnell auf. An den wabenförmigen Entlüftungslöchern blockierten einige der Filterbausteine den Weg der Abluft. Daher haben wir auch darauf verzichtet, Umgebungsbedinungen bei 50°C zu erproben. Damit bleibt der Lüfter in der Startregion zwar tatsächlich eine Zeit lang unbewegt, schon bei 10% Last konnten wir aber 20dBA ermitteln, was sich bis hin zu 33dBA bei voller Umdrehungszahl mit 1600rpm erhöhte. Man schilderte uns zwar bereits, dass FSP weiterhin eine konservative Richtung betreibt. Wenn der Lüfter allerdings schon recht laut operiert, sollte dieser wenigstens adäquate Kühlresultate hervorbringen. 65°C sekundär sind uns für diese Drehstärke zu hoch. Wozu man noch ergänzen muss, dass wir das Netzteil nicht dauerhaft belastet haben, sondern nur bis zum Ende der Messvorgänge. Die Temperatur wird im längeren Betrieb sicherlich recht konstant steigen. Wer gar drei Grafikkarten betreibt, wird hier eine zusätzliche Wärmequelle haben, die kontraproduktiv ist. Wie empfehlen in jedem Fall, dass Netzteil in seinem Einsatz stets mit einem fähigen Gehäuselüfter zu unterstützen. Zudem erreicht man nicht ganz die angegebenen 90% an Wirkungsgrad, sondern muss sich mit "nur" 88% bei 50% Lastzustand zufrieden geben. Was die Abwärme wieder geringfügig ansteigen lässt. Ein weiteres Problem sind auch die Nebengeräusche trotz guter Spulenisolation.

Wenn wir uns nun der Wertestabilität nähern, sieht das Bild allerdings wieder sehr gut aus. Gerade die zahlreichen +12V Schienen bleiben in verhältnismäßig geordneten Bahnen und starten sogar auf dem gleichen Niveau. Qualitativ genauso gut sieht es mit den kleineren Leitungen aus. Die Restwelligkeitswerte bleiben moderat und innerhalb der Spezifikation. Der Leistungsfaktor ist angemessen, wenngleich er nicht überragend ist.

Sechs PEG Stecker sind ausreichend für die stärksten GPU Kombinationen und dank der hohen Leistung mit 1080W auf +12V kann man das Netzteil auch nicht so schnell in die Knie zwingen. Zumal es auch die erforderlichen Anschlüsse für ein Mainboard mit zwei Prozessorsockeln bietet. Und die Peripheriestecker sind gleichermaßen umfangreich gestaltet. Zwar weiß man als Konzern noch nicht exakt, was der einzelne Endkunde im genaueren bevorzugt, da uns etwa der beigelegte Molex zu SATA Adapter doch etwas sinnfrei erscheint. Aber die Wünsche der Gestaltung unter qualitativen Gesichtspunkten werden sicherlich angemessen erfüllt. Wobei die Konkurrenz in Sachen Ausstattung auch nicht schläft.

Resultat:

Zusammengefasst ist das FSP Everest Pro 1200W mit seiner Bauform ein ungewöhnliches und zugleich einzigartiges Netzteil. Eine nette Optik, viele Anschlüsse und stabile Spannungswerte werden aber etwas von dem Bild getrübt, dass die Temperaturmessungen ergaben. Das Netzteil wirkt mit seiner knapp kalkulierten Kühlrippenstruktur etwas filigran, was den Luftstrom nicht gerade begünstigt und das Produkt zu einem nicht sonderlich starken Begleiter für ohnehin aufgewärmte Systemstrukturen macht. Daher dreht auch der Lüfter relativ schnell und damit laut. Wenn man an diesem Punkt noch umstrukturieren könnte, hätte man einen guten Konkurrenten zu den anderen High-End Netzteilen. Doch wir sagen es ganz offen, dass wir uns ein wenig mehr erhofft haben und bisher bei jedem High-End Netzteil der höchsten Preisklasse Mängel aufgefunden haben. Weshalb wir gewisse Hoffnungen in das FSP gesetzt hatten. Wenn man das nächste mal jedoch durch nochmals verbesserte Anordnungen mit adäquatem Luftstrom und mit besseren Glättungskondensatoren aufwartet, haben wir ein wirklich sehr gutes Netzteil. Man hat viel Arbeit in diesen Stromversorger investiert, was zu würdigen ist. Wofür auch die hervorragende Lötqualität spricht. Vielleicht muss man nur weiter am Ball bleiben. Es fehlt bei diesem recht jungen Konstrukt einfach noch der vollendete Feinschliff.

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