AMD Phenom II X2 550 BE & AMD Athlon II X2 250 - Titelbild


Etwas über ein halbes Jahr ist es her, dass AMD eine neue Dual-Core-Generation vorgestellt hat. Die CPUs mit Codenamen "Kuma" mussten bei der Vorstellung jedoch reichlich Kritik einstecken. Nicht nur, dass man mit 2,8 GHz noch immer deutlich hinter der Taktrate des bereits angegrauten Athlon 64 X2 6400+ zurückblieb, man musste auch der Verwendung des Agena-Kerns Tribut zollen. Die Restriktionen der Cache-Hierarchie des Agena-Phenoms kamen zum Tragen, die Taktfreudigkeit ließ zu wünschen übrig und zu guter letzt war die Einordnung in die TDP-Klasse (Thermal Design Power) von 95 Watt für zwei Kerne absolut nicht mehr zeitgemäß. Kein Wunder, dass sich Kuma-CPUs nicht zu everybody's Darling entwickelten.

Heute nun schlagen die Dual-Cores zurück und wollen das durch Kuma angekratzte Image wiederherstellen. Denn seit der Einführung des Phenom II im Januar bietet sich eine wesentlich bessere Basis für die Herstellung von Zweikern-Prozessoren. Dank Herstellung in 45 nm Strukturbreite lassen sich einige Nachteile von Kuma verbessern: Weniger Stromverbrauch, bessere Pro-MHz-Leistung (IPC, Instruction Per Clockcycle) und nicht zuletzt höhere Taktraten sind zu erwarten.

Wer AMD kennt, der wird wissen, dass es mit der Vorstellung nur eines Prozessors nicht getan ist - auch heute nicht. Denn statt eine Ausbaustufe vorzustellen, übersandte uns AMD gleich derer zwei Versionen: AMD Phenom II X2 550 BE, Codename "Callisto" sowie AMD Athlon II X2 250, Codename "Regor". Trotz knapper Zeit haben wir uns beide Dual-Cores genauer angeschaut und durch unseren Benchmark-Parcours geschickt, um sie mit den bisherigen Zweikern-CPUs zu vergleichen. Zudem haben wir einen kurzen Blick auf die Sinnhaftigkeit beider Ausbaustufen geworfen.

Viel Vergnügen beim Lesen!
[break=AMD Phenom II X2 550 BE im Detail]
Werfen wir als erstes einen Blick auf den neuen Spross der Phenom II-Familie mit zwei Kernen, Codename "Callisto".

Foto des Prozessors X2 550 BE


Unser Sample wurde in der 13. Kalenderwoche dieses Jahres hergestellt.

Foto des Prozessors X2 550 BE


Beim Callisto handelt es sich um AM3-Prozessoren, die sowohl im aktuellen Sockel AM3 als auch im Sockel AM2+ laufen.

CPU-Z CPU X2 550 BE


Beim X2 550 handelt es sich um ein Mitglied der Black Edition-Familie mit freiem Multiplikator. CPU-Z erkennt die CPU fälschlicherweise noch als Deneb, nicht als Callisto, wobei das Tool damit gar nicht so falsch liegt, handelt es sich doch lediglich um einen Deneb mit zwei deaktivierten Kernen. Im Standardfall taktet das Modell mit 3,1 GHz, besitzt zwei Kerne mit jeweils 512 KByte dediziertem L2-Cache sowie die vollen 6 MByte shared L3-Cache. Die Betriebsspannung des Prozessors beträgt 1,3 Volt. AMD gibt zudem die Die-Size mit einer Größe von 258 mm² an, was exakt der Fläche eines Phenom II X4 955 BE entspricht.

CPU-Z CPU X2 550 BE


Wird Cool'n'Quiet aktiviert, so taktet sich das Modell wie beim Phenom II üblich auf 800 MHz herunter und verringert dabei die Betriebsspannung auf 0,95 Volt.

CPU-Z Cache X2 550 BE


Die Anbindung der einzelnen Cache-Stufen erfolgt analog zum Phenom II X4 955 BE.

CPU-Z Speicher X2 550 BE DDR2


Wird der Callisto auf einem AM2+ -Mainboard eingesetzt, so unterstützt die CPU bis zu DDR2-1066 - wie alle Phenom II-Modelle. Beim Einsatz auf einem AM3-Mainboard wird DDR3-1333 unterstützt - ebenfalls analog zu den bisherigen AM3-CPUs.

P-States X2 550 BE


Eine weitere Parallelität zu bisherigen Phenom II-Prozessoren ist die Implementierung von insgesamt vier Power States. Dadurch taktet sich der Prozessor je nach Belastung mit unterschiedlichen Taktraten und Spannungen.

CPU-Z Latency X2 550 BE


Nachdem wir uns alle Spezifikationen von AMDs Callisto angesehen haben, so bleibt festzustellen, dass es sich bei dieser Prozessorfamilie de facto um Phenom II Quad-Core-Prozessoren handelt, bei denen zwei Kerne deaktiviert wurden. Dem technischen sowie wirtschaftlichen Sinn werden wir uns später im Laufe dieses Artikels noch einmal widmen.
[break=AMD Athlon II X2 250 im Detail]
Der zweite Dual-Core im Bunde ist AMDs Athlon II X2 250, Codename "Regor".

Foto des Prozessors Athlon II X2 250


Auch dieses Sample wurde in der 13. Kalenderwoche 2009 hergestellt.

Foto des Prozessors Athlon II X2 250


Es handelt sich dabei ebenfalls um einen Prozessor, welcher sowohl zum Sockel AM2+ als auch zum Sockel AM3 kompatibel ist.

CPU-Z CPU Athlon II X2 250


AMDs Athlon II basiert auf dem K10-Kern in 45 nm Strukturbreite, bietet jedoch einige gravierende Unterschiede. Das Modell des X2 250 taktet mit 3 GHz Kerntakt sowie 2 GHz Northbridgetakt. Je Kern stehen 1 MByte dedizierter L2-Cache zur Verfügung (doppelt soviel wie beim Phenom II), auf die dritte Cache-Stufe muss der Zweikerner komplett verzichten. Die Die-Size wird von AMD mit 117 mm² angegeben, was weniger als die Hälfte der für Phenom II-Prozessoren benötigten Fläche ist. Das heißt, der Regor ist kein Deneb mit zwei deaktivierten Kernen und deaktiviertem L3-Cache, sondern ein eigener Prozessor, den AMD mit einer eigenen Maske fertigt. Der Multiplikator ist fix und kann nur nach unten verändert werden. Übertakten ist dadurch nur über den Referenztakt möglich.

CPU-Z CPU Athlon II X2 250


Im Idle-Betrieb taktet auch der X2 250 mit 800 MHz, benötigt dafür aber 0,975 Volt.

CPU-Z Cache Athlon II X2 250


Beide Cache-Stufen werden identisch zum X2 550 BE angesprochen.

CPU-Z Speicher Athlon II X2 250 DDR2


Der Speicherstandard bei Einsatz auf einem Sockel AM2+ -Mainboard ist ebenfalls DDR2-1066.

CPU-Z Speicher Athlon II X2 250 DDR2


Im Gegensatz zu allen anderen AM3-Prozessoren wird bei Einsatz auf einem AM3-Mainboard nur DDR3-1066 unterstützt.

P-States Athlon II X2 250


Auch die neuen Athlon II-Prozessoren erhalten vier Power States mit jeweils unterschiedlichen Taktraten und Spannungen. Im Gegensatz zu unserem X2 550 BE benötigt der Athlon II aber je Taktstufe 0,025 Volt mehr.

CPU-Z Latency Athlon II X2 250

Die Latenzen der beiden Cachestufen unterscheiden sich nicht vom normalen "K10.5" Kern.
[break=Die Testsysteme im Überblick]
Im Rahmen der Tests für das heutige Review kamen gleich mehrere Testsysteme zum Einsatz. Dies ist der Tatsache "geschuldet", dass wir unseren Lesern möglichst viele Vergleichswerte präsentieren wollen. Einen Großteil der Benchmark-Ergebnisse haben wir aus unserem ersten Phenom II-Review übernommen, da mit Ausnahme der Prozessoren (und im Falle des AM3 noch das Mainboard sowie der RAM) die gleiche Hard- und Software zum Einsatz kam.

Ursprünglich hatten wir geplant, unser Reviewsystem deutlich "aufzupeppen". Hauptsächlich stand hier der verwendete Speicher im Vordergrund, da der Speicherausbau mit zwei bis drei Gigabyte nicht mehr zeitgemäß ist. Doch um diesen Schritt zu gehen und die Chancengleichheit zu gewährleisten, hätten wir sämtliche Vergleichswerte neu ermitteln müssen. Der Zeitraum zwischen dem letzten Prozessortest und dem heutigen Artikel war dafür jedoch viel zu kurz, sodass wir einmal mehr auf den bisher genutzten Speicherausbau zurückgreifen müssen.

Die Hardware sieht dabei so aus:

Testsystem Sockel AM2+
  • Prozessoren:
    • AMD Phenom II X2 550 BE
    • AMD Athlon II X2 250
    • AMD Phenom II X4 955 BE
    • AMD Phenom II X4 810
    • AMD Phenom II X3 720
    • AMD Phenom II X4 940
    • AMD Phenom X4 9850 BE
    • AMD Phenom X3 8750 BE
    • AMD Athlon 7750 BE
    • AMD Phenom X4 9600 BE
    • AMD Athlon 64 X2 6400+
  • Mainboard (Referenz): Gigabyte GA-MA790GP-DS4H (BIOS F4)
  • Arbeitsspeicher: 2x 1 GByte Corsair TWIN2X2048-8500C5DF (5-5-5-15 2T)
  • Grafikkarte: ZOTAC GTX 280 AMP!
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 530 Watt
  • Festplatte: Seagate ST3250410AS (SATA, 7.200/min)
  • Gehäuse: Chieftec Mesh CH-01 Midi-Tower
  • Energiemessgerät: Voltcraft Energy Monitor 3000


Testsystem Sockel AM3
  • Prozessoren:
    • AMD Phenom II X4 955 BE
    • AMD Phenom II X4 810
    • AMD Phenom II X3 720
  • Mainboard (Referenz): Gigabyte GA-MA790XT-UD4P (BIOS F2)
  • Arbeitsspeicher: 2x 1 GByte Cellshock ES DDR3-1333 (7-7-7-21 1T)
  • Grafikkarte: ZOTAC GTX 280 AMP!
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 530 Watt
  • Festplatte: Seagate ST3250410AS (SATA, 7.200/min)
  • Gehäuse: Chieftec Mesh CH-01 Midi-Tower
  • Energiemessgerät: Voltcraft Energy Monitor 3000


Testsystem Sockel 775
  • Prozessoren:
    • Intel Core 2 Extreme QX9770
    • Intel Core 2 Duo E8600
  • Mainboard: Intel DX48BT2 (BIOS BT1893P)
  • Arbeitsspeicher: 2x 1 GByte OCZ3P1600EB2GK (7-6-6-20 2T)
  • Grafikkarte: ZOTAC GTX 280 AMP!
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 530 Watt
  • Festplatte: Seagate ST3250410AS (SATA, 7.200/min)
  • Gehäuse: Chieftec Mesh CH-01 Midi-Tower
  • Energiemessgerät: Voltcraft Energy Monitor 3000


Testsystem Sockel 1366
  • Prozessor: Intel Core i7 965 XE
  • Mainboard: Intel DX58SO (BIOS SO2786P)
  • Arbeitsspeicher:
    • 2x 1 GByte Cellshock PC3-14400 (8-7-6-21 2T)
    • 1x 1 GByte OCZ PC3-16000 (8-7-6-21 2T)
  • Grafikkarte: ZOTAC GTX 280 AMP!
  • Netzteil: be quiet! Dark Power Pro 530 Watt
  • Festplatte: Seagate ST3250410AS (SATA, 7.200/min)
  • Gehäuse: Chieftec Mesh CH-01 Midi-Tower
  • Energiemessgerät: Voltcraft Energy Monitor 3000

Auf der Software-Seite sehen die Systeme so aus:

verwendete Software / TreiberVersion / Bemerkungen
Windows Vista Ultimate
64 Bit, Service Pack 1
DirectX
10, Juni-Update 2008
Grafikkartentreiber
ForceWare 180.48
Chipsatz-/Mainboardtreiber
aktuelle Version des Herstellers
Everest
4.60, Build 1500
WinRAR
3.71d
XMPEG
5.03, Build 5.0.8.84
XviD
1.2.-127
Avidemux
2.4.3
POV-Ray
3.7, Beta 27
Cinebench
R10, 64 Bit
Crysis
Demo
Crysis Benchmark Tool
1.0.0.5
UT3
Demo
UT3-Bench
0.2.0.35
Doom 3
Demo
Quake 3
Quake 3 Arena
q3bench
v2.00 Public Beta
3DMark Vantage
Advanced, Build 1.0.1, ohne Feature Tests
PCMark Vantage
Advanced, Build 1.0.0
BOINC
6.2.19


Unser Test-Parcours soll einen guten Querschnitt durch den Alltagsbetrieb eines PCs bilden. 32 Bit- und 64 Bit-Anwendungen sind vertreten, ältere Spiele wechseln sich mit neueren ab, Video-Encoding und Rendering sind vertreten und selbst Distributed Computing spielt eine Rolle. Das alles sind Anwendungen, die im Alltag auftreten können und zeigen so einen guten Querschnitt durch das Anforderungsprofil eines heutigen Prozessors.
[break=Vorwort zu den Benchmarks]
Oberste Priorität haben bei uns seit jeher Vergleiche bei identischer Taktrate. Dadurch lässt sich zuverlässig erkennen, welche Architektur bei welcher Anwendung Vorteile hat. Diesem Schema sind wir in den letzten Prozessor-Artikeln auf Planet 3DNow! immer gefolgt und auch heute machen wir hier keine Ausnahme.

Leider kamen die beiden Prozessoren wieder so spät in unsere Hände, dass wir auf einen kompletten Testparcours mit 2,5 GHz, 3,0 GHz und der echten Taktfrequenz verzichten mussten. Da wir alle uns zur Verfügung stehenden Prozessoren bereits bei 3 GHz Taktfrequenz miteinander verglichen haben und der heute vorgestellte X2 250 ebenfalls diese Frequenz als Standardtakt besitzt, haben wir uns entschlossen, uns heute mit einem Performancevergleich bei 3 GHz zu bescheiden - notgedrungen aus Zeitmangel.

Benchmarkvergleich bei 3 GHz

Die CPUs liefen dabei wie folgt:
  • AMD Phenom II X2 550 BE: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Athlon II X2 250: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Phenom II X4 955 BE: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Phenom II X4 810: 250 x 12 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1000
  • AMD Phenom II X4 810: 250 x 12 - 2 GHz NB-Takt - DDR3-1333
  • AMD Phenom II X3 720 BE: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Phenom II X3 720 BE: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR3-1333
  • AMD Phenom II X4 940 BE: 200 x 15 - 1,8 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Phenom X4 9850 BE: 200 x 15 - 2 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Phenom X3 8750 BE: 200 x 15 - 1,8 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Athlon 7750 BE: 200 x 15 - 1,8 GHz NB-Takt - DDR2-1066
  • AMD Athlon 64 X2 6400+: 200 x 15 - DDR2-750
  • Intel Core 2 Duo E8600: 333 x 9 - DDR3-1333
  • Intel Core 2 Extreme QX9770: 333 x 9 - DDR3-1333
  • Intel Core i7 965 XE: 133 x 22 - 4,8 GHz QPI-Takt, DDR3-1066 - Turbo-Modus deaktiviert

Beim i7 hatten wir die Wahl, entweder 2,93 oder 3,06 GHz zu verwenden. Wir entschieden uns für den niedrigeren Takt von 2,93 GHz, da dies exakt der Original-Frequenz eines Intel Core i7 940 entspricht.

Hauptsächlich steht im heutigen Artikel die Performance der beiden neuen Dual-Cores im Vergleich zur Performance der übrigen Zweikerner im Vordergrund. Wie schlagen sich Callisto und Regor im Vergleich zum mittlerweile betagten Windsor und zum unbeliebten Kuma? Dieser Frage gehen wir auf den kommenden Seiten nach.

Um die Vergleichbarkeit innerhalb der Diagramme größtmöglich zu gestalten, haben wir Ergebnisse unserer beiden Probanden jeweils mit hellem rot gekennzeichnet. Die "alteingesessenen" Dual-Cores Windsor und Kuma sind mit einem dunkleren rot markiert, alle anderen AMD-Prozessoren werden im gleichen grün dargestellt. Die Intel-Fraktion wird blau dargestellt, wobei die Farbe des Intel Core 2 Duo etwas dunkler gewählt ist.
[break=Everest Memory Benchmark, WinRAR (bei 3.0 GHz)]
Everest


Everest von Lavalys hat sich in letzter Zeit zu einem populären Benchmark entwickelt. Viele nutzen ihn, die Versionsabhängigkeit ist nicht so ausgeprägt wie bei SiSoft Sandra und auch bei uns im Forum lassen sich viele Vergleichswerte finden. Aus diesem Grund nutzen wir den integrierten Memory-Benchmark von Everest, um den Speicherdurchsatz beim Lesen, Schreiben und kopieren sowie die Speicherlatenz zu messen. Dabei kommt die Programmversion 4.60 mit Build 1.500 zum Einsatz.

Everest


Speicherdurchsatz: Lesen


AMDs Regor überflügelt beide bisherigen Dual-Core-Varianten relativ mühelos und lässt sogar Intels Core 2 im Regen stehen. Der Callisto muss hingegen sowohl Intels Core 2 als auch den Windsor ziehen lassen.

Speicherdurchsatz: Schreiben


Das Ergebnis des Windsor - also des Uralt-K8 Dual-Core in 90 nm Bauweise mit 1024 KByte L2-Cache je Kern - im Write-Test ist für beide Neulinge unerreichbar. Der Kuma wird aber mehr als deutlich geschlagen, Regor bleibt sogar in Tuchfühlung mit Intels Dual-Core.

Speicherdurchsatz: Kopieren


Im Copy-Test lassen beide Neulinge alle anderen Zweikerner deutlich hinter sich. Erneut hat Regor hier Vorteile gegenüber Callisto.

Speicherlatenz


In Sachen Speicherlatenz muss sich Callisto knapp dem mittlerweile angegrauten Windsor geschlagen geben. Alle anderen Dual-Core-Varianten hat er deutlich im Griff. Regor zieht jedoch auch in diesem Teiltest einsam seine Bahnen und weist bis auf Intels Bloomfield alle anderen CPUs in die Schranken.

Insgesamt siegt Regor in allen vier Teiltests des Everest Memory-Benchmarks. Scheinbar bietet das Fehlen der dritten Cache-Stufe Latenzvorteile, die im Everest-Benchmark hervorragend zur Geltung kommen. Doch wie sieht es mit diesen Vorteilen in Real-World-Applikationen aus?



WinRAR


Auch bei WinRAR wird immer auf gleichem Weg getestet: Es wird ein ca. 4,5 Gigabyte großes RAR-Archiv mit gemischtem Inhalt geöffnet und anschließend der integrierte Benchmark gestartet. WinRAR reagiert äußerst feinfühlig auf Speicher-Latenzen.

WinRAR"


WinRAR


Beim Packprogramm WinRAR fehlt dem Regor-Prozessor nun die dritte Cache-Stufe, sodass er sich hinter AMDs Callisto einordnen muss. Dieser liegt nur knapp hinter Intels Core 2 Duo zurück, die beiden älteren AMD-Zweikerner spielen in diesem Test keine Rolle mehr.
[break=XMPEG, Avidemux, H.264 (bei 3.0 GHz)]
XMPEG + XviD / Avidemux + h.264


Wenn es um Video-Encoding bzw. -Decoding geht, so gibt es unzählige Variationen und Ausgestaltungen von Software. Viele Programme und noch mehr Codecs lassen dem Enduser die Qual der Wahl. Dabei ist die Nutzung der Ressourcen genauso vielfältig wie die Software selbst: Einige Programme bzw. Codecs können maximal einen Prozessorkern ansprechen, andere wiederum nehmen alles, was sie an Leistung bekommen können - schwer, dabei einen Querschnitt abzubilden.

Wir haben mit der Wahl von XMPEG in Verbindung mit dem XviD-Codec sowie Avidemux in Verbindung mit dem H.264-Codec versucht, diesen Querschnitt zu finden. Während XMPEG mit dem zum Teststart aktuellen XviD-Codec 1.2 Beta kaum mehr als einen Prozessorkern beansprucht, nutzt Avidemux dank H.264-Codec jede zur Verfügung stehende Ressource. In beiden Fällen wandeln wir je ein Referenz-Video um und messen dabei die benötigte Zeit.

XMPEG


XMPEG + XviD


Auch hier muss sich Regor hinter Kuma einordnen, wenn auch äußerst knapp. Callisto überflügelt hingegen alle anderen Dual-Cores und selbst der Toliman (K10 der ersten Generation) mit einem Kern mehr muss hinterherschauen.



Avidemux


Avidemux + H.264


Bei Avidemux platzieren sich beide Neulinge vor den alteingesessenen Hasen. Lediglich Intels Core 2 Duo ist in diesem Test schneller. Die Reihenfolge zwischen Callisto und Regor bleibt auch in diesem Test bestehen.



Da das Encodieren eines Videos einen Aspekt darstellt, das Abspielen eines Videos hingegen einen völlig anderen, spielen wir ein vorgefertigtes mit h.264-Codec erstelltes Video im Windows Media Player ab und messen mittels der Windows Leistungsanzeige die auftretende Prozessorlast.

Perfmon


CPU-Last Wiedergabe h.264-Video


Bei der Wiedergabe eines h.264-Videos und der Messung der Prozessorlast ergibt sich die absolut identische Reihenfolge der Dual-Core-Prozessoren wie beim Encoding-Test mit Avidemux.
[break=POV-Ray, Cinebench (bei 3.0 GHz)]
POV-Ray


Auch der Punkt Rendering darf in unserem Parcours nicht fehlen. Für diesen Bereich nutzen wir 2 Programme, die unterschiedliche Anwendungsgebiete haben.

Auf der einen Seite kommt POV-Ray zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Raytracer-Programm, welches im Benchmark-Modus eine vorgefertigte 3D-Szene berechnet. Gemessen wird die dafür benötigte Zeit.

POV-Ray


POV-Ray


POV-Ray schlägt massiv Kapital aus der Parallelisierung. Kein Wunder, dass alle fünf Zweikern-CPUs am Ende des Diagramms zu finden sind. Interessant dabei ist jedoch, dass Intels Core 2 von beiden Neulingen mit etwa zwanzig Sekunden Rückstand deklassiert wird. Regor und Callisto sind in diesem Test de facto gleich auf, was darauf schließen lässt, das POV-Ray keinerlei Vorteil aus einer dritten Cache-Stufe ziehen kann.



Cinebench


Auf der anderen Seite nutzen wir das bekannte Renderprogramm Cinebench in der aktuellen Version R10. Cinebench basiert auf der Cinema 4D-Software von Maxon und liegt in einer 64 Bit-Version vor, welche wir natürlich nutzen. Wir lassen den Benchmark hintereinander erst auf einem Prozessorkern und dann auf allen Kernen laufen, notieren die jeweiligen Ergebnisse sowie den Speedup-Faktor.

Cinebench


Cinebench 1 CPU


Im Single-CPU-Test zieht Intels Wolfdale davon, Regor muss sich ebenfalls mit Respektabstand hinter Callisto einordnen.

Cinebench x CPU


Werden alle zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Berechnung genutzt, so müssen sich die Zweikerner allesamt hinten anstellen. Die beiden Neulinge platzieren sich zwischen Wolfdale sowie Windsor und Kuma. Regor kann sich hier sogar äußerst knapp vor Callisto setzen.

Cinebench Multiprocessor Speedup


Ursache dafür ist der etwas bessere Multiprocessor-Speedup beim Regor. Es geht zwischen die Dual-Cores jedoch generell sehr eng zu.
[break=Crysis, UT3 (bei 3.0 GHz)]
Crysis


Crysis ist ein DirectX 10-Spiel, welches einen integrierten CPU-Benchmark in 64 Bit bietet. Wir lassen diesen Benchmark mit Hilfe des kostenlosen "Crysis Benchmark-Tools" hintereinander in den Auflösungen 1024x768, 1280x1024 sowie 1600x1200 jeweils mit dem Detail-Level "High" laufen.

Crysis


Sicher könnte man darüber nachdenken, immer häufiger anzutreffende Auflösungen im Widescreen-Format zu nutzen. Da wir mit diesem System jedoch keine Grafikkarten testen und die Vergleichbarkeit lediglich unter den Mainboards bzw. Prozessoren gegeben sein soll, bleiben wir den bisher genutzten Auflösungen treu.

Crysis 1024x768


Crysis 1280x1024


Crysis 1600x1200


Zwar platzieren sich sowohl Regor als auch Callisto durchweg vor Kuma und Windsor, Intels Core 2 Duo ist jedoch meilenweit entfernt. Einmal mehr avanciert Callisto zum schnellsten AMD-Zweikerner.



UT3


Unreal Tournament bzw. dessen Game-Engine ist ein Beispiel für gute Systemausnutzung. Hier spielt die Grafikleistung eine weniger gewichtige Rolle - stattdessen skaliert das Spiel mit der Anzahl der Prozessorkernen und ist somit ideal für einen Systemvergleich.

UT3


Findige Programmierer haben ein kleines, kostenloses Tool namens "UT3-Bench" geschrieben, welches wir für unsere Benchmarks nutzen. Auch hier nutzen wir die Auflösungen von 1024x768, 1280x1024 sowie 1600x1200 und lassen den Benchmark mit der Map vCTF-Suspense_fly jeweils 60 Sekunden laufen. Vor den Durchläufen wird jedoch noch der von Haus aus eingebautet Frame-Limiter deaktiviert.

UT3 1024x768


UT3 1280x1024


UT3 1600x1200


Auch bei Unreal Tournament 3 bleibt die Reihenfolge unverändert. Wolfdale vor Callisto, Regor vor Kuma und Windsor. Allerdings ist der Rückstand von Callisto auf Wolfdale wesentlich geringer, gleichzeitig ist der Vorsprung zu Regor deutlich größer.
[break=Doom 3, Quake 3]
Doom 3


Doom 3 stellt unseren Vertreter der etwas älteren Spiele dar, was insgesamt zu einem guten Querschnitt durch die Spielewelt führt. Wieder kommen die 3 bekannten Auflösungen mit "Ultra Details" zum Einsatz. Gewertet wird jeweils der zweite Durchlauf, da beim ersten Durchlauf starke Nachladeruckler auftreten und dadurch das Ergebnis verfälschen.

Doom 3


Doom 3 1024x768


Doom 3 1280x1024


Doom 3 1600x1200


Während die Performance des Callisto im Doom 3-Benchmark identisch zu der eines großen Phenom II X4-Bruders ausfällt, kann Regor nur einen knappen Vorsprung vor Kuma und Windsor behaupten. Intels Wolfdale bleibt aber auch für Callisto enteilt.



Quake 3


Einige werden beim Lesen der Überschrift "Quake 3" schmunzeln. Verständlich, denn dieses Spiel hat bereits einige Jahre auf dem Buckel. Als aktuell kann man es also nicht mehr bezeichnen. Doch warum nutzen wir diese Software noch immer?

Quake 3 reagiert wie kaum ein anderes Programm auf das Memory-Subsystem eines PCs. Ob Speichertakt, Latenzen oder verschiedene Speicherbestückungen - es gibt kaum eine Situation, in der Quake 3 nicht darauf reagiert. Damit erhebt sich dieses Tool zum unverzichtbaren Bestandteil unseres Benchmark-Parcours.

Quake 3


Für unsere Benchmarks nutzen wir "Q3Bench" und lassen die Map "Demo001" in den Auflösungen 640x480 mit normalen Details sowie 1024x768 mit maximalen Details jeweils 2x durchlaufen. Gewertet wird der zweite Durchlauf, da das Ergebnis des ersten Durchlaufs durch das erstmalige Laden verfälscht wird.

Quake 3 640x480


Quake 3 1024x768


Quake 3 liefert ein ähnliches Bild. Auch hier ist Callisto so schnell wie seine großen Brüder, Kuma und Windsor werden mehr als deutlich überflügelt. Regor vermisst hier hingegen die dritte Cache-Stufe und muss sich sogar hinter Kuma einordnen. Lediglich Windsor kann er schlagen.
[break=3DMark Vantage, PCMark Vantage]
3DMark Vantage


Zum Abschluss unseres Benchmark-Parcours statten wir Futuremark noch einen Besuch ab. Obwohl die Benchmarks aus diesem Hause derzeit heftig umstritten sind (wir berichteten), gehören sie noch immer zu den beliebtesten Vergleichsmöglichkeiten.

Futuremark bietet mit 3DMark Vantage bzw. PCMark Vantage zwei Programme an, die ausschließlich unter Windows Vista laufen. PCMark liegt zudem in einer 64 Bit-Version vor, welche wir nutzen. 3DMark Vantage lassen wir im vorgefertigten Performance-Preset laufen (High- bzw. Extreme-Preset sind aufgrund des verwendeten Monitors nicht zugänglich).

3DMark Vantage Performance


3DMark Vantage Performance


3DMark Vantage Performance Gesamt


3DMark Vantage Performance CPU


Im 3DMark Vantage tummeln sich alle Zweikerner einmal mehr am Ende des Diagramms. Intels Wolfdale führt die Armada an, dahinter folgen Callisto und Regor mit Respektabstand. Windsor und Kuma bilden einmal mehr die Schlusslichter.



PCMark Vantage


Der PCMark bietet verschiedene Suiten, die unterschiedliche Bereiche des PCs testen. Wir nutzen neben dem Standard-Durchlauf noch zusätzlich die Speicher- sowie Gaming-Suite und können somit ein detailliertes Ergebnis erzielen.

Da während des Festplatten-Tests Daten auf die Festplatte geschrieben bzw. von der Festplatte gelesen werden, ist eine fragmentierte Festplatte tödlich für ein nachvollziehbares Resultat. Aus diesem Grund spendieren wir PCMark eine eigene 5 GB große Partition, die bei jedem System vor der Installation von PCMark formatiert und nach der Installation defragmentiert wird. Verfälschungen können dadurch nicht auftreten.

PCMark Vantage


PCMark Vantage gesamt


Beim Gesamtergebnis liegen Callisto und Regor noch gleich auf. Intels Core 2 Duo ist deutlich schneller, beide "alten" AMD-Dual-Cores sind deutlich langsamer.

PCMark Vantage Memory


Auch in der Memory-Suite ist Intels Wolfdale das Maß der Dual-Core-Dinge, Regor kann sich nur knapp vor Kuma behaupten.

PCMark Vantage Gaming


In der Gaming-Suite kommt der L3-Cache des Callisto zum Tragen, weshalb der Core 2 Duo von Callisto und Regor in die Zange genommen wird.
[break=BOINC, Leistungsaufnahme]
BOINC


Viele Forenmitglieder von Planet 3DNow! betreiben Distributed Computing als Hobby und stellen dabei die nicht benötigte Rechenzeit ihres Computers der Wissenschaft zur Verfügung. Planet 3DNow! rangiert dank der vielen fleißigen Mitglieder unter den Top 10-Teams weltweit - kein Wunder also, dass wir einen Distributed Computing-Benchmark in unser Prozessor-Review eingebaut haben. Es kommt die zum Zeitpunkt der Referenz-Festlegung aktuelle BOINC-Version 6.2.19 zum Einsatz, deren integrierter Benchmark genutzt wird. Der Benchmark errechnet jeweils die Leistungsfähigkeit eines Prozessorkerns.

 BOINC floating point MIPS (Whetstone) - pro Kern


Das Ergebnisfeld der Whetstone-Berechnung ist auf AMD-Seite traditionell sehr dicht beisammen. Dennoch können sich die beiden Neulinge vor den beiden alteingesessenen Zweikernern platzieren.

 BOINC integer MIPS (Dhrystone) - pro Kern


Die Dhrystone-Berechnung ist Cache-lastig, was AMDs Callisto zugute kommt. Er platziert sich deutlich vor Regor, welcher widerum mit Kuma kämpft. Intels Wolfdale sowie AMDs Windsor spielen hier keine Rolle.



Leistungsaufnahme


Wie viel Strom verbraucht der aktuelle PC? Die Antwort auf diese Frage darf natürlich nicht fehlen. Aus diesem Grund messen wir die Leistungsaufnahme in bestimmten Szenarien mittels des Voltcraft Energy Monitor 3000. Dabei messen wir die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems, jedoch ohne Monitor.

Leistungsaufnahme Prime95 64 Bit


In dieser Disziplin glänzen beide neuen Zweikerner und setzen sich an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Kein Wunder, werden doch im Falle des X2 550 BE Callisto zwei von vier Kernen deaktiviert und der X2 250 Regor kann zusätzlich noch auf den stromhungrigen L3-Cache verzichten. Neue Bestwerte waren hier also de facto vorprogrammiert - selbst wenn nur DDR2 zum Einsatz kam.

Leistungsaufnahme Idle ohne Cool'n'Quiet


Auch im Idle-Betrieb ohne Cool'n'Quiet setzt Regor eine neue Bestmarke - fehlendem L3-Cache sei Dank. Callisto muss sich hingegen mit Intels Wolfdale herumschlagen. Interessant ist auch, dass selbst AMDs X3 720 BE einen Tick genügsamer ist. Ein Grund hierfür könnte im neuen BIOS für unser Gigabyte GA-MA790GP-DS4H liegen, welches wir seit dem Test des Phenom II X4 955 BE nutzen müssen.

Leistungsaufnahme Idle mit Cool'n'Quiet


Einen neuen absoluten Bestwert setzt Regor auch bei aktiviertem Cool'n'Quiet. Auch hier muss sich Callisto im Mittelfeld einordnen, einmal mehr könnte hier das neue BIOS zu einer leichten Verfälschung der Ergebnisse führen.
[break=Sinnhaftigkeit und Analyse]
Mit dem heutigen Tag ist das CPU-Portfolio von AMD um zwei Dual-Core-Prozessoren reicher. Doch macht es auch tatsächlich Sinn, gleich zwei Varianten vorzustellen?

AMD Phenom II X2 550 BE & AMD Athlon II X2 250 - Phenom II Die-Shot


Etwa so sieht der Die-Shot eines Phenom II X4 955 Black Edition aus. Im oberen Teil sind die vier Prozessorkerne samt L2-Cache zu sehen, im unteren Teil befindet sich der L3-Cache. Treten bei der Produktion eines X4-Prozessors Teildefekte an den Prozessorkernen oder dem L3-Cache auf, so kann die CPU trotz des Defekts noch als kleineres Modell verkauft werden. Im Falle eines Defekts am Kern selbst besteht die Möglichkeit, daraus einen Triple-Core-Prozessor zu machen. Treten Defekte am L3-Cache auf, so kann der Prozessor mit einem Drittel weniger Cache als Modell der X4 800-Serie verkauft werden. Es besteht also ohnehin bereits die Möglichkeit, teildefekte Prozessoren zu "verwerten". Werfen wir nun einen Blick auf einen Phenom II X2-Prozessor:

AMD Phenom II X2 550 BE & AMD Athlon II X2 250 - Phenom II X2-500 Die-Shot


Die neuen Dual-Cores der Phenom II X2 500-Serie werden ebenfalls durch Deaktivierung von Kernen "hergestellt". Der einzige Unterschied zum Triple-Core-Prozessor ist der, dass gleich zwei Kerne deaktiviert werden müssen. Betrachtet man diesen Sachverhalt in Verbindung mit der Tatsache, dass bereits Dutzende Meldungen im Internet zu finden sind, dass bei Triple-Cores der vierte Kern erfolgreich reaktiviert werden konnte und fehlerfrei läuft, so ist davon auszugehen, dass AMD für Prozessoren der X2 500-Serie vermehrt völlig intakte Prozessorkerne deaktivieren muss. Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, dass AMD ein Prozessor-Die als Phenom II X2 550 BE verkauft, was technisch gesehen auch als Phenom II X4 955 BE über den Ladentisch hätte gehen können.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dieser Schritt jedoch völlig nachvollziehbar. Lieber intakte Dies künstlich beschneiden, um in jedem Marktsegment ohne viel Aufwand ein Angebot platzieren zu können, als für jedes Marktsegment eine eigene Fertigungslinie samt eigener Maske zu unterhalten, was Geld und Kapazitäten kostet. Doch je mehr Teile deaktiviert werden müssen, desto näher rückt man dem Punkt, an dem eine eigene Fertigungslinie trotz aller Kosten wirtschaftlich sinnvoller ist. Werfen wir nun einen Blick auf AMDs Regor, wenn dieser ein Ableger der Phenom II-Familie wäre:

AMD Phenom II X2 550 BE & AMD Athlon II X2 250 - Phenom II Die-Shot


Um einen L3-losen Prozessor realisieren zu können, müsste man den L3-Cache komplett deaktivieren. Das würde heißen, dass man etwa die Hälfte des hergestellten Prozessors deaktiveren müsste - nur, um eine CPU zu verkaufen, die für nur etwas mehr als ein Drittel des Preises über den Ladentisch geht.

Regor Die-Shot


Statt des eben beschriebenen Szenarios bekommt AMDs Regor eine eigene Maske für die Herstellung spendiert. Zwar ist dieser Weg mit zusätzlichen Kosten für eine eigene Fertigungslinie verbunden, im Endeffekt sollte sich die Herstellung aber dennoch rechnen. Denn statt der etwa 258 mm² Die-Fläche benötigt eine Regor-CPU nur rund 117 mm² - weniger als die Hälfte.

Sinn oder Unsinn?

Kommen wir einmal zur Frage nach Sinn oder Unsinn der beiden Variationen zurück.

Wirtschaftlich gesehen dürfte es für AMD keinen Sinn ergeben, Dual-Core-Prozessoren auf Basis des Phenom II-Kerns zu verkaufen. Die Yield-Rate (Ausbeute) dürfte mittlerweile so hoch sein, dass nicht soviele defekte Kerne auftreten, um zwingend Dual-Cores mit zwei defekten Kernen verkaufen zu müssen. Treten defekte Kerne auf, so sollte man diese bereits auf den Triple-Cores unterbringen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass AMD für Callisto-CPUs funktionierende Kerne deaktivieren muss, ist somit ziemlich hoch.

Aus diesem Grund macht es mehr Sinn, eine CPU wie Regor vorzustellen. Hier muss nichts deaktiviert werden, was vorher mühevoll und mit hohen Kosten produziert wurde. Das heißt, es passen erheblich mehr Regor-Kerne als Deneb-/Heka-/Callisto-Kerne auf einen Wafer, was die Produktionskosten je Prozessor erheblich senkt. Daher hätte aus unserer Sicht die Vorstellung ausschließlich von Regor wesentlich mehr Sinn gemacht, denn für High-End-Systeme sind sowohl Regor als auch Callisto zu langsam. Für die angestrebten Einsatzgebiete wie Office und Co. hingegen sind beide ausreichend flott.

Analyse

Was bringt der L3-Cache des K10-Prozessors? Das ist die Frage, die sich viele Technik-interessierte User seit der Vorstellung des Phenom Ende 2007 stellen. Bisher gab es keine Möglichkeit diese Frage zu untersuchen, da sich der L3-Cache des K10-Kerns nicht einfach per BIOS deaktivieren lässt.

Oft war zu lesen, die zusätzliche Cachestufe, die auch zusätzliche Latenzzyklen bedingt, sei eine Krücke und möglicherweise wird das Mehr an Cache durch die schlechteren Latenzen beim Zugriff auf die Speicher-Hierarchieren aufgezehrt, zumal der L3-Cache des K10 nicht sonderlich gelungen schien, schließlich schaffen andere Prozessoren mit L3-Cache deutlich kürzere L3-Cache Latenzen als jene 50-55 Zyklen, die der K10 benötigt. Seit heute wissen wir, dass dem nicht so ist. Da unsere Tests mit identischer Taktfrequenz von 3.0 GHz durchgeführt wurden, wissen wir, dass der L3-Cache des K10 sehr wohl erhebliche Vorteile bringt. Obwohl der Regor mit stolzen 1 MByte L2-Cache je Kern ausgestattetet ist und der Callisto wie auch die gesamte bisherige K10-Reihe nur mit 512 KByte je Kern (dafür jedoch mit 6 MByte L3-Cache), kann der Regor bei den Praxistests nur selten in die Nähe des Callisto schnuppern. Vorteile kann er nur bei den synthetischen Tests verzeichnen, wo direkt auf das RAM zugegriffen wird und sich komplexe Cache-Hierarchien eher als hinderlich, denn als förderlich darstellen.

Dennoch hat der Regor unbedingt seine Berechtigung, denn es wurde Zeit, dass der alte K8 Dual-Core endlich einen würdigen Nachfolger findet. Der Kuma konnte das nicht sein, denn zum einen war er zu niedrig getaktet, um das alte K8 Topmodell nachhaltig vom Thron zu stoßen, und zum anderen verbrauchte er viel zu viel Strom. Die K8 Dual-Core Versionen reichten inzwischen immerhin bis hinab zu einer TDP von 35 W und wurden daher gerne in stromsparenden Office- und Internet-PCs verbaut. Diese Lücke konnte der Kuma bisher nicht schließen. Zwar konzentriert sich AMD mit dem Regor bisher auch auf die Spitze des Eisbergs (3,0 GHz Taktfrequenz), kann aber bereits in dieser Version zeigen, dass er enormes Stromspar-Potenzial hat. Zwar ist er in der aktuellen Version X2 250 noch mit 65 W TDP klassifiziert, was nicht schlecht ist für 3,0 GHz, aber auch keine Revolution, aber sobald AMD Regors mit etwas niedrigerer Taktfrequenz und Kernspannung nachschiebt, dürften wir uns über performante Zwei-Kerner mit 45 W TDP oder weniger freuen.
[break=Overclocking / Spannungsabsenkung]
In unseren letzten Prozessortests haben wir jeweils überprüft, um wieviel Megahertz die Prozessoren bei Standardspannung übertaktet werden können und um wieviel die Betriebsspannung bei Standardtakt abgesenkt werden kann. Genau diese beiden Szenarien haben wir uns auch heute kurz angeschaut.

AMD Phenom II X2 550 BE

AMD Phenom II X2 550 BE - Overclocking bei Standardspannung
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Mit 3.690 MHz konnten wir eine Steigerung der Taktrate um fast 600 MHz erzielen. Bedenkt man, dass wir im letzten Prozessor-Artikel durch den Wechsel des Mainboards noch einmal etwa 100 MHz mehr erzielen konnten, so sind 3.800 MHz bei Standardspannung je nach Mainboard im Bereich des Machbaren.

AMD Phenom II X2 550 BE - Spannungsabsenkung bei Standardtakt
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Bei Standardtakt konnten wir die Betriebsspannung der CPU um 0,175 Volt absenken, was laut CPU-Z in 1,152 Volt resultierte.

AMD Athlon II X2 250

AMD Athlon II X2 250 - Overclocking bei Standardspannung
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Overclocking beim Athlon II ist derzeit lediglich per Referenztakt möglich, da der Multiplikator fix ist. Da unser Referenz-Mainboard Gigabyte GA-MA790GP-DS4H bereits gezeigt hat, dass es die 350 MHz-Marke locker nehmen kann, ist das Mainboard der ideale Unterbau für OC-Versuche des Athlon II. Ein Limit des Mainboards ist somit ausgeschlossen.

Wir wurden jedoch bereits bei 233 MHz Referenztakt vom Prozessor gebremst. Mit knapp 3,5 GHz fällt das OC-Ergebnis bei Standardspannung zwar ordentlich aus, insgeheim hatten wir uns aber etwas mehr erhofft. Von deaktivertem Ballast befreit und mit weniger Hitzeentwicklung konfrontiert hätten wir hier einen Tick mehr erwartet. Nichts desto trotz geht das Ergebnis mit fast 500 MHz mehr in Ordnung.

AMD Athlon II X2 250 - Spannungsabsenkung bei Standardtakt
(Mausklick öffnet eine größere Version des Screenshots)


Wie auch beim Phenom II X2 550 BE konnten wir die Betriebsspannung bei Standardtakt um 0,175 Volt absenken. Da der Regor eine von Hause aus mit einer leicht höheren VCore aufwartet, resultieren 0,175 Volt weniger bei dieser CPU in 1,168 Volt laut CPU-Z.
[break=Fazit]
AMD Phenom II X2 550 BE & AMD Athlon II X2 250 - Titelbild


Mit dem heutigen Tag findet bei AMDs Zweikernern eine Wachablösung statt. Der bisherige Platzhirsch im AMD Dual-Core Markt, Oldtimer K8, bekommt in allen Belangen seinen Meister in Form des AMD Athlon II X2 250 "Regor" bzw. des AMD Phenom II X2 550 BE "Callisto" vorgesetzt. Dabei könnten Regor und Callisto kaum unterschiedlicher sein.

Während AMDs Callisto auf dem Die des Phenom II basiert und lediglich zwei Kerne samt L2-Cache deaktiviert werden, bekommt AMDs Regor eine eigene Fertigungsmaske spendiert. Doppelt so großer L2-Cache sowie fehlender L3-Cache sind die Folge, was Auswirkungen auf die Performance und Leistungsaufnahme hat. Grundsätzlich fällt die Performance von beiden neuen Dual-Core-Varianten recht ähnlich aus, lediglich unsere verwendeten Spielebenchmarks zeigen einen recht deutlichen Vorteil für den mit L3-Cache beglückten Callisto. Die Leistungsaufnahme ist wiederum die Paradedisziplin des L3-losen Regor.

Unsere auf 3.0 GHz Taktfrequenz genormten Benchmarks offenbaren die Unterschiede zwischen den verschiedenen Architekturen: sieht man von den recht deutlichen Unterschieden in unseren Spielebenchmarks ab, so lässt die recht ähnliche Performance die Frage aufkommen, ob die Vorstellung von gleich zwei neuen Zweikern-Prozessoren überhaupt Sinn macht. Die Gründe haben wir bereits erläutert. Doch der Markt wird zeigen, ob Platz ist für zwei unterschiedliche AMD Dual-Core Prozessoren so dicht beeinander.

Zum Schluss kurz zu den Preisen: Der AMD Athlon II X2 250 steht mit 87 US-Dollar in der AMD-Preisliste, der AMD Phenom II X2 550 mit 102 US-Dollar. Die ersten Listungen bei den Preisvergleichern nennen ca. 85 EUR für den Athlon II und 90 EUR für den Phenom II. Im Vergleich zu einem AMD Athlon 64 X2 6000+ EE gleicher Taktfrequenz, der ab ca. 75 EUR kostet aber deutlich weniger leistet, darf der Preis des Athlon II X2 250 damit als fair gelten, zumal mal berücksichtigen muss, dass die Straßenpreise 1-2 Wochen nach der breiten Verfügbarkeit sicherlich noch einmal purzeln werden. Ein kurzer Blick ins Intel-Lager: der Intel Core 2 Duo E8400 (ebenfalls 3.0 GHz) kostet ab ca. 135 EUR deutlich mehr, bietet jedoch wie gezeigt oft auch die bessere Performance.

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