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Vor einigen Tagen haben wir bereits das FirePSU mit 625 Watt von Sapphire getestet. Abgesehen vom Preis hat es zwar die guten Stärken der leisen Modu82+ übernommen, allerdings vor allem auch dessen Schwächen. Da das Revolution85+ als technisch bessere Basis bezeichnet werden kann, ist es eine gute Grundlage für das Sapphire PurePSU 950W (SFI950AWT), welches wir jetzt vorstellen. Ob sich das hohe Niveau der stärksten Baureihe von Enermax halten kann und wie es diesmal mit dem Kostenfaktor aussieht, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten. Wie immer wünschen wir viel Spaß beim Lesen und danken für die Bereitstellung des Testmusters!

[break=Produkteigenschaften]
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Wie das Vorbild ist das 950W Gerät sowohl SLI als auch CrossFireX zertifiziert worden und soll neben der geringen Lautstärke, der Stabilität und der hohen Effizienz vor allem eine gute Ausstattung und modulare Anschlüsse bieten. Die Bautiefe beträgt inklusive der außen stehenden Steckersockel leider 21 cm. Man sollte also zuvor gut ausmessen, ob diese Länge nicht problematisch ist. Andererseits wird man dieses Modell ohnehin wohl eher in großen und geräumigen Gehäusen einsetzen.

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Beim Lieferumfang können wir das Produkt loben, da neben den zahlreichen Kabelbindern, Befestigungsschrauben und dem Kaltgerätestecker auch ein Benutzerhandbuch und ein ATI Aufkleber beigelegt wird. Eine Tasche für die ebenfalls mitgelieferten, modularen Leitungsstränge ist auch dabei.

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Die Oberfläche des Netzteil ist überraschenderweise nicht rau und dunkel wie beim ursprünglichen Gehäuse, sondern entspricht mit seiner leicht spiegelnden Oberfläche eher den Mittelklassemodellen. Das Lüftergitter steht nicht hervor und die Entlüftungslöcher sind wabenförmig. Dafür wurde die Statusanzeige neben dem Netzschalter wurde von den Revolution85+ übernommen.

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Enermax wirbt sehr gerne mit seiner Twister-Lagertechnologie. Hier sehen wir im Grunde genommen auch den Ursprung dieser Lüfter, welche von Power Cooler kommen und nicht auf Enermax umgelabelt wurden. Hierbei handelt es sich konkret um den PD1402512H mit 0.75 A und wie die Bezeichung bereits verrät: 140 mm. Bei der Lagerung und dem Antrieb kommt ein Magnetfeld zum Einsatz, weshalb kaum noch Kontakt vom rotierenden Körper und den Lüfterblättern zum eigentlichen Lager besteht. Ähnliche wie bei Sleeve-Bearing soll das (und eine relativ geringe Umdrehungszahl) zur geringen Geräuschentwicklung beitragen und die Lüfterblätter können dennoch für einen ausreichenden Luftdurchsatz sorgen. Was wir im Test durchaus bestätigen können. Dennoch dürfte die MTBF unterhalb von Double-Ball-Bearing Lagern liegen, weshalb diese Angabe hier geschickt verschwiegen wurde. Leise ist der Lüfter jedenfalls und dreht vor allem bei geringen Lastbereichen in nahezu unhörbaren Bereichen, während er ab 80 % extrem aufdreht, da dort trotz des Wirkungsgrades einiges an Verlustleistung entsteht.

[break=Anschlüsse und Leistung]
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Sechs Schienen mit je 30 A maximaler Belastbarkeit können zusammen eine theoretische Leistung von 79 A erbringen, von denen allerdings immer +3,3V und +5V gespeist werden. Letztere ergeben mit zwei mal 25 A satte 170 Watt Leistung, was für aktuelle Systeme mit mehreren Peripheriegeräten ausreichend ist.

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Vorweg müssen wir sagen, dass sowohl die Angaben auf der Homepage als auch die auf den Preisvergleichsseiten mit geizhals-Datenbank nicht richtig sind. Es werden vier PCIe Stecker angegeben. Dabei handelt es sich aber nur um die modularen Anschlüsse mit 50 cm, während es zwei weitere Festanschlüsse gibt, die dort nicht verzeichnet werden. Erfreulich ist die Länge letzterer und die der ebenfalls fest installierten 4/4-pin ATX12V und 8-pin EPS12V Stecker mit 65 cm. Auch der 24-pin Hauptanschluss liegt auf einer Höhe von 60 cm. Zwölf SATA Stecker und immerhin sechs PATA Anschlüsse sind wie bei den Revolution85+ äußerst zufrieden stellend. Auch die Ummantelung ist sehr weich und endet kurz vor den Steckerköpfen zur Erhaltung der Flexibilität.

[break=Das Design]
Das Sapphire entspricht weitestgehend den Überlegungen der Revolution85+. Nun ergänzen wir in diesem Abschnitt einige spezifische Eigenschaften, die bei beiden Modellen eingesetzt werden. Man hat sich insbesondere um die Verteilung der elektronischen Lasten auf die einzelnen Bauteile Gedanken gemacht und die Verlustleistungen an den jeweiligen Baugruppen minimiert. Und diese technischen Veränderungen wurden auch adäquat umgesetzt, denn wir konnten einen hohen Wirkungsgrad ermitteln, auch wenn es nicht mehr ganz für die Spitze reicht. Um dieses Design in der Theorie näher zu beleuchten, erläutern wir nun im Überblick, welche Schaltkreise einem Wechsel unterzogen wurden.

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Wie manche bereits wissen, generiert der Transformator bei Eingliederung der DC-DC Technik, dank anschließender Umwandlung der kleineren Spannungen +3,3 V und +5 V, ausschließlich +12V über die einzelnen Wicklungen. Bei Betrachtung des Schaubildes mit dem Modell der Netzteiltopologie zum zentralen Bereich wird man feststellen, dass zwei Transformatoren eingesetzt werden, die sich die Lasten aufteilen, was mehr Leistungspotenzial mit sich bringt und darüber hinaus eine geringere punktuelle Wärmeentwicklung zur Folge hat. Jede davon ausgehenden Schiene beschreibt also tatsächlich eine getrennte +12 V Leitungen, es handelt sich hierbei nicht um eine virtuelle Aufteilung. Bei der virtuellen Aufteilung würde man aus einer einzigen +12 V Schiene mehrere ableiten. Hier handelt es sich um zwei Quellen, deren Energie im Nachhinein getrennt wird.

Dabei darf man die beiden Bauteile aber nicht einfach unabhängig voneinander integrieren, was den Effekt haben kann, dass einer der beiden die meiste Last übernimmt und der andere einfach vor sich hin vegetiert. Für die weniger versierten Leser könnte man das auch so formulieren, als hätte man einen Quad-Core Prozessor, der nicht auf das Programm zugeschnitten ist, nur zwei Rechenkerne ausnutzt und die anderen mehr oder weniger brach liegen. Was macht man dagegen? Man bringt organisierte Vorgänge ins Spiel. Durch Synchronisation beider Bauelemente T2 und T3 wird die Last gerecht verteilt, um sie in Balance zu bringen mit einem 50:50 Gefüge. Der dort nicht vertretene T1 Transformator ist lediglich für die Spannung +5VSB zuständig, weshalb er in diesem Zusammenhang keine Rolle spielt und nicht weiter Erwähnung bei uns findet.

Der Unterschied zwischen Enermax und vielen anderen Netzteilen ist folglich, dass man an dieser Stelle bessere und vor allem mehr Komponenten integriert hat. Wie auch das Netzteil in seiner Gesamtheit, haben die Baugruppen jeweils eine Effizienzkurve, die sich durch die verschiedenen Lastbedingungen und auf die Grundlagen physikalischer Grundsätze festlegt. Deshalb legte man nicht nur auf die duale Generierung wert, sondern erweiterte zudem die Anzahl der Gleichrichterdioden, Halbleiter und Filtergruppen auf eine angemessenere Zahl. Die Verteilung bewirkt dort wiederum weniger Verlustleistungen.

Das selbe kann man auch auf die Filtergruppen beziehen. Die 16 V Glättungskondensatoren sekundär, wie wir in der Komponentenanalyse feststellen werden, sind sauber aufgereiht zu einer enormen Kapazitätspräsenz von 20.000 microFarad, auf die ein weiterer Filterschaltkreis auf der Leiterplatte für die Anschlüsse selbst folgt. Sprich, man nimmt auch kurz vor dem Ouput nochmals Einfluss auf die Sauberkeit der Spannung, zumal +3,3 V und +5 V ohnehin eigens gefiltert und nicht wie in günstigeren Modellen einer Gruppenfilterung unterzogen werden. Bei vergleichbaren Netzteilen mit DC-DC Converter ist das gleichermaßen realisiert.

Markant wurde das ganze unter dem Begriff AHD² (Asymmetrische Hybrid DC-to-DC) definiert. Im Wortschatz des gemeinen Autofahrers dürfte das Wort Hybrid schon im Zusammenhang mit mehreren Antriebsarten geläufig sein. Nicht anders ist es hier, wo man mehrere Technologien zum selben Zweck einsetzt, was uns letzen Endes zum Resultat unserer Messungen führen wird. Mehr als ein geschickter Marketing-Haudegen steckt allerdings auch nicht hinter derm Begriff. Nach dieser Ergänzung folgt nun direkt die konkrete Betrachtung der verwendeten Baugruppen.

[break=Elektronik]
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Wer schon beim Enermax Modell mit 1050W die saubere Verarbeitung gelobt hat: Hier wird die klare Struktur fortgeführt. Die Eingangsfilterung trennt sich optisch sehr gut vom Rest und das Design wird von den schwarzen Kühlkörpern unterbrochen, die in ihre Form gestanzt wurden. Diese haben auch wesentlich mehr Rippen als vergleichbare Fabrikate der Modu82+ oder FireSPU Serie. Auch hier teilen sich zwei Haupttransformatoren die Energie gleichmäßig (!) auf. Beide werden je mit double-forward angesteuert. Auch die gute Epoxidharzplatine zeigt den hohen Qualitätsgrad und dass es sich um ein High-End Gerät handelt.

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Isoliert werden die Eingänge mit Verschlusskappen aus Kunststoff und wir finden einen hochwertigen Netzfilter mit eigenem Gehäuse vor. Darunter ist ein X-Kondensator befestigt. Einen weiteren finden wir dann auf der Hauptplatine selbst, der sich den Platz mit zwei Gleichtaktdrossel und einer Pulverkerndrossel teilt. Ein MOV fehlt nicht. Y-Kondensatoren finden wir übrigens nur zwei Stück. Offensichtlich verlässt man sich auf die Wirkung des gekapselten Netzfilters, der neben der stromkompensierten Drossel eben auch ein Y-Paar enthält und Gleichtaktstörungen kompensiert.

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Drei Panasonic Kondensatoren mit 400 V sieben und speichern primärseitig. Durch die Parallelschaltung erreichen diese eine Kapazität von 660 Mikrofarad. Die Platine im Vordergrund wird mit einer Schutzfolie vor Berührungen geschützt. Erfreulicherweise wurde die PFC-Drossel auf einen stabilen Sockel aufgebracht und zusätzlich verklebt.

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Nach der Diodengleichrichtung hinter den Transformatoren bekomme jede 12 V-Quelle eine eigene Frequenzfilterung und gut aufgereihte Elektrolytkondensatoren. Ebenso finden wir ausreichend Schrumpfschläuche vor, die sich auch an den Enden und damit Lötpunkten der Zusatzplatine befinden. Diese beherbergt den DC-DC Converter und diverse Feststoffkondensatoren und weitere Filterkomponenten. Gleichermaßen interessant ist der verwendete Sicherungschip PS238 8-Channel IC anstatt des sonst oft verwendeten PS223 mit OTP. Dieser hat auch keine Funktion zur Entprellung über einen Zeitraum von 73 uS. In vielen Schaltungen ist das Prellen ein Problem, bei dem Schwingungen (EMV-technisch Noise) beim Umschalten in wenigen Sekundenbruchteilen Taster dazu bringen können, sich neu zu öffnen oder zu schließen.

[break=Messungen]
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Bei unseren Messungen stellte sich heraus, dass es garnicht so einfach war, die Last auf +12 V zu verteilen. Das Modul bietet nämlich nur vier Abschnitte, die sich unterschiedlich belasten lassen und somit sechs Schienen aus zwei Quellen auf vier Einstellungen und Anzeigen verteilt werden müssen. Bei 110 % brach daher teilweise die Spannung auf 11,50 V ein. Nach Justierungen kommt dann ein vernünftiges Ergebnis zum Vorschein mit besseren Resultaten. Der Verlauf bei +5 V ist ebenfalls interessant, da das Niveau erst stärker sinkt und dann nahzu identische Werte bei höherer Last bringt wie schon bei den Revolution85+, bei +3,3 V ist der Effekt nicht ganz so stark ausgeprägt. Bei Überlast fallen auch diese leicht ab.

Der Leistungsfaktor ist herausragend, mit 0,992 bei maximaler Last kann sich dieser sogar bei 230 VAC behaupten und startet unter 10 % bereits mit über 0,94 oder knapp 0,95. Wenn wir den Wirkungsgrad betrachten, fällt auf, dass der Regelkreis bei Seasonic deutlich besser unter geringer Last arbeitet. Erst bei 20 % kommt das Netzteil richtig in Fahrt und erreicht knapp 88 %, was bei anderen schon das Maximum ist. Hier steigt er bei 50 % sogar auf über 89,5 % an und liegt damit wie das Original knapp und gerundet auf 90 %. Aber auch da liegen Cougar und natürlich Seasonic deutlich weiter vorne und überschreiten die Marke deutlich.

[break=Fazit]
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Sapphire kann nun mit dem PurePSU 950W endlich überzeugen, da das effiziente Revolution85+ Design technisch keine Probleme vererben konnte wie noch das Modu82+, keine Einsparungen zum Grundkonstrukt vorgenommen wurden und auch hier wieder der Preis stimmt.

Im Inneren zeigt sich eine klar strukturierte Topologie und das Netzteil enthält gute Komponenten, auch wenn das Marketing vom ODM mit AHD² im Grunde nur das Zusammenspiel von DC-DC und den vielen parallelisierten Komponenten bezeichnet. Es sind drei Primärkondensatoren, die zusammen eine hohe Kapazität aufweisen, relativ viele, vor allem aber hochwertige Filterbausteine und zahlreiche Isolierungen enthalten. Auch wenn Enermax angibt, der Kabelbinder an der PFC-Spule sei kein Problem, stellt sich auch bei Sapphire heraus, dass ein eigener Sockel einfach die elegantere und noch stabilere Basis ist, die uns sehr gefällt. Denn ansonsten kleben viele Hersteller das Bauteil lieblos fest. Auch bei der Lautstärke liegt es auf einem ähnlich guten Niveau wie das Vorbild und dreht nur sehr langsam auf.

Nach den ersten Einstellungsschwierigkeiten beim Teststand konnte das Netzteil mit der optimalen Lastverteilung sehr akzeptable Werte erreichen. Nur der Verlauf bei +12 V fällt auch dann noch durch eine mäßige Stabilität ab 80 % Last auf. Der Leistungsfaktor lag bei den relevanten Lastbereichen im Grunde genommen immer im Bereich über 0,95 und konnte sogar 0,99 übertreffen. Klar, dass der Wirkungsgrad im Rahmen der Erwartungen lag und fast 90 % erreichte, was heute allerdings nicht mehr den Seltenheitswert von damals hat. Außerdem ist der Wert bei 10 % sehr mäßig.

Mit der Ausstattung sind wir sehr zufrieden. Der 24-pin Stecker ist lang, die Zusatzversorgung für die CPU sogar noch länger und auch die Maximallänge und Anzahl der Peripherieleitungen kann sich sehen lassen. Sechs mal PCIe und zwölf SATA Stecker sind selbst für 950 W eine ordentliche Bestückung. Ganz ähnlich sieht es mit den vielen Extras beim Lieferumfang aus.

Alles in allem haben wir ein gut ausgestattetes Netzteil mit einer sehr hohen Effizienz, dass sich nur leicht hinter der Spitze einordnen muss und mit einem guten Preis glänzt. Denn während 225 € beim Original sehr übertrieben sind, wird das Sapphire PureSPU wohl bei 175 € starten. Final ist das mangels Verfügbarkeit zwar noch nicht, aber die Tendenz ist erfreulich und auf jeden Fall fair. Denn das Netzteil fällt nicht mal leicht hinter das Original zurück. Dennoch wird sich jeder die Frage stellen müssen, in wie weit es einen Bedarf an 950 W gibt, wenn aktuell nicht mal die passenden Grafikkarten verfügbar sind. Abgesehen davon gibt es an der Produktqualität ansich nicht viel auszusetzen.


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