Nach diesem bunten Testfeld sind wir um einige Erfahrungen reicher. Billig kaufen lohnt sich nicht ist einer dieser Erkenntnisse. Zum einen muss man kein Kabelmanagement bieten, um überzeugen zu können. Zum anderen können wir festhalten, dass durch die vielen Hersteller und Konkurrenzsituationen die meisten der aktuellen Marken qualitativ angemessene Waren liefern. Durch die Selektion in den elektronischen Details und in der Ausstattung kann man jedoch immer noch Unterschiede vernehmen. Ein Netzteil hat sich hier deutlich abgehoben und wird zum Sieger ernannt. Ein anderes ist durchgefallen. Nur eines der hier vertretenden Netzteile setzt auf eine DC-DC Technik. Die Modelle haben wir nicht ganz unbewusst so gewählt, denn sie zeigen uns eines. Man kann auch ohne VRM effizient sein und das Modell mit Gleichstromwandler verzeichnete aus anderen Gründen einen so hohen Wirkungsgrad. Auch wenn es eine große Spannung auf dem Transportweg der Topologie einfacher macht, effizient zu sein, ist dies keine Voraussetzung und vor allem auch Marketing. Kommen wir nun zur Bewertung.
Beim
Combat Power 750 W wollen Preis und Leistung nicht so recht zueinander passen. Wer sich einen High-End Rechner konfiguriert, hat mehr als 35€ in der Tasche und Qualität kann man nicht erwarten. Die Zielgruppe ist also eindeutig eine, die nicht weiß, was sie dort bekommt. Denn Fakt ist, bis in höhere Leistungsbereiche hat das Netzteil funktioniert, wenn auch nicht gut. Letzteres wird man als Kunde aber nicht merken, höchstens bei Langzeiterfahrungen, welche die Lebensdauer des Netzteils selbst oder die der Komponenten betreffen. Die Käufer werden meist einen einfacheren Rechner haben und sich über die scheinbar großen Reserven freuen. Dass es immerhin bis 80 % gehalten hat, liegt vor allem an den beiden +12 V Schienen. Diese halten sich etwas besser als die kleinen Leitungen und sind relativ aktuell dimensioniert. Letzten Endes wird man hier aber dennoch getäuscht, denn statt vier Schienen handelt es sich nur um zwei. Selbst wenn man das Netzteil aber als 400 W Produkt verkauft hätte, sind Leistungsfaktor und Effizienz entscheidend. Und für den gleichen Preis bekommt man ein be quiet! Pure Power 350 W, das Peak ganz sicher auch die 400 W Marke knacken könnte. Ganz ähnlich sieht es mit der Lautstärke aus. Der Käufer eines einfachen Systems belastet das Netzteil kaum, bringt man es aber richtig in Fahrt, muss der Lüfter die hohe Verlustleistung kompensieren und die PFC-Drossel beginnt zu brummen.
Das
Jersey Modular Edition 750 W hinterlässt einen recht guten Eindruck. Die verwendete FSP-Technik sorgt für enorm stabile Leitungen, sowohl bei +3,3 V, +5 V und +12 V. Es zeigte die beste Regulation im Test. Auch die Elektronik bietet ausreichende Filtermaßnahmen, einen wertigen Primärkondensator und Isolierungen. Dennoch reicht es nicht, um voll und ganz zu überzeugen. Denn die Effizienz liegt mit anfangs 80 % und 86 % in der Spitze nur im mittleren Bereich, für 80Plus Bronze hat es bei 115VAC wohl nur knapp gereicht. Dementsprechend konservativ und eingestaubt ist die Kühlung. Die Regelung des Lüfters mag anfangs noch einem erträglichen Ergebnis entsprechen, mit höheren Lasten macht sich das Kugellager aber bemerkbar. Außerdem ist das Jersey nicht gerade günstig und einige Stecker könnten höher liegen. Wer auf eine beachtliche Stabilität wert legt und weniger auf aktuellste Technik, kann einen Blick riskieren. Gerade preislich wird man allerdings Alternativen finden.
Besser hat uns da schon das
CoolerMaster SilentPro 700 W gefallen. Denn wenn ein Netzteil seinem Namen gerecht wird, dann ist es das SilentPro. Das interssante ist, dass es sich nicht nur unter geringer Last auf dem Niveau von Enermax und be quiet! etc. bewegt, sondern auch unter höchsten Beanspruchungen leise bleibt. Subjektiv wird es bei 110 % nämlich kaum lauter. Dafür wird die Abluft auch relativ warm im Verhältnis etwa zur 500 W Version. Klar, denn bei 700 W muss bei ähnlichem Wirkungsgrad und prozentual gleicher Last mehr Wärme abgeführt werden. Wirklich problematisch wurde die Situation aber in keinem Fall. Zumal 87 % Effizienz in der Spitze recht wenig Abwärme entstehen lassen und sich das Niveau zwischen 20-80 % Last recht konstant hält. Insbesondere ist auch die Regulation der wichtigen +12 V Schiene sehr "gut", +5 V fällt zunächst stark ab, pendelt sich aber wieder ein, während die + 3,3V Leitung eine bessere Regulation vertragen könnte. Der Leistungsfaktor könnte anfangs erheblich höher liegen, erreicht letzten Endes aber auch fast 0,99. Die Länge der Leitungen mit 40 cm ist nicht zufrieden stellend, daran zu arbeiten, obliegt dem Hersteller. Auch sollte man mehr als zwei PCIe Stecker bereitstellen, um sich von den kleineren Modellen absetzten zu können. Dafür fügen sich die flachen Leitungen sehr gut in das Gesamtkonzept ein. Stabilität und Lautstärke sprechen insgesamt für das Produkt und werden von 5 Jahren Garantie untermalt. Das Ergebnis kann sich also sehen lassen, wenn man noch etwas an den Anschlüssen arbeitet.
Weniger um die Anschlüsse muss man sich beim
Cougar CM 700 W gedanken machen. Sehr gut hat uns die Länge des Hauptsteckers und die der CPU-Zusatzversorgung gefallen, wobei die PCIe Anschlüsse etwas höher als 50 cm liegen könnten. Einige der Leitungen sind nur "ausreichend" reguliert, nach wie vor aber in der Spezifikation. Ganz ohne DC-DC Technik schaffte das Netzteil bis über 88 % Wirkungsgrad in der Spitze und hält sich auch bei niedriger Last konstant hoch. Damit liegt es etwas über dem hier vertretenen Mittelfeld. Wieder mal ist die Ästhetik individuell und wurde auch bei den Ummantellungen der Leitungen konsequent umgesetzt. Die Lautstärke fällt adäquat aus und wird erst in höheren Lastbereichen unangenehm. Die hochwertigen Komponenten und die glasfaserverstärkte Epoxidharzplatine hinterlassen einen guten Eindruck. Wie bisher haben uns besonders die vielen Schrumpfschläuche, Sicherheitsabstände und Schutzfolien an den Seiten gefallen.
Auch das
Seventeam P-AF 750 W, deren Eigenmarke wir nun zum ersten mal getestet haben, läuft sehr effizient und fällt mit 87 % Effizienz nur leicht hinter das Cougar zurück. Trotzdem könnte man dort eventuell noch etwas mehr rausholen. Im Gesamtüberblick ist das Netzteil ohne Kabelmanagement und mit schlichtem Schwarz ein eher konservatives Produkt, was uns sehr an die Seasonic S12 oder PC Power & Cooling Silencer erinnert. Auch wenn der Vergleich angesichts der Alleinstellungsmerkmale etwas hinken mag. Wuchtige Bauteile, recht breite Kühlblöcke und eine starke Kühlung tragen zu diesem Eindruck bei. In letzterem Fall hätte man unter geringer Last den Lüfter jedoch etwas stärker drosseln können. Ansonsten sind die zehn Kabelbinder im Lieferumfang angemessen, ein Kaltgerätekabel vermissen wir aber dennoch. Während +12 V um 4 % (bzw. 3% unter das Optimum) abfällt, sind die kleineren Schienen extrem konstant. Insgesamt braucht sich das Seventeam nicht hinter den anderen Probanden zu verstecken. Was die technische Qualität betrifft, macht es sogar vieles besser. Wieder mal ist ein Netzteil der alten Art auf dem Markt, dass keine abnehmbaren Stecker benötigt. Der Leistungsfaktor lag hier am höchsten und beeindruckte mit mehr als 0,99 bei 230 VAC/ 50Hz. Mehr Isolierungen durch Schutzfolien hätten dem Netzteil allerdings gut getan und die Ummantellung der Leitungsstränge sollte aus optischen Gründen ggf. intern beginnen.
Wer unseren
Test zum
Seasonic X-750 750 W bereits gelesen hat, wird sich fragen, warum wir es erneut antreten lassen. Mittlerweile ist das Netzteil verfügbar und da wir Seasonic und die oft verschobenen Produktlaunches kennen, haben wir abgewartet, wie sich der Preis einpendelt. Auch kurz nach dem Start liegt das Modell mit knapp 160 € schon unter der Preisempfehlung und kann dem bisherigen Netzteil mit der höchsten Effizienz Paroli bieten. Angesichts der Überlegungen und Umsetzungen ist der Unterschied zum S700 für die Kosten gerechtfertigt. Aufgerundet 93 % Effizienz bietet die X-Serie dank ZVS, verfügt dabei über hochwertige Feststoffkondensatoren und ein Zwei-Wege-Schaltregelgung sowie SMD. Wegen der niedrigen Ströme und der Kapazitätspräsenz sekundär verringert sich zudem die Brummspannung bei hoher Last. Außerdem dreht der Lüfter erst ab 20 %. Unter starker Beanspruchung hätte dieser angesichts der Verlustleistung zwar noch etwas leiser drehen können, insgesamt geht das Kühlkonzept jedoch auf. Die 5 Jahre Garantie wollen wir auch nicht unerwähnt lassen, im Bestfall wird man sie aber nie in Anspruch nehmen müssen. Mit hochwertigen Bauteilen, der "gut"en +12V Regulierung, einer leisen Kühlung und dem angemessenen Straßenpreis dank neuer Distributionspolitik verdient sich das Netzteil nicht nur wegen 80Plus Gold unsere Empfehlung. Wir haben lange über einen Award diskutiert und dass wir ihn nun vergeben, zeigt die respektable Leistung von Seasonic.
Wer es etwas günstiger haben möchte, macht mit den zuletzt genannten Netzteilen allerdings auch nichts falsch. Und wir geben zu bedenken, dass der verwendete Schwingkreis vor allem wegen des IC außergewöhnlich ist und dessen Hersteller Empfehlungen für umliegende Schaltkreise anbietet. Daher werden bald auch andere Produkte nachziehen und der Verdienst von Seasonic liegt damit nicht in der Erfindung, sondern in der Umsetzung des Konzepts. Es bleibt also weiterhin spannend, welche Techniken und bald erwarten und ob man diese genauso gut ausführen wird, wie Seasonic es uns gezeigt hat. Trotz allem bleibt das X-750 ein gutes Produkt mit Nachhaltigkeit, dessen Entwicklungsaufwand nicht zu unterschätzen ist.
Als Sieger des Vergleichtests erhält das Seasonic X-750 den Editors Choice Award!
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