Auch dieses Jahr wieder möchte ich meine persönlichen Eindrücke der CeBIT mit euch teilen und neue Informationen aus der Welt der Netzteile nicht untergehen lassen. Auch wenn mir viele Details im Vertrauen mitgeteilt wurden seid ihr es letzten Endes, die neue Produkte kaufen und deshalb möchte ich zumindest schon eine grobe Vorschau geben, was uns erwartet. Im Vergleich zu letztem mal hat sich vor allem die Anzahl und damit auch Frequenz der Termine erhöht. Nicht nur, dass immer noch viele neue Anbieter dazu kommen, die Netzteile als Teilgeschäft betreiben, es gab auch ein Treffen mit vielen bekannten Gesichtern der Branche. In einem Thread hatte ich es bereits geschrieben: Es war mehr eine Art Klassentreffen, als eine Produktvorstellung. Man kam, um Neuheiten zu sehen und blieb, um sich mit den ungewöhnlichen Individuen zu unterhalten, die diese Branche hervor gebracht hat. Doch der Reihe nach.

Es war kein leichter Start um 3 Uhr morgens, da ich um diese Zeit normalerweise erst ins Bett gehe und vorher auch nicht geschlafen hatte. Etwas übermüdet sammelte ich meine Sachen zusammen, insbesondere Essen und Trinken, was auf der CeBIT traditionell überteuert ist. Die Eintrittskarte war eingesteckt, die Visitenkarten parat und die Reise konnte los gehen. Zunächst musste ich mit der Regionalbahn nach Mainz kommen, da dort der ICE 672 direkt eine Route über Hannover wählte und angesichts der CeBIT auch den Bahnhof Messe/Laatzen nicht auslässt. Sehr praktisch also, wenn man sich ungestört etwas ausruhen möchte ohne den Stress beim Umsteigen zu haben. Trotzdem beneide ich diejenigen unter euch, die im schönen Norden wohnen und nicht halb Deutschland durchqueren müssen, um zur Messe zu kommen. Insbesondere, da auch viele Hersteller ihr deutsches Office in Hamburg, sprich noch weiter nördlich von mir haben.

Endlich angekommen, war es nur ein kurzer Weg über den Skyway, wobei ich eine halbe Stunde zu früh dran war und deshalb noch eine Runde um das Gelände selbst drehte. Endlich am Eingang angekommen, ging alles sehr schnell und die Schlangen vor der Kartenkontrolle lösten sich sehr schnell auf. Die Besucher drifteten in die verschiedensten Richtungen auseinander. Da ich um 11 Uhr einen Termin bei Corsair hatte, stand ein Rundgang im "Planet Reseller" an, um sich vorher über ein paar andere Produkte zu informieren. Eher zufällig bin ich dann auf Maxpoint gestoßen, von denen ich seit der Trennung von Seasonic als Distributionspartner, nicht mehr allzu viel gehört hatte. Selbst ohne Termin waren erstmal genug Ansprechpartner vor Ort, bis der Marketing Manager Andre Hintze eintraf. Ich habe mir insbesondere einige Gehäusetypen angesehen und erklären lassen, z.B. einen Mini-Tower, der die Laufwerke seitlich unterbringt, damit man auch längere Grafikkarten verbauen kann, aber immer noch kompakte Ausmaße realisieren konnte. Nachdem ich den Preis hörte, der sich auf unter 50€ (soweit in Erinnerung 39€) belaufen soll, überprüfte ich etwas ungläubig, ob nicht doch ein paar scharfe Kanten zu fühlen waren. Lachend wurde mir dann erläutert, dass das Gehäuse ansonsten nicht viele Extras haben wird. Eben ein pfiffiges Basisprodukt, welches man noch mit Lüftern ausstatten muss. Trotzdem war die Frontblende mit Audioanschlüssen und dreimal SATA recht gut bestückt. Nachdem wir das Thema abgeschlossen hatten, widmete ich mich den neuen Tagan Netzteilen und Weili Wu zu, der Product Manager bei Maxpoint ist. Wie bereits beschrieben, hat Tagan den Hersteller wechseln müssen und ist zu Enhance Electronics gewechselt. Keine schlechte Wahl, wobei ich vor Ort angedeutet habe, dass mir die EMI-Filterung bei Enhance nie gefallen hat. Man könnte nun meinen, dass einem die Manager empört widersprechen. Deshalb war ich etwas erstaunt, als Weili sehr objektiv schilderte, wie sich einzelne Filterkomponenten gegenüber einem teuren "line filter" preislich äußern. Deshalb hat Enhance das Mittelklasse-Design mit etwas chaotisch verarbeiteten Einzelkomponenten besetzt. Generell erschien mir das Maxpoint Management eben wegen dieser Offenheit sehr seriös und bin nach wie vor der Meinung, dass die Tagan SuperRock einer der besten Netzteile am Markt sind.

Nun kam jedoch Andre hinzu, weshalb wir zu den KeySonic Tastaturen wechselten und er mir sowohl sehr kompakte Modelle, als auch eine 60-70€ teure Tastatur zeigte, deren Oberfläche aus gebürstetem Aluminium bestand und dessen Druckpunkte sehr gut waren. Nicht zuletzt kann man das Tastaturfeld als sehr breit und hochwertig verarbeitet beschreiben. Vielleicht werden wir eine von diesen kurz in einem Blogbeitrag vorstellen, sofern Interesse besteht. Gespräche mit Maxpoint verlaufen erfahrungsgemäß sehr lange, weshalb ich mich nun beeilen musste, schnell noch zu Corsair zu kommen. Alex war nun schon im Gespräch mit Jens (MusicIsMyLife) und kurz darauf schauten wir uns das Produktportfolio an. Neben SSDs gab es vor allem verschiedenfarbige Dominator RAM-Module und natürlich einige Netzteile. Besonders interessant war natürlich die Testplattform mit den aktuellen Gehäusen. Einige hatten im Forum auch bereits nach dem 700D und 800D gefragt. Diese sind wirklich nicht schlecht verarbeitet und bieten viel Raum bei einer umfangreichen Wasserkühlung. Für das Kabelmanagement ist auf der Rückseite etwas mehr Platz als bei vergleichbaren Modellen, so die Feststellung von Jens. Auch ohne Flachleitungen steht ausreichend Raum zur Verfügung. Meiner persönlichen Meinung nach ist das 700D wegen der schlichten Seitenwand sogar etwas netter anzusehen, dafür bei einigen Details etwas weniger gut ausgestattet als das 800D (siehe Pressemitteilung). Prinzipiell empfehlen kann ich es aber trotzdem, da es optisch sehr in die Richtung der aktuellen Lian Li Baureihen geht.



Nachdem ich nun etwas mehr Zeit hatte, sagte ich mal bei Cougar "Hallo", bei denen gerade ein Redakteur die neuen Netzteile fotografierte. Ich hingegen fotografierte sie nicht, da sie schon eine Weile in meinem Besitz sind. Wer mich anschreibt, kann gerne schon mal ein paar Bilder und Eindrücke bekommen, offiziell getestet werden dürfen sie allerdings noch nicht. Danach ging es zu Enermax, die natürlich nicht einsehen wollten, warum der Bericht zum Pro87+ sehr kritisch ausgefallen ist. Einerseits wurde der Marketing-Chef während der Diskussion gerne mal etwas laut und hielt seine berühmten Monologe. Andererseits möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass Jörg zu keinem Zeitpunkt einen Award wollte und er vermutlich der beste Marketing Manager der Welt ist. DHT war seine Idee, dementsprechend hat er sie verteidigt. Aus diesem Grund muss man ihm seinen Tonfall manchmal einfach nachsehen, ohne ihn kann ich mir Enermax jedenfalls nicht mehr vorstellen. Als Hauptargument führte er die großen Kühlkörper und gute Thermik der neusten Serien an, während ich seine Meinung, mit PR-Sprüchen bis an die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge zu gehen, nicht teilen kann. Natürlich ist es seine Aufgabe, die Netzteile zu vermarkten, genauso ist es aber meine Aufgabe, unsere Leser auf die sehr begrenzte Dynamik der Topologie hinzuweisen. Danach war ich mit den anderen Enermax-Managern vom deutschen Office unterwegs und schaute mir mit ihnen (Inkognito) die Netzteile von LC-Power an. Zwar gefallen mir die neuen Geräte immer noch nicht, andererseits kann man durchaus mal ein vernünftiges Wort mit den Ausstellern reden und darauf hinweisen, dass LC Power mittlerweile ein breites Spektrum an Auftragsfertigern hat, darunter auch CWT. Huntkey ist nur noch für die einfacheren Modelle zuständig.

Da ich nun schon eine Persönlichkeit vorgestellt habe, möchte ich jetzt damit fortfahren und die Gegenseite von Seasonic präsentieren. Nils, der die Entwicklung einer besseren Distribution in Deutschland vorangetrieben hat und Ansprechpartner für die Presse ist, führte mich in das Restaurant nahe des Asus Stands. Dort wartete bereits Walter Sun, der schon sehr lange für Seasonic arbeitet und obwohl er auch eher kaufmännische Teile übernimmt, ein ausgezeichnetes Technikverständnis hat. Besonders eindrucksvoll ist sein respektvoller Umgang mit der Konkurrenz. Zwar bestand unser Kerngespräch daraus, warum Seasonic momentan die Nase vorne hat, allerdings hat er immer betont, dass er Enermax nicht schlecht reden wolle und auch erklärt, wo Vorteile der aktuellen Modu/Pro87+ Modelle liegen. Gerade deren Effizienz bei kleinen Lasten sei durchaus gut. Vielleicht sollte sich Enermax davon eine Scheibe abschneiden. Bei der Diskussion haben wir herausgearbeitet, warum die neuen Seasonic Modelle so gut sind und Parts aus unserem Test angesprochen. Zum einen legt Seasonic Wert auf die Lötqualität, indem sie darauf achten, alle Punkte gleichmäßig zu erhitzen und keine Verbindung im vergleichsweise kalten Zustand herzustellen, was zu Problemem führen kann. Zwar hat Seasonic das Konzept mit dem DC-DC Wandler auf der Kabelmanagement-Platine letzten Endes von der Revolution85+ Serie übernommen, zusammen mit SMD aber das ungewöhnlichere Layout geschaffen, während bei Enermax noch optische Verwandschaften zur vorherigen Mittelklasse zu sehen sind. Auch der gute Netzfilter von Yunpen war ein Thema wie auch der sehr teure japanische Lüfter, welcher um ein vielfaches teurer sein soll als das Enermax Modell. Beim PWM-Fabrikat ist ein sanfter Anlauf möglich, während Standardmodelle nicht ohne weiteres vom passiven Zustand in geringe Umdrehungszahlen übergehen können, da zum Anlaufen natürlich ein gewisser Schub notwendig ist. Ein weiterer Punkt, den Enermax kritisiert hat, war die Single-Rail der X-Netzteile. Seasonic kontert, dass diese entsprechend abgesichert sei (u.a. Shunts), PC Power & Cooling damit ein Erfolgskonzept aufgebaut hat, dem das volle Leistungsspektrum zur Verfügung steht und auch Corsair damit nie Probleme hatte. Corsair verkauft monatlich (!) über 100.000 Netzteile mit Single-Rail und gehört damit zu den verkaufsstärksten und erfolgreichsten Abnehmern von Seasonic- (bzw. CWT-) Technik. Nicht zu vergessen, dass Seasonic momentan die bessere Spannungsqualität laut unseren Messungen hat. Allerdings möchten wir, dass jeder, der diesen Bericht gerade liest, sich selbst Gedanken dazu macht. Es steht jedem frei, eine andere Meinung zu haben. Aufgrund unserer objektiven Resultate und dem ungewöhnlichen Aufbau halten wird die X-Serie unter dem Bruchstrich für das bessere Konzept, weshalb wir das auch ehrlich und offen kommunizieren. Wenn Enermax auf der Computex nachlegt, kann sich das Blatt aber auch sehr schnell wieder wenden. Das Potenzial dafür haben sie auf jeden Fall, zumal sie momentan immerhin den höheren Leistungsfaktor bieten können. Dafür wird Seasonic bald auch 400W Modelle haben, die voll modular sind und auf 80Plus Gold gebracht werden. Die Entwicklung dauert aber noch eine Weile.

Abseits davon habe ich mir die neuen GEIL Netzteile angeschaut und schon Kontakte aufgebaut, muss aber gestehen, dass die Verarbeitung vorab einen eher mäßigen Eindruck machte und ich bezweifle, dass GEIL eigene Techniker dafür einsetzt. Die Basis jedenfalls kommt von Andyson, wo die Enermax Crew schon etwas schmunzeln musste, als ich den Namen erwähnte. Allerdings zählen sie neben ATNG, Seasonic und eben Enermax zu den einzigen, die nativ wirklich Gold-Niveau erreichen. Andere Konzepte wie die von OCZ (Sirtec) oder Corsair (CWT) erreichen nur knapp Gold-Niveau, die HX Modelle werden offiziell mit Silver beworben. Denn es handelt sich immer noch um Schaltungen mit steilen Rechteckimpulsen statt Schwingkreisen und ZVS, die vor allem davon leben, dass sie Teile der EMI-Filterung cutten (siehe ausgelassene Stellen in HX-Netzteilen im Vergleich zu anderen CWT-Kunden wie Ikonik) und Sicherheitsmerkmale entfernen. Es wird eben mit allen Mitteln versucht, die Effizienz zu steigern, obwohl es wichtigere Punkte gibt, die aber schwierig mit PR zu vermitteln sind. Damit möchte ich an dieser Stelle aber weder OCZ noch Corsair schlecht reden, die eben das kaufen müssen, was sie bekommen können, da weder Seasonic noch Enermax ihre neusten Entwicklungen teilen möchten. Und die FSP-Basis, welche OCZ für die Mittelklassemodelle verwendet, hat in der Amacrox-Vorschau (selbes Layout) bereits einen guten Eindruck hinterlassen. Damit erreichen sie zwar kein Gold, aber eine ausgezeichnete Spannungsstabilität. Ebenso setzt Corsair bei seinen HX-Geräten auf eine eigene Bauteilwahl, wie sie angeben. Zumal sie dafür sogar ein eigenes CWT-Design verwenden durften.

Auch Gigabyte hat einige blau beleuchtete Netzteile gezeigt, allerdings konnte mir eine der Mitarbeiterinnen nicht genau sagen, wer diese aktuell fertigt. Wir vermuten CWT, wie bei den Vorgängern. Ansonsten wurden auch viele Billiggeräte vorgestellt, die vor allem durch ihre LED-Lüfter anziehend wirken sollten. Unter vier Augen verriet uns ein Herstellervertreter, dass beim Aufbau des Stands zwei Netzteile der Konkurrenz in Flammen aufgegangen sind. Während dessen hat sich FSP vor allem auf USV und andere Bereiche konzentriert, weshalb wir bei ATX-Netzteilen noch auf marktfähige Neuheiten warten müssen. Dafür waren am Amacrox Stand natürlich einige der Pure Silver Modelle ausgestellt, auf die wir bereits einen ersten Blick geworfen haben. Einen Kontakt zu Sirtec und Acbel haben wir ebenfalls aufgebaut, insbesondere letztere sind ein unheimlich großer Produzent und es kann sicher nicht schaden, den OEM hinter vielen Marken zu kennen.

Trotz der Streitigkeiten einer aggressiven PR-Politik von Enermax hatte jeder Hersteller jemanden, mit dem man sich vernünftig unterhalten konnte und es ist eigentlich egal, wer für wen arbeitet, da viele Angestellte im Verlauf ihrer Karriere natürlich auch mal die Seiten wechseln. Viele Mitarbeiter kennen sich untereinander und abgesehen davon, dass jeder auch mal über die anderen Produkte lästert, beschränkt sich das Konkurrenzdenken nicht selten nur auf die Chefetage. Es gibt viele interessante Persönlichkeiten, die das Geschehen gut im Blick haben und einen neutralen Eindruck im Gespräch hinterlassen. Auf der anderen Seite lebt die Branche nun mal von Leuten wie Jörg, die einen Hersteller erst erfolgreich machen. Es sind also nicht die Produkte, die eine Marke individualisiert, sondern die Menschen dahinter. Unsere Kritik an manchen Stellen im Text sollte man dennoch nicht persönlich nehmen, sondern als Antrieb für Verbesserungen nutzen. Mit diesem Fazit möchten wir den Artikel nun abschließen, wünschen allen Herstellern weiterhin viel Erfolg und hoffen bald wieder auf neue Testmuster für unsere Leser.

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