Nachdem be quiet! die breite Mittelklasse mit seiner Straight Power E7 abgedeckt und die weniger Energie-hungrigen Systeme mit seinen Pure Power versorgt hat, war der Schritt naheliegend, auch die Dark Power Pro Serie zu erweitern. Da abnehmbare Anschlüsse mittlerweile als Alleinstellungsmerkmal entfallen, musste be quiet! neue Ideen entwickeln. Dazu gehört etwa der "Overclocking-Key", welcher die +12 V Schienen zu einer zusammenschaltet und weitere ungewöhnliche Merkmale, die wir nun im Test aufzeigen wollen. Auch äußerlich wurden einige Abänderungen vorgenommen.



Abseits der markanten Eigenschaften muss ein PC-Netzteil aber vor allem bei der Basisqualität punkten. Daher untersuchen wir wie üblich den Wirkungsgrad, die Spannungsregulation und ergänzend die Restwelligkeit der einzelnen Schienen. Hinzu kommen Messungen des Schalldruckpegels samt Einschätzung der Lautstärke und die Temperaturdifferenz der Abluft zur Raumtemperatur. Nicht zuletzt werden wir auch auf den Verbrauch im Standbymodus bei Belastung der +5 VSB Schiene eingehen. be quiet! lies uns die drei größten Modelle der Dark Power Pro P8 Serie mit 900, 1000 und 1200 Watt zukommen. Repräsentativ zeigen wir die Resultate der 1000 Watt Version, da sich die beiden anderen nur unwesentlich unterschieden. Erst bei dem 750 Watt Modell sind deutlichere Änderungen in der Topologie erkennbar. Ob das Aufgebot an Features ausreicht, um sich gegen die starke Konkurrenz durchsetzen zu können, welche vor allem technisch viel bietet, könnt ihr auf den folgenden Seiten sehen. Wie immer wünschen wir allen Usern und Gästen viel Spaß beim Lesen des Textes!

Die aktuellen Preise der Serienmodelle sind hier zu finden!

[break=Produkteigenschaften]
be quiet! stattet seine Pakete großzügig aus, was sich bereits an der Verpackungsgröße identifizieren lässt. Neben den notwendigen Installations-Utensilien, sprich Schrauben und Kaltgerätekabel, finden wir zahlreiche Kabelbinder vor, einige davon mit Klettverschluss. Diese kosten nicht viel und sollten daher fast schon eine Selbstverständlichkeit bei teuren Netzteilen sein. Selten sind aber mehr als drei Stück präsent. Zudem wurde ein Slotblech mit Kippschalter beigelegt, über den der Kunde den "Overclocking-Key" bedienen kann, was nach dem Einbau sicherlich komfortabler ist, als die Einstellung direkt am Netzteil vornehmen zu müssen. Natürlich sind auch die modularen Leitungsstränge im Lieferumfang enthalten samt Warnhinweis, dass keine Kompatibilität zum Steckerpanel vorheriger Dark Power Pro Serien besteht.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, überlässt be quiet! es dem Kunden, ob er mehrere +12 V Schienen oder eine einzige bevorzugt. ToPower hatte das bereits mit seinem patentierten Schalter versucht, auch wenn die Begeisterung in den Medien eher mittelprächtig war. In der Philosophie beider Konzepte möchte be quiet! nicht polarisieren und vor allem auch eine interessante Eigenschaft finden, die nicht jeder bietet. Wirklich ausschlaggebend sollte dieses Merkmal jedoch nicht sein, da es bei jeder Variante vor allem auch auf die Umsetzung ankommt. Wenn be quiet! argumentiert, dass bei der SingleRail keine Verteilungsprobleme entstehen, bedeutet das nicht automatisch, dass bei mehreren Schienen nicht penibel auf die Zuordnung der Leitungen geachtet wurde. Diese sind zudem hoch abgesichert, wie wir später noch sehen werden, weshalb nicht unbedingt viel für diesen Schalter spricht. Selbst stärkste Grafikkarten werden die Probanden kaum fordern können. Weiterhin wurden vier Buchsen als Lüfteranschlüsse integriert, worüber der Kunde seine Gehäuselüfter regeln kann. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass ein Anschluss nie mit mehr als 0,8 A belastet werden darf und die interne Regelung nicht von der Temperatur des Gehäuses ausgeht. Daher ist eine separate Lüftersteuerung sicherlich sinnvoller, mit der man die Lüfter weiter drosseln oder präziser auf Temperatursteigerungen einstellen kann. Ergänzend legt be quiet! Leitungsstränge mit weiteren 3-pin- und Molexanschlüssen für Lüfter bei.



Die ATX 2.3 Netzteile in mattem Anthrazit sind mit 11 Gitterstäben statt einem zusammenhängenden Lüftergitter versehen, was sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Der hauseigene 120 mm Lüfter wirkt angesichts der Gehäuselänge etwas klein geraten. Auf die Thermik werden wir später noch ausführlicher zu sprechen können. Die Entlüftungslöcher sind wabenförmig und das innere Metallgehäuse aus sehr dünnem Material wird von mehreren Kunststoffkappen überdeckt, die fast an allen Stellen vorzufinden sind. Nur bei den Entlüftungslöchern fehlen diese, weshalb sich diese Seite leicht eindrücken lässt und insgesamt sehr dünn ist. Markant bringt sich ein Gelenk ins Spiel, dass den 24-pin Strang stabilisiert und für deutlich mehr Flexibilität und Schutz sorgt, als eine Kabelmuffe oder einfache Öffnung, an denen die Leitungsstränge entlang reiben und beschädigt werden könnten. Die Dark Power Pro P8 sind SLI und CrossFire zertifiziert, sollen also problemlos mit vielen High-End Grafikkarten laufen können, was sicherlich auch der Hauptgrund für eine derartige Anschaffung ist. Weiterhin sollen die Netzteile bereits EuP-ready sein. Bei der Garantie werden 3 Jahre angeboten, was 2 Jahre weniger als bei vielen Konkurrenten ist. Dafür bietet be quiet! nach wie vor den kostenlosen Vor-Ort-Austausch innerhalb Deutschlands an.







Der einzige nennenswerte Unterschied zu den größeren Modellen besteht bei der 900 Watt Version in der Anzahl der +12 V Schienen. Hier werden vier (respektive eine) geboten, welche mit einer Maximalbelastung von je 22-32 A angegeben sind. Zusammen können diese 72 A, also beinahe die gesamte Leistung des Netzteils, erbringen. Während dessen sind +3,3 V und +5 V mit insgesamt 180 Watt angegeben. Diese werden von der gemeinsamen Quelle +12 V gespeist und sind auch bei 1000 W und 1200 W nicht anders dimensioniert worden. Dafür setzen diese auf sechs Schienen mit 80 - 96 A als Combinedwert.

[break=Anschlüsse und Leitungslänge]


Im Gegensatz zu den verschiedenfarbigen Buchsen der E7 oder P7 wirken die P8 etwas erwachsener. Bei schlechter Sicht mag es schwierig sein, die schwarzen Steckersockel auseinander zu halten. Doch die verschiedenen Arten der Steckerköpfe machen sie verwechslungssicher. Unter ästhetischen Aspekten ist das also ein Fortschritt und allzu oft wird man ohnehin keine neuen Stränge anschließen oder abnehmen müssen, weshalb der Komfort etwas in den Hintergrund gerät. Ganz rechts sind die Lüfteranschlüsse wie auch der Jumper für den "Overclocking-Key" aufgereiht. Der Sleeve der Leitungsstränge fühlt sich relativ weich an, auch wenn er nicht ganz blickdicht ist. Dennoch liegt die Verarbeitung hier über dem Niveau der günstigsten Ummantelung.



Die rot markierten Stellen zeigen Stecker auf, die beim 900 Watt Modell nicht enthalten sind. Ansonsten ist die Bestückung durch Anschlüsse identisch. Sehr auffällig ist die hohe Anzahl an ATX12V und EPS12V Steckern, womit auch Dual-Socket Platinen samt CPUs aus dem Serverbereich gut versorgt sein dürften. Verschiedenste Kombinationen sind möglich. Während wir uns bei der 900 Watt Version sechs PCIe Stecker gewünscht hätten, sind bei 1200 W mittlerweile schon acht Stück üblich, weshalb wir an diesem Punkt etwas mehr erwartet hätten. Ansonsten gestaltet sich die Ausstattung mit neun bis elf SATA und acht PATA Anschlüssen recht üppig. Sehr gefallen hat uns auch die Leitungslänge von mindestens 60 cm bei den meisten Strängen, da ein derartiges Netzteil häufig in BigTowern verbaut wird, in denen Triple-SLI und CrossFire Systeme Platz finden. Etwas asyncrhon hätte be quiet! die Leitungen allerdings aufteilen können, da etwa die GPUs nie auf derselben Höhe verbaut werden können. Der längste gemessene Strang geht bis einschließlich 110 cm. Clever sind die beiden Stränge mit je einem SATA bzw. PATA Stecker, sollte man tatsächlich nicht mehr als eine HDD und einen Brenner älteren Typs im Rechner haben. Dann nämlich müsste man die zusätzlichen Anschlüsse anderweitig verstauen. Zumal diese etwas kürzer als der Rest sind und sich so gut mit dem Aufbau ergänzen.


[break=Elektronik]


Mit 20 cm Bautiefe ist das Netzteil relativ groß und selbst dann scheint der Raum im Inneren sehr begrenzt zu sein. Besonders die beiden großen Transformatoren und Primärkondensatoren von Teapo nehmen viel Platz in Anspruch. Was be quiet! nicht offiziell erwähnt, ist der Resonanzwandler statt der üblichen hart schaltenden Topologie. Durch die resonante Schaltentlastung wird der Wirkungsgrad erhöht, zumal weichere Übergange im Spannungsverlauf für eine geringere EMV-Problematik sorgen. Im Einklang mit dem DC-DC Modul für die beiden kleineren Schienen hat be quiet! also aktuelle Technik integriert. Genau genommen stammt das Design von FSP und ist eine Spezialanfertigung für be quiet!. Im Eingangsbereich finden wir eine gut ausgebaute Filterung zur Verringerung der Störemission vor und zusätzlich wurde ein MOV zur Ableitung hoher Überspannungen platziert. Ein Ferritkern um beide Leiter wirkt wie eine kleine Gleichtaktdrossel. Sekundärseitig sind sowohl einige klassische Elkos als auch Feststoffkondensatoren an +12 V zu finden. Wie üblich wurden ausgangsseitig Stabkerndrosseln zur Entstörung verbaut.



Ein Blick auf das Kabelmanagement-PCB zeigt weitere Kondensatoren an den Anschlussbuchsen auf wie auch die Lötpunkte, an denen die Leitungen in die Leiterplatte münden. Zahlreiche Isolierungen wie eine Folie vor dem Kühlkörper der Gleichrichterbrücke sind zu finden, da die Abstände hier relativ gering sind. Der Silicon Touch PS238 Sicherungschip bietet zahlreiche Funktionen wie etwa OCP. Hinzu kommen Mechanismen bei Über- und Unterspannung, einem Kurzschluss- wie auch einem Überhitzungsschutz. Die Abstände zwischen den galvanisch getrennten Schaltkreisen liegen über dem erforderlichen Niveau. Einfräsungen trennen den Eingangsbereich besser vom Rest ab. Ein zweipoliger Netzschalter trennt den Phasenleiter auf.

[break=Wirkungsgrad und PFC]






Wenden wir uns zunächst dem Wirkungsgrad zu, der Testerherzen durchaus höher schlagen lässt. Dieser beeindruckt nicht etwa durch einen neuen Rekord, da Seasonic mit seinen 92,51 % nach wie vor die Tabelle anführt. Es ist eher das konstante Niveau, welches noch dazu sehr hoch liegt. Im normalen Betrieb wird das System mit hoher Wahrscheinlichkeit mit mehr als 10 % belastet und selbst bei diesem Messpunkt konnten wir stolze 84,57 % ermitteln. In vorherigen Tests sind die meisten Probanden bei etwa 78-79 % gelandet. Wer das be quiet! Netzteil stärker fordert, erreicht bis zu 90,50 % Wirkungsgrad, der bei höherer Last langsam auf 87-86 % abfällt. Bei 86,46 % unter leichter Überlast kann jedoch nicht wirklich von einem Tiefpunkt gesprochen werden.

Weniger ansprechend ist dafür der Wirkungsgrad bei Belastung der Standby-Schiene. Mit 0,1 A Last liegt die Spannung zwar bei stabilen 5,10 V, doch von den 13,40 W am Eingang kommen am Ende nur noch 0,51 W aus dem Netzteil. Wenn die Schiene einigermaßen stark belastet wird, kommt sie allmählich in die Gänge und erreicht immerhin 43,83 %. Selbst für den Standbybetrieb ist das aber nicht sonderlich viel. Das Ergebnis beim Leistungsfaktor kann hingegen als sehr gut bezeichnet werden. Sehr gut vor allem dafür, dass wir mit 230 V Netzspannung testen. Zu Beginn liegt dieser mit 0,867 noch unter der 0,90-Grenze, während er sich bei 50 % Last bereits auf 0,99 steigert - sofern wir aufrunden. Bei Volllast wird dieser Wert dafür deutlich überschritten und erreicht einen Leistungsfaktor von bis zu 0,995. Das Resultat ist selbst bei 90 VAC kaum zu übertreffen.

[break=Kühlung und Lautstärke]






Wer die oberen Grafiken abwechselnd betrachtet, dürfte ein Déjà-vu Erlebnis haben. Tatsächlich ist das Rotationsverhalten des Lüfters sehr gut auf die steigende Temperatur abgestimmt. Würde dieser nicht in den Etappen aufdrehen, hätte sich die Temperatur blitzartig erhöht. Das mag logisch klingen, ist in diesem Zusammenhang aber erwähnenswert, da durch die physikalische Anordnung der Bauteile kein guter Luftdurchzug entsteht. Interessanterweise ist nicht wie üblich der Sekundärschaltkreis das Problem, sondern die enge Bestückung primärseitig. Aufgrund der geringen Abstände beider Transformatoren zum mittleren Kühlkörper musste sogar eine Schutzfolie platziert werden. Der Kühlkörper ist aufgrund der beiden Primärkondensatoren noch dazu relativ klein ausgefallen. Beide Transformatoren liegen auch relativ nah am hinteren Kühlkörper. An diesen Stellen würden sich üblicherweise kleine Schneisen ergeben, welche die von oben herabströmende Luft auf einer vorgegebenen Bahn nach außen führen. Wenn dann noch eine üppig bestückte EMI-Filterung vor den Ventilationsöffnung steht, trifft die Luft auf viele Hindernisse und wird in ihrem Verlauf leicht abgelenkt.

Im Prinzip sind aber alle Temperaturen unkritisch, wenn auch nicht mit den Ergebnissen von noch effizienteren Netzteilen vergleichbar, die eine bessere Kühltopologie aufweisen. Dort ist ein delta (t) von 5-10 ° keine Ausnahme. Bis 50 % Last liegen immerhin nur 3-4 °C zwischen der Abluft und Umgebungstemperatur. Schon ab 80 % wird der Abstand deutlich größer und steigert sich auf ein delta (t) von 25 ° bei Überlast. Dort werden 51 °C erreicht. Wir hatten bereits ähnlich effiziente Netzteile wie das Enermax Revolution85+ oder Tagan SuperRock vorliegen, welche damals bei 45 °C ihren Abschluss fanden.

Einer der wichtigsten Merkmale der Serie ist der verbaute Lüfter, welcher aus dem eigenen Portfolio stammt. Es handelt sich um einen be quiet! SilentWings USC mit der Modellnummer BQTT12025-HF. Wobei das H bereits verdeutlicht, dass dieses Modell prinzipiell zu hohen Rotationen fähig ist. Das spielt be quiet! selbst bei höchster Last nie ganz aus, wo 25 dBA (100 %) respektive 27 dBA (110 %) erreicht werden. Dort werden oft schon 35 dBA ermittelt und unsere Messung liegt sogar unterhalb der Angabe von be quiet! (30 dBA), was natürlich auch mit Messinstrumenten und Abständen zusammenhängen kann. Dennoch sollte beachtet werden, dass normalerweise niemand sein PC-Netzteil derart stark auslastet. Daher sollte be quiet! zumindest dort nicht die Lautstärke, wohl aber die Temperatur im Auge behalten. Bei geringster Last wurden nicht mehr als 17-18 dBA gemessen. Dabei bleibt der Lüfter wegen seines Lagers durchweg leise und gibt keine auffälligen Nebengeräusche von sich. Anders sah es leider aus, als das Gerät ohne Last lief und sich ein penetrantes Zwitschern der Elektronik bemerkbar machte.

[break=Spannungsregulation]






Wir haben bereits in früheren Tests kommuniziert, dass +3,3 V an Bedeutung verliert und nicht mehr so stark belastet wird. Dennoch sollte ein ATX-Netzteilen Lasten nach ATX-Vorgaben standhalten können. Deshalb ist es etwas schade zu sehen, dass diese Schiene bei 17,95 A auf -4,85 % abfällt, was hart an der Grenze ist. Es ist allerdings davon auszugehen, dass in der Praxis kaum eine derart hohe Last erreicht wird. Beim Übertakten wird zudem primär +12 V gefordert. Doch auch dort könnte das Niveau ein wenig höher liegen. Aufgrund der zahlreichen +12 V Schienen war es nicht einfach, die Last zu verteilen. Auch mit einigermaßen gleichmäßiger Auslastung sind die Ergebnisse nicht überragend, wohl aber zufrieden stellend. Bei 10 % Last (1,12-1,79 A pro Schiene, je nach Maximalangabe) lag die Spannung noch über 12,10 V. Das lässt nicht allzu viel Raum für einen Abfall. Bereits bei fünffach höherer Belastung wird 12,00 V unterschritten und erreicht 11,92 V auf der schwächsten Schiene. Dass bei Überlast auf 12V4 11,65 V angezeigt wurden, liegt sicherlich an der Verteilung und ist eine Komplikation unsererseits. Vier Module auf mehr als vier Schienen zu verteilen, ist nicht ganz einfach. Deshalb möchten wir diesen Wert nicht als allzu negativen verbuchen. Doch auch 12V5 lag bei lediglich 11,76 V, was -2 % entspricht. Hier haben wir aktuell schon etwas bessere Ergebnisse gesehen. Unter Berücksichtigung der SingleRail kann mit einem maximalen Abfall von 1% gerechnet werden. Unter 11,88 V kam das Netzteil hier nie.

Die mit Abstand konstanteste Schiene war aber ohnehin +5 V. Mit einem Maximalwert von 30 A ist diese auch sehr großzügig berechnet worden. Deshalb sind 2,04 A Last zu Anfang nicht viel und resultieren in 5,09 V. Selbst bei 50 % Last liegt das Ergebnis immer noch über dem Sollwert. Erst mit etwas mehr als 16 A kommen wir knapp unter 5,00 V. Gegen Überlast scheint +5 V gewappnet zu sein und gibt sich gelangweilt einem minimalen Abfall hin, der verschwindet gering ist und beinahe auf dem Niveau von 100 % (22,44 A) liegt. Dort erreicht be quiet! 4,95 V, was exakt -1 % entspricht. Darüber kann man nicht klagen.

[break=Restwelligkeit +5 V]

10 %



20 %



50 %



80 %



100 %



110 %


Wir haben in der Vergangenheit primär auf die Spannungsregulation geachtet. Mittlerweile halten beinahe alle PC-Netzteile am deutschen Markt die Spezifikationen ein. Der Spannungsabfall kann ein Indikator dafür sein, dass Querschnitte zu gering ausgelegt sind und sich bei starkem Overclocking das Netzteil einfach ausschaltet. Prinzipiell ist die Überprüfung also nicht unwichtig. Dennoch ist die Qualität der Spannung viel entscheidender. Dazu zählt etwa, ob sich noch Wechselspannungsanteile im Verlauf befinden, welche die Lebensdauer der Komponenten beeinträchtigen. Auch EMV-Störungen wie beispielsweise Reste der Schaltfrequenz sind immer noch vorhanden. Man könnte vom Grad der Sauberkeit sprechen.

Hier und heute möchten wir vor allem die Restwelligkeit betrachten. Um diese gering zu halten und damit dem Idealbild einer Gleichspannung eher zu entsprechen, werden Glättungskondensatoren eingesetzt. Der Name entspricht dem Einsatzgebiet, da diese durch ihren spezifischen Ladevorgang Täler gewissermaßen überbrücken können. Je nach Kondensatorpräsenz, Frequenz und der Höhe des Stromes bildet sich die Restwelligkeit in der Spannung heraus. Sie darf nicht über einem Prozent liegen, was bei +12 V 120 mV, bei +5 V 50 mV und bei +3,3 mV theoretisch 33 mV betragen würde. Da +3,3 V jedoch häufig aus der gemeinsamen Quelle für +5 V gespeist wird, sind hier ebenfalls 50 mV in der ATX-Spezifikation angegeben.

Wie an den repräsentativen Ausschnitten zu erkennen ist, wurde am Oszilloskop eine Einteilung von 20 mV pro Sektion gewählt. Zeitlich wurden je nach Schiene und Situation wenige Mikrosekunden bis 500 ms pro Zeitintervall festgelegt. Der für das Ergebnis relevante Spitze-Spitze Wert wird unten links aufgezeigt. Gleichzeitig können wir erkennen, ob sich besonders auffällige Auswüchse in dem Verlauf befinden. Wirklich gute Schaltnetzteile zeigen auch bei Lastwechseln ein relativ konstantes Verhalten im Einregelvorgang, was hier sehr gut an den Intervallen mit kurzzeitigen Spitzen zu erkennen ist. Um präzise Werte zu ermitteln, wurden auf dem PCB für die Anschlüsse, wo sich auch die Messpunkte befinden, Siebkondensatoren angebracht, da uns primär die reinen Wechselspannungsanteile interessieren und die Gleichspannungsanteile herausgefiltert werden.

[break=Restwelligkeit +3,3 V]

10 %



20 %



50 %



80 %



100 %



110 %



[break=Restwelligkeit +12 V]

10 %



20 %



50 %



80 %



100 %



110 %


Fassen wir kurz die Werte und unseren Eindruck der Spannungsqualität zusammen. Bei jeder Spannung ist eine Unregelmäßigkeit im Verlauf zu erkennen. Die Spannung stabilisiert sich auf einer immer etwas anderen Höhe. Wirklich hervorstechende Spitzen, die auf vom allgemeinen Verlauf herausbrechen, gibt es keine. Kurz vor der Hälfte des zeitlichen Ablaufs bei 110 % Last und anfangs bei 100 % zeigen sich bei +3,3 V einige Spitzen in den negativen Bereich. Hier regelt sich die Spannung allerdings nur sehr niedrig wieder ein. Mit 13,1 bis 41,3 mV bewegen sich die Werte innerhalb der Spezifikation, könnten aber noch etwas niedriger sein.

Wie schon bei der Regulierung zeichnet sich das beste Bild bei +5 V ab. Dort ist das höchste Maß an Gleichmäßigkeit erkennbar und be quiet! startet bei unwesentlichen 10,9 mV. Der Wert steigert sich zunächst recht schnell auf 20 mV bei etwas höherer Last, pendelt sich dann aber bei 34-35 mV ein. Ein sehr gutes Ergebnis mit Luft nach oben. Ganz anders sieht es leider bei den +12 V Schienen aus, wo wir exemplarisch ein Beispiel ausgewählt haben.

Es ist sehr schade, dass be quiet! hier die Spezifikation verlässt und mit 136,6 mV abschließt. Dabei lagen die Werte anfangs sogar unter 10 mV und steigerten sich vor allem von 100 % auf 110 % Last. Wenn wir streng genommen davon ausgehen, dass ein Netzteil nur die Volllast bereitstellen muss, sind 91,4 mV ein noch solides Ergebnis. Wie viele unsere Leser wissen, ringt die Konkurrenz in dem Segment aber auch um die höchsten Puffer. Ein gängiges Verhalten bei Markennetzteilen, die oft mehr aushalten als das Label verspricht. Deshalb sollten möglichst auch dann noch gute Werte erzielt werden. Apropos Puffer. Nebenbei erwähnt machen die +12 V Schienen mit der niedrigeren Angabe bei 26 A dicht, während die mit 32 A bis zu 36 A verkraften, bevor der OCP-Schutzmechanismus greift. Dafür zeigte +12V2 keine wirkliche Begrenzung auf, was uns etwas verwunderte.

[break=Fazit]
be quiet! hat Ideenreichtum bewiesen und interessante Features integriert, die aber nur teilweise praktikabel sind. Zudem ist die Lautstärke unter Last zwar gering und der Wirkungsgrad konstant hoch, doch die Spannungsregulation und -qualität könnte insgesamt etwas besser sein. Während die Dark Power Pro P8 eine üppige Ausstattung bieten, leidet das Design noch unter Kinderkrankheiten wie Nebengeräuschen.

Zunächst möchten wir die markanten Alleinstellungsmerkmale betrachten. Der "Overclocking-Key" bewirkte bei Umschaltung auf die Single-Rail eine etwas bessere Regulation im Test, was aber mit unserer Verteilung auf die vier Module für +12 V zusammenhängt. Bei mehr als vier Schienen machte sich schon des Öfteren das Problem bemerkbar, dass eine einzelne stark belastet wurde, was bei relativ wenigen Zuleitungen in einem stärkeren Spannungsabfall resultierte. Unabhängig von diesen Komplikationen bewegte sich +12 V jedoch stets deutlich innerhalb der Spezifikation. Gemessen and den 110 % Last, bei denen ansonsten keine Unterschiede zur SingleRail erkennbar waren, sollte das Netzteil auch mit sechs Schienen bei Übertaktungsversuchen zurecht kommen. Das ist insbesondere wegen den mit 26-32 A sehr hoch abgesicherten Schienen der Fall. Insgesamt ändert sich an der zur Verfügung gestellten Quellleistung ohnehin nichts. Die Lüfteranschlüsse am Steckerpanel und in Form der Leitungsstränge waren eine gute gemeinte Idee, um noch mehr den Aspekt der leisen Kühlung in den Vordergrund zu stellen. Ausgehend von den internen Belastungen ist diese Steuerung aber nicht sehr effektiv, zumal Käufer leiser Systeme eher manuell regulieren, sei es über die zur Verfügung stehenden Mainboardanschlüsse oder eine separate Lüftersteuerung. Abgesehen von den Zusatzkosten bieten sich zuletzt genannte besonders an, um gezielt auf verschiedene Lasten reagieren zu können. Doch auch die Steuerung am Netzteil ist in den Gesamtpreis eingeflossen, weshalb der finanzielle Nachteil einer zusätzlichen Steuerung bei Verwendung anderer Netzteile im Grunde genommen keiner ist. Erneut ist der tatsächliche Nutzen also begrenzt. Wirklich gefallen hat uns das kleine Gelenk für den fest angeschlossenen 24-pin Strang. Flexibilität und Sicherheit wurden hier in Einklang gebracht. Der Strang ist frei beweglich, reibt aber nicht am Rand der Öffnung. Das erscheint uns die erste konsequent durchgesetzte Idee mit praktischem Nutzen zu sein.

Bei der Steckerkonfiguration unterscheidet sich nur die 900 W Version geringfügig vom Rest, da sie zwei SATA und zwei PCIe Stecker weniger mit sich bringt. Andererseits hätte be quiet! auch eine Differenzierung von der 1000 W zur 1200 W Variante integrieren können, wo acht PCIe Anschlüsse durchaus üblich sind. Ansonsten ist die Bestückung mit zwei Floppy-, neun bis elf SATA- und einigen PATA Anschlüssen sehr zufrieden stellend. Auch die Leitungslänge weiß zu gefallen, da alle Hauptanschlüsse mindestens 60 cm lang sind. Hinzu kommt, dass die Konfiguration mit verschiedensten Mainboardanschlüssen individuell auf das verwendete Mainboard abgestimmt werden kann. Weiterhin offeriert der Anbieter einen üppigen Lieferumfang mit zahlreichen Kabelbindern, weshalb be quiet! in der Gesamtausstattung punkten kann.

Leider setzt sich dieser Eindruck nur teilweise im Inneren des Netzteils fort. Zwar sind die Bauteile üppig bemessen und die Topologie modern, doch gerade bei der Temperaturentwicklung ist die leise Kühlung eher nachteilig. Im Zentrum bilden sich zwischen Transformator und Kühlkörpern normalerweise Lufttunnel, die hier aus Platzgründen nicht zur Geltung kommen. Eine gut bestückte EMI-Filterung samt MOV wird gerne gesehen, doch auch sie blockiert in ihrem Aufbau den Luftstrom. Generell sind die Schutzfolien hier wegen der Enge sinnvoll platziert worden. Nicht zuletzt funktioniert OCP bis auf 12V2 problemlos und schaltet das Netzteil leicht oberhalb der Angaben aus. be quiet! arbeitet wie viele Marken mit gut bemessenen Leistungspuffern. Wenn be quiet! davon ausgeht, dass kaum jemand Volllast erreicht und wenn, die Kühlung entscheidend ist, sollten die Dark Power Pro P8 weniger als 51 °C erreichen. Ein delta (t) von etwa 25 ° zur Raumtemperatur ist kein herausragendes Ergebnis für ein derart effizientes Netzteil.

Bei jeder Laststufe ist der Wirkungsgrad bemerkenswert. Zwar erreicht be quiet! mit 90,50 % bei 230 VAC nicht den höchsten gemessenen Wert aller Zeiten, schließt mit 86,46% bei 110 % Last aber hoch ab und beginnt schon bei 10 % Belastung mit nennenswerten 85 %. Die +12 V Schienen sind mittelprächtig reguliert, wie gesagt aber noch deutlich innerhalb der Spezifikation. Leider bricht die +3,3 V Schiene relativ schnell ein und erreicht schon bei 50 % Last 3,24 V, was unter dem Sollwert liegt. Bei leichter Überlast bewegt sich die Schiene an den Rand der Spezifikation und liegt bei -4,85 %. Etwas besser schneidet +5 V ab, was insbesondere auch für die Restwelligkeit gilt. Bis zu 35 mV bei einem halbwegs konstanten Verlauf und Einregelverhalten sind ein sehr akzeptables Ergebnis. Auch die 13 bis knapp über 40 mV bei +3,3 V liegen noch im Erwartungshorizont. Etwas bedenklich und unser Hauptkritikpunkt sind die Resultate bei +12 V. Zwar kann man über die 137 mV hinwegsehen, weil sie bei Überlast ermittelt wurden. Doch schon bei Volllast sind die Werte ziemlich hoch und reichen nicht aus, um dem Anspruch eines innovativen High-End Gerätes gerecht zu werden.

be quiet! hat äußerlich wie auch bei der Ausstattung den Mut für Veränderungen gezeigt und experimentiert mit neuen Eigenschaften. Das hat prinzipiell Vorbildcharakter. Doch das Risiko mäßiger Umsetzungen ist bei den ersten Versuchen immer eine Gefahr. Deshalb konnte das Netzteil abseits der Ausstattung nur sehr durchschnittliche Werte erreichen, allem voran die Restwelligkeit wie auch die etwas erhöhte Temperatur unter Last. Hinzu kommt, dass ohne Last ein deutliches Zwitschern auftritt. Bei Belastung ist die Lautstärke hingegen optimal und alles andere als störend. Wir würden uns nur noch einen etwas breitflächigeren Lüfter und eine bessere Kühltopologie wünschen. Wenn be quiet! am Ball bleibt und die Kritik für die P9 berücksichtigt, kann die Marke durchaus zu neuer Größe finden.

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