Vor kurzem haben wir das EarthWatts Green 380 W getestet, das zu den günstigeren PC-Netzteilen von Antec zählt. Heute jedoch möchten wir uns einem teureren Gerät des Portfolios widmen. Das 1200 W-starke Netzteil aus der High Current Pro Baureihe soll sowohl beim Wirkungsgrad als auch der Technik neue Maßstäbe setzen. Das Gerät erinnert zum Teil an die betagte Signature Serie, welche Anfang 2009 von uns vorgestellt wurde. Diese setzten ebenfalls auf einen 80 mm-Lüfter und das markante "Sandwich"-Design im Inneren.

Das Test soll nun klären, ob das High Current Pro 1200 W die volle Leistung bei zufriedenstellenden Temperaturen und mit einem hohen Wirkungsgrad erbringen kann. Weiterhin haben wir sowohl die Qualität der Spannung am Ausgang als auch die Regulation selbiger überprüft. Ergänzend beurteilen wir die Lautstärke und werfen einen ausgiebigen Blick auf die Elektronik. Aktuell ist das Fabrikat noch nicht verfügbar, wird aber bald im deutschen Handel erhältlich sein (349 $ Preisempfehlung). Wir bedanken uns bei Antec für die Bereitstellung des Testmusters und wünschen viel Spaß beim Lesen!

[break=Produkteigenschaften]


Abgesehen von den modularen Anschlussleitungen und einem zu unserem Netz inkompatiblen Kaltgerätekabel waren zumindest bei diesem Testmuster keine weiteren Extras im Lieferumfang. Antec wirbt mit hohen Stromstärken auf den +12 V-Schienen, DC-DC Modulen und japanischen Kondensatoren. Weiterhin gewährt Antec seinen Kunden eine Garantie von 5 Jahren. Das High Current Pro soll außerdem bereits EuP-Ready sein, was einen niedrigen Standby-Verbrauch verspricht. Außerdem gibt der Anbieter an, dass das Modell für SLI-Systeme geeignet ist, was angesichts der Leistungsklasse kaum verwundert.

Das 180 mm tiefe Gehäuse ist in einem matten Schwarz lackiert worden und trägt das Antec-Logo auf dem Deckelstück. Am Lüftereinlass wurden die Entlüftungslöcher wabenförmig gestaltet, auf der Rückseite (nicht im Bild) sind die Öffnungen hingegen quadratisch. Teile der Rückseite sind wie so oft auch mit den Stecker-Buchsen bestückt. Auf beiden Flanken steht der Serienname in einem goldfarbig verzierten Rahmen. Die Entlüftungslöcher stehen leicht hervor und der schmale Netzschalter liegt unterhalb des Netzeingangs.



Antec teilt 1188 Watt auf acht +12 V-Schienen auf, die laut Angabe mit bis zu 30 A belastbar sind. Auch +3,3 V und +5 V sind aber nicht zu knapp bemessen und leisten bis zu 175 Watt. Die Standby-Rail +5 VSB ist mit 5 A dimensioniert. Insgesamt soll das Antec-Modell 1200 W dauerhaft und bei 50 °C leisten können. Das Netzteil entspricht den gängigen Sicherheitsstandards und RoHS, wobei die zuletzt genannte Richtline eine begrenzte ökologische Aussagekraft hat, was in den Artikel zuvor bereits erwähnt wurde.

[break=Anschlüsse und Leitungslängen]


Als Sleeve wurde die günstigste Variante gewählt, die kaum mehr als ein paar Cent ausmacht. Nur die Ummantelung am 24-pin Anschluss ist weitestgehend undurchsichtig. Am Stecker-Panel rechts gibt es drei Anschluss-Buchsen für die Peripherie und zwei für Grafikkarten. Deshalb bleiben bei maximaler Bestückung noch zwei Peripherie-Stränge übrig. Bei Vergleichen sollte man sich also zwei von diesen wegdenken. Ein SATA-, ein PATA-, zwei PCIe- und die drei Mainboard-Leitungsstränge sind bereits fest angeschlossen, womit das HCP ein teilmodulares Kabelmanagement bietet. Die Festanschlüss am Ausgang wurden mit einem Kabelbinder gesichert.



Wir haben die Ansicht vergrößert, um auf ein Problem hinzuweisen. Die zahlreichen Leitungen liegen dicht hinter dem Stecker-Panel und sind auf engem Raum verlegt worden. Dadurch hat hier ein Stecker die Ummantelung der blauen Leitungen (unten rechts) leicht beschädigt. Dort sollte also besonders auf das Bündeln der Leitungen in einem möglichst großen Abstand zum Gehäuse geachtet werden. Zumindest thermisch ist die Enge aber unkritisch, da oben rechts die Abwärme entweichen kann und damit der tote Winkel des Lüfters ausgeglichen wird.



Alle Leitungen haben eine ordentliche Länge, die klar darauf abzielen, das ATX-Netzteil (unten) in einem BigTower verbauen zu können. Sowohl der 24-pin, der 8-pin EPS12V als auch der 4+4-pin Stecker erreichen 65 cm. Die acht PCIe-Anschlüsse liegen bei 55 bzw. 70 cm, teilen sich allerdings einen gemeinsamen Querschnitt. Aus Platzgründen lässt sich das am Anschluss-Panel auch nicht mehr großartig abändern. Dadurch geht viel Potenzial des Kabelmanagement-Systems verloren.

[break=Elektronik: Primärschaltkreis]


Die erste PCB-Hälfte beinhaltet den Eingangsfilter und den größten Teil der PFC-Stufe. Aus dieser Perspektive lassen sich gut die flach montierten Drosseln und Kondensatoren erkennen. Hier nicht im Bild zu sehen ist der Bereich hinter dem Netzeingang, welcher zwei Y- und einen X-Kondensator beinhaltet. Dieser wurde mit einem separaten Metallgehäuse abgeschirmt. Auf relativ dünnen Leitern, die zusätzlich um einen Ferritkern gewickelt wurden, geht es weiter zum PCB. Dort folgen vier weitere Y- und zwei X-Kondensatoren. Hinzu kommen zwei Gleichtaktdrosseln und ein MOV, der vor den beiden Gleichrichterbrücken montiert wurde (LL15XB60). Im Vorregler kommen zwei Primärkondensatoren von Rubycon und gleichermaßen viele Transistoren von Infineon zum Einsatz. Durch die Nähe zu den Komponenten auf dem Schwester-PCB wurden die Kühlkörper rechts zusätzlich isoliert.



Auf der Rückseite sind mehrere Kabelbinder zu sehen, welche unter anderem die schweren Kondensatoren zusätzlich sichern. Dort kommen auch die meisten SMD-Komponenten zum Einsatz. Bei der Verarbeitung fallen keinerlei Mängel auf. Die meisten Leiterbahnen wurden beim Lötvorgang zusätzlich verstärkt und die Anschlussdrähte ragen nicht zu weit unter das PCB. Dort kamen zudem gute Verbindungen zwischen Draht und Lot zustande. Das gleiche gilt auch für den Sekundärschaltkreis, der lediglich üppiger beladen ist.

[break=Elektronik: Sekundärschaltkreis]


Auf dem zweiten PCB kommen zunächst zwei weitere Kondensatoren von Rubycon zum Einsatz, die etwas kleiner sind. Diverse Infineon-Transistoren bilden nun eine H-Brücke, bei der auch hinter dem Transformator MOSFETs zum Einsatz kommen. Das ist eine oft gewählte Schalttopologie bei größeren Netzteilen. In diesem speziellen Fall können beide Halbbrücken durch das Controlling bei verschiedener Phasenlage schalten, um die Effizienz zu erhöhen. Auf dem großen Schwester-PCB rechts wiederum sitzt das Controlling für den PWM-geregelten 80 mm-Lüfter. Der kleine Trafo unten im Bild gehört zur Standby-Versorgung. Alle Kühlkörper hier sind auffallend flach und kurz.



Das gilt auch für den Haupt-Trafo, welcher direkt mit dem MOSFETs verbunden ist. Größe ist allerdings relativ, da je nach Frequenz unterschiedlich viele Arbeitszyklen pro Sekunde ausgeführt werden können. Sekundärseitig kommen sowohl an den VRM (für +3,3 V und +5 V), als auch bei +12 V, Feststoffkondensatoren von Nippon-Chemicon zum Einsatz. Am Ausgang der VRM wird die Filterung nochmals um einen 3300 Mikrofarad-Elko ergänzt (Pi-Filter). Weitere Modelle von Rubycon (YXG) glätten das Spannungsbild von +12 V.

[break=Kühlung und Lautstärke]


Der 80 mm Sanyo Denki-Lüfter setzt auf ein Kugellager und wurde saugend montiert. Dessen Modellnummer lautet 9AH0812P4G131. Prinzipiell ist genügend Freifläche zwischen den PCBs, weshalb die Luft hier gut zirkulieren kann. Die meisten Bauteile wurden passend zum Luftstrom positioniert bzw. aufgereiht. Da sich nahe der ausgehenden Leitungen Wärme staut, wurden dort wie erwähnt zusätzliche Entlüftungslöcher angebracht, um den VDE-Normen gerecht zu werden.



Bei 10 % Last ist der Lüfter quasi nicht aus dem geschlossenen System herauszuhören. Bei 50 % Last und 21 dBA steigen die Drehzahlen kontinuirlich. Erst bei Überlast wird die 30 dBA-Marke überschritten, was bei der Leistung nahvollziehbar ist und noch im Rahmen liegt. Silent ist die Kühlung dann natürlich nicht mehr. Das sollte beim Spielen, bei Benchmarks oder Übertaktungsversuchen aber kaum noch eine Rolle spielen, da der Anwender schließlich weiß, was er sich damit ins Haus holt. Die Zuverlässigkeit durch niedrigere Temperaturen ist entscheidender, weshalb wir selbige überprüft haben.



Bei der hohen Belastung und dem Einsatzgebiet in High-End PCs mit hoher Abwärme hat uns, wie eben erwähnt, auch die Temperatur interessiert. Hier zeigen wir die Temperatur-Differenz delta (t) der herausströmenden Luft zur Umgebung. Getestet wurde bei Raumtemperatur bei näherungsweise 25 °C (zeitweise 26 °C). Das Ergebnis fällt hier sehr gut aus und der Verlauf entspricht in etwa dem des Lüfterverhaltens bei verschiedenen Lasten. Die Luft ist maximal 7 ° wärmer als die Umgebung. Das bestätigt uns nochmals die hohe Effizienz.

[break=Wirkungsgrad und PFC]




Anfänglich ist der Leistungsfaktor sehr niedrig und erreicht lediglich 0,857 bei niedriger Belastung. Ab 50 % geht der Wert sprunghaft nach oben und pendelt sich danach auf 0,96x ein. Der Wirkungsgrad liegt selbst bei 10 % Last über 86 %, was höher ist, als bei den Gegenspielern be quiet! und OCZ. In der Spitze bzw. bei 50 % Last werden 90,81 % erreicht. Selbst bei Überlast fällt der Wert aber nie unter 88 %. Im Standby-Betrieb sind je nach Belastung (0,10 bis 3 A) immerhin 60-80 % möglich. Mit niedrigerer Netzspannung kann Antec gerade so die 90er-Marke knacken. Trotzdem ist die Effizienz auch unter diesen Bedingungen konstant hoch. Sicherlich wird der Kunde mit einem 1200 W-Netzteil keinen Strom sparen wollen, was paradox wäre. In Sachen Kühlung hat sich das Ergebnis aber bereits bewährt. Schaden kann es jedenfalls nicht.

[break=Spannungsregulation]








Die Spannungsregulation ist durchschnittlich und alle Schienen bewegen sich innerhalb der Spezifikation. Bei 20,70 A bricht +3,3 V auf 3,19 V ein. -3,33 % sind damit das "schlechteste" Ergebnis in diesem Überblick. +5 V (20,70 A) und +12V (je 18,90 A) liegen bei Überlast kaum unter -1 %. Dafür, dass wir die acht +12 V-Schienen auf zahlenmäßig unterlegene Module verteilen mussten, ist der natürliche Spannungsabfall gering. Das Antec-Netzteil kann einen Netzausfall von 19 ms überbrücken und liegt damit über dem Sollwert.

[break=Ripple & Noise +3,3 V]












[break=Ripple & Noise +5 V]












[break=Ripple & Noise +12 V]












+12 V zeigt einen sehr konstanten Verlauf und ist mit einer grundlegend geringen Restwelligkeit von 10-20 mV besser als die meisten Netzteile. Ähnlich gut sieht es bei +3,3 V aus, wo 18,70 mV das obere Limit bilden und klar unter den geforderten 50 mV liegen. Einzig +5 V zeigt größere Unregelmäßigkeiten und häufig längere Unterschwingungen. Diese haben maßgeblich zum Ergebnis von 35 mV beigetragen, womit aber immer noch ein High-End-Niveau erreicht wird. Hier haben wir schon deutlich schlechtere Ergebnisse gesehen.

[break=Fazit]


Herausragende technische Details, eine gute Verarbeitung und Messwerte innerhalb der Spezifikation prägen das Gesamtbild des Antec High Current Pro mit 1200 W. Kleinere Mängel beim Stecker-System können das Gesamtbild kaum trüben, sollten bei der Kaufentscheidung aber bedacht werden. Unter geringer Last ist das Modell leise und die Kühlung arbeitet auch bei Überlast effektiv.

Bei den Messwerten gibt es keinen Anlass zur Kritik. Sicherlich könnte die +3,3 V-Schiene noch etwas besser reguliert werden, wird im Praxisbetrieb aber selten so stark belastet. Das Spannungsbild auf +5 V wird ohne Zweifel von einigen Transienten geprägt, liegt aber ebenfalls im vorgesehenen Rahmen. Nahe der Perfektion arbeiten die stark belasteten +12 V-Schienen. Der Wirkungsgrad ist bereits bei 10 % Last sehr hoch und erreicht fast 91 % in der Spitze. Nicht zuletzt kann die Lautstärke überzeugen, da der Lüfter bei geringer Last ausreichend gedrosselt wird und sich bei 1200 W niemand über die hohe Geräuschentwicklung unter Volllast beschweren kann. Die Kühlung ist durch den größtenteils störungsfreien Luftkanal im Gehäuse und Entlüftungslöchern in den toten Winkeln des Luftstroms sehr gut. Das "Sandwich-Design" zeigt hier, abgesehen vom größeren Isolationsaufwand und den vielen Steckerverbindungen, keinerlei Nachteile. Mehr als 7 ° Differenz zur Raumtemperatur sind laut Skala nicht zu erkennen.

Das Innere wird durch eine gut ausgebaute EMI-Filterung, einer sauberen Lötqualität und starken Schaltern geprägt. Die Kondensatoren sind ebenfalls hochwertig. Hierbei spielt nicht die japanische Herkunft an sich eine Rolle, sondern vielmehr die Wahl innerhalb des Angebotes dort. Denn auch in Japan gibt es günstigere Einstiegsmodelle. Durch den verstärkten Einsatz aktiver Komponenten und moderner Topologien wurde die physikalische Größe vieler Bauteile bei voller Leistungsfähigkeit verkleinert. Mit Finesse konnten 1200 W so auf engstem Raum realisiert werden. Die ebenfalls kleinen Kühlkörper spielen dabei keine Rolle, da die Abwärme schnell abgetragen und die Wärmeentwicklung selbst in Grenzen gehalten wird.

In der Kategorie Anschlüsse könnte Antec für den Preis einen dichteren Sleeve und Abziehhilfen an den Steckern realisieren. Gleichermaßen macht es das schmale Stecker-Panel nicht möglich, alle Peripherie-Leitungsstränge gleichzeitig anschließen zu können. Auf zwei Stück muss verzichtet werden, wobei sich die restlichen natürlich je nach Bedarf zusammenstellen lassen. Jeweils auf einen Strang verteilte PCIe-Anschlüsse wären ebenfalls sinnvoll. Die Leitungslängen sind mit 65 cm bei den Mainboard-Steckern und bis zu 70 cm bei den acht Grafikanschlüssen sehr großzügig bemessen. Die Anzahl der Steckertypen entspricht dem Niveau der anderen 1kW+-Netzteile.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Marktpreis in Deutschland entwickelt. Im nächsten Monat soll die HCP-Baureihe laut Angaben gelistet sein. Auch fernab der empfohlenen 349 $ wird in jedem Fall etwas Großes auf uns zukommen. Ein PC-Netzteil, das sich in OC-Wettbewerben und SLI-Rechnern beweisen wird. Das haben die Ergebnisse heute gezeigt, zumal es in diesem Bereich nicht auf den einen oder anderen Euro mehr ankommt. Wer hier nach günstigeren Angeboten sucht, stößt schnell auf technische Mängel.

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