LC Power PC-Netzteile konnten in unseren vorhergehenden Tests nicht oder nur bedingt überzeugen. Teilweise führten fehlende Schutzfunktionen oder eine Dauerleistung unterhalb der Nennleistung zu Problemen. Das etwas jüngere Silent Giant 460 W erbrachte zumindest die volle Leistung, zählt aber auch zu den günstigen Modellen des Portfolios. Wir haben nun einen Blick auf die teureren Netzteile des Anbieters geworfen, um die dortigen Entwicklungen verfolgen zu können. Dazu zählt das Legion X2 mit 1000 W Leistung, welches wir heute vorstellen möchten. Als werbestarkes Versprechen gibt LC Power die 80Plus Gold Zertifizierung an. Unabhängig davon haben wir den Wirkungsgrad überprüft. Diese und weitere Messergebnisse zeigen wir auf den folgenden Seiten auf.

Das Legion X2 war in den Medien bisher kaum vertreten, obwohl das Modell bereits flächendeckend verfügbar ist. Es handelt sich also um ein marktfähiges Produkt. Auch deshalb möchten wir LC Power hier die Chance geben. Der Test wird zeigen, ob sie ältere Kritiken berücksichtigt und in Form von Verbesserungen umgesetzt haben. Wir bedanken uns bei der Silent Power Electronics GmbH für die Bereitstellung des Testmusters und wünschen allen Usern und Gästen viel Spaß beim Lesen des Artikels!

Preisvergleich

[break=Produkteigenschaften]


Zu den Produkteigenschaften des ATX 2.3-Netzteils zählt wie erwähnt das 80Plus Gold Zertifikat ("bis zu 90 %" Wirkungsgrad). Außerdem kommt laut Hersteller ein "superleiser" 140 mm Lüfter zum Einsatz und die Anschlüsse sollen sehr vielfältig sein. Weiterhin wird mit einem geringen Standby-Verbrauch geworben. Alles in allem sind die Versprechungen eher zurückhaltend, weshalb wir uns in diesem Test auf Merkmale beschränken, die wir ohnehin überprüfen. Im Lieferumfang enthalten sind ein Kaltgerätekabel, die modularen Anschlüsse und vier Befestigungsschrauben. Ein Benutzerhandbuch war zumindest bei unserem Testmuster nicht vorhanden. Der Anbieter gewährt 3 Jahre Garantie auf sein Produkt.



Das 165 mm tiefe Netzteilgehäuse ist durch die leicht spiegelnde Oberfläche recht auffällig gestaltet worden. Wie an den Vertiefungen der oberen Schrauben zu erkennen ist, steht das Lüftergitter nicht hervor. Durch die wabenförmigen Entlüftungslöcher und -schlitze kann die Wärme aus dem schwarz lackierten Netzteil abtransportiert werden. Letztere Zusatzmaßnahme ist auch verständlich, da gerade der Sekundärschaltkreis ein potenzielles Staugebiet für die in Wärme umgesetzte Energie darstellt. Diesen Punkt werden wir bei Besprechung der Kühlung näher behandeln. Der breite Netzschalter sitzt links neben der Steckerbuchse und ist kompatibel zu dem Kaltgerätekabel nach IEC-60320 C19 / C20. Dieser ist für hohe Eingangsströme (16 A) geeignet.



LC Power schlüsselt die Leistungsverteilung detaillierter auf, als bei der Budget-Ware. +3,3 V und +5 V leisten bis zu 150 Watt, während ein Großteil der Leistung über die +12 V Schienen abgegeben werden kann. Die starke Fixierung auf +12 V ist dadurch gegeben, dass größere "Verbraucher" hier nur moderate Stromstärken benötigen. Mit +3,3 V und +5 V wäre der Strom zur Erreichung der geforderten Leistung höher, die hier mittels Abwärtswandler generiert, von der Energie auf +12 V gespeist werden und primär Peripherie und Steuerlogik versorgen.

[break=Anschlüsse und Leitungslängen]


Der schwarze Sleeve ist mit Ausnahme des 24-pin Leitungsstrangs weitestgehend undurchsichtig und gut verarbeitet. An den modularen PCIe-Steckern, deren Buchsen farblich vom Rest getrennt sind, sitzen Ferritkerne. Die Leitungen wurden hier durchgeführt, um die Störabstrahlung in hohen Frequenzbereichen zu vermindern und wirken prinzipiell nicht anderes als Drosseln mit wenigen Wicklungen. Das Stecker-Panel für die Peripherie besteht aus vier gleich aufgebauten Buchsen, auf die alle SATA- und PATA-Stränge willkürlich verteilt werden können.



Zwar bietet das PC-Netzteil sechs PCIe Stecker, wovon zwei fest angeschlossen sind, doch sind die Leitungsstränge mit je zwei Steckern bestückt. Hier geht es mehr darum, die Kompatibilität zu gewährleisten, als eine leistungsstarke Versorgung herzustellen. Die Leitungen könnten zum Flaschenhals werden. Die Länge der SATA- und PATA-Anschlüsse ist beachtlich, zumal die Anzahl der SATA-Stecker für beinahe alle Systeme ausreichen sollte. Die Anzahl der PATA-Anschlüsse ist dafür auf vier Stück begrenzt. Außerdem sollten die Peripherie-Anschlüsse asynchron auf die Leitungen verteilt werden. Ein Floppy-Anschluss ergänzt die Ausstattung. Der 4+4-pin ATX12V und ein 8-pin EPS12V Stecker gehören zum gängigen Standard dieser Leistungsklasse. Durch die Länge der Leitungen und mit Steckern ab 50 bzw. 55 cm ist das Modell zu allen Midi-Towern kompatibel. Nur bei Positionierung des Netzteils unten, aufwändiger Verlegung im Gehäuse und der Verwendung eines Big-Towers könnten die Hauptanschlüsse zu kurz sein.

[break=Elektronik]


Das Innere hat mit den bisherigen Netzteilen von LC Power nicht mehr viel zu tun, auch wenn im ersten Moment das Gedränge auffällt. Diverse Schutzfolien an den Seiten und am Schwester-PCB für das Kabelmanagement wie auch Schrumpfschläuche an den Leitern verhindert Kontaktkurzschlüsse ausreichend. Das ist nur in sofern problematisch, da die Metallplatte zur Abschirmung zwischen Steckerbuchse und DC-DC Modulen durch eine zusätzliche Isolierung die Bereiche zwar gut trennt, aber auch den Luftstrom im Inneren erschwert. Ein paar cm Bautiefe mehr hätten dem Netzteil daher nicht geschadet. Die Kühlkörper sind relativ schmal, wobei sich einige Finnen zur Mitte hin ausbreiten. Die Drähte mehrerer Leitungen wurden nicht sauber verdrillt und grob angelötet. Dasselbe gilt für einige Leiterbahnen auf dem main-PCB und den DC-DC Modulen.

Eingangsseitig setzt LC Power auf zwei Gleichtaktdrosseln, drei X- und vier Y-Kondensatoren. Hinzu kommen eine Schmelzsicherung und ein MOV. Die Zuleitungen des gelben X-Kondensators über dem IEC-Inlet wurden isoliert, wobei das Bauteil selbst nicht zusätzlich befestigt wurde. Der große Siebelko im Vorregler stammt von Panasonic und gehört zu den günstigeren Modellen des Herstellers. Die Kapazität beträgt 560 Microfarad. In Kombination mit dem großen Trafo und der 12 V-Drossel, die gut befestigt wurde, scheint das Modell insgesamt gut dimensioniert zu sein. Allerdings ist dafür jede Komponente entscheidend, weshalb erst der Belastungstest aufschlussreiche Beweise liefern kann. Sekundärseitig kommen Kondensatoren von Nippon-Chemicon und Nichicon zum Einsatz. Auf den Abwärtswandlern für die kleineren Spannungen kommen jedoch günstigere Feststoffmodelle zum Einsatz. Die sekundärseitigen Sicherungsfunktionen übernimmt ein PS232S. Da dieser über sechs Kanäle verfügt, können u.a. alle vier +12 V-Schienen überwacht werden. Zu den Funktionen zählen OCP und O/UVP, wobei sich der Überstromschutz von den Ingenieuren recht komfortabel justieren lässt. Eine Messdiode am Kühlkörper überwacht die Temperatur, was Einfluss auf die Lüfter-Regulierung hat.

[break=Kühlung und Lautstärke]


LC Power baut einen OEM-Lüfter von Young Lin ein, welcher auf ein Kugellager setzt und aus elf schmalen Lüfterblättern besteht. Er trägt die Modellnummer DFB132512H, wobei das H auf eine hohe Umdrehungszahl hindeutet. Außerdem benötigt das Modell 0,25 A. Der Lüftertyp wird beispielsweise auch des Öfteren in HEC-Netzteilen verwendet. Eine Maßnahme, die LC Power hier noch treffen könnte, wäre ein Klebstoffklecks zur besseren Befestigung der Zuleitungen. Trotz Halterungen können diese beispielsweise durch Vibrationen auf dem Transportweg aus der Mulde rutschen.



Der Schalldruckpegel beträgt 22 dBA bei 10 % Last. Bis einschließlich 80 % steigt die Drehzahl nur moderat und das ATX-Netzteil bleibt erträglich leise. Allerdings ist das Modell auch nicht wie angekündigt "superleise", da die meisten Silent-Netzteile unterhalb von 20 dBA starten. Außerdem wird bei Volllast die 30 dBA-Marke überschritten, was sich auch subjektiv in Form eines hörbaren Luftrauschens bemerkbar macht. Dennoch bleibt das Legion X2 gemessen an der Leistung insgesamt recht leise. Nur Silent-Freaks werden auf andere Angebote wie das Antec HCP 1200 W ausweichen müssen.

[break=Regulation, PFC und Wirkungsgrad]










Während +3,3 V und +5 V bei 14,88 A bzw. 18,60 A auf 3,23 V, respektive 4,90 V abfallen, befinden sich drei der +12 V-Schienen nahe dem Sollwert. Lediglich +12 V4 fällt auf 11,71 V ab, liegt aber ebenfalls innerhalb der Spezifikation. Alle +12 V-Schienen wurden mit bis zu 19,66 A belastet. Das LC Power knackt die 90 %-Effizienzmarke knapp und bis einschließlich 110 % Last bleibt der Wirkungsgrad bei 88-89 %. Unter geringer Last konnten immerhin 83,44 % ermittelt werden. Der Leistungsfaktor befindet sich ab 20 % Last immer über 0,900.

[break=Ripple & Noise +3,3 V]












[break=Ripple & Noise +5 V]












[break=Ripple & Noise +12 V]












Die +12 V-Schiene zeigt eine hohe Restwelligkeit, die allerdings erst bei Überlast knapp außerhalb der Spezifikation liegt, zumal im Verlauf keine Störungen zu erkennen sind. Dennoch schneiden +3,3 V und +5 V deutlich besser ab. Hier ist nicht nur der Verlauf konstant, sondern auch die Restwelligkeit gering mit bis zu 25,4 mV bzw. 28,1 mV. Gemessen an den schlechten ripple & noise-Werten, wie wir sie bei be quiet! oder AeroCool gesehen haben, sind 117 mV bei Volllast und auf +12 V noch vertretbar. Berücksichtigt man den Preis, steht LC Power wegen der mäßigen Standards am Markt gar nicht so schlecht da.

[break=Fazit]


LC Power hat sein Portfolio sichtbar verbessert und mit dem Legion X2 1000 W ein durchschnittliches Ergebnis erreicht. Unsere einzigen Kritikpunkte auf technischer Seite sind die nicht "superleise" Kühlung und die hohe Restwelligkeit auf + 12V. Der Wirkungsgrad ist generell hoch und der Spannungsabfall unter Last moderat. Mehr Molex-Anschlüsse wären allerdings eine sinnvolle Erweiterung.

Im Test konnten wir einen Wirkungsgrad von maximal 90,11 % errechnen. Bei 10 % Last werden immerhin noch 83 % Effizienz erreicht. Die Spannung fällt auf +12 V4 mit -2,42 % am stärksten ab, während die anderen Schienen kaum mehr als -2 % unter dem Sollwert liegen. Durchaus respektabel ist die Entwicklung bei der Restwelligkeit. Zwar zeigt +12 V bei Überlast einen Spitze-Spitze-Wert von 123,2 mV, bleibt bei Volllast aber innerhalb der Spezifikation. Die Ausschnitte aus dem Spannungsbild von +3,3 V und +5 V haben beinahe Vorbildcharakter. Es sind keinerlei Störungen im Verlauf zu erkennen, womit lediglich die hohe Grundschwingung auf +12 V zu bemängeln ist. Bei den Messungen hat sich LC Power also stark verbessert und muss nur einige teurere Modelle fürchten. Die Konkurrenz ist in dieser Hinsicht eher schwach. Allerdings könnte die Lautstärke etwas geringer sein, da 22 dBA+ subjektiv wie objektiv nur moderat sind. "Superleise" ist das Netzteil also nicht, bis einschließlich 80 % Last aber auch nicht wirklich laut.

Wie wir bereits im Abschnitt "Elektronik" festgestellt haben, wurden alle Komponenten, soweit einsehbar, sehr großzügig dimensioniert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass LC Power problemlos die Überlast überstehen konnte. Ein großer Trafo, ein Siebelko mit 560 Microfarad Kapazität und starke Halbleiter hinterlassen einen guten Eindruck. Sekundärseitig kommen Kondensatoren von Nippon-Chemicon und Nichicon zum Einsatz. Der Sicherungschip bietet alle notwendigen Funktionen, wie wir sie auch bei anderen Marken vorfinden. Die Entlüftung durch die dichte Bestückung ist noch nicht optimal, aber ausreichend. Besonders der durch eine Metallplatte abgeschirmte Eingangsbereich kesselt den Sekundärschaltkreis zusammen mit dem Kühlkörper und der leicht gebogenen Schutzfolie am Kabelmanagement-PCB etwas ein.

Zwölf SATA-Stecker sind angemessen, während vier Anschlüsse für PATA-Geräte recht mager sind. Allerdings sind das immer noch mehr als beim OCZ Z1000M und die Leitungsstränge sind mit 55 cm und mehr ausreichend lang. Sechs PCIe Stecker sind nichts Außergewöhnliches in der Leistungsklasse, zeigen aber ebenfalls, dass LC Power dem Netzteil einiges zutraut. Ein 4+4-pin ATX12V- und ein 8-pin EPS12V-Stecker für die CPU ergänzen das Aufgebot.

Für aktuell knapp 140 € erhält der Kunde ein PC-Netzteil, dass die versprochenen Eigenschaften weitestgehend erfüllt und mehr als nur die angegebenen 1000 W leisten kann. Das ist eine willkommene Entwicklung und LC Power sollte diesem Weg auch bei den anderen Modellen folgen. Bei gezielter Suche findet der Enthusiast sicherlich Alternativen, wenn auch zu etwas höheren Preisen. Groß sind die Unterschiede aber nicht.

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