Seasonic hat uns exklusiv das Fanless X-460 zukommen lassen, welches, wie der Name vermuten lässt, ohne eigenen Lüfter auskommen soll. Das Modell ist 80Plus zertifiziert und der Lieferumfang umfasst neben den Befestigungsschrauben und einem Kaltgerätekabel ein Benutzerhandbuch als auch diverse Aufkleber mit Seasonic-Logo. Der Test wird zeigen, ob das aktuell sehr teure Gerät eine lohnenswerte Investition ist. Mit bis zu 456 W kann beinahe die gesamte Leistung auf +12 V abgegriffen werden, wobei ein Teil für die +3,3 V und +5 V Schiene benötigt wird. Diese sind mit einer maximalen Belastbarkeit von je 20 A angegeben und leisten zusammen 100 W. +5 VSB ist mit 2,5 A angegeben. Wir bedanken uns bei Seasonic für die Bereitstellung des Testmusters und wünschen viel Spaß beim Lesen des Artikels!



Sowohl der 4+4-pin ATX12V-, der 6-pin, als auch der 6/8-pin-PCIe-Stecker erreichen eine Länge on 65 cm. Seasonic traut dem Netzteil also auch stärkere Grafikkarten zu. Der 24-pin-Mainboardanschluss ist 60 cm lang. Ein Molex-zu-2xFloppy-Adapter (15 cm) kann optional an die Peripheriestränge angeschlossen werden. Ein Leitungsstrang ist ab 55 cm in 15 cm Abständen mit insgesamt drei SATA-Steckern bestückt. Ein weiterer liefert zwei der Anschlüsse ab 35 cm. Dieselbe Konfiguration besteht auch bei den beiden PATA-Leitungen. Leider bleibt bei voller Bestückung des Stecker-Panels ein Strang übrig. Der Sleeve ist nicht blickdicht.



Prinzipiell wurde das Layout des X-460 von den stärkeren Modellen der X-Serie übernommen, wobei neben einigen unbesetzten Stellen die Einfräsungen im Eingangsbereich und die deutlich größeren Kühlkörper auffallen. Letztere sind nun auch an den Gleichstromwandlern platziert worden. Hinter dem Eingangsbereich kommt erneut ein Netzfilter von Yunpen zum Einsatz (nicht im Bild). Alle Kondensatoren kommen von Nippon-Chemicon und die Sicherungsfunktionen sekundär übernimmt ein PS223. Viele Komponenten wurden als SMD realisiert, wobei der Controller primärseitig auf ein Schwester-PCB nach oben gewandert ist. Die Lüftersteuerung wurde aus dem Design komplett entfernt.



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+3,3 V ripple & noise (Maximalwert)



+5 V ripple & noise (Maximalwert)



+12 V ripple & noise (Maximalwert)


Die +12 V Schiene ist aufgrund ihrer großzügigen Dimensionierung von keinem allzu starken Spannungsabfall betroffen. Mit 12,12 V bei knapp 34 A Last bleibt die Spannung deutlich über dem Sollwert. Ähnlich gut sieht es bei den kleineren Schienen aus. +3,3 V fällt maximal auf 3,30 V ab (~11 A), dem optimalen Wert, während auf der +5 V-Schiene 4,94 V bei Überlast (~11 A) anliegen. Die Restwelligkeit ist bei allen Spannungen gering, wobei wir jeweils den höchsten Wert gezeigt haben. Bei minimaler Last liegt der Wert oft unterhalb von 10 mV. In der Effizienzkurve macht sich das an sich größere Design bemerkbar. Bei 80 % Last erreicht das Modell 91,41 % Wirkungsgrad, wobei der Wert auch bei höherer Belastung weitestgehend konstant bleibt. Bei 10 % wird die 80 %-Marke knapp überschritten. Aufgrund des fehlenden Lüfters fehlt hier natürlich die Grafik zum Schalldruckpegel. Subjektiv kann man das Modell aus einem geschlossenen System nicht heraushören. Auch störende Nebengeräusche sind zumindest bei diesem Muster nicht zu vernehmen.



Mit einem Preis von 140-150 € ist das Seasonic X-460FL mit 460 W fast so teuer wie einige der zuvor getesteten 1000 W-Netzteile, bietet dabei mit die besten Ergebnisse in unseren Messungen und ein voll-modulares Stecker-Panel. Auf der einen Seite bleibt bei voller Bestückung ein Leitungsstrang mit Peripheriesteckern übrig. Auf der anderen Seite verfügt das X-460 über zwei PCIe Anschlüsse, was bei passiven PC-Netzteilen keine Selbstverständlichkeit ist. Die volle Leistung kann das Modell auch zuverlässig erbringen, wobei es hier besonders schwierig ist, die Leistungsfähigkeit nach einigen Monaten Betrieb und bei hohen Temperaturen zu bewerten. Auch die Auswirkungen auf das gesamte System, wo das Netzteil normalerweise eine wichtige Rolle bei der Kühlung spielt, können wir daher nicht auf eine längere Dauer hin abschätzen. Eine wirklich ernst zu nehmende Konkurrenz für die Baureihe kommt aus eigenem Hause: Die semi-passiven Modelle, welche (aktiv gekühlt) mehr leisten, aber ähnlich viel oder sogar weniger kosten. Dazu zählt auch das X-650, was qualitativ kein Rückschritt ist, einen hochwertigen Lüfter bietet und sich ansonsten ohnehin nicht großartig vom X-460 unterscheidet. Wer selbst unter Last ein leises ATX-Netzteil möchte, kann sicherlich zum X-460 greifen und wird das Preis/Leistungsverhältnis nicht weiter beachten. Für alle anderen ist das Modell nicht empfehlenswert, zumal der Wirkungsgrad bei geringer Last ein eher durchschnittliches Niveau erreicht. Zusammengefasst ist das X-460 ein Prestige-Objekt, das nicht wirklich notwendig, aber in jeder Beziehung genial ist.

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