Kiss Quiet KS-420W 420 W - Elektronik und Messungen
Dass Kiss-Quiet-Produkt erinnert an alles, nur nicht an ein 400-W-Netzteil. Mit zwei Y-Kondensatoren, einem X-Kondensator und zwei Gleichtaktdrosseln ist die EMI-Filterung schlecht ausgestattet, wobei man hinzufügen muss, dass sich die Schaltungen deutlich von denen bei be quiet!, Jou Jye und LC Power unterscheiden, weshalb auch die leitungsgebundenen Störungen nicht identisch sind. Dennoch fällt auf, dass an allen Ecken gespart wurde. Der PE-Leiter wird beispielsweise an einer Befestigungsschraube des PCBs installiert. Viele Bauteile, die im Schaltplan offenbar vorgesehen waren, wurden ebenfalls nicht verbaut. Zur Krönung des ganzen verbaut Kiss Quiet eine gefälschte PFC-Drossel. Genauer gesagt wurde ein kleines Gehäuse mit einer gelben Folie umwickelt. Das Gewicht wurde mit mehreren Metallplatten nachgestellt. Das Modell verfügt damit nicht über die vorgeschriebene Leistungsfaktorkorrektur gemäß EMVG und darf nicht in Deutschland verkauft werden.
Statt einer Gleichrichterbrücke schaltet der Hersteller vier einzelne Dioden so, dass die Wechselspannung in eine pulsierende Gleichspannung übersetzt wird. Hierzu kommt sowohl an Phase eine Diode samt Rückführung mittels einer weiteren Diode über Masse, als auch eine Diode an Masse mit einer Rückführung über Phase zum Einsatz. Damit wird die Spannung auch gleichgerichtet, wenn die Pole alle halbe Periode ihre Polarität wechseln. Diese Dioden können jeweils durchschnittlich einen Effektivwert von 3 A gleichrichten. Zur Überwachung der Ausgänge kommt der IC SD6109 zum Einsatz, der sich physikalisch im Sekundärschaltkreis befindet. Regelabweichungen werden über die Steuerlogik als längere oder kürzere Einschaltdauer der Transistoren umgesetzt, um die Spannungspulse zu verlängern oder zu verkürzen. Hierzu wird die Schaltung über einen Trenntrafo an die Primärseite angebunden. Bei den heutigen Kupferpreisen würde man eher Optokoppler einsetzen. Der Transformator ERL-339955 verfügt über eine Mittelanzapfung. Er wird von den beiden Transistoren 13007 im TO-220-Gehäuse gespeist. Wie üblich werden die Gleichrichterdioden auf der Sekundärseite mit einem Keramikkondensator und einem Widerstand vor Überschwingungen geschützt.
* gemäß ATX-Spezifikation unter Berücksichtigung der angegebenen Lasttabelle des Herstellers. Bei den +12-V-Ausgängen geben wir die mit der schlechtesten Regulation (bzw. höchsten Restwelligkeits-Messung) an. Crossload 1: 3,3 V und 5 V bei 1 A, 12 V beim spezifizierten Maximalwert. Crossload 2: 3,3 V und 5 V beim spezifizierten Maximalwert und 12 V bei 1 A. Δϑ entspricht der Temperaturdifferenz zwischen den Entlüftungslöchern und der Raumtemperatur (23,4 °C), angegeben in °C.
Sowohl der Wirkungsgrad, als auch der Leistungsfaktor sind erwartungsgemäß sehr gering. Was die Effizienz betrifft, können wir die Aussagen von Kiss Quiet aber bestätigen, dass durchschnittlich mehr als 70 % erreicht werden. Bei allen anderen Kriterien fällt das Netzteil durch. Das Modell kann nur etwa die Hälfte der angegebenen Leistung erbringen. Darüber hinaus ist die Restwelligkeit vergleichsweise hoch und auf +5 V liegt eine Spannung mit +3,00 % über dem Sollwert an. Die letztere Eigenschaft ist nicht wirklich kritisch, zeigt aber, dass die kleineren Ausgänge hier noch stärker belastbar wären. Für einen modernen PC ist das eine eher ungünstige Aufteilung, die hier noch extremer zu sein scheint als bei den anderen Modellen. Immerhin geht das Modell nicht kaputt, da die notwendigen Schutzschaltungen im IC aktiv werden. Alleine die fehlende Leistungsfaktorkorrektur nimmt dem Gerät aber jegliche Existenzberechtigung in Europa.
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