RSS-Feed anzeigen

Nero24.

XP am Laptop wird immer aufwändiger

Bewerten
Seit zwei Jahren ist Windows Vista praktisch das Standard-Betriebssystem auf handelsüblichen Laptops. Einige Kunden jedoch sind nach wie vor auf Windows XP als Betriebssystem angewiesen; entweder, weil sie mit Computern sowieso auf Kriegsfuß stehen und gezwungenermaßen damit arbeiten müssen (und dann doch lieber mit etwas, das sie kennen), oder weil sie Spezialsoftware einsetzen, die zu Windows 2000/XP Zeiten programmiert wurde und von der Ein-Mann Software-Schmiede, die mittlerweile vermutlich pleite ist, nie auf Vista/7 angepasst wurde.

Naja, was erzähle ich. Bisher war der Wunsch des Kunden kein unerfüllbarer. Im BIOS des Notebooks den SATA-Modus von AHCI auf IDE umgestellt (bzw. bei einigen Modellen auch "Native SATA" genannt, was dann deaktiviert werden muss), XP-CD gebootet, alte Partitionen weggeputzt, neue erstellt und auf gehts mit der Installation. Solange die Notebook-Hersteller parallel noch Treiber angeboten haben für XP, war das nicht viel mehr als eine Fleißaufgabe.

Zum ersten Mal anspruchsvoller wurde es, als die Notebook-Hersteller von sich aus keine XP-Treiber mehr für das betreffende Modell anboten. Dann musste man sich eben bei den Komponenten-Herstellern versorgen. Realtek-Audio und Broadcom Netzwerk-Treiber - auch das ist noch keine große Kunst. Etwas heikler waren da schon die Treiber für den Kram, der sonst noch so auf einem Notebook wohnt: HD-Modem, Webcam, ACPI-Komponenten; zur Not musste man eben via Vendor- und Device-ID herausfinden, was verbaut ist, denn die Notebook-Hersteller gehen mit dem Durchwechseln von Komponenten nicht eben zimperlich um. Manchmal half sogar das Microsoft Windows Update, Sektion Hardware, wenn ansonsten gar kein Treiber vom Komponenten-Hersteller aufzutreiben war.

Das Schauspiel war vorprogrammiert: von Monat zu Monat wurde es schwieriger bzw. war mit mehr Aufwand verbunden, ein vom Hersteller als Vista-only deklariertes Notebook auf XP umzustricken.

Der vorläufige Höhepunkt jedoch war heute das Compaq CQ71-210EG, ein 17" Laptop von HP mit Intel-Chipsatz und NVIDIA GeForce 103M. Bei diesem Gerät fand ich zum ersten Mal im BIOS keine Option mehr, den AHCI-Modus abzuschalten, weswegen die XP-CD beim Booten gleich mal mit einem Bluescreen ausstieg.

In diesem Fall muss wie üblich bei XP über Diskette mit der Taste F6 ein RAID- bzw. AHCI-Treiber vom Controller-Hersteller eingebunden werden. Dass aktuelle Notebooks kein Floppy-Laufwerk mehr haben, ist die erste Hürde. Also USB-Floppy dran, Treiber auf die Diskette, mit F6 den richtigen eingebunden (dazu muss man evtl. vorher unter Vista booten, im Geräte-Manager die Device-ID nachsehen und anschließend in der INF-Datei den zur ID gehörenden korrekten String suchen, um herauszufinden, welcher überhaupt "der Richtige" ist!) und - siehe da, kein Bluescreen mehr beim Boot, Festplatte erkannt. Also neue Partition für XP angelegt, Format und los gehts mit der Installation. Doch was ist jetzt? "Legen Sie die Intel Matrix Storage Diskette ein" prangt es da in großen Lettern. Ja, die ist doch eingelegt? Allerdings kann XP in diesem Stadium anscheinend nicht mehr auf das USB-Floppy zugreifen, denn beim Zugriffsversuch leuchtet das Floppy-Lämpchen nicht mehr auf. Ok, ab ins BIOS und die USB Floppy-Emulation eingeschaltet...; ach, die gibts auch nicht mehr? Allerhand!

Lange Rede, kurzer Sinn: ich musste wirklich aus der Original-CD von XP mit nLite eine Kopie mit integriertem Intel ICH9M-Treiber erstellen, ansonsten wäre es nicht möglich gewesen XP auf diesem Notebook-Modell zu installieren.

Auch die Treiber-Installation macht aktuell noch Sorgen. Klar, Intel INF und NVIDIA Notebook-Grafik Treiber waren nicht das Problem. Eher schon der IDT HDA-Treiber, der zwar von Windows Update erkannt und installiert wurde, aber nicht arbeiten mag - und derlei Kram.

Inzwischen geht mit Installation und Treiber suchen ein kompletter Nachmittag drauf zum Wohle der werten Kunden, die auf einem Laptop unbedingt mit XP arbeiten wollen oder müssen. Ich bin mal gespannt, wanns wirklich mal so weit ist und mit XP gar nichts mehr geht.

Kommentare

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
  1. Avatar von SPINA
    Lange wird Windows XP nicht mehr durchhalten. Das kündigt sich schon durch erste Geräte mit UEFI an. Bisher noch mit CSM.

    Aber seien wir mal ehrlich. Im Vergleich zu Windows Vista, weinen die meisten Windows XP doch keine Träne mehr nach.
  2. Avatar von Chris_Bear
    Vielleicht kannst du den aktuellen Windows-7-Hype ja nutzen um einige der "Alles neue ist schlecht"-Leute zu überzeugen.

    Und für alte Software gibt's ja jetzt den XP-Mode, der (einmal eingerichtet) selbst von einem DAU benutzbar ist.
  3. Avatar von Schwarzmetaller
    Mein Mitbewohner hat einen HP Laptop (HP Pavilion dv7-1001eg), bei dem sich selbst mittels NLite und Co der SATA-Controller unter XP nicht zur Mitarbeit bewegen ließ.
  4. Avatar von mj
    Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis du auch XP nicht mehr installiert bekommst und es in einer langen Reihe mit Windows 9x/ME, NT4 & 2000 steht. Irgendwann wirst du also bei diesen Sonderwünschen mit den Schultern zucken und 'geht nicht' sagen müssen. Und spätestens dann müssen sich diese Personen entweder an etwas neues gewöhnen, oder weiter mit ihrem alten System arbeiten.

    Allerdings wirst du dank des virtualisierte XP in Windows 7 zumindest die Kunden, die es wegen Spezialsoftware noch benötigen, problemlos umstellen können. Nur den militanten "ich will nix neues" Verweigerern machst du mit 7 keine Freude
  5. Avatar von Onkel Homie
    Kann ich nur zu gut nachfühlen.
    Meine Zeit im Handel ist jetzt zwar fast 1 Jahr vorbei, aber die Probleme gabs damals auch schon. Anfangs haben wir noch 29€ für eine XP Installation genommen. Dann hat Cheffe mal mitbekommen was das für ne Arbeit ist und ist nahezu ausgerastet ;D Es ging dann soweit das immer mindestens 39€ verlangt wurden bis rauf zu 69€, je nachdem was gemacht wurde. Und selbst das war noch sau günstig. Die Konkurenz hast nicht unter 90€ gemacht und selbst das haben die Kunden wohl noch gerne bezahlt. Sich den mruks freiwillig antun und teilweise stunden- bis tagelnag auf Treibersuche zu gehen ist echt nicht mehr lustig.

    Ich verstehe ja jeden der Spezialsoftware nutzen muss, oder auch spezielle Hardware und deshalb nicht umsteigen kann. Aber wer schlichtweg nicht umsteigen will, weil ihm irgendwas zu bunt ist oder was auch immer, der muss halt entweder mal lernen etwas mit der Zeit zu gehen, oder den Krempel selber machen.
    Aktualisiert: 15.10.2009 um 15:27 von Onkel Homie
  6. Avatar von FalconFly
    Mir graut es schon beim naechsten Notebook-Kauf...

    Mein Notebook ist zwar immer so etwas wie eine "Schlampe" (macht's mit jedem OS), aber so eine Zumutung wie Vista oder Win7 mag ich mir wirklich nicht antun.

    Ueber XP habe ich schon viel gemeckert und es ist etwas zeitraubend, es an meine Standards anzupassen - aber zumindest geht es. Bei Vista & Co ist da Hopfen und Malz verloren und der Zug abgefahren :p
    Das ist der Grund, warum ich WinXP lieben gelernt habe. Mein Experiment "Vista64 auf dem Hauptrechner" laeuft ja noch aber die Ergebnisse sind - gelinde gesagt - bodenlos vernichtend.

    So oft wie ich ueber Vista fluchen musste und noch muss, waere mir ein neues Notebook viel zu "durch mechanische Gewalteinwirkung gefaehrdet", als ich mir so etwas nochmal antun wollte...
  7. Avatar von Schwarzmetaller
    Naja, WIn7 läuft ja "aus der Box", die sämtliche Treiber werden mit eingebunden, alles ist wunderbar.
    Da hatte ich mit WinXP schlimmere Erfahrungen; u.a. obengenannten HP Laptop oder einen ALDI-Rechner, den man zwar innerhalb von 20Minuten mit der Recovery-CD wieder in den Auslieferungszustand versetzen konnte, aber wenn man nur eine normale XP-CD zur Verfügung hatte, war da nichts zu wollen....Fernsehkarten mit eigenem Stromanschluss und 4-6 Tunern - mich graust es heute noch.
  8. Avatar von FalconFly
    Zitat Zitat von Schwarzmetaller
    Naja, WIn7 läuft ja "aus der Box", die sämtliche Treiber werden mit eingebunden, alles ist wunderbar.
    Wenn das bei Win7 auch nicht klappen wuerde, waere es ja vollends eine Katastrophe...
    Das ist ja stets das absolut Mindeste, was ein neues OS auf dem Kasten haben sollte.
  9. Avatar von Stefan Payne
    Für die Spezialsoftware gibts doch Virtualisierung, da dann 98, 2k oder XP drauf und gut ist.

    Für alle anderen würd ich sagen: koa Bock bzw nicht unter 150-250€ (ich nehm mal an, du arbeitest in 'nem PC Laden ).

    Ich hab letztens auch bei 'nem Bekannten Vista drauf getan, bisher aber noch keine Rückmeldung erhalten, werd aber mal nachfragen.

    UAC hab ich ihm auch vorgeführt und den Sinn erklärt (und eingeworfen, das das 'woanders' seit urzeiten üblich ist.

    Naja, werd mal nachfragen, obs alles so hinhaut, wie es sollt.
  10. Avatar von Nero24.
    Zitat Zitat von [3DC]Payne
    Für alle anderen würd ich sagen: koa Bock bzw nicht unter 150-250€ (ich nehm mal an, du arbeitest in 'nem PC Laden ).
    Nicht direkt. Ich bin selbstständiger Unternehmer und betreue kleine und mittelständische Firmen in EDV-Angelegenheiten. Das heißt, in der Regel kommt nicht Privatmann Fritz Jedermann mit seinen "NFS-läuft-nicht-auf-meinem-200-EUR-Aldi-Netbook" Problemen zu mir, sondern der Chef z.B. einer Werkstatt, der 2001 umgerechnet 50.000 EUR für ein maßgeschneidertes Programm zur Steuerung seiner Lack-Mischanlage bezahlt hat und nun seine Felle davon schwimmen sieht, weils der alte Kübel nicht mehr macht. Oder weil seine Innung irgendein Programm XY vorscheibt, das ihn im Jahr 10.000 EUR Leasing kostet, seit 10 Jahren auf einem Stand verharrt und nun plötzlich auf einem aktuellen System laufen soll.

    Das Problem ist: diese Leute haben einen grundlegenden Support für Ihr Programm mitgekauft. Wenn also mit dem Programm irgendwas nicht funktioniert, haben sie Rund-um-die-Uhr Telefon- und teilweise sogar Remote-Support. Allerdings nur dann, wenn das Programm auf einem freigegebenen System läuft; und das ist in vielen Fällen nur Windows 2000 und XP; nicht Vista oder gar 7
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Trackbacks