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Nero24.

HP dv2 und das Fiasko unter Windows XP

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Bereits vor einigen Monaten hatte ich im Blog einen Betrag gepostet, der die Schwierigkeiten beschrieb, aktuelle Notebooks mit Windows XP zu installieren, nachdem die meisten Hersteller nur noch Support für Windows Vista oder 7 bieten.

Vorläufiger Höhepunkt nun war die Installation eines brandneuen HP dv2 1050eg, ein Mini-Notebook mit 12" Display, das versucht in eine Lücke zwischen den klassischen Notebooks (15-17") und den etwas potenzarmen Atom-Netbooks zu stoßen. Ab Werk mit Windows Vista vorinstalliert, vom Kunden jedoch mit Windows XP (Select Lizenz und alle Clients im Unternehmen mit identischer Software!) erwünscht.


Dabei war der Anfang noch ganz harmlos. Das Notebook unterstützt den IDE-Modus für den SATA-Controller, also kein Gefrickel mit XP AHCI-Treibern oder Slipstreaming derselben falls das Notebook keine USB-Floppys mag. Auch das externe DVD-Laufwerk wurde ohne Murren als Bootlaufwerk erkannt. Es folgte die problemlose Installation des AMD Catalyst 10.5 Southbridge-Treibers (für SM-Bus Support) und der Realtek PCIe Gigabit-Ethernet Treiber, was ja schon die halbe Miete zu sein schien, denn damit ist man nun online. Auch der ATI HDMI-Treiber ist ruckzuck installiert. Den IDT-Audiotreiber und die HP Webcam erledigte zum Glück das Windows-Update, ebenso wie den ACPI-Treiber für den PowerNow!/Cool'n'Quiet Support des AMD Athlon Neo, ein 65 nm G2-Stepping K8 mit einem deaktivierten Kern.

Da HP für das dv2 keinerlei relevante XP-Treiber zum Download zur Verfügung stellt bis auf ein paar Software-Pakete, war nun wieder Tüfteln angesagt. Und das begann überraschenderweise schon beim ATI CATALYST für die Radeon HD 3410 Mobility. Weder das AMD-Treiberpaket für die IGPs, noch das für dedizierte Grafikkarten wollte sich installieren lassen. Hat HP also wieder an den DEV_IDs herumgespielt. Zum Glück kann man XP auch zu seinem Glück zwingen und den Treiber manuell aus der Liste suchen und installieren, was auch problemlos geklappt hat. Das selbe galt für den Broadcom WLAN-Treiber der BCM4312-Serie, der aber interessanterweise die DEV_ID 4315 trägt. Sich ein Herz fassen und den Treiber zwangsinstallieren und siehe da, er funktioniert. Normale Anwender, die sich ans Protokoll halten, müssten hier aber schon die Segel streichen.

Weitaus aufwändiger in der Recherche war allerdings das HP Integrated Modul, womit ein Bluetooth-Controller gemeint war. Darauf muss man auch erst mal kommen. Dummerweise funktionierte keiner jener der verwandten HP-Laptops, die für XP noch Treiber im Download-Center haben. Erst der tollkühne Versuch nach zeitaufwändiger Recherche, den Treiber des Lenovo S10-2 dafür zweckzuentfremden, führte überraschend zum Erfolg.

So, nun noch alle Sicherheitsupdates drauf, die gängigen Tools und die Software und fertig. Oder?

Nein, da hakt doch was. CPU-Z meldet eine dauerhafte Taktfrequenz von 1600 MHz. Dieses Mistding taktet nicht herunter im Idle! In keinem der Energie-Profile. Zum Glück hatte ich das vorinstallierte Vista noch probiert, ehe XP draufkam - und da hatte PowerNow! bzw. Cool'n'Quiet noch funktioniert, wenn auch etwas skuril. Zwar reduzierte der Neo die Taktfrequenz von 1600 MHz auf 800 MHz, die VCore blieb allerdings stets bei 1,000 V. Und obwohl im BIOS die Option "FAN always on" deaktiviert wurde, lärmte das Gerät - unabhängig von der OS-Frage - permanent mit geschätzten 1-1,5 Sone vor sich hin. Bin ja gespannt, ob der Anwender, der sich explizit gegen ein Atom-Netbook und für das dv2 entschieden hatte, hier noch meckern wird...

Aber zurück zu Windows XP. Was tun? Ich kann dem Kunden doch kein Mini-Notebook, das nicht als Desktop-Replacement, sondern als Netbook-Alternative fungieren wird, ohne funktionierende P-States in die Hand drücken? Abhilfe schaffte das Tool CrystalCPUID, was interessierte P3D-Leser spätestens seit dem Phenom TLB-Bug kennen. Damit lassen sich die Stromsparfunktionen der CPU per Software realisieren. Im Tool vorkonfigurieren und dann per Verknüpfung für alle User beim Systemstart laden lassen. Funktioniert, aber zu welchem Preis? Insgesamt hat die Installation des Systems über 10 Stunden gedauert und verlief auch nur deshalb erfolgreich, weil "ein bisschen" über das Normalmaß hinausgehende Kenntnisse über Vendor- und Device-IDs, sowie über P-State Tools aus der Hardware-Freak Szene vorhanden war. Und abgesehen davon: an dem Punkt, wo ich Hardware-Funktionen per Software emulieren muss, um die Funktionalität zu gewährleisten, hört der Spaß auf!

Andererseits kann sich der User freuen, denn anders als vom Hersteller vorgesehen, hält er nun ein Notebook in Händen, das im Idle nicht nur den Takt, sondern auch die VCore absenkt und damit längere Akkulaufzeiten schafft, als es ab Werk möglich gewesen wäre. Ein kleiner Trost für die Zeit, die ich nicht wieder bekommen werde. Dumm nur, dass der User von all dem nichts mitbekommen wird...

Aber die Moral von der Geschicht': das war definitiv mein letztes aktuelles Vista/7-Notebook, das ich mit XP installieren werde. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Ab sofort heißts hier nur noch: XP wird vom Hersteller nicht mehr unterstützt - fertig!

Kommentare

  1. Avatar von Onkel Homie
    Den Punkt kann ich nur gut nachvollziehen. So ging es mir bei der Arbeit im Handel auch immer mal. Mit letztendlich genau dem gleichen Fazit.

    Klar gibts bestimmte Software die mal nur noch unter XP läuft. Ich denke da an die bestimmte Rechtsanwälte und Arztpraxen mit einer Spezialsoftware zurück. Aber letztendlich sind die dann auch bereit den Arbeitsaufwand zu bezahlen der getätigt werden musste um z.B. von Vista auf XP downzugraden. Oder auch der Aufwand um rauszufinden welches Gerät denn nun noch unter Xp läuft und mit Treibern etc. versorgt wird.

    Die normalen Kunden die aber einfach nur kein Vista/Win 7 wollen weil sie Gewohnheitstiere sind, gerade die wollen auch nicht einsehen das es mal ordentlich was kosten kann XP aufzuspielen. Doch da muss man wirklich irgendwann einen Strich ziehen und quasi die friss oder stirb Taktik fahren: gewöhnt euch gefälligst an ein neues System oder sterbt irgendwann mit XP aus.
  2. Avatar von SPINA
    Hast du ausschließlich die PowerNow! Treiber von der AMD Seite versucht? Ich hatte nämlich mal ein ähnliches Problem.
    Dort hat aber für Abhilfe gesorgt den von Windows Update für den Athlon X2 angebotenen Treiber von Microsoft zu verwenden.

    Aber man liest ja viel von Herstellern, die in ACPI hineinpfuschen, sodass PowerNow! und EIST nur noch mit QuickSet und Konsorten klappt.
    Ich hätte aber ein schlechtes Gfühl ein Notebook mit CrystalCPUID auszuliefern. Da hätte ich lieber auf PowerNow! verzichtet.
  3. Avatar von Oberst K
    Wenn ich das so lese, dann bin ich direkt froh das ich eine vorgefertigte Version XPP installieren durfte. Im Dezember hatte ich ein 13" Acer Travelmate gekauft bei dem ich das XP Downgrade gemacht habe/ machen "musste". Die Software für den Haupteinsatzzweck dient der SPS-Programmierung und läuft auch nicht unter Vista. Den Gedanke, einen Kern für die Virtualisierung (XP-Mode von Win7) "wegzuwerfen" wollte ich definitiv auch nicht, denn der SU-9400 ist meiner Meinung nach kein Prozessor den man dafür nutzen sollte.

    Also Downgrade gemacht und lief von Beginn an ohne Probleme. Mittlerweile sogar mit einer SSD, welche ein Image von der vorherigen verpasst bekommen hatte.

    Freiwillig XP auf einem zeitgemäßen Laptop installieren, das würde ich schon wegen der ganzen zusätzlichen Frickelei, auch nur noch tun wenn ich gezwungen werde.
  4. Avatar von Stefan Payne
    Aber die Moral von der Geschicht': das war definitiv mein letztes aktuelles Vista/7-Notebook, das ich mit XP installieren werde. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Ab sofort heißts hier nur noch: XP wird vom Hersteller nicht mehr unterstützt - fertig!
    Warum jetzt erst?!

    Das hätt ich schon länger nicht mehr gemacht, da hätt ich dann auch mal 'Nein!' gesagt bzw 'löppt nicht' oder 'wennst was anderes denn Vista haben willst, nimm 7, XP mach ich nich druff'...
  5. Avatar von Oi!Olli
    Zitat Zitat von [3DC]Payne
    Warum jetzt erst?!

    Das hätt ich schon länger nicht mehr gemacht, da hätt ich dann auch mal 'Nein!' gesagt bzw 'löppt nicht' oder 'wennst was anderes denn Vista haben willst, nimm 7, XP mach ich nich druff'...

    Vielleicht musste er es ja machen.
  6. Avatar von Gast29012019_2
    Ich würde an deiner Stelle den Kunden oder dem Auftraggeber ganz klar sagen, das XP mit der Kiste nicht möglich ist, weil der Hersteller es nicht mehr supported, oder er kauft sich eines von anderen Hersteller womit es geht.

    Kann dann nur entscheiden zwischen

    HP Laptop mit Vista/W7
    IBM Laptop mit XP

    Oder es einfach lassen und sich jemanden anderen suchen, das spart dir jedenfalls 10 Stunden deiner Freizeit *g*

    Ich selbst bin mittlerweile auch schon soweit, alte PCs nicht mehr zu reparieren oder XP aufzuspielen weil die Gurke es einfach nicht her gibt, sprich alles unter 1,4GHz mit alter Platte u.s.w und man da dann auch locker 10 Stunden dransitzt, bis alles aufgespielt, alle Updates drauf sind, etc. Dann besser nen aktuellen PC kaufen *g*

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