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Nero24.

Kein AMD-Computer - aus Umweltschutzgründen!

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Ich bin kein Grüner, aber unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden ist mir dennoch wichtig! Ich schalte das Licht aus wenn ich einen Raum verlasse, ich beschleunige nicht wie ein Wahnsinniger auf eine rote Ampel zu und ich lasse das Wasser nicht unnötig laufen. So etwas gehört für mich zur guten Kinderstube, dafür muss man kein Grüner sein! So schafft man es selbst an trüben Novembertagen, die Hälfte des privaten Stromverbrauchs vom eigenen Dach zu speisen selbst wenn die Sonne gar nicht wirklich scheint. Das macht sogar Spaß und man gewinnt den Eindruck: wenn die Energiewende scheitert, an mir hat’s nicht gelegen!

Doch dann wieder der desillusionierende Alltag. Nur ein Beispiel: Mein fünfjähriger Sohn ist Eisenbahn-Fan und so kommt es, dass wir an Wochenenden gelegentlich zusammen an den Bahnhof gehen, damit er dort seine geliebten Züge beobachten kann. Doch während mein Sohn begeistert das emsige Treiben verfolgt, gewinne ich dort eher den Eindruck, dass im Großen, national, international und galaktisch sowieso anscheinend eh alles egal ist.

Folgendes Szenario: ein voll beladener Güterzug – schätzungsweise 2600 Tonnen - wälzt sich langsam heran. Das Signal steht auf Rot, der Lokführer hat Fahrt heraus genommen, die beiden vorgespannten Altbau-Loks können keine Bremsenergie wieder ins Netz zurückspeisen. Träge rollt der Zug an das rote Signal heran, weit und breit kein anderer Zug zu sehen. 50 m vor dem Signal aktiviert der Lokführer die Druckluftbremse, es quietscht ganz fürchterlich und dann ist es passiert: das 2600-Tonnen-Monster steht. Der Lokführer greift zum Hörer des Bahnfunks, spricht ein paar Sekunden und "schwups" schaltet das Signal auf Grün. Er legt auf und langsam setzt sich der Koloss wieder in Bewegung.

Signale stehen in der Regel grundsätzlich auf Rot. Erst wenn laut Fahrplan ein Zug angekündigt und der Abschnitt frei ist, wird die Strecke per Signal freigegeben. Bei Personenzügen ist das leicht zu managen, die fahren nach einem festen Fahrplan. Bei den Güterzügen ist das anders. Die nutzen die Strecken immer dann, wenn eine Lücke im „hochwertigen Reisezugverkehr“ da ist. Aber: dazu bedarf es natürlich eines Fahrdienstleiters, der auf Zack ist und den fahrplanlosen Güterzüge möglichst eine „grüne Welle“ durch die Lücken hindurch ermöglicht. Doch das ist hier bei uns eher Ausnahme als Regel. 50 Prozent der schweren Güterzüge werden hier in den Stillstand gezwungen, oft natürlich zu Recht (RE kommt entgegen), oft aber auch ohne erkennbaren Grund.

Warum mich das so ärgert? Weil ich mal rechnen gelernt habe! Güterzüge haben eine Reisegeschwindigkeit von 90 km/h. Um einen stehenden 2600 t schweren Güterzug wieder auf 90 km/h zu beschleunigen, ist eine Energie von nicht weniger als 225 kWh erforderlich – Verluste durch Reibung, Wirkungsgrad, Bahnstrom-Netz, etc. noch gar nicht mitgerechnet. Real sind es natürlich wesentlich mehr! Mindestens 225 kWh Energie verschwendet wegen EINMAL Fahrdienstleiter pennen bei EINEM Güterzug an EINEM Signal. Nicht, dass ich jetzt anfange das Licht einfach wieder an lasse im ganzen Haus, schließlich macht’s auch hier die Masse. Aber andererseits fragt man sich natürlich schon, ob man es als Individuum derart auf die Spitze treiben muss mit dem Energie-Bewusstsein, wenn es andernorts offenbar überhaupt keine Rolle spielt!? Bei 24/7-Servern ist es sicherlich was anderes, aber muss sich der 08/15- Konsumer wirklich Gedanken machen über die Volllast-TDP seiner PC-Komponenten, die er im Monat zusammengenommen vielleicht 4 Minuten lang erreicht? Die Industrie wälzt ja schon die sog. „EEG-Umlage“ praktisch zu 100% auf die Verbraucher ab, müssen wir da wirklich auch noch den Rest der Energiewende selber schultern? Wäre es nicht sinnvoller, DB-Fahrdienstleiter zum Sehtest zu schicken? Oder jener Industrie die EEG-Umlage aufzubürden, die den Großteil der Energie tatsächlich benötigt, um die zum verantwortungsvollen Umgang damit zu animieren? Ah nein, das geht ja wieder nicht: die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Man soll ja nicht zynisch sein, aber manchmal kommt mir wirklich der Gedanke „verlegt die Produktion doch in Länder, wo den Leuten die Umwelt sowieso scheißegal ist!“ Aber dann denke ich mir wieder, "vielleicht haben sie es nur nicht anders gelernt? Vielleicht liegt’s ja auch gar nicht an den Leuten, sondern nur an deren Regime, das nicht erst lange fragt ehe es eine Quicksilber-Fabrik im Wohngebiet bewilligt.“ Und natürlich zahlt auch kein 14-Jähriger Chinese in die deutsche Rentenversicherung ein...

Warum ich das hier alles überhaupt schreibe? Weil mir erst heute ein Kunde ins Gesicht gesagt hat, er will keinen AMD-Computer – aus Umweltschutzgründen. TDP, Volllast-Verbrauch und so. Und Ich wäre quasi der Energie-Satan, weil ich mich erdreiste soetwas unheiliges zu empfehlen. Da kommen mir halt solche Gedanken, sorry...
Kategorien
Gehirnfraß , Internet , Politik

Kommentare

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  1. Avatar von stolperstein
    Zitat Zitat von Nero24
    Ach ja, nur der Vollständigkeit halber: ich hatte versucht, mit diesem Ing. Ferroni in Kontakt zu treten für einen sachlichen Dialog zu seiner Studie. Er hatte ja "ETH Zürich" angegeben. Nun habe ich an die ETH Zürich geschrieben, allerdings ist der Brief unzustellbar zurückgekommen, mit dem Vermerk, es gäbe keinen Ferruccio Ferroni an der ETH Zürich...
    Klar gibt es den nicht. Der ist doch eine fiktive Person mit einen sehr gut gesponserten Gehalt aus unbekannter Quelle.

    Aber es zeigt mal wieder, wie doch sehr leichtgläubig Menschen sind, wenn irgendwo, irgendwas niedergeschrieben wurde...


    Viele Grüße,
    stolpi
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