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AMDs Probleme sind Jahrzehnte alt

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Hallo liebe Gemeinde,

im aktuellen Marktumfeld könnte man den Eindruck gewinnen, die wirtschaftlichen Probleme von AMD wären auf die jüngste Krise im PC-Markt zurückzuführen. Geht's dem PC-Markt schlecht, geht's AMD umso schlechter? Nein, erst kürzlich musste ich wieder Argumente vernehmen, die aus der Steinzeit stammen, die AMDs Markterfolg "da draußen" anscheinend aber nach wie vor hemmen.

Fall 1: Frau, Anfang 30, erfolgreiche Selbstständige aus dem Bereich Webdesign
Wir plaudern ein wenig über sie, über mich, kommen dabei natürlich auf Planet 3DNow! und was dort so geschieht. Ich erläutere, was Planet 3DNow! ist - das Online-Magazin für den AMD-User, die unabhängige Anlaufstelle für alle Computer-Nutzer rund um das Thema AMD, die Distributed Computing-Projekte, usw. Aber so weit drang ich gar nicht durch. Irgendwo mitten im Monolog erkannte ich schon das erstarrte Gesicht und hakte nach.
"AMD? Das sind doch die Prozessoren, die immer abrauchen!"
Ich war erstmal perplex und wusste nicht so recht, was sie meinte! Sie ist ja noch recht jung und überhaupt nicht Hardware-affin. Konnte sie wirklich die AMD Prozessoren von vor 2001 meinen, die noch keinen Thermalsensor hatten und tatsächlich - wenn man den Kühlkörper komplett abnahm - verglühten, weil die Mainboard-eigene Schutzschaltung für diese Vergewaltigung zu langsam reagierte? Ich konnte es nicht glauben, aber genau das meinte sie! Also ein typisches "hab ich aufgeschnappt von irgendwoher; aber der kennt sich richtig gut aus".

Ich versuchte zu argumentieren, dass das 12 (!) Jahre her ist und selbstverständlich alle AMD-Prozessoren seit damals auch interne Dioden haben, die verhindern, dass die CPU verglüht, wenn jemand unter Vollast den Kühler abnimmt (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) - aber ihr Weltbild war nicht umzukippen. Nein, AMD-Prozessoren, das gehe gar nicht, und eine Webseite dazu, das erschien ihr offenbar geradezu pervers.

Fall 2: Firma, wissenschaftliches Institut
Die brauchen einen Individual-PC, der bestimmte FPU-lastige Aufgaben erledigt und das möglichst schnell. Da offenbar kein PC von der Stange dafür geeignet scheint, die sie sonst für ihre Mitarbeiter ordern, kamen sie zu mir.
Ich natürlich zuerst versucht zu ergründen, was für FPU-Aufgaben das sind? Vorkompilierte 08/15 Programme, die x87- oder SIMD-Befehle nutzen? Dann müsste es natürlich ein Intel-System werden. Oder können die Anwender bzw. Entwickler dieser ach so wichtigen Software diese evtl. selbst kompilieren? Dann wäre ja vielleicht auch das aktuelle AMD-Topmodell eine Option, das FMA4-FPUs hat und im Falle einer entsprechenden Kompilierung auf jeden Fall der Performance-King wäre.

Aber was war die Antwort der Software-Schmiede?
„wir empfehlen generell einen INTEL-Prozessor der SSE2 und höher unterstützt.“

„Wir verwenden für die mathematischen Berechnungen die original INTEL-Math-Library. Somit dürften wir sicher sein, das alle INTEL-Prozessoren mit der Library kompatibel sein sollte.“

„Die AMD-Prozessoren unterstützen wir nicht, da wir in der Vergangenheit Probleme hatten.“
In dieser Antwort stecken nun sämtliche übrigen Klischees gegen AMD-Prozessoren. Ich meine klar, wenn sie die Intel-Math-Library in ihre wissenschaftlichen Anwendungen einlinken, dann werden sie mit AMD-Prozessoren sicherlich Probleme haben. Dafür gäbe es ja die entsprechenden AMD Math-Libraries. Aber anscheinend ist es auch im Jahr 2013 immer noch das selbe, wie vor 15 Jahren: AMD-Prozessoren werden als unzuverlässig und inkompatibel geschmäht, egal ob von Semi-Privatkunden oder von Software-Entwicklern. Und die IT-Entscheider richten sich dann natürlich nach den Vorgaben der Entwickler und ordern im Zweifel - ein Intel-System.
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Kommentare

  1. Avatar von Gast31082015
    Mit sowas habe ich im Laden auch mindestens einmal die Woche zu tun und es wirklich schwer aus den Köpfen zu bekommen. Die Menschen wollen halt Monopole und alles vorgesagt bekommen damit man so wenig wie möglich selber nachdenken muss. Spart Unmengen an Energie für das Gehirn das man dann für die RTL Reihe verballern kann.
  2. Avatar von Onkel Homie
    Kann ich aus meiner Zeit im Laden vor etwas über 5 Jahren nicht so ganz bestätigen. Die meisten Privatkunden wollten eher AMD, weil einfach günstiger. Von Klischees kaum mal eine Spur. Nur wer nicht so über Geld nachdenken musste, wollte zwingend Intel. Und halt nahezu sämtliche Firmenkunden/Großkunden eben auch mit dem Argument das es in der Vergangenheit Probleme gab. Dabei gab es auch so eine Auffälligkeit, dass je wichtiger der Einsatzzweck des PCs war, desto eher wurde da auch zu Intel gegriffen. Sprich waren es mal eben 20 Office PCs für Büros, dann war es auch mal gerne mit AMD kein ding. Ging es aber um Entwicklung, wichtige Berechnungen etc. (PCs die an UNIs geliefert wurden), dann musste es Intel sein.

    Und leider kann/muss ich da auch etwas das Klischee der unzuverlässigen CPU auf seiten AMDs bestätigen. Es kam jetzt nicht so extrem häufig vor das da mal wirklich eine CPU defekt war, aber wenn dann eben doch deutlich eher bei AMD. Auch in Sachen Garantiefälle hat sich Intel dann im Falle des Falles deutlich kooperativer verhalten. Das sind eben Punkte die für Firmen wichtig sind. Ein Fehler kann halt immer mal auftreten, aber wer sehr viele PCs im Jahr kauft (200-300), der will halt die Fehlerquote sehr gering halten und im Falle des Falles unkomplizierte Hilfe bekommen.

    Ob man da nun als Händler eher Intel propagiert um beim Bau undder Konfiguration der Systeme etwas weniger Stress zu haben, oder ob man als Endkunde so denkt. Sicher ist das Bild in den Köpfen falsch das jede zweite AMD CPU abrauchen wird, ja es wird nicht mal jede hundertste sein. Aber im Falle des Falles kann Murphy eben mal wieder ein Arsch sein und zuschlagen. Und um ihn möglichst erst gar nicht ins Haus zu lassen, nimmt man dann ggf. eher Intel. Wie üblich wird es hie auch tausende Leute geben die hundertausende von PCs mit AMDs gebaut haben wo es nie Probleme gab. Will ich auch gar nicht abstreiten. Ich kann da halt nur aus meiner Erfahrung sprechen und da war es eben so. Wenn es bei anderen mit Intel mehr Probleme gab und deshalb eher AMD empfohlen wird ist das ja nichts anderes und das wird es sicher auch geben.

    Und mal ehrlich, man kennt es doch von sich selbst auch. "Nein ich verbaue keine Festplatten mehr von XY die sind alle scheiße". Das sich diese Aussage auf 2 Platten von vor 10 Jahren bezieht ist dabei egal, man hat einfach das Vertrauen verloren. Da kann man im PC Bereich zich Beispiele bringen. Da reicht es dann eben wenn man auch nur einen im Bekanntenkreis hat der als "IT-Experte" gilt, der entsprechend die Meinungen bilden kann. Das kennt hier vermutlich auch jeder. An sich müssten uns die Firmen dafür Geld zahlen. Denn wir gehen ja auch immer von unseren Erfahrungen aus und "promoten" bestimmte Hersteller und Produkte. So kann sich dann eben auch ein Klischee zich Jahre lang halten. Denn der nicht so Technik affine Mensch hat ja auch keine Lust mal selber nachzuhaken ob das alles so stimmt.

    Insofern stimmt es absolut das AMDs Probleme schon recht alt und zum Großteil auf falschen Klischees beruhen. Nur haben sie es eben in der Vergangenheit, aus diversen Gründen verpasst, damit selber aufzuräumen. Natürlich hat Intel mehr Kohle für Werbung und hat teils wohl auch unlauteren Wettbewerb betrieben. Aber da über einen so langen Zeitraum es nicht zu schaffen bestimmte Klischees mal abzuschütteln und ein neues Denken in die Kunden reinzukriegen, zeugt meines Erachtens auch davon das man selbst an mehreren Stellen mal was falsch gemacht hat.
    Aktualisiert: 21.03.2013 um 08:33 von Onkel Homie
  3. Avatar von Gast29012019_2
    Ähnliches sollte passieren, wenn man vgl. Klientel eine Hitachi Platte verkaufen möchte, weil ja vor ähnlichem Zeitraum die Platten Massenweise abgeraucht sind, da spielt es keine Rolle wenn Hitachi heute weniger Probleme macht als Seagate oder Samsung.
    Aktualisiert: 22.03.2013 um 07:08 von Gast29012019_2
  4. Avatar von RedBaron
    Hallo

    Die Situation von AMD ist die gleiche wie vor 17/18 Jahren mit
    dem damaligen Commodore Amiga Systemen.
    Als Videoschnitt Workstation haben die Amiga damals
    alle Windows 3.11/Intel 486 PC alt aussehen lassen,
    einfach weil es die passende Software und Hardware für
    Windows/Intel nicht in dem Umfang gab.

    Dennoch wurden die Amiga Computer als "Spielkisten" abgestempelt
    ohne sich damit ausführlich zu beschäftigen.
    An den damaligen PC wurde mindestens genau so viel gezockt.
    Aber es waren gute (tm) Intel CPUs und ein
    professionelles (tm) Microsoft OS verwendet, Ende der Diskussion...

    Ich kenne einige Administratoren und Softwareentwickler, welche auf
    Produktivsystemen und Entwicklungsrechnern AMD FX und Phenom II
    in Verbindung mit Linux oder BSD Systemen arbeiten und
    kein[ Microsoft OS und keine Intel CPU verwenden und dennoch ihr Geld verdienen.

    Der Server von Planet3DNow ist ein Beweis dafür das
    mit AMD Hardware sehr wohl zuverlässig gearbeitet werden kann.

    In meinem privaten Umfeld haben viele Leute ein Gerät
    mit AMD Hardware, und es gibt nicht mehr Beschwerden als
    mit Intel Hardware.

    Das Problem bei AMD ist das es wenig Komplettsysteme und auch
    Mobilgeräte wie Notebooks mit diesen CPU oder Apu im Vergleich zu
    Intel basierenden Geräten gibt bei den großen
    Herstellern wie Dell, HP, Lenovo oder Acer.
    Und der Großteil der potenziellen Kunden bevorzugt einfach
    solche Komplettsysteme.

    MfG
    RedBaron
    Aktualisiert: 22.03.2013 um 09:32 von RedBaron (Fehler ausgebessert)
  5. Avatar von Onkel Homie
    [QUOTE=Zidane;bt1553]Ähnliches sollte passieren, wenn man vgl. Klientel eine Hitachi Platte verkaufen möchte, weil ja vor ähnlichem Zeitraum die Platten Massenweise abgeraucht sind, da spielt es keine Rolle wenn Hitachi heute weniger Probleme macht als Seagate oder Samsung.[/QUOTE]

    Da besteht wohl eher das Problem das der unbedarfte Kunde im Zweifelsfall schon mal deutlich eher was von AMD/Intel gehört hat, als von einer Festplatte von Hitachi oder Samsung.

    Der Kunde denkt doch gerne mal glatt alles im PC sei von AMD o. Intel ;D
    Von daher sind das auch die Hauptschuldigen.

    Und ich glaube AMD hat es einfach verpasst mal wieder an alte gute Zeiten anzuknüpfen. Ich kann mich noch gut dran erinnern damals so rund um 2000, also zu Thunderbird Zeiten, da wollten alle nur noch AMD haben. Über Intels überteuerte Hitzeschleudern hat man doch nur noch gelacht. Das ging ungefähr so lange bis der Core2Duo gekommen ist. Da gab es plötzlich wieder einen riesen Bruch und alle Welt wollte nur noch Intel.

    So einen Moment hat es halt für AMD lange nicht mehr gegeben.
    Insofern passt es auch hier. Das Problem ist Jahrzehnte alt.
    Aktualisiert: 22.03.2013 um 12:04 von Onkel Homie
  6. Avatar von Gast29012019_2
    Würde ich nicht unbedingt sagen, da ein PC ohne HDD nicht läuft *g*

    Was mich betrifft im Desktop Sektor, werde ich bei AMD bleiben. Im Laptopbereich dagegen beim Intel da hat AMD nichts um gegen den Core I Prozessor mithalten zu können, auch wenn ich dafür leider in den meisten Fällen die langsamere Intel-Grafik oder die ungeliebte ATI/AMD Schleuder verwenden muss, mit NV ist da schwer was zu bekommen.
  7. Avatar von bbott
    Solchen Leuten sollte man klar machen das seit dem K8 (2003) und durch x86-64, es nun so ist das man nur mit AMD die 100% Sicherheit hat keine Probleme bei 64bit Programmen zu haben und Intel nur noch kompatibel ist. :-p

    Solche Leute kann man nur mit eigenen mitteln schlagen.

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