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Nero24.

Warum Krypto-Mining unglücklich macht

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Hallo liebe Gemeinde,

ich könnte Bitcoin-Millionär sein, hab ich das schon erwähnt? Den Start des Bitcoin habe ich zwar verpasst – warum auch immer, schließlich ist es ja mein Job, in der IT-Branche auf dem neuesten Stand zu sein – aber manche Dinge muten dann doch zu absurd an, um von praktisch orientierten Gesellen wie mir ernst genommen zu werden.

Daher fiel bei mir der Groschen erst bei der zweiten Welle der Krypto-Hysterie, etwa Mitte 2013. Damals war der Bitcoin bereits zu weit fortgeschritten, um von normalen Usern mit einer GPU oder gar CPU noch beeindruckt werden zu können. Schon damals wurden Bitcoins mit ASICs geschürft.

Aber zum Glück gab es den Litecoin, der noch sehr gut mit GPUs erarbeitet werden konnte, am besten mit AMD-GPUs, was mir damals natürlich zu Gute kam. Als ich auf den Trichter kam, Litecoins mit AMD-Grafikkarten zu schürfen, stellte sich schnell Goldgräberstimmung ein. Ich muss damals einen absoluten Sweetspot erwischt haben, denn meine Grafikkarten erschürften seinerzeit Litecoins im Wert von ca. 30 EUR pro Tag.

30 EUR pro Tag? Das sind ja 900 EUR pro Monat oder über 10.000 EUR pro Jahr. Und das einfach so nebenbei ohne zusätzliche Investitionen?! So naiv rechnete ich damals.

Ich begann also meine ersten erschürften Litecoins zu verkaufen. 40 EUR über eBay, Zahlungsweise Paypal schon am ersten Tag. Yeh, läuft doch! Was sind alle anderen blöd, die das nicht machen!? Am zweiten Tag waren es wieder 35 EUR, wieder via eBay, wieder via Paypal. Die eBay- und Paypal-Gebühren nahm ich inkauf, versteuerte die Einnahmen sogar via Rechnung und MwSt, da ich alles richtig machen wollte und mich so im Schoß sämtlicher Käufer- und Verkäufer-Schutzmechanismen wähnte; im Gegensatz zu den damaligen Kryptowährungsbörsen, wo in meinen Augen nur Kriminelle verkehrten.

Doch der Überschwang währte nicht lange. Schon bei der dritten Transaktion ging etwas schief, nur einen Tag danach wurde alles eingefroren. Der Käufer behauptete plötzlich, nicht er hätte meinen Litecoin gekauft, stattdessen sei sein eBay-Account gehackt worden und jemand anderer hätte in seinem Namen meinen Litecoin gekauft. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch: Wayne, ist doch sein Problem?!

Schnell musste ich aber erfahren, was der Paypal-Käuferschutz in Wahrheit bedeutet: dem mutmaßlich geprellten Käufer wurde der Kaufpreis in voller Höhe zurückerstattet – indem er von meinem Paypal-Konto abgezogen wurde. An diesem Tag lernte ich, dass der sogenannte Paypal-Käuferschutz nichts anderes ist, als sämtliche Kosten und Schäden dem Verkäufer – in diesem Fall MIR – aufzubürden.

Womöglich wurde der eBay-Account des Käufers tatsächlich gehackt, das kann schon sein. Ich möchte dem Account-Besitzer nichts unterstellen! Aber defacto stellte sich die Lage so dar, dass der mutmaßliche Hacker nun meinen Litecoin hatte und der zunächst geschädigte Account-Besitzer durch den Paypal-Käuferschutz den Kaufpreis zurück erstattet bekommen hat. Der einzig geschädigte in diesem Fall war ICH, denn mein Litecoin war weg und der Kaufpreis dafür wurde mir von Paypal wieder zurückgebucht, obwohl ich als einziger objektiv nichts falsch gemacht hatte. Eine absolute Lose-Lose-Situation.

Da damals die Litecoins noch so schnell in meine Wallet prasselten, geschah dies dreimal, ehe ich die Reißleine ziehen konnte, und erkannte, dass Kryptowährung über eBay per Paypal zu verkaufen, keine sonderlich klevere Idee war. In einer idealen Welt natürlich schon, aber in der realen offenbar nicht.

Im Gegensatz zu den Einnahmen machte ich die auf diese Weise verloren gegangenen Litecoins steuerlich natürlich nicht geltend; ich fand in SK04 schlichtweg keinen Eintrag, der zu "Verlust durch Naivität beim Verkauf von Kryptowährung" gepasst hätte.

Nach diesen Enttäuschungen stellte ich augenblicklich sämtliche Experimente mit Kryprowährung ein. Ein paar Litecoins hatte ich zwar noch in der Wallet, da sich der Litecoin-Kurs in der Folge jedoch ZWANZIGSTELTE, und die Schwierigkeit (Difficulty), neue Litecoins zu erschürften, sich vervielfachte, war ich froh, rechtzeitig ausgestiegen zu sein. Meine übrigen Litecoins, die ich noch nicht verkauft hatte (vulgo: mir gestohlen wurden), wechselte ich in die Leitwährung Bitcoin, und fortan verschwendete ich keinen Gedanken mehr an diese vermaledeite "Betrügerwährung".

Fast vier Jahre vergingen, in denen der Bitcoin niemanden zu interessieren schien. Ich selbst hatte das Thema bereits ausgeblendet, hakte meine verschwendete Lebenszeit mit dem Litecoin unter Lehrgeld ab.

Dann jedoch kam das Frühjahr 2017. Während der Bitcoin seit 2014 irgendwo um 200 EUR herum dümpelte, stieg er urplötzlich auf knapp 1.000 EUR; wie damals 2013. Ich dachte mir: na also, hat sich das Warten doch gelohnt; und kaufte mir für das Geld einen neuen Prozessor.Yeah, alles richtig gemacht!

Ähm, ja. Wie der geneigte Leser weiß, hat sich der Bitcoin im Laufe des Jahres 2017 nicht nur auf 1.000 EUR erholt, sondern später im Jahr auf bis zu 17.000 EUR Das heißt, mit etwas mehr Geduld hätte ich mir nicht nur einen Prozessor kaufen können für meine innerhalb von ein paar Tagen erschürften Coins von 2013, sondern deren SIEBZEHN! Und hätte ich damals nicht aus gekränktem Stolz aufgehört oder früher angefangen, könnten es noch viel, viel mehr sein.

Inzwischen steht der Bitcoin übrigens nicht mehr bei 17.000 EUR, sondern nur noch bei 7.400 EUR. Wie ist das also mit dem Wohlbefinden der Kryptominer? Ständig hat man das Gefühl etwas verpasst zu haben. Ist der Kurs plötzlich sehr niedrig, hätte man schon längst verkaufen können. Ist er plötzlich sehr hoch, beißt man sich in den Hintern, weil man bereits vor geraumer Zeit verkauft hat. Egal wie man es macht, es ist immer doof und macht unglücklich.

Aktualisiert: 01.02.2018 um 18:56 von Nero24.

Kategorien
Pleiten, Pech und Pannen , Gehirnfraß

Kommentare

  1. Avatar von i-ch
    Mir ist ähnliches mit VW und AMD Aktien passiert. Die VW Aktien habe kurz vor der "Übernahme" durch Prosche und die AMD Aktien bis Mitte 2016 gehabt. OK den Hauptteil der AMD Aktien habe ich aus Geldmangel verkauft. Ich ärger ich trotzdem nicht deswegen. Wieso insgesamt habe ein Plus damit gemacht. OK bei der Steuererklärung war es ein Minus, weil ich die meisten AMD Aktien vor Ewigkeiten gekauft habe. Und damals sind die Aktien nach 1 Jahr halten Steuerfrei gewesen. Die Zeiten wo die Aktien im Mittelding zwischen zu billig zum Verkaufen und zu teuer zum Kaufen war, fand ich schlimmer. In der Zeit waren die Aktien im Prinzip eine Belastung.

    PS.: Es gibt in diesem Zusammen ein paar Goldene Regeln die man beherzigen sollte. Zum einen nur mit Geld, welches man über hat, verwenden. Bei genügend Gewinn verkaufen. Du hast doch insgesamt einen netten kleinen Profit gemacht. Freu dich und denke, dass es auch wie bei der Dotcom-Blase ausgehen hätte können.
    Aktualisiert: 08.02.2018 um 22:58 von i-ch
  2. Avatar von themk
    Kurz vor dem Ethereum ICO hab ich ein langes Interview mit Vitalik Buterin (Gründer) und Nikola Danaylov (klasse Interviewer von Singularityweblog) gehört.

    Das hat mich doch irgendwie überzeugt. Also bin ich auf die ICO website. Ich glaube, der ICO war dann etwas später. Aber das ist jetzt egal.

    Ich hatte dann die ICO website für einige Tage im Browser offen. Aber man konnte eben nur mit Bitcoin bezahlen und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich damit noch nicht auseinander gesetzt hatte.

    Obwohl ich rational betrachtet locker 1000€ hätte riskieren können, hab ich es dann doch nicht gemacht, weil ich a) mich eben mit Bitcoin noch nicht auseinandergesetzt hatte und b) den Eindruck hatte, dass sich 100€ zu invesiteren kaum lohnen würde, aber 1000€ oder mehr zu viel Risiko darstellen würde.

    Der Preis von Ethereum fiel in den kommenden Monaten dann von 1$ auf 0,8$, und liegt mittlerweile bei über 500$.

    Sicherlich hätte ich das nicht alles mitgenommen, aber zumindest einen Teil davon. Vielleicht 100.000. Deswegen, sollte ich nochmal auf diese Weise spekulieren, werde ich nicht alles in einem verkaufen, sondern in Tranchen.
  3. Avatar von TiKu
    Ich sehe in den Kryptowährungen eine einzige riesige Energieverschwendung. Die Blockchain-Technologie ist interessant, aber es werden Unmengen Energie benötigt für etwas, das dann am Ende doch vor allem für Illegales genutzt wird.
    Ich kann auch nur mit dem Kopf schütteln, dass man vor Jahren die bösen Banker zu Recht dafür gescholten hat, Berge von Geld mit fragwürdigen Spekulationen zu vernichten. Nun macht man genau das selbe und findets geil.
  4. Avatar von tomturbo
    BOINC ist Energieverschwendung, PCs sind Energieverschwendung, Cloud-Rechenzentren sind Energieverschwendung, Erdölraffinerien sind Energieverschwendung. Alles ist Energieverschwendung!
    Ab in die Höhle, ans Lagerfeuer.
    Wer legt den Maßstab fest?

    Typisch ist auch das reflexartige das Meiste ist illegal was mit blockchain gemacht wird.
    Schon mal überlegt was daran legal sein soll Steuern "einfach so" zu definieren und per Gewaltmonopol einzutreiben?
    Was an FIAT-Money legal sein soll?
    Wer legt den Maßstab fest?

    So einfach ist das alles nicht.
  5. Avatar von Oi!Olli
    Und mal wieder Totschlagargumente. Boinc hat zum Ziel bestimmte Probleme und Lösungen zu errechnen, bei Spielen verdoppelt sich nicht plötzlich die Rechenzeit, damit man nicht zu viel erschürft und ja der Ölverbrauch könnte problemlos gesenkt werden.

    Dann noch irgendwie eine Diskussion um Legal und Illegal aufzumachen ist da auch noch eine nette Ablenkung. Steuern werden übrigens nicht einfach so definiert. Ähnliches gilt für unser Geldsystem. Und Drogen, sowie Waffen zu kaufen ist nun einmal in den meisten Gesellschaften verpönt. Ich wäre ja eh dafür, dass Leute keine Steuern zahlen müssn, dann aber bitte auch alles selbst bezahlen dürfen. Da kommen dann die Meisten Steuern sind Diebstahl-Schreier direkt wieder.

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