Vorwort


Na sowas! Druckfehler? Falscher Link? Seite gehackt? Der Test eines Elitegroup-Mainboards auf Planet 3DNow!? Das kann doch nur ein Irrtum sein, oder? Ist es nicht, allerdings anders als erhofft.

Was haben wir die Deutsche Niederlassung von ECS auf der CeBIT nicht gegeiselt, doch endlich mit uns zusammenzuarbeiten wie so viele andere Hersteller auch. Zitat des Ansprechpartners: "Wir wissen, daß Online-Medien langsam an Bedeutung gewinnen..." Aha, schön. Man werde sich in jedem Fall bei uns melden, hieß es. Doch obwohl man bei ECS das Internet scheinbar gerade als Bühne für sich entdeckt, hat sich auf diesem Gebiet auch zwei Monate später leider nichts bewegt: keine Testsamples, kein Test-Support, keine Kontaktaufnahme wie versprochen. Unter normalen Umständen für uns ein klarer Fall von "gut, dann halt nicht, der nächste bitte"...

Hier jedoch ist die Situation ein wenig anders gelagert. Die Mainboards mit SiS-Chipsatz haben eine große Fangemeinde; auch und vor allem in unserer Leserschaft. Da Elitegroup als Entwicklungspartner für SiS auf dem Sockel A Sektor dort lange Zeit ein Quasi-Monopol inne hatte, ist die Kundenschar mittlerweile selbstredend enorm - und das Interesse an einem ausführlichen Review ebenso. Es vergeht nicht eine Woche, in der uns keine eMails ins Haus flattern, wann wir das K7S6A denn nun endlich testen werden. Aus diesem Grund können wir die Leser-Interessen nicht einfach ignorieren und so haben wir uns das Board eben auf eigene Faust besorgt und durch unseren umfangreichen Testparcours gehetzt. Was dabei herausgekommen ist, könnt Ihr auf den folgenden Seiten in aller Ruhe nachlesen. Viel Vergnügen.
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Die Beigaben zum ECS K7S6A sind eher dürftig. Englisches Handbuch, Treiber-CD, sowie je ein Floppy- und IDE-Kabel. Da wir uns das Board auf eigene Faust besorgen mußten, sind die Komponenten nicht mehr so gediegen verpackt, wie sonst auf unseren Fotos üblich. Aber wie Mika schon sagte: "därr Inhald zälld".


Das K7S6A ist, wie die meisten SiS-Boards, weniger tief, als herkömmliche Standard-ATX Boards. Das spart Nerven beim Einbau in einen Midi-Tower und so kann auch der dritte 5,25" Schacht noch genutzt werden. Ankreiden müssen wir mal wieder die Positition des ATX-Connectors, die den Integrator zwingt, das Power-Kabel über die CPU hinweg zu führen, was alles andere als optimal ist für den Luftfluß im Gehäuse. Auch die Lage der IDE-Connectoren und des Floppy-Anschlusses kann Besitzer von großen Big-Tower Gehäusen schnell in Verlegenheit bringen, da IDE-Kabel nicht länger als 45 cm sein dürfen. Positiv der integrierte AC97 Sound, zumindest wer keine hohen Ansprüche an Klangqualität stellt und der passive Kühler des Chipsatzes (North- und Southbridge sind beim SiS ja in einem Chip untergebracht), der nicht einmal handwarm wird damit seinen Teil zu angenehmer Ruhe im Gehäuse beiträgt. Pins für einen Onboard Raid-Controller sind nicht vorgesehen.


Die Kondensatoren rund um den Sockel geben keinen Grund zur Sorge. Auch den großen 80 mm Kühlern wie Alpha 8045 und Co. gewährt das Board genügend Platz und die Mounting Holes für schraubbare Kühlkörper sind ebenfalls vorhanden.


Das ECS K7S6A verfügt über drei 184-Pin DIMM-Slots für DDR-SDRAM PC1600/2100/2700. Allerdings dürfen nur zwei davon belegt werden, wenn unbuffered Module zum Einsatz kommen sollen. Wer Vollbestückung im Sinn hat benötigt dafür Registered Module, die einen kleinen Puffer samt Signalverstärker auf der Platine tragen, damit die Treibleistung des Memory-Controllers verringern und das Rauschen auf dem Speicherbus mildern. Der maximale Speicherausbau beträgt 1.5 GB mit PC1600/2100 Modulen, respektive 1.0 GB mit PC2700 Modulen, sofern diese mit 166 MHz Speichertakt betrieben werden sollen.


Das ATX Panel des K7S6A unterscheidet sich nicht vom üblichen Standard. Zwei PS/2 Anschlüsse für Mouse und Tastatur, zwei USB-Ports, zwei COM-Ports, ein LPT-Port, ein Gameport und die Anschlüsse für den Onboard-Sound.


Wie man sieht verbaut ECS einen Universal AGP-Slot mit Halteklammer, fünf PCI-Slots und leider auch einen der unseligen CNR-Slots, die für Endkunden in Ermangelung passender Geräte praktisch unbrauchbar sind. Der BIOS-Chip ist gesockelt und kann im Falle eines mißglückten Flashvorgangs leicht ausgetauscht werden, ohne das Board einschicken zu müssen.


Wir hatten die Revision 1.0. des K7S6A im Test.

Die übrigen Spezifkationen des Boards noch einmal kompakt im Überblick:
  • SiS 745 Chipsatz
  • 1 Universal-AGP (1x/2x/4x) Slot mit Klammer
  • 5 PCI-33-32 Slots
  • 1 CNR-Slot
  • 3 DIMM-Slots für DDR-SDRAM PC-1600/2100 bis maximal 1.5 GB, PC-2700 bis max. 1.0 GB
  • 2 PS/2 Connectoren
  • 3 Sound-Connectoren für Mic-In, Line-In, Line-Out (SiS AC97)
  • 6 USB Connectoren (zwei über ATX-Panel)
  • Overclocking-Features: FSB per BIOS (max. 166 MHz/FSB333), VCore per BIOS (max. 1.85V), Multiplikator (max. 12.5x) per Jumper.
  • 2 ATA100-Kanäle für 4 IDE-Geräte
  • 20 pin ATX Power Connector
  • WOL, WOM



Der Chipsatz selbst würde noch Firewire-Support bieten, wie man auf diesem Design-Schema erkennen kann, jedoch macht ECS davon keinen Gebrauch. Auch das V.90 Modem ist für Endkunden nicht nutzbar, da es über den CNR-Slot nach außen geführt werden muß, wofür es am Retail-Markt keine universellen Karten gibt. Die integrierte Netzwerkkarte, die der 735 noch On-Chip trug, hat SiS beim 745 wegrationalisiert.
[BREAK=Installation]
Beim Zusammenbau des ECS K7S6A Systems stockte uns erst einmal der Atem. Zwar waren es dieses mal keine Kühler, deren Körperfülle uns Kopfzerbrechen bereitete, jedoch äußerte das ECS eine ausgeprägte Abneigung gegenüber unserer Referenz-Grafikkarte, der Asus V8200 Deluxe. Ein Kondensator auf dem Board ist so ungünstig platziert, daß er mit dem Video-Out der V8200 kollidiert.


Für unsere Tests hat es Gott Lob noch gereicht, da die Karte sich weit genug einstecken ließ, um sie fehlerfrei zu betreiben. Die Karte am Gehäuse festschrauben, ohne dabei den Kondensator durch die Platine zu nieten, ist jedoch nicht drin. Also Augen auf beim Mainboard+Grafikkarten-Kauf.

Der nächste Schritt führt uns wie üblich zur INT-Request Table. Natürlich hat ECS sie wie die meisten Hersteller nicht ins Handbuch gedruckt, sodaß wir die Verlegung der Interrupt-Leitungen selbst heraustüfteln mußten. Wie unlängst durchgesickert ist, besitzt der SiS 745 satte 8 INT-Leitungen. Gegenüber den kümmerlichen vieren der VIA-Chipsätze geradezu ein Luxus und der Anwender bräuchte sich keine Gedanken machen, welche Karte er am besten in welchen Slot zu stecken hat, damit sie sich nicht gegenseitig auf die Füße treten. Denn damit hätte jeder PCI-Slot seine eigene INT-Leitung. Allerdings haben wir bereits bei den ALi MAGiK 1 Boards gesehen, daß viele Hersteller nicht alle INT-Eingänge des Chipsatzes verdrahten. Kollege Kostendruck läßt grüßen. Daher waren wir natürlich gespannt, was ECS hier auf die Beine gestellt hat. Um das zu prüfen, haben wir das Board zuerst einmal mit PCI-Karten vollgestopft...


...und anschließend die Pin-Assignments im PCI/PnP-Interface des BIOS gecheckt:


Wie man auf obigem Foto erkennen kann, liegt bereits der AGP-Port (Display Controller) mit zwei PCI-Slots (Network-Controller = Realtek NIC, Serial-Bus Controller = NEC USB 2.0) auf einer Leitung. Hier müssen wir die K7S6A-Fans wie es scheint enttäuschen. Mehr als vier INT-Leitungen haben wir beim K7S6A beim besten Willen nicht gefunden. Geht man alle Leitungen Schritt für Schritt durch, erhält man folgende INT-Request Table für das K7S6A.


Nur am Rande bemerkt: Wie Ihr wisst ist IRQ nicht gleich INT-Leitung! Viele Anwender haben sicherlich schon festgestellt, daß das Board den PCI-Karten im Geräte-Manager, etwa von Windows XP, in der Regel jeweils einen eigenen IRQ zuweisen kann. Das liegt jedoch nicht daran, daß das Board unzählige INT-Leitungen besäße. Nein, das K7S6A unterstützt den APIC Modus (nicht zu verwechseln mit ACPI). Damit kann ein Betriebssystem, das diesen Modus unterstützt, mit mehr als nur den 16 IRQs des herkömmlichen PC-Designs jonglieren. Das ändert jedoch auch nichts an der Tatsache, daß ECS dem K7S6A offenbar nur vier Leitungen dafür spendiert hat. Man vergleiche dazu zum Beispiel auch die neuen VIA Boards, von denen ebenfalls einige APIC unterstützen (MSI K7T266 Pro2, Asus A7V333,...), jedoch trotzdem nur vier INT-Leitungen besitzen.

Aus diesem Grund ist es natürlich auch beim K7S6A nicht egal, welche PCI-Karte man in welchen Slot verfrachtet. Sofern man den Onboard-Sound nicht verwenden möchte, empfiehlt sich für Soundkarten oder kritische PCI-Geräte der PCI-Slot 3 (Onboard-Sound im BIOS deaktivieren!). Der Slot 2 hat eine Leitung komplett für sich alleine und ist damit prädestiniert für Raid-/SCSI-Controller oder TV-Karten. Die Slots 1 und 5 sharen mit dem AGP-Port und sollten nur im Notfall belegt werden, während es PCI-Slot 4 nur mit dem USB-Controller zu tun hat und somit durchaus mit Netzwerkkarten und dergleichen zurechtkommen sollte.


Mit diesem Bildschirm begrüßt uns das BIOS des K7S6A. Im Gegensatz zum K7S5A wurde hier wieder auf ein bewährtes Award-BIOS zurückgegriffen.


Auf diesem Foto sehen wir das Advanced BIOS des ECS. In diesem Setting wurde das K7S6A durch den Benchmark-Parcours geschickt. Wir hätten die RAS Active Time noch gerne auf 5T herabgesetzt, aber leider wollte das Board so nicht posten. Fast Writes ist wie üblich bei unserem Setup OFF und die AGP Aperture Size steht auf 64M.


Das Board lief im schnellsten verfügbaren Setting im Menü 1 der DRAM-Optionen.


Hier sehen wir das Menü für die Frequency/Voltage Control. Hier kann neben VCore (bis 1.85V) auch der Takt für Frontside-Bus und Speicher eingestellt werden, leider nicht stufenlos. Zur Auswahl stehen:

  • 100/100/33
  • 100/133/33
  • 133/100/33
  • 133/133/33
  • 133/166/33
  • 166/166/33


sowie
  • 103/103/34
  • 107/107/36
  • 110/110/37
  • 112/112/34
  • 124/124/31
  • 137/103/34
  • 137/137/34
  • 147/147/37
  • 150/150/30


Die Möglichkeit, die DIMM-Spannung oder IO-Spannung zu manipulieren, bietet das K7S6A nicht.


Der Anwender kann im BIOS wählen, ob die USB-Controller über den Embedded Bus (ähnlich V-Link bei VIA) mit Daten versorgt werden sollen, oder herkömmlich über den PCI-Bus. Der Embedded Bus ist natürlich vorzuziehen, da der USB-Controller dem PCI-Bus so keine Bandbreite wegnimmt. Bei Problemen mit USB-Geräten dagegen sollte die Option auf PCI-Bus zurückgesetzt werden.

Am Ende der Installation benötigt das System noch die letzten Updates für den Chipsatz, die Windows nicht in der Lage ist bereitzustellen. In unserem Falle handelt es sich um den SiS AGP-Treiber 1.09f. Die Treiber könnt Ihr aus unserem FAQ/Files-Bereich downloaden.
[BREAK=Indepth Shots]

Der Frontside-Bus läuft knapp über den spezifizierten 133,33 MHz.


Den Screenshot der Chipsatz-Register des K7S6A fügen wir nur der Vollständigkeit halber hinzu. SiS hält seine Dokumente im Gegensatz etwa zu AMD weitestgehend unter Verschluß und so taugt der Screenshot lediglich als Referenz, um etwaigen Änderungen bei künftigen BIOS-Updates schneller auf die Schliche zu kommen.


Wie üblich keine Überraschungen bei PCI-List. AGP 4x ist aktiv und Sideband Adressing wie mit allen GeForce-Karten nicht (per Grafikkarten-BIOS deaktiviert). Fast Writes haben wir auch hier deaktiviert, weil es auf Nicht-Intel Chipsätzen keine Vorteile bringt, dafür aber ein Quell unnötiger Probleme sein kann.

Die Möglichkeit, die Palomino-Diode auszulesen, bietet das K7S6A im Übrigen nicht. Zwar kann im BIOS eine Shutdown-Temperature eingestellt werden, jedoch bezieht dieses Feature seine Daten aus der Diode im CPU-Sockel, da sie auch anwendbar ist, wenn ein Athlon Thunderbird im Sockel steckt. Unsere üblichen Tests mit Athlon XP unter Last/Idle und das Temperatur-Ansprechverhalten darauf belegen ebenfalls, daß die Thermal-Diode ungenutzt bleibt.

Overclocking


Das Thema Übertakten interessiert uns beim ECS K7S6A natürlich ganz besonders, da das Board einen korrekten PCI-Teiler für 166 MHz FSB bietet. Zuerst einmal wollen wir uns jedoch ansehen, ob das K7S6A mit steigendem FSB-Takt selbständig in die Chipset-Timings eingreift und diverse Parameter entschärft


Zuerst die gute Nachricht: das BIOS des Elitegroup nimmt mit steigendem FSB keine versteckten Manipulationen an Chipsatz-Timings vor. Die Werte, die der Anwender einstellt, werden auch umgesetzt. Aber:

1. Das Board reagiert äußerst empfindlich auf den Parameter RAS ACTIVE TIME. Zum einen war es schon mal nicht möglich, das K7S6A mit 5T zu fahren, was bei allen bisher getesteten Boards problemlos funktioniert hat - selbst bei 166 MHz FSB! Ab 143 MHz Frontside-Bus mußten wir die Timings gar auf 7T entschärfen, da das Board sich ansonsten mit einem Blackscreen in einem Dauer-POST verhedderte.

2. Es war uns bei aller Mühe und Anstrengung nicht vergönnt, das Board mit 166/166/33 zu fahren. Wieder Dauer-POST. Dazu hätten wir RAS ACTIVE TIME 8T gebraucht, was das Board aber leider nicht anbietet.

Nun könnte man natürlich hergehen und versuchen das auf diverse andere Komponenten abwälzen, doch hier müssen wir energisch gegenhalten. Unser Test-Athlon, ein TBird 1000C AXIA, lief schon mit 183 MHz FSB und bootet ferner auch mit 1333 MHz Core-Takt noch ohne VCore-Erhöhung. Ein absoluter Glücksfall also. Auch unser Crucial DDR-SDRAM Riegel hat schon bei 172 MHz 2-2-2-5-1 Timing bewiesen, daß man sich auf ihn verlassen kann. Bleibt also nur das Board. Natürlich wissen auch wir, daß es hier zu enormen Streuungen in der Fertigung kommen kann. Das ist auch der Grund, weshalb wir Brutalo-OC-Tests entgegen den Leserwünschen nicht gerne in unsere Reviews integrieren. Unsere FSB-Scalingtests dagegen sollte ein Board eigentlich schon schaffen. Daher bieten wir dem Elitegroup-Support, sollte er es lesen, selbstverständlich an, einen Nachtest mit einem Board aus dem Testfundus zu fahren, sollte er den Eindruck haben, daß unser Testkandidat für die gesamte Serie nicht repräsentativ ist.
[BREAK=Benchmark Setup]
Die Testumgebung haben wir so beibehalten, wie beim DFI AK76-SN, Iwill KA266-R/Asus A7A266, EPoX EP-8K7A+, ECS K7S5A, Asus A7V266, Soyo SY-K7V Dragon, Abit KG7-Raid, EPoX EP-8KHA+, Asus A7A266-E, Shuttle AK31 Rev. 3.1, DFI AD70-SR, Soyo SY-K7V Dragon+, Asus A7N266, Asus A7M266-D (Single), Shuttle AK35GTR, Asus A7V266-EX, MSI K7T266 Pro2 RU, EPoX EP-8K3A+ und Shuttle AK35GT2Review, um die Werte vergleichbar zu halten