Internet, oh großes Internet. Welch Freude hast Du uns bereitet. Essen bestellen über Online-Formulare, das neuste Game über Steam ziehen, die Hersteller mit bösartigen Testberichten auf Planet 3DNow! ärgern oder das ein oder andere Video auf youtube bestaunen. Unter den Lesezeichen ist wahrlich alles gespeichert, was man benötigt, um den Tag zu genießen. Wer braucht da noch Filme und Musik auf dem eigenen Rechner, wenn es das alles im Internet gibt?

Ich sage es euch: Der intelligente Nutzer. Denn der intelligente Nutzer weiß: Wenn das Internet nicht funktioniert, ist die Google-Suchfunktion nutzlos. Wenn das Internet nicht funkioniert, kann selbiges selbst der Gehirnersatz Wikipedia nicht mehr herbei zaubern. Wenn das Internet nicht funkioniert, werde ich dazu verleitet, mit der Familie zu reden oder gar Bücher zu lesen. Das Postfach füllt sich langsam mit der 100. Viagra-Spammail und ein Onlineredakteur ohne Online wäre wie USA ohne Krieg.

Die berechtigte Frage des Lesers lautet nun: Kann man sich auf die tatkräftigen und kulanten Supportmitarbeiter verlassen, um das Problem zu beseitigen?

  • Ja, sagt der Telekom Mitarbeiter, wir schicken einen Techniker.

  • Natürlich, sagt die nette Frau bei Arcor, der Kunde ist König.

  • Hahahahahaha, wo denken sie hin? sagt das 1&1 Heinzelmännchen. Haben sie eigentlich schon den hundertseitigen Fragebogen ausgefüllt?


Erst waren die Komplikationen garnicht so tragisch. Die Geschwindigkeit bewegte sich lediglich auf dem Niveau von wachsendem Gras, das täglich gemäht wird. Gefühlsmäßig hatte man mir den halben Mailverkehr von SAP als Traffic auf die Leitung gelegt. Doch plötzlich war es soweit. Da steht man also, das Internet verweigert den Dienst komplett und dummerweise haben wir Tor Nummer drei gewählt, 1&1. Möglicherweise war es die zahlreiche Werbung oder der günstige Preis, der uns verführt hat. Der Teufel kennt viele Gesichter. Es folgt ein erster Anruf bei der kostenpflichtigen Hotline, selbstverständlich mit dem Mobiltelefon, da das Festnetz ebenfalls an der FritzBox hängt. Um das Problem zu lösen, muss man eine halbe Stunde mit 1&1 telefonieren, was durch 3€ die Minute bei 20€ Guthaben auf dem Handy zu leichten Komplikationen führen kann. Zumal 99% der Zeit mit Beantwortung der hundertseitigen Fragebögen verbracht und der Rest in die Warteschleife investiert wird.

Mit etwas Glück kann man bei Verwandten kurzzeitig online gehen, um 1&1 eine Mail zu schreiben. Mit dem bisherigen, ergebnislosen Supporterlebnis als Inhalt, damit man nicht wieder anrufen muss, um alles von vorne zu schildern und in der Hoffnung auf einen fristgerechten Rückruf.

Da sitzt man also am Montag und wartet auf den Rückruf, doch selbst am Dienstag regt sich nichts und der Mittwoch verstreicht sowieso, bis der Donnerstag einem die Gewissheit bringt, dass auch Freitag nichts mehr kommen wird.

Mit etwas Glück kommt man an den Rechner eines Freundes und siehe da, 1&1 hat geantwortet - per Mail. Wir von der Redaktion können noch nicht genau beurteilen, ob 1&1 einen neuartigen Humor für sich entdeckt hat, Internetlosen eine E-Mail zu senden. Solche Leute tanzen auch Lambada zu ihrer eigenen Musik in der Warteschleife. Der lang ersehnte Anruf hätte sicherlich auch nicht länger gedauert, als wieder mal den hundertseitigenseitigen Fragebogen anzuhängen, welche Symptome denn auftreten würden. Mit der Antwort Symptome? Die kann ich euch nennen: Kopfweh ging zeitgleich die Kündigung ein, wobei Kündigung, haha, mit 1&1 wird selbst die Kündigung zum Familienabenteuer. In zweifacher Auflage ausgefüllt, musste der entsprechende Kündigungsbutton bei 1&1 erstmal gefunden werden. Manchmal tarnt er sich nämlich mit den Hintergrundfarben der Homepage oder versteckt sich hinter einem hundertseitigen Fragebogen.

Nach mehreren Wochen ohne Internet, die so bekömmlich sind wie die Winternächte hell, kam der Wechsel. Die Telekom erschien mir als rettender Engel und tatsächlich kann ich nun wieder online sein.

Die Bilanz ist folgende: Während ich bei 1&1 wochenlang mein Handyguthaben wegen des hundertseitigen Fragebogens (habe ich den schon mal erwähnt?) vertelefoniert habe (-> Resultat: nichts) ....

.... genügt bei der Telekom ein kostenloser Anruf, bis der Techniker springt. Es genügt eine Frage und das Supportteam weiß bescheid. Im Besitz der Leitungen ist die Telekom nach wie vor das dominante Glied des Kommunikationsmarktes. Beim Quasi-Monopolist bezahlt man daher höhere Preise. Aber es funktioniert. Daher soll es mir egal sein, wenn die Zeitungen über Telekom-Skandale titeln. Denn meine Verbindung steht und wenn mir die Telekom mal Ärger machen sollte, dient mir das Internet als Sprachrohr.


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