AMD Phenom II X6 Thuban - Titelbild


AMDs Sechs-Kerner "Thuban" ist noch relativ frisch auf dem Markt. Auch wir bekamen einige Tage vor dem Launch ein Exemplar des Flaggschiffs 1090T zugeschickt. Doch aufgrund diverser Unwegbarkeiten konnten wir unseren Lesern zum Launch keinen ausführlichen Test präsentieren, wie sie ihn von Planet 3DNow! gewöhnt sind.

Hauptsächlich mussten wir darauf verzichten, einen Blick auf das Verhalten der Transferraten zu werfen, wenn C1E aktiviert wird - eine Problematik, die bis einschließlich zum C2-Stepping des Phenom II für Kopfzerbrechen sorgte. Natürlich wollten wir wissen, ob AMDs Thuban wieder davon betroffen ist oder nicht.

Selbstverständlich wollten wir auch wissen, wie sich die neue Prozessorgeneration übertakten lässt. Zwar sollten sechs Prozessorkerne mit je 3,2 GHz plus Turbo CORE-Feature mehr als ausreichend für den Alltagsbetrieb sein, Enthusiasten hingegen können es nie schnell genug haben. Für diejenigen, die statt auf die absolute Maximalperformance auf die Leistung pro Watt schauen, wollten wir natürlich auch testen, wie weit sich die Betriebsspannung der X6-Prozessoren bei Standardtakt absenken lässt. Auch auf diese Tests mussten wir aus Zeitgründen im Launch-Review verzichten, weshalb bereits zum Launch klar war, dass wir ein Update des Reviews bringen werden.

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. Im heutigen Update werden wir uns die zuletzt vernachlässigten Punkte genauer anschauen.

Viel Vergnügen beim Lesen!
[break=Das Testsystem im Überblick]
Hardware
  • Prozessor: AMD Phenom II X6 Thuban 1090T
  • Kühler: Noctua NH-D14
  • Mainboard: ASUS Crosshair IV Formula (BIOS 0505)
  • Arbeitsspeicher: 4x 2 GByte G.Skill DDR3-1333 (9-9-9-24 2T bei 1,5 Volt)
  • Grafikkarte: Powercolor ATI Radeon HD5870 PCS+
  • Netzteil: Enermax Revolution85+ 625 Watt
  • Festplatten:
    • Intel X25-M (Betriebssystem)
    • Hitachi HDS722020ALA330 (SATA, 2 TByte, 7200 u/min)
  • Gehäuse: Antec P180 Midi-Tower
  • Energiemessgerät: Voltcraft Energy Monitor 3000


Auf der Software-Seite sieht das Testsystem so aus:

verwendete Software / TreiberVersion / Bemerkungen
Windows Vista Ultimate
64 Bit, Service Pack 2
DirectX
10, August-Update 2009
Grafikkartentreiber
Catalyst 10.3
Chipsatz-/Mainboardtreiber
aktuelle Version des Herstellers
Everest
5.50, Build 2100
WinRAR
x64 3.93
XMPEG
5.03, Build 5.0.8.84
XviD
1.2.-127
Avidemux
2.5.2
POV-Ray
3.7, Beta 36 (64 Bit)
Cinebench
R10, 64 Bit
Cinebench
R11, 64 Bit
Crysis
Demo
Crysis Benchmark Tool
1.0.0.5
UT3
Demo
UT3-Bench
0.2.0.44
Doom 3
Demo
FarCry 2
v1.03
FarCry 2 Benchmark Tool
1.0.3.0
3DMark Vantage
Advanced, Build 1.0.2, ohne Feature Tests
PCMark Vantage
Advanced, Build 1.0.2
BOINC
6.10.45 (64 Bit)
Prime95
x64, 25.9 Build 4
LinX
v0.6.4.0 x64
HDTune
2.55

[break=Transferraten & C1E]
C1E - Nutzer eines Phenom II im C2-Stepping werden hier womöglich erschrocken zusammenzucken. Denn die Aktivierung von C1E hatte teils dramatische Auswirkungen auf die Transferraten. Diese Performanceminderung wurde erst mit Einführung des C3-Steppings behoben. Und als AMD am 27. April dieses Jahres den Neuling "Thuban" vorstellte, fragten sich viele unserer Leser, ob das Problem mit dem neuen E0-Stepping möglicherweise wieder auftaucht. Und falls AMD alles richtig gemacht haben sollte, stand dennoch die Frage im Raum, wie sich die Problematik mit dem neuen Turbo CORE-Feature verhält.

HDTune SATA Average


Die durchschnittliche SATA-Transferrate ist de facto unabhängig davon, ob C1E und/oder Turbo CORE aktiviert ist oder nicht.

HDTune SATA Burst


Anders sieht das Ganze schon bei der Burst-Rate aus. Hier verliert Thuban etwas Leistung, wenn C1E aktiviert wird und auch wenn zusätzlich das Turbo-Feature greift.

HDTune SATA CPU-Last


Die Prozessorlast leidet bei C1E kaum, mit Turbo CORE stellt sich aber ein deutlich schlechteres Bild dar.

HDTune USB Average


HDTune USB Burst


USB Burst und die durchschnittliche Transferrate sind in allen Kombinationen fast identisch.

HDTune USB CPU-Last


Die Prozessorlast wird aber auch bei USB-Datenverkehr deutlich höher, wenn Turbo aktiviert wird. C1E hat kaum eine Auswirkung.

HDTune eSATA Average


Bei der durchschnittlichen Transferrate von eSATA gibt es keine nennenswerte Unterschiede.

HDTune eSATA Burst


Anders sieht das Bild bei der Burst-Rate aus. Hier hat C1E keinerlei Auswirkungen, Turbo CORE hingegen zieht die Transferleistung massiv nach unten.

HDTune eSATA CPU-Last


Entgegen des Verhaltens bei SATA und USB gibt es in Sachen Prozessorlast keine nennenswerten Unterschiede.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass C1E beim Thuban keine großen Auswirkungen zeigt. Zwar sind zum Teil Differenzen feststellbar, hier liegt aber nichts grundlegend im Argen. Anders sieht die Situation bei aktivierter Turbo CORE-Option aus. Hier gibt es teils deutliche Verschlechterungen, hauptsächlich im Hinblick auf die Prozessorlast.

Einmal mehr zeigen sich also Schwachstellen im Turbo CORE-Feature von AMD. Wobei - wie viele unserer Leser in den Kommentaren zum ersten Thuban-Review angemerkt haben - nicht ganz klar ist, ob die Verwendung von Windows 7 statt Vista einen Effekt auf das Feature hätte.

Daher werden wir in den kommenden Tagen auf unserem System ein frisches Windows 7 x64 installieren und die Tests, in denen Turbo CORE besonders schlecht abgeschnitten hat, mit diesem Betriebssystem wiederholen. Lassen sich unsere Ergebnisse unter Windows 7 verifizieren? Oder hat das verwendete Betriebssystem in der Tat eine solch gravierende Auswirkung, wie einige vermuten? Wir werden es sehen!
[break=Übertakten & Spannungsabsenkung]
Weiter geht es mit den Tests, in denen wir unser Prozessorsample außerhalb seiner Spezifikationen betreiben. Auch hier konnten wir einige interessante Erkenntnisse erlangen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Bei diesem Thema sind wir in mehreren Schritten vorgegangen. Zuerst wollten wir wissen, welchen Takt wir mit der Default-Einstellung in Sachen VCore des Mainboards erzielen konnten (unter Last 1,224 Volt VCore). Danach haben wir die Spannung so eingestellt, dass unter Last 1,30 Volt und in einem weiteren Schritt 1,40 Volt real anlagen (per Multimeter gemessen). Beim Northbridgetakt haben wir die Spannung so eingestellt, dass unter Last 1,150 Volt und in einem weiteren Schritt 1,250 Volt anlagen. Abschließend haben wir die Spannung bei Standardtakt von 3.200 MHz (Turbo CORE disabled) so weit wie möglich abgesenkt.

Um die Stabilität zu überprüfen, haben wir 20 Minuten LinX im 64 Bit-Modus laufen lassen. Bei LinX handelt es sich um ein Testprogramm ähnlich wie Prime95, welches den Prozessor weitestgehend auslastet. Wurden 20 Minuten fehlerfrei überstanden, galt dieser Takt für uns als stabil. Dann ging es einen Taktschritt weiter, solange, bis Fehler auftraten. Wir sind uns bewusst, dass ein 20-minütiger Kurztest keine vollständige Aussage über die Alltagsstabilität eines Systems zulässt. Als Richtungsweiser ist ein derartiger Kurztest jedoch völlig ausreichend.

Und hier sind unsere Ergebnisse:

Overclocking Thuban: Core


Overclocking Thuban: Northbridge


Wie man an diesen Ergebnissen sehen kann, hat AMDs Thuban ein sehr ansehnliches Übertaktungspotenzial, welches hauptsächlich davon getragen wird, dass jede Spannungserhöhung in Mehrtakt umgesetzt werden kann. Bei ausgemessenen 1,40 Volt stehen fast 25 Prozent Takterhöhung zu Buche - und das bei ganzen sechs Kernen. Und auch die integrierte Northbridge zeigt sich sehr taktfreudig. Bei Standardtakt werden lediglich 0,952 Volt unter Last benötigt (per Multimeter nachgemessen), mit 1,250 Volt stehen sogar mehr als 2,9 GHz zu Buche.

Kombiniert man die erzielten Taktraten und setzt noch kleine Taktreserven ein, so lassen sich für den Alltag folgende Taktraten erzielen - mit Luftkühlung wohlgemerkt.

AMD Thuban Overclocking
(Ein Klick auf das Bild öffnet eine größere Version.)


Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Auch über 1,40 Volt skaliert Thuban noch weiter. Setzt man die Spannung auf etwa 1,45 Volt, erhält man mit unserem Prozessorsample eine Taktrate jenseits der magischen 4 GHz-Marke:

AMD Thuban Overclocking
(Ein Klick auf das Bild öffnet eine größere Version.)


An dieser Stelle können wir also feststellen, dass AMDs Thuban ein sehr gutes Übertaktungspotenzial aufweist. Hauptsächlich muss hierfür aber die Betriebsspannung erhöht werden, was selbstverständlich auf Kosten der Leistungsaufnahme geht. Schaut man aber auf die Ergebnisse zur Spannungsabsenkung, so stehen mit 1,127 Volt VCore und 0,952 Volt VNB ebenfalls sehr gute Ergebnisse zu Buche.

Während 4 GHz mit dem C3-Stepping des Deneb noch sehr selten waren, zeigen viele Ergebnisse im Internet mittlerweile mehr als 4 GHz mit dem Thuban - trotz 2 Prozessorkernen mehr. Diesen Punkt kann man sicher als Erfolg verbuchen. Doch wie sieht bei unseren ganzen Takt-Spielereien die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems aus?
[break=Leistungsaufnahme]
Wie viel Strom verbraucht der aktuelle PC? Die Antwort auf diese Frage darf natürlich nicht fehlen. Aus diesem Grund messen wir die Leistungsaufnahme in bestimmten Szenarien mittels des Voltcraft Energy Monitor 3000. Dabei messen wir die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems, jedoch ohne Monitor.

Leistungsaufnahme LinX 64 Bit


Wie wir bereits auf der vorangegangenen Seite angemerkt haben, muss für ein gutes OC-Potenzial an der Betriebsspannung gedreht werden. Welche Auswirkungen dies hat, sehen wir hier. Zwischen unseren "Stromspareinstellungen" und unseren letztendlichen "Alltagseinstellungen" liegen mal eben 128 Watt Differenz - also mehr als die ursprüngliche TDP des Thuban-Prozessors. Doch nicht nur die Erhöhung der Spannung verschlechtert die Energiebilanz des Prozessors, auch die reine Takterhöhung bei identischen Spannungen kann locker 25 Watt Mehrverbrauch ausmachen. Thuban-Besitzer sollten sich also gut überlegen, ob sie die Betriebsspannung der X6-CPUs erhöhen oder nicht.

Leistungsaufnahme Idle ohne Cool'n'Quiet


Auch im Idle-Betrieb können die Auswirkungen von Spannungserhöhungen gesehen werden. Zwar sind die Unterschiede hier nicht ganz so gravierend, bei längerem Betrieb machen sich aber auch diese Differenzen auf der Stromrechnung bemerkbar.

Man sieht also, dass das gute OC-Potenzial der neuen X6-Prozessoren auch eine deutliche Kehrseite hat. Mit entsprechenden Einstellungen lässt sich die TDP des Prozessors locker verdoppeln, was sowohl für die Kühlung als auch für das Mainboard kritisch werden kann. Insbesondere Mainboards, die keine Freigabe für die 140 Watt TDP-Klasse haben, sollten nicht für das Übertakten eines Thuban benutzt werden - zumindest nicht für das derzeit erhältliche Topmodell.
[break=Fazit]
AMD Phenom II X6 Thuban - Titelbild


Das Fazit zum heutigen Artikel-Update kann relativ kurz ausfallen.

AMDs Thuban hat keine Schwierigkeiten, wenn C1E aktiviert wird. Transferrateneinbrüche, wie dies bis zum C2-Stepping des Deneb an der Tagesordnung war, gibt es nicht. Anders sieht das Bild aber bei der Verwendung von Turbo CORE aus. Hier leiden sowohl die Transferraten als auch die Prozessorlast mitunter deutlich. In einigen Tagen werden wir die kritischen Tests noch einmal unter Windows 7 x64 wiederholen, um den Einfluss des Betriebssystems auf die Ergebnisse zu untersuchen.

In Bezug auf das OC-Potenzial sowie das Potenzial zur Spannungsabsenkung können wir positive Ergebnisse vorweisen. Mit Standardtakt lassen sich die Betriebsspannungen der Kerne sowie der integrierten Northbridge deutlich absenken, mit entsprechenden Spannungserhöhungen sind 4 GHz Kerntakt selbst mit Luftkühlung in Reichweite. Dies geht jedoch stark auf Kosten der Leistungsaufnahme, weshalb jeder Thuban-Besitzer genau überlegen sollte, was er seiner Stromrechnung zumuten will.

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