Kleine Vorbemerkung:
Wir haben diesen "Artikel" extra im Sammelthreadforum eingestellt, damit er durch andere ergänzt oder verbessert werden kann. Wir bitten nur darum bei Änderungen auch das Feld Begründung auszufüllen, damit leichter nachvollziehbar bleibt, wer was geändert hat.
Viele kennen bestimmt den
AMD Athlon 64 Overclocking Guide des Users xxmartin. Vielen Usern hat der sehr ausführliche Guide geholfen. Da der AMD K10 in Form des Agena bzw. Deneb mit den jeweils unterschiedlichen Ausbaustufen seit über eineinhalb Jahren erhältlich ist, darf ein ausführlicher Guide für das Overclocking der neuen AMD-CPUs natürlich nicht fehlen. Dies ist deshalb sinnvoll, weil es mit dem K10 gegenüber dem Athlon 64 einige gravierende Änderungen gibt, die sich auf das Übertakten auswirken.
Prozessortypen
Seit dem Launch des AMD Phenom Ende 2007 haben viele Prozessormodelle das Licht der Welt erblickt.
| Codename | Stepping | Kernanzahl | Sockel | L2-Cache | L3-Cache | Speicherstandard |
|---|
Agena | B2 | 4 | AM2+ | 512 KByte je Kern | 2 MByte shared | DDR2-1066 |
Agena | B3 | 4 | AM2+ | 512 KByte je Kern | 2 MByte shared | DDR2-1066 |
Toliman | B3 | 3 | AM2+ | 512 KByte je Kern | 2 MByte shared | DDR2-1066 |
Kuma | B3 | 2 | AM2+ | 512 KByte je Kern | 2 MByte shared | DDR2-1066 |
Deneb | C2 | 4 | AM2+ | 512 KByte je Kern | 6 MByte shared | DDR2-1066 |
Deneb | C2 | 4 | AM2+ / AM3 | 512 KByte je Kern | 4 MByte shared | DDR2-1066 / DDR3-1333 |
Deneb | C2 | 3 | AM2+ / AM3 | 512 KByte je Kern | 6 MByte shared | DDR2-1066 / DDR3-1333 |
Callisto | C2 | 2 | AM2+ / AM3 | 512 KByte je Kern | 6 MByte shared | DDR2-1066 / DDR3-1333 |
Regor | C2 | 2 | AM2+ / AM3 | 1024 KByte je Kern | ohne | DDR2-1066 / DDR3-1066 |
Wie man sieht gibt es eine große Modellvielfalt, die jedoch beim Thema Overclocking alle gleich gehandhabt werden. Zuerst stehen einige grundlegende Dinge auf dem Plan, die man wissen sollte. Legen wir also los:
Basics
Beim AMD Phenom bzw. Phenom II gibt es insgesamt fünf verschiedene Taktarten:
- Referenztakt
- Prozessortakt
- Northbridgetakt (kurz: NB-Takt)
- Hypertransport-Link (kurz: HT-Link)
- Speichertakt
Der Referenztakt liegt beim Phenom genau wie beim K8 im Normalzustand bei 200 MHz und mittels des Multiplikators ergibt sich daraus der reale Prozessortakt. Der Northbridgetakt sowie der HT-Link werden ebenfalls mittels Multiplikator vom Referenztakt errechnet. Der Speichertakt errechnet sich im Gegensatz zum K8 mittels eines Verhältnisses, ebenfalls vom Referenztakt.
Der Northbridgetakt hat Einfluss auf die Performance des Systems, da zum Beispiel der L3-Cache mit diesem Takt betrieben wird. Höherer NB-Takt bedeutet also höherer L3-Takt. Der Einfluss eines höheren NB-Taktes auf die Performance des Prozessors hängt stark von der genutzten Anwendung ab. Speicherintensive Anwendungen (z.B. packen/entpacken mit WinRAR, einige Spiele) profitieren verhältnismäßig stark, andere Anwendungen (z.B. Raytracing mit POV-Ray oder Rendering mit Cinebench) profitieren fast überhaupt nicht. Einen Überblick über die Performance-Veränderung bei geändertem Northbridgetakt erhält der geneigte User
im Review der ersten Sockel AM3-Prozessoren.
Praxisbeispiel
Nehmen wir als Praxisbeispiel das aktuelle AMD-Topmodell Phenom II X4 955 BE. Dieser wird mit einer Taktrate von 3,2 GHz und einem Multiplikator von 16 betrieben. Die Taktraten stellen sich wie folgt dar:
1. Referenztakt 200 MHz
2. Prozessortakt = 200 * 16 = 3.200 MHz
3. Northbridgetakt = 200 * 10 = 2.000 MHz
4. HT-Link = 200 * 10 = 2.000 MHz
5. Speichertakt DDR2-1066 bzw. DDR3-1333
Betrachtet mit CPU-Z sieht das Ganze so aus:



Der Northbridgetakt errechnet sich dabei aus 200 MHz Referenztakt mit Multi 10. Der HT-Link wird ebenfalls per Multi 10 * 200 errechnet.
Der Speichertakt wird ausgehend vom Referenztakt mit diesen Verhältnissen berechnet:
DDR2-400: 1:1 (200 MHz Referenztakt, 200 MHz realer Speichertakt)
DDR2-533: 3:4 (200 MHz Referenztakt, 266 MHz realer Speichertakt)
DDR2-667: 3:5 (200 MHz Referenztakt, 333 MHz realer Speichertakt)
DDR2-800: 1:2 (200 MHz Referenztakt, 400 MHz realer Speichertakt)
DDR2-1066: 3:8 (200 MHz Referenztakt, 533 MHz realer Speichertakt)
Mit der Einführung des Sockel AM3 mit DDR3-Support kamen folgende Speichertakt-Verhältnisse hinzu:
DDR3-800: 1:2 (200 MHz Referenztakt, 400 MHz realer Speichertakt)
DDR3-1066: 3:8 (200 MHz Referenztakt, 533 MHz realer Speichertakt)
DDR3-1333: 3:10 (200 MHz Referenztakt, 666 MHz realer Speichertakt)
DDR3-1600: 1:4 (200 MHz Referenztakt, 800 MHz realer Speichertakt)
Es bestehen einige Restriktionen in Bezug auf die Speicherbestückung. DDR2-1066 wird beispielsweise nur unterstützt, wenn pro Kanal ein Riegel verwendet wird. Wird Vollbestückung mit vier Riegeln verwendet, ist DDR2-1066 offiziell nicht vorgesehen und wird somit – wie so oft beim Übertakten – zur reinen Glückssache.
Ebenso verhält es sich mit Vollbestückung mit DDR3-RAM. Auch hier wird DDR3-1333 nicht mehr offiziell unterstützt, statt dessen findet DDR3-1066 Verwendung. DDR3-1600 wird hingegen zwar im BIOS vieler Mainboards angeboten, ist jedoch als reines Overclocking-Profil zu sehen und wird seitens AMD in keiner Konstellation supported.
Während beim Athlon 64 (AM2) aufgrund der umständlichen Berechnung nicht jeder Speichertakt bei jedem Prozessortakt möglich war und der Speicher deshalb teilweise weit unterhalb der Spezifikation betrieben werden musste (besonders User von Prozessoren mit ungeraden bzw. halben Multiplikatoren können davon ein Liedchen singen), hat sich dieses Bild grundlegend geändert. Dadurch, dass der Speichertakt vom Referenztakt abgeleitet wird, ist bei jedem Prozessortakt auch der volle Speichertakt möglich. Der Prozessormultiplikator spielt dabei keine Rolle mehr.
Wie man sieht, ist die direkte Beeinflussung der reellen Taktraten nicht möglich. Man verändert lediglich die Grundlagen der entsprechenden Taktraten, indem entweder der Referenztakt oder der entsprechende Multiplikator bzw. das Verhältnis verändert wird.
Phenom-Plattform
AMDs Phenom bzw. Phenom II sind abwärtskompatibel. Das bedeutet, dass die Prozessoren auch in älteren Mainboards eingesetzt werden können. Ein AMD Phenom X3 8750 für Sockel AM2+ kann beispielsweise auch in einem AM2-Mainboard eingesetzt werden.
Beim Betrieb eines AMD Phenom in einem AM2-Mainboard ist zu beachten, dass der höchstmögliche HT-Link vom Chipsatz abhängt und nicht vom K10. Das bedeutet, dass wieder die Regel wie beim K8 gilt, den HT-Link möglichst im Bereich von 1.000 MHz zu halten.
Voraussetzung für den Betrieb eines K10 in einem reinrassigen AM2-Mainboard ist die Unterstützung des Prozessors durch das BIOS. Leider ist keine flächendeckende Unterstützung des K10 gegeben, dies soll sich jedoch in nächster Zeit ändern. Wer wissen möchte, ob sein AM2-Board Phenom-Ready ist, sollte einen Blick in
unser Sammelthread-Forum werfen. Dort sind die Übersichten der aktuellen Unterstützung zu vielen Mainboards zu finden.
Zur Einführung des Phenom „I“ samt Sockel AM2+ im November 2007 waren ausschließlich Mainboards mit AMD-Chipsätzen der 700er-Familie (790FX, 770, später 790GX) verfügbar. Im Mai 2008 folgte NVIDIA mit dem nForce 780a SLI sowie dem 8200/8300. Seither hat sich auf dem Chipsatz-Sektor kaum etwas getan. AMDs Chipsatz-Portfolio ist unverändert und bei NVIDIA kam lediglich der nForce 980a SLI hinzu. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um einen umgelabelten 780a SLI, welcher für den Einsatz auf einem AM3-Mainboard optimiert ist.
Sockel AM2+ / Sockel AM3
AMDs Sockel AM2 und AM2+ sind physisch identisch ausgeführt. Beide Sockel nutzen 940 Pins mit identischer Anordnung, sodass Phenom-Prozessoren (AM2+) in AM2-Mainboards passen und umgekehrt. Für die korrekte Funktion ist das bereits genannte BIOS-Update notwendig.
Mit der Einführung des Sockel AM3 im Februar 2009 kam die Unterstützung von DDR3 hinzu. Hierfür ist die Verwendung eines DDR3-Speichercontrollers On-DIE notwendig. Da AM2- und AM2+ -CPUs diesen Controller nicht bieten, musste ihnen der „Zugang“ zum Sockel AM3 physisch verwehrt werden. AMDs hat dies umgesetzt, indem man ein anderes Pin-Layout verwendet. Gleichzeitig wurde die Pin-Anzahl der AM3-Prozessoren auf 938 verringert.
Einen genauen Vergleich zwischen Sockel AM2+ und AM3 ist
in unserem AM3-Review zu finden.
AM3-Prozessoren besitzen jedoch einen Combicontroller und können daher sowohl mit DDR2 als auch mit DDR3 umgehen. Das Pin-Layout der AM3-Prozessoren erlaubt es, die CPUs auch auf dem Sockel AM2+ samt DDR2 zu verwenden. Voraussetzung ist auch hier ein passendes BIOS des Mainboardherstellers.
Besonderheiten von Agena-Phenoms
Die ersten Phenom-Prozessoren wurden allesamt in 65 nm Strukturbreite hergestellt. Leider hatten diese Prozessoren eine relativ hohe Leistungsaufnahme bei vergleichbar geringem Takt (bei Einführung war das schnellste Modell mit 2,3 GHz getaktet). Zudem war das OC-Potenzial oft sehr gering. Hinzu kam der berühmt-berüchtigte
TLB-Bug im B2-Stepping, welcher zu teils heftigen Performance-Einbußen führte.
Nehmen wir einmal an, wir nutzen einen AMD Phenom 9600 in Verbindung mit DDR2-800 und verändern den Referenztakt von 200 auf 220 MHz. Für den HT-Link setzen wir Multi 5 als gegeben voraus. Dies ergibt folgende Taktraten:
1. Prozessortakt = 220 * 11,5 = 2.530 MHz
2. NB-Takt = 220 * 9 = 1.980 MHz
3. Speichertakt = 220 / 1 * 2 = 440 MHz bzw. DDR2-880
4. HT-Link = 220 * 5 = 1.100 MHz
Das Übertakten von Agena-Phenoms (besonders B2-Stepping) macht nicht wirklich Spaß. Bereits geringe Erhöhungen beim Referenztakt können dazu führen, dass man das Taktlimit des Prozessors erreicht. Viele B2-Prozessoren haben nur ein- bis zweihundert MHz mehr Taktfrequenz erzielen können. Selten schaffen es Exemplare weiter, 3 GHz sind nahezu unmöglich zu erzielen.
Interessant ist aber, dass zwar das OC-Potenzial in der Regel sehr beschränkt ausfällt, die Prozessoren aber meist im Sinne des Stromsparens gut untervoltet werden können. Agena-Phenoms im B3-Stepping (zu erkennen an der Ziffer „5“ an der dritten Stelle der Modellbezeichnung -> z.B. AMD Phenom X3 87
50) erzielen im Schnitt höhere Taktraten (3 GHz sind keine Seltenheit), bleiben aber dennoch relativ weit hinter den Erwartungen zurück. Daher ist es nicht überraschend, dass der schnellste Agena-Phenom mit gerade einmal 2,6 GHz taktet (Phenom X4 9950 BE).
Generell haben Agena-Prozessoren das Problem, dass in der Regel keine hohen Referenztakte erzielt werden können. Oft liest man sogar davon, dass bei 230 MHz bereits das Limit erreicht sei. Mit einem Blick auf die maximalen Taktraten spielt das jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da man in der Regel bereits vorher das Limit des Prozessors erreicht hatte (230 * 11,5 = 2.645 MHz, was die meisten Phenom X4 9600 nicht mehr geschafft haben).
CPU- und Northbridge-Multiplikator
Sowohl der Multiplikator der CPU als auch der Multiplikator der Northbridge kann verstellt werden.Die
Black Edition des Phenom besitzt einen freien Multiplikator. Somit ist das Übertakten der CPU ohne Erhöhung des Referenztaktes und somit ohne Veränderung am HT-Link bzw. NB-Takt möglich. Natürlich steht dennoch der Weg über den Referenztakt zur Verfügung, ist aber nicht mehr zwingend notwendig.
Bei allen Modellen der Black Edition-Serie (sowohl Phenom als auch Phenom II) kann man den Multiplikator beider Takte sowohl nach oben als auch nach unten verändern, bei allen anderen Modellen nur nach unten. Für die Veränderung kann entweder AMD Overdrive bzw. K10Stat aus dem Windows heraus genutzt werden, ober man nutzt vorhandene BIOS-Optionen.
Der NB-Multiplikator
Der NB-Multiplikator ist bei allen derzeit frei erhältlichen Phenom-Modellen im Standardbetrieb entweder bei 9 oder 10 eingestellt. Bis zum Release von
AMD Overdrive 3.0 war die Verstellung des Northbridge-Multiplikators nur im BIOS möglich. Seit Version 3.0 bietet das AMD-eigene Tool auch eine NB-Option an, sodass der Takt auch im Windows geändert werden kann (Praxistests stehen hierfür noch aus).
Fast alle Mainboards bieten mittlerweile Optionen für die Verstellung des Northbridge-Multiplikators im BIOS an. Im Rahmen der Mainboardtests auf Planet 3DNow! sind bisher folgende Mainboards mit funktionierender Verstellung gesichtet worden:
- DFI LANPARTY UT 790FX-M2R
- SAPPHIRE PURE CrossFireX PC-AM2RD790
- MSI K9A2 Platinum
- Gigabyte GA-MA790FX-DQ6
- Gigabyte GA-MA770-DS3
- ASRock ALiveDual-eSATA2
- ASUS Crosshair II Formula
- ASRock A780FullDisyplayPort
- ASUS Crosshair II Formula
- Gigabyte GA-MA790GP-DS4H
- Gigabyte GA-MA790XT-UD4P
Da das DFI LANPARTY sowie das SAPPHIRE PC-AM2RD790 in Zusammenarbeit beider Hersteller entwickelt wurden, findet man in beiden BIOSen unter "Genie BIOS Settings" -> "CPU Feature" folgende Optionen:
CPU-NB DID (Einstellmöglichkeit 1 oder 2)
CPU-NB FID (Einstellmöglichkeit ab 00 aufwärts)
CPU-NB DID ist dabei ein Teiler, durch den der Wert bei CPU-NB FID geteilt wird. Doch der einstellbare Wert für FID steht nicht für den realen Wert, da dieser im Hexcode verschlüsselt ist. In der Realtität sieht das so aus:
- 00 = 4
- 01 = 5
- 02 = 6
- 03 = 7
- 04 = 8
- 05 = 9
- 06 = 10
- 07 = 11
- 08 = 12
- 09 = 13
- 0A = 14
- 0B = 15
- 0C = 16
- 0D = 17
- usw.
Bei einem Phenom mit 1,8 GHz NB-Takt steht der Wert CPU-NB FID auf 05 (was dem Dezimalwert 9 entspricht) und CPU-NB DID auf 1. Real ergibt das dann 9 / 1 = 9. Und 9 * Referenztakt 200 ergibt 1,8 GHz NB-Takt. Alternativ könnte die Kombination 0E für real 18 und DID 2 genutzt werden, was wir aber noch nicht ausprobiert haben. Rechnerisch ergibt sich jedenfalls der gleiche Wert. Führt man diese Überlegungen weiter, so fällt auf, dass für den Northbridgetakt halbe Multiplikatoren möglich sind (zum Beispiel mit der Kombination FID 09, DID 2).
Beim MSI K9A2 Platinum finden sich die Einstellmöglichkeiten zum NB-Takt an folgender Stelle: "Cell Menu" -> "Adjust AM2+ CPU Multiplier" -> "Custom P-States" auf Enabled setzen und schon werden die Optionen zum NB-Takt angezeigt. Die einstellbaren Werte (CPU NB DID) sind beim MSI K9A2 Platinum anders benannt und auch anders gemappt. Das bedeutet, dass die eingestellten Werte andere Ergebnisse zur Folge haben können.
Die Informationen über die Optionen im Hexcode und deren dezimale Bedeutung sind aus einem Thread im Xtremesystems-Forum entnommen und stammen vom User Tony, welcher bei OCZ arbeitet.
Der NB-Takt ist daher relativ wichtig, weil er bei Agena-Phenoms nur ein begrenztes Taktpotenzial hat. User im Xtremesystems-Forum kommen nur selten deutlich über 2 GHz NB-Takt, teilweise ist bereits bei rund 1.950 MHz Schluss, weshalb eine Verringerung des Multiplikators beim OC empfehlenswert ist. Denn wenn jemand tatsächlich bereits bei 1.950 MHz den maximal stabilen NB-Takt erreicht, so heißt das, dass der Prozessor bereits bei 217 MHz Referenztakt sein Limit finden würde (217 * 9 = 1.953 MHz).
Im BIOS kann die Multiplikator-Einstellung auf zwei Wegen implementiert sein:
1. als Dezimalzahlen in Klartext (das, was eingestellt wird, ist auch das Ergebnis)
2. mit CPU FID und CPU DID bzw. NB FID und NB DID im Hexcode
Beim MSI K9A2 Platinum findet der User beispielsweise das Phänomen vor, dass der Multiplikator bei einem Athlon 64 im "Cell Menu" als Dezimalzahl eingestellt werden kann. Wird hingegen ein Phenom verwendet, ist die entsprechende Option zwar noch sichtbar, kann jedoch nicht geändert werden. Statt dessen taucht das Menü "Adjust AM2+ CPU Multiplier" auf, in welchem man "Custom P-States" auf Enabled setzen muss, um die Einstellmöglichkeiten für den CPU-Multi angezeigt zu bekommen.
Die Vergabe der Multis funktioniert wie soeben beschrieben. Der Wert, welcher bei CPU FID vergeben wird (bzw. dessen reale Bedeutung) wird durch den Wert CPU DID geteilt. Da es FID-Einstellungen gibt, denen real halbe Multiplikatoren zugrunde liegen und diese Werte noch geteilt werden können, sind beim AMD Phenom auch viertel Multiplikatoren und sogar noch kleinere Werte möglich.

Das hier gezeigte Beispiel zeigt einen Multiplikator von 2,56. In der Praxis können diese dezimalen Multis durchaus sinnvoll verwendet werden. Nämlich dann, wenn CPU- sowie NB-Takt exakt ausgelotet sind und zur Kombination aller Taktraten die bisher üblichen halben Multis zu große Abstände bilden. Da der Speichertakt vom Referenztakt abgeleitet wird, ist eine möglichst feine Abstufung erstrebenswert. Allerdings sei hier angemerkt, dass dieser Fakt wohl nur bei sehr wenigen Phenom-Usern eine Rolle spielen wird.
Die Verfahrensweise mit FID und DID kommt mittlerweile bei keinem aktuellen Mainboard mehr zum Tragen. Die Hersteller sind dazu übergegangen, Dezimalzahlen zu verwenden. Wer Multi 11,5 einstellen will, der kann dies jetzt flächendeckend tun. Das ist insofern eine Erleichterung, da Hersteller die Option nicht mehr unterschiedliche mappen können (bei MSI ist 11,5 gleich 11,5, bei Gigabyte und Co. auch) und somit gleiche Voraussetzungen bei allen Mainboards zu finden sind.
FID und DID agieren dennoch im Hintergrund weiter. User von K10Stat, einem kleinen Tool für K10-Prozessoren, können den CPU-Multiplikator nach wie vor auf diese Art und Weise im Windows verstellen.
Problematiken beim OC
Im Internet liest man teilweise, dass hohe HT-Links nicht funktionieren. Der Grund dafür scheint einfach: Sobald der HT-Link höher als der NB-Takt eingestellt wird, bootet der PC nicht mehr. Warum dies so ist, erschließt sich bis heute nicht vollständig. Fakt ist aber, dass die Praxis genau dieses Verhalten zeigt.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man beim Phenom derzeit maximal Multiplikator 9 (oder 10, je nach Modell) für den HT-Link nutzen sollte (was 1,8 GHz HT-Link bei 1,8 GHz NB-Takt bzw. 2,0 GHz HT-Link bei 2,0 GHz NB-Takt bedeutet).
Mittlerweile wird bei vielen Mainboards eine „Schutzfunktion“ implementiert, die verhindert, dass der HT-Link höher als der NB-Multi eingestellt werden kann. Somit ist gewährleistet, dass User, die diese zu beachtende Regel nicht kennen, dennoch nicht aus versehen falsche Einstellungen wählen.
Der HT-Link
Die Chipsätze des K8 hatten alle einen Standard-HT-Link von 1.000 MHz (Referenztakt 200 * 5). Besonders in der Anfangszeit war es kritisch, wenn dieser Takt über 1 GHz erhöht wurde, da es dann oft zu Instabilitäten kam. Mit zunehmender "Lebensdauer" des K8 wurde dies jedoch immer unkritischer, sodass man bei den Chipsätzen der AMD 690er-Serie teilweise bis 1.500 MHz erreichen konnte. Da dieser Takt aber nur einen extrem geringen Einfluss auf die Systemperformance hatte, war es hingegen ratsam, beim OC des Referenztaktes den Multiplikator so einzustellen, dass als Produkt ein Wert in der Nähe von 1.000 MHz zu Buche Stand.
Beim AM2+ ist der Referenztakt mit bis zu 2.600 MHz deutlich höher möglich. Aufgrund der beschriebenen aktuellen Problematik, dass der HT-Link nicht größer als der NB-Takt werden darf, gibt es hier zunächst keine Probleme wie anfänglich beim K8. Denn selbst wenn man einen hohen Takt von deutlich über 1.000 MHz fährt, kommt man nicht in den Bereich, in denen es zu Instabilitäten kommt, da vorher der genutzte NB-Takt limitiert.
Man kann also ruhig die Taktmöglichkeiten des HT-Links ausnutzen, sofern man nicht über den Takt der Northbridge hinausschießt. Dazu bietet es sich an, den gleichen NB- sowie HT-Multiplikator zu nutzen. Da beide Werte vom Referenztakt abhängig sind, sind beide Takte dann immer gleich hoch.
Voraussetzungen für das erfolgreiche OC
Wie auch beim K8 empfiehlt es sich, einige grundlegende Einstellungen im Mainboardbios vorzunehmen. Aus persönlicher Erfahrung empfiehlt sich:
- Cool’n’Quiet deaktivieren
- Virtualisierung deaktivieren
- Spannungen manuell festlegen
- Speichertakt-/-timings manuell festlegen
- SpreadSpectrum deaktivieren
- MaxAsyncLatency bzw. MaxReadLatency auf hohe Werte einstellen
- tRFC auf einen hohen Wert einstellen
Diese Einstellungen sind nicht zwingend erforderlich. Allerdings läuft man bei der Nichtbeachtung Gefahr, dass man ungewollt in Probleme gerät, weil das System Taktraten und Spannungen autonom vergeben kann, was man als User nicht möchte. Daher ist es sinnvoll, zum Test der gewünschten Taktraten erst alle Optionen manuell festzulegen und später bei Bedarf Cool’n’Quiet sowie die Virtualisierung wieder zu aktivieren.
Besonderheit Phenom II
Wer einen Phenom II übertaktet bzw. manuell einstellt, der sollte unbedingt darauf achten, dass der Kerntakt sowie der Northbridgetakt nicht in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen.
Auf Seite 22 des
AMD Revision Guide heißt es zu Erratum 346
"System May Hang if Core Frequency is Even Divisor of Northbridge Clock"
Schaut man sich die genauere Beschreibung an, dann findet man folgende Aussage vor:
"Description
When one processor core is operating at a clock frequency that is higher than the Northbridge clock
frequency, and another processor core is operating at a clock frequency that is an even divisor of the
Northbridge clock frequency, the Northbridge may fail to complete a cache probe.
Potential Effect on System
System hang.
Suggested Workaround
System software should set F3x188[22] to 1b.
Fix Planned
Yes"
Wer beispielsweise Cool’n’Quiet beim Phenom II manuell mittels K10stat einstellt, der darf den Kerntakt nie so setzen, dass dieser halb so groß ist wie der Northbridgetakt. Bei einem Phenom II X4 955 BE mit 2 GHz NB-Takt darf der Idle-Takt nie bei 1,0 GHz liegen, da sonst das System stehenbleiben kann, wenn gleichzeitig ein Prozessorkern noch höher taktet als 2 GHz.
Diese Problematik tritt aber nur dann auf, wenn alle 4 Kerne unterschiedlich takten. Sollte dies der Fall sein, kann man K10Stat dazu "anhalten", die Kerne im Ganged-Mode zu takten (alle Kerne laufen immer mit dem gleichen P-State. Erratum 346 betrifft übrigens alle C2-Steppings des Phenom II und sollte unbedingt beachtet werden.
Praktische OC-Versuche Agena-Phenom
Nachdem nun die grundlegende Theorie besprochen ist, kommen wir zu ein paar praktischen OC-Einstellungen mit einem Agena-K10. Genutzt wurde dafür ein
SAPPHIRE PURE CrossFireX PC-AM2RD790 in Verbindung mit einem Phenom 9700 ES.

In Vorbereitung auf den höheren Referenztakt wurden zuerst die Multiplikatoren für die CPU, den HT-Link sowie den NB-Takt (FID 04, DID 1) verringert.

Nach Anhebung des Referenztaktes auf 240 MHz sieht das Ganze dann so aus. Der Prozessortakt ist wieder beim ursprünglichen Wert, HT-Link und NB-Takt sind ebenfalls wieder deutlich höher.

264 MHz Referenztakt bildeten auf dem SAPPHIRE-Mainboard vorerst das Maximum. Multi 9,5 bedeuten 2,5 GHz für die CPU, HT-Link 6x und NB-Takt 8x ergeben die gezeigten Werte.
Die hier gezeigten Werte dienen ausschließlich als Beispiel und variieren je nach Prozessor. Da sowohl der Kerntakt als auch der Northbridge- und der Referenztakt bei jedem Prozessor unterschiedlich ausfallen, muss jeder User individuelle Tests durchführen, um die beste Kombination aller Taktraten zu erreichen. Ideal ist eine Kombination, bei welcher alle performancerelevanten Takte (CPU-, Northbridge- und Speichertakt) so nah wie möglich am Optimum sind. Nur so kann optimale Performance erzielt werden.
Maximaler Referenztakt beim Agena-Phenom
Viele werden denken, dass 264 MHz Referenztakt nicht unbedingt der Knaller sind. Hier muss jedoch gesagt werden, dass es in der Tat bereits ein Top-Ergebnis ist. Verfolgt man nämlich die OC-Ergebnisse des Phenom genauer, so wird klar, dass viele User bereits bei rund 230 MHz die Segel streichen müssen.
Der Phenom der ersten Generation ist nicht in der Lage, hohe Referenztakte zu erreichen. Das ist auch nicht unbedingt notwendig, da alle performancerelevanten Taktraten per Multiplikator bzw. Rechenverhältnis gebildet werden. Um aber die bestmögliche Kombination von allen Taktraten zu finden, ist ein erhöhter Referenztakt durchaus sinnvoll.
Praktische OC-Versuche Deneb-Phenom II
Die Art und Weise, wie übertaktet wird, ist mit dem Launch des 45 nm-Deneb im Januar absolut gleich geblieben. Die erzielbaren Ergebnisse hingegen sind völlig unterschiedlich.

Ein Ein Mausklick öffnet den Link zur Validierung von CPU-Z.
Im Rahmen unseres Reviews des AMD Phenom II X4 955 Black Edition konnten wir einen Prozessortakt von 3.710 MHz bei Standardspannung sowie einen gleichzeitigen Referenztakt von 371 MHz. Gegenüber der ersten Phenom-Generation ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Für dieses Ergebnis sind folgende Einstellungen notwendig:
- CPU-Multiplikator von 16 auf 10 abgesenkt
- NB- und HT-Multi auf 6 abgesenkt
- Speichertakt auf DDR3-800 eingestellt (Verhältnis 1:2 zum Referenztakt)
- Spannung der Mainboard-Northbridge um 0,1 Volt erhöht
- Spannung der Mainboard-Southbridge um 0,2 Volt erhöht
Sowohl die Spannung der CPU als auch die Spannung der integrierten Northbridge blieben unverändert.
Speicherspannung
Im Internet kursiert die Aussage, dass es bei Speicherspannungen von mehr als 2 Volt zum Ausfall der CPU kommen kann. Bisher ist in diesem Punkt noch nichts erwiesen, bei einigen soll es jedoch schon passiert sein. Die Möglichkeit besteht durchaus, da sich der Speichercontroller in der CPU befindet und somit Abhängigkeiten bzw. Wechselwirkungen bestehen können.
Viele Arbeitsspeicher, allen voran LowLatency-DDR2-Ram sowie hoch getakteter Speicher, haben bereits vom Hersteller aus eine Spezifikation von mehr als 2,0 Volt. Hier sollte der User also Vorsicht walten lassen, da ein Verlust der CPU nicht gänzlich auszuschließen ist.
Wer bei Xtremesystems.org im Forum liest, wird jedoch auch das andere Extrem vorfinden. Es gibt durchaus Screenshots mit weit über 2,0 Volt VDimm, die Spitze dürfte derzeit ein Screenshot mit satten 2,9 Volt VDimm bilden, welche für mehrere Stunden genutzt wurde. Und das ohne Auswirkungen auf den Prozessor.
DDR3
Wer sich für den Einsatz einer AM3-Plattform samt DDR3 entscheidet, dem stehen viele Möglichkeiten offen. 533 MHz? 666 MHz? Oder gar 800 MHz? Cl7? Cl8? Oder doch Cl9?
Die Entscheidung obliegt jedem User und seinen persönlichen Vorlieben. Als Hinweis sei aber gegeben, dass die Wahl des Arbeitsspeichers auch vom geplanten Einsatzgebiet abhängig sein sollte. Es gibt Anwendungen (wie z.B. WinRAR), die nicht oder kaum von höherem Speichertakt profitieren – sehr wohl aber von strafferen Latenzen. Für solche Anwendungen wäre beispielsweise DDR3-1600 mit Cl9 Gift, während sie sich über DDR3-1066 mit Cl5 oder Cl6 freuen würden. Andere Anwendungen profitieren wiederum von hoch getaktetem Speicher und ignorieren die Speicherlatenzen förmlich. Diese Anwendungen würden von DDR3-1600 mit Cl9 gegenüber DDR3-1066 mit Cl6 profitieren.
Es empfiehlt sich immer eine Mischung aus der Veränderung aller Taktraten und Timings, um letzendlich das perfekte Setup zu finden. Da jeder kritische Takt individuell eingestellt werden kann, lassen sich mit einigen Tests die jeweiligen Limite relativ einfach herausfinden um zum Schluss für die maximale Performance kombinieren.

Für dieses Beispiel wurde DDR3-1552 bei Timings von 7-7-7-21 genutzt. In einer solchen Konstellation kann jede Anwendung ein wenig profitieren.
Während bei DDR2 eine Command Rate von 1T bei DDR2-800 und höher nahezu unmöglich war (vor allem bei Vollbestückung), ist diese Einstellung bei DDR3 relativ unproblematisch. Selbst mit vier Riegeln mit je zwei Gigabyte Kapazität ist 1T Command problemlos möglich. Allerdings gibt es hierfür keine Garantie, ebenso wenig wie für einen hohen Speichertakt generell. Einen Versuch ist es jedoch auf alle Fälle wert.
Generell sollten AM3-User folgende Sachen ausprobieren:
- Speicherspannung von 1,65 – 1,7 Volt gegen andere Einstellungen gegentesten
- kleineren Speichertakt (z.B. DDR3-1333) in Verbindung mit hohem Referenztakt
Es hat sich gezeigt, dass eine Speicherspannung im Bereich um 1,65 Volt positiver auswirken kann als höhere Werte. Ein Grund hierfür kann eine verringerte Hitzeentwicklung der Speicherriegel sein, ein anderer könnte die geringere Differenz zur CPU-Northbridge sein (in der bekanntlich der Speichercontroller sitzt).
Ebenso kann es von Vorteil sein, statt der Einstellung für DDR3-1600 die Einstellung DDR3-1333 zu nutzen, dafür aber den Referenztakt so anzupassen, damit man DDR3-1600 erreicht (240 MHz Referenztakt / 3 * 10 = 800 MHz Speichertakt). Bei einigen Mainboards bereitet die BIOS-Option für DDR3-1600 leichte Probleme, sodass man mit dem Alternativweg teilweise besser beraten ist.
Betriebsspannungen
1. CPU VID
CPU VID (
Voltage
Identification
Definition) oder auch VCore, ist die Kernspannung des Prozessors. Jeder Kern wird mit der gleichen Spannung versorgt, welche beim Agena zwischen 1,15 Volt und 1,30 Volt liegt. AMDs Deneb benötigt 1,30 bis1,35 Volt.
Trotz der teilweise deutlichen Unterschiede zugunsten des Agena besitzt dieser eine deutlich gesteigerte Leistungsaufnahme.

Dieses Diagramm verdeutlicht die Problematik der Leistungsaufnahme. Im Rahmen des Deneb-Launches im Januar 2009 wurde ein Phenom X4 9850 bei 3 GHz betrieben. Für den stabilen Betrieb musste die VCore von 1,30 auf 1,50 Volt angehoben werden, wodurch die Leistungsaufnahme förmlich explodierte (die Angaben beziehen sich auf das Gesamtsystem).
Eine höhere VCore bedingt bei identischer Kühlung auch eine höhere Hitzeentwicklung, was wiederum zu Instabilitäten führen kann. Bei Agena-Phenoms ist es daher sinnvoll, erst das OC-Potenzial mit Standardspannung auszutesten und erst im Anschluss daran mit erhöhter VCore zu arbeiten. Dann sollte ausgetestet werden, bis zu welchem Punkt der Prozessor überhaupt von einer höheren VCore profitiert bzw. wann die Erhöhung negative Auswirkungen hat. Ebenso sollte auf gute Kühlung geachtet werden.
Deneb-CPUs bieten eine deutlich niedrigere Leistungsaufnahme und damit einhergehend eine niedrigere Temperatur. Eine Erhöhung der VCore hat eine wesentlich geringere Auswirkung als beim Agena. Dennoch sollte nach dem gleichen Prinzip verfahren werden: Erst bei Standardspannung testen, dann erst mit erhöhter VCore. Denn auch wenn der Deneb wesentlich „besser“ mit höheren Spannungen umgehen kann, so hilft mehr VCore auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Und natürlich hilft eine gute Kühlung in allen Lebenslagen.
2. NB VID
Der K10 besitzt bekanntermaßen eine im CPU integrierte Northbridge, die sowohl den (wenn vorhanden) L3-Cache als auch den Speichercontroller beherbergt. Diese CPU-Northbridge wird auf AM2+ / AM3-Mainboards mit einer der Kernspannung unterschiedlichen Spannung versorgt – der sogenannten NB VID. Diese Spannung (teilweise auch CPU NB VID oder CPU NB Voltage genannt) darf nicht mit der Northbridgespannung des Chipsatzes verwechselt werden, welche wiederum meist Northbridge Voltage genannt wird.
Bei den Agena-Phenoms beträgt die NB VID in der Regel 1,25 Volt, teilweise aber auch darüber (bis zu 1,30 Volt). Mit ein Grund, warum Agena-Phenoms eine hohe Leistungsaufnahme haben. Bei AMDs Deneb und seinen verschiedenen Ausbaustufen liegt die NB VID modellabhängig zwischen 1,10 und 1,20 Volt.
Wer die Northbridge übertakten möchte, kann natürlich mit einer erhöhten NB VID arbeiten, um das Potenzial zu erhöhen. Doch teilweise ist weniger auch mehr. Ein Praxisfall mit folgender Konfiguration:
- AMD Phenom II X3 720 BE
- Gigabyte GA-MA790XT-UD4P
- 4x 2 GByte G.Skill DDR3-1600
- Zotac GTX 280 AMP!
- OCZ EliteXStream 1000 Watt
- Intel X25-M 80 GByte
Der Prozessor wurde mit knapp 2,4 GHz NB-Takt bei Standardspannung betrieben. Während der Belastung mittels Prime95 Blend gab es nach ca. 1 Stunde einen Rundungsfehler, welcher auf den NB-Takt zurückzuführen war. Eine Erhöhung der NB VID um 0,05 Volt führte dazu, dass das System mit ansonsten identischen Einstellungen sofort beim Windows-Bootvorgang mit einem Bluescreen abstürzte.
Bei der Erhöhung von NB VID sollte also vorsichtig vorgegangen werden. Zudem ist es an diesem Punkt ratsam, erst die NB VID zu erhöhen, wenn alle anderen Faktoren als potenzielle Fehlerquelle auszuschließen sind.
Advanced Clock Calibration – ACC
AMDs Northbridge-Chips können wahlweise mit der Southbridge SB600, SB710 oder SB750 kombiniert werden. Sowohl die SB710 als auch die SB750 bieten das Feature „Advanced Clock Calibration“, kurz ACC. Damit ein Mainboard dieses Feature unterstützt, müssen insgesamt 7 Pins des Prozessorsockels direkt mit der Southbridge verbunden werden. Dadurch lässt sich nach Angaben von AMD eine bessere Übertaktbarkeit erreichen.
Wird ACC unterstütz, so erhält man im BIOS (alternativ kann AMD Overdrive im Windows verwendet werden) ein entsprechendes Menü. Serienmäßig ist ACC deaktiviert. Aktiviert der User ACC, so lassen sich je Prozessorkern entweder Werte zwischen -2 und 0 (SB710) oder Werte zwischen -12 und +12 (SB750) einstellen. Veränderungen der Werte sollen CPU-interne Einstellungen „überschreiben“, was dazu führen kann, dass das OC-Potenzial erhöht wird. Die offizielle Sprachregelung von AMD lautete, dass bei Agena-Phenoms bis zu 300 MHz mehr Taktfrequenz erreichbar ist, wenn ACC gut konfiguriert wird.
In der Praxis gab und gibt es deutliche Unterschiede, was mit ACC erreichbar ist. Es gibt User, die die von AMD propagierten Taktvorteile erzielen konnten, andere wiederum können eine niedrigere CPU VID bei gleichem Takt nutzen, andere können einen höheren Referenztakt erzielen und bei einigen bringt ACC rein gar nichts.
Daran sieht man, dass Advanced Clock Calibration einen großen Einfluss haben kann, im schlechtesten Fall aber keinerlei Vorteile bringt. Daher sollte jeder Phenom-Übertakter im Findungsprozess seiner endgültigen Einstellungen auch mit ACC testen. Leider gibt es keine Faustregel, welche Einstellungen gut funktionieren oder nicht. Die Werte sind von CPU zu CPU unterschiedlich, sodass in der Tat jeder User eigenständig testen muss.
Seit AMDs Deneb ist es um ACC relativ ruhig geworden. Einerseits, weil Deneb bereits eine gute Übertaktbarkeit mitbringt und andererseits, weil vielerorten berichtet wird, dass ACC beim Deneb nichts bringt. Aber auch in einer solchen Konstellation lohnt sich das Testen, denn schlechter wird ein System dadurch nicht.
Nützliche Tools
Um an die notwendigen Informationen bezüglich der eingestellten Werte zu kommen, bieten sich diese Tools an:
AMD Overdrive: Derzeit in Version 3.1.0 erhältlich (
Klick!), kann es zum Ablesen aller wichtigen Daten genutzt werden. Zudem bieten sich viele Einstellmöglichkeiten wie Spannungen und Taktraten an, um im Windows zu übertakten. AMD Overdrive setzt in Versionen neuer als Version 2.0.7 (Beta) einen Chipsatz der hauseigenen 7er Serie voraus. Einige Funktionen stehen obendrein nur zur Verfügung, wenn eine ATi SB710 oder SB750 mit Advanced Clock Calibration (ACC) und ein Phenom in einer Black Edition zum Einsatz kommt.
K10stat: Mittels K10stat lassen sich wie mit dem MSR Editor von CrystalCPUID einige K10 Register on-the-fly manipulieren, sodass unter anderem eine Anpassung der VID_VDD und VID_VDDNB unter Microsoft Windows möglich ist, weitgehend unabhängig von der Firmware des Mainboards. K10stat beherrscht Profile für verschiedene P-States. Die Manipulation der Register hält jedoch nur bis zum nächsten Reboot an. Aktuell ist Version 0.91 (
Klick!)
CPU-Z: Das kleine und mittlerweile etablierte Tool gibt es momentan in Version 1.52.4 zum Download (
Klick!). Es kann zur schnellen Ablesung der Taktraten genutzt werden. HT-Link sowie NB-Takt werden zuverlässig angezeigt. Vom selben Hersteller gibt es noch ein Programm namens HWMonitor, welches zur Zeit in der Version 1.15 vorliegt und in der Lage ist vorhandene Temperatursensoren auszulesen (
Klick!).
Prime95: Natürlich sollte jede Takterhöhung auch auf Stabilität überprüft werden. Hierzu eignet sich Prime95 hervorragend, welches es aktuell in Version 25.11 gibt (
Klick!). Das Programm startet bei der Wahl "Just Stress Testing" selbstständig einen sogenannten Worker Thread pro Kern.
K10Calc: Im Forum von Xtremesystems.org hat der User lukija ein kleines Tool veröffentlicht, welches bei der Wahl der richtigen NB-Settings hilft. Das Tool kann
hier heruntergeladen werden.
Hinweis für Auf-/Umrüster
User, die auf den AMD Phenom wechseln ohne Windows neu zu installieren, sollten vor dem Wechsel zwei Dinge tun:
- überprüfen, ob der AMD DualCore-Optimizer installiert ist und wenn ja, deinstallieren
- falls das gleiche Mainboard genutzt wird, ein Phenom-Ready-BIOS flashen
Werden diese beiden Dinge nicht beachtet, kann es durchaus passieren, dass der PC nicht startet oder aber sich Windows mit Reboots bzw. Bluescreens verabschiedet. Werden die beiden Punkte beachtet, steht dem Phenom-Spaß hingegen nichts mehr entgegen.
Bemerkungen
Dieser Guide erhebt ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen und um persönliche Erfahrungswerte in Bezug auf den K10 ergänzt. Wer Ergänzungen und/oder Änderungen mitzuteilen hat, kann dies ganz einfach per PM, Mail oder schlichtweg einem Post erledigen.