Taiwan ist schon eine lustige Insel. Die für die Computerbranche wohl wichtigsten Firmen haben hier ihren Hauptsitz. Es sind aber nicht nur die 10 Mainboardhersteller, die jetzt jeder aufzählen könnte. Von Chipsätzen bis hin zum Gehäuse-Accessoire wird hier alles hergestellt. „Made in Taiwan“ stand jahrzehntelang auf den Produkten, welches nun leider immer mehr durch „Made in China“ ersetzt wird. Die meisten Hersteller haben heute nur noch den Hauptsitz und die Forschung & Entwicklung mit Sitz in Taiwan.

Man sagt immer Taiwan, obwohl es eigentlich „Made in Taipei“ heißen muss. Taipei ist die Hauptstadt der 36000 km² großen Inselrepublik und sitzt im Norden (Pei, Peh, Bei heißt Norden). Hier sitzen die meisten für die PC-Industrie wichtigen Firmen und stellen auch her. Taipei hat nur 3 Millionen Einwohner. Durch die Vororte sind es letzten Endes dann doch knapp 9 Millionen. Eine große Stadt mit einer ganzen Menge Arbeitnehmer.

Als Produkt-Manager in unser aller beliebter Branche habe ich nun die letzten zwei Jahre in Taiwan verbracht, und möchte mit diesem Bericht einmal näher bringen, wie die ganzen tollen Produkte wirklich entstehen und wie das Leben ist, wenn man z.B. VIA Technologies als Nachbarn hat.

Mit einem subtropischen Klima ist Taiwan das ganze Jahr über einfach nur heiß. Wenn man in Deutschland von 30°C in Taiwan hört, dann ist das für die dort lebenden eine tolle Sache. In Wirklichkeit sind 30°C bei einer solch hohen Luftfeuchtigkeit einfach nicht mehr auszuhalten. 30° sind ja auch nicht einmal alles. Bis zu 40°C kann es hier im Sommer schon werden, welches gefühlte 50° sind. Ohne Klimaanlage kommt man also nicht aus.

007 oder Die Firmen die ich liebte



Wenn man in Taiwan als technikinteressierter Mensch ankommt, dann fühlt man sich schon wie im Schlaraffenland. An jeder Straßenecke ist der Sitz einer Firma, die man in Deutschland als Hightech-Unternehmen kennt. Manchmal sind die Firmen auch alle in einem Haus zusammen untergebracht! So wie zum Beispiel Cooler Master und Yeong Yang - Silverstone und ALBATRON sind gleich neben an.

Als Produkt-Manager in der PC-Branche lernt man eine ganze Menge wichtiger Firmen kennen. Wenn man dann auch noch Online-Redakteur einer großen Hardware-Webseite ist, dann freuen sich die Leute doppelt einen zu kennen.

So, in Taipei angekommen, was als erstes tun? Na klar, Firmen kennen lernen!

Ich denke die erste Firma, die ich besuchte, war VIA. Ich hatte Kontakt zu Ben Boyden, der damals noch für die VIA Eden Plattformen zuständig war und nun Marketing Manager der VIA Chipset Plattform ist. Ich traf ihn und 4 andere Mitarbeiter von VIA in ihrem Büro und unterhielt mich über Mini ITX.

Mit der Zeit kamen immer wieder sehr interessante Kontakte hinzu. Zur Zeit der Computex 2003 kam es einmal, dass ich ein paar Marketing Menschen von Asus in der Suite von Yeong Yang traf. Man verabredete sich für den nächsten Tag, und ich hoffte auf ein paar Antworten auf meine Fragen. Sie dachte, ich hätte knifflige technische Fragen, also brachte sie am nächsten Tage mehrere Entwicklungsingenieure und die Abteilungsleiter mit. So kam ein sehr interessantes Gespräch über Serverboard-Layout zustande.

Man bekommt auch immer wieder Einladungen zu diversen Veranstaltungen, somit auch von Intel welche die Desktop Developer Conference in Taipei hielten. Thema: Der BTX Formfaktor. Diese war der Öffentlichkeit vorbehalten, jeder wichtige Hersteller war da, Asus, Abit, DFI, Chieftec, Yeong Yang, Enhance, und und und. David Hiller, Chef der Intel Desktop Platform Division, hatte Zeit für persönliche Gespräche.

Beruflich standen Firmen wie Aerocool, Cooler Master, Yeong Yang oder Silverstone von nun an auf der wöchentlichen Besucherliste.
[BREAK=Kulturschock - Herstellung]

Kulturschock - Herstellung
Im Accessoires-Bereich sieht die Herstellung anders aus, als manch einer in Deutschland denken würde. Obwohl Taiwan den Großteil der Herstellung schon nach China verlegt hat, wird immer noch eine ganze Menge auf der Insel produziert. Ist eben noch nicht alles so ausgereift in China, also geht man mit manchen Dingen auf Nummer sicher. Gewisse Produktionen in China sind auch nicht wesentlich günstiger.

Über die Zeit hatte ich genügend Gelegenheit mich mal in den Fabriken in China umzusehen. Mein erster Trip Anfang 2003 brachte mich zum Herstellungs-Ort der bekannten Kaltlichtkathoden. Hier schufteten ca. 100 Frauen an der Herstellung. Auch die Fabrik von Topower war nicht weit und dort das gleiche Schauspiel. Man könnte eigentlich statt „Made in China“ lieber „Handmade in China“ schreiben...

Ein wenig später im Jahre 2003 machte ich mich auf nach Shanghai zur Cebit Asia, um mich dort mit Yeong Yang zu treffen. Yeong Yang betreibt eine Fabrik im nicht weit entfernten Ningbo, welches ich in einer halben Stunde Flugzeit erreichte. Dort wieder das gleiche Bild wie in Shenzhen: hunderte von Beschäftigten, die im Zweischicht-System 24 Stunden arbeiteten. Gegenüber von Yeong Yangs Fabrik war Gigabyte mit einer Mainboard-Fabrik für den chinesischen Raum angesiedelt. Einen Besuch in diesen Hallen konnte ich mir natürlich nicht verkneifen. Dies sind die „Big Player“ im Business. Dass es auch ganz anders geht, stellt man zurück in Taiwan schnell fest.

Accessoires zum Beispiel werden von kleineren Firmen in kleineren Mengen hergestellt. Lüftersteuerungen, Kühlkörper oder Lichteffekte entstehen nicht selten in kleinen Garagenfabriken auf den Straßen von Taipei. Nehmen wir das Beispiel Windowkits. Diese werden in tausenden von Mutter Beimar in der Nebenstraße verpackt und an die „Herstellerfirma“ zurück geschickt.
Leben in der Inselrepublik
Taiwanesen sind schon ein lustiges Völkchen. In Taiwan zu leben kann manchmal recht witzig sein, scheitert dann aber an den simpelsten Dingen wie Essen zu bestellen. Taiwanesen sind sehr freundlich, liegt an guten Schauspielfähigkeiten. Es gibt fast keinen der irgendwann mal Nein zu einem sagt. Genervt nimmt man jede Anfrage oder Bitte an.

Männer in Taiwan sind in der Regel auf ganze zwei Dinge fixiert: Geld und Frauen. Man wird immer wieder in so genannte KTVs eingeladen. KTVs sind Läden, wo man singen und sonstigen Spaß haben kann. Getrunken wird bis man umfällt. Das kann eine Zeit lang recht spaßig sein.

Was in Taiwan nicht so spaßig ist sind die Naturgewalten. Erdbeben oder Taifune suchen die Insel immer wieder heim. Es vergeht kein Tag in Taiwan, an dem es nicht ein wenig „schunkelt“. In zwei Jahren konnte ich an die 10 mittlerer Erdbeben miterleben. Größere Taifune werden sich in der gleichen Größenordnung gehalten haben. Erdbeben im 25. Stock machen am meisten Spaß.



Berufliche Veränderung hat mich nun dazu bewegt meinen Posten im Reich der Hardware aufzugeben. Nun werde ich also nach 2 Jahren wieder nach Deutschland zurückkehren. Taiwan ist trotz alledem eine sehr schöne Insel und hat neben Herstellern der PC Industrie noch eine ganze Menge Natur zu bieten.