Mit dem heutigen Artikel möchten wir die alte Tradition wiederbeleben, Informationen aus unseren Netzteiltests in einem jährlichen Ratgeber zusammenzutragen. Damit soll erreicht werden, dass alle Leser, die den einen oder anderen Test verpasst haben, einen kompakten Einkaufsführer erhalten. Hierbei stellen wir in einer kurzen Übersicht die empfehlenswerten Produkte für verschiedene Leistungsklassen vor. Herangezogen werden die bisher getesteten PC-Netzteile aus 2012, womit Modelle aus älteren Artikeln oder Geräte, die der Redaktion bislang nicht vorlagen, keine Berücksichtigung finden. Das kann an einigen Stellen dazu führen, dass wir nur ältere Baureihen betrachten, die aber nach wie vor eine geeignete Wahl sind. Gerade im Jahr 2012 hat sich nämlich herausgestellt, dass in vielen Bereichen kein Fortschritt zu erwarten ist. Im unteren Preisbereich der A-Marken werden in regelmäßigen Abständen neue 80-PLUS-Bronze-Netzteile auf den Markt geworfen, um inhaltlich identische Produkte zu ersetzen. Veraltete Netzteile gibt es in diesem Sinne also nicht, wenn ein Anbieter das immer gleiche PCB-Design von demselben Hersteller in ein neues Gehäuse packt. Trends wie die hohe Belastbarkeit auf +12 V oder die aktive Leistungsfaktorkorrektur sind schon lange ein Bestandteil der gängigen Markenware. Ein wirklicher Bedarf für Neuheiten besteht also nicht. Wie unsere beiden Roundups (
1,
2) gezeigt haben, gibt es trotzdem noch viele Billignetzteile. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass neben falschen und ungenauen Leistungsangaben auf elementare Schaltungen wie PFC komplett verzichtet wird. Der Jahresanfang wurde dafür von einigen interessanten Produkten geprägt. Hierzu zählten etwa eine
Spezialedition von PC Games Hardware, ein
80-PLUS-Gold-Netzteil im SFX-Format oder das passiv gekühlte
500-W-Netzteil von Silentmaxx. Hinzu kam erst kürzlich ein Artikel über das
OEM-Netzteil GHN von FSP. Die empfehlenswertesten Produkte aus 2012 zeigen wir nun.
Die besten Netzteile aus 2012
- 300 bis 400 W
Gerade den niedrigeren Leistungsbereich haben wir in den vergangenen Monaten häufiger abgedeckt, woraus bereits zahlreiche Empfehlungen hervorgehen. Hierzu zählt auch das
LC Power Silver Shield 300 W (
Preisvergleich), was angesichts der Kenndaten kaum verwundert. Hierbei handelt es sich zweifelsohne um das erste vermarktete 300-W-Netzteil mit 80 PLUS Silver, welches bereits bei 10 % Last einen Wirkungsgrad von 81,55 % erreichte. Mit 40 cm Länge bei den Leitungen für die Mainboardstecker ist das Netzteil ideal für kompakte HTPCs geeignet. Lediglich das Crossload-Verhalten und ein hörbares Zirpen bei hoher Last sind zu kritisieren.
Auch bei anderen Herstellern musste man nicht lange auf Netzteile mit einer "3" vorne warten. Das
Seasonic G-360 360 W (
Preisvergleich) ist als Hybrid aus der X-Series und den M12II zu verstehen. Von ersteren wurden der Wandlertyp und damit das 80-PLUS-Gold-Zertifikat übernommen. Von letzteren ist vor allem das Gehäuse samt teilmodularen Steckern übrig geblieben. Leider wurde dabei auch das Kugellager von ADDA übernommen, welches mit einem Klackern auf sich aufmerksam machte. Dennoch beeindruckte das Gerät mit seiner sehr geringen Restwelligkeit und Rauschspannung von nur 34 mV in der Spitze. Mit längeren Leitungen als LC Power ist das G-360 vor allem für ATX-Gehäuse gedacht. Wegen dem etwas höheren Wirkungsgrad und 60 W mehr Leistung muss dafür auch tiefer in die Tasche gegriffen werden.
Mit dem
Enermax Triathlor 385 W (
Preisvergleich) führt der Hersteller ein sehr konventionell wirkendes Netzteil ins Feld. 80 PLUS Bronze zählt heute nicht mehr zu den beeindruckenden Eigenschaften, zumal lediglich ein Grafikkartenstecker vorhanden ist. Was das Netzteil überzeugen lässt, sind vor allem Kleinigkeiten wie die gut verarbeitete Elektronik, überwiegend japanische Kondensatoren und der hauseigene Lüfter mit Twister-Lager. Damit ist das Netzteil insgesamt leiser als die beiden anderen Empfehlungen in diesem Leistungsbereich. Hinzu kommt, dass Enermax hier bereits auf Abwärtswandler für 3,3 V und +5 V setzt, was bei Bronze-Netzteilen eher ungewöhnlich ist. Damit erreicht Enermax eine gute Spannungsregelung bei Crossload-Szenarien. Außerdem sind sämtliche vorstellbaren Schutzschaltungen vorhanden. Genau wie Seasonic zielt Enermax auf große Gehäuse ab. Wer allerdings eine leistungsstärkere GPU verbauen möchte, muss beim PCIe-Anschluss auf einen Adapter zurückgreifen.
- 400 bis 600 W
Ab 400 W ist vor allem das
Super Flower Golden Green Pro 400 W (
Preisvergleich) zu nennen, welches schaltungstechnisch auf dem Niveau von Seasonic agiert, dabei aber wirklich durchgehend auf japanische Kondensatoren setzt und neben sehr langen Leitungssträngen auch noch zwei PCIe-Stecker bietet. Ausgezeichnet ist die geringe Lautstärke bei fast allen Lasten und der hohe Wirkungsgrad (80 PLUS Gold). Dass Super Flower auf einen Überstromschutz verzichtet, zählt dagegen zu den weniger rühmlichen Eigenschaften. Das ist bei 400 W allerdings weniger dramatisch als bei den leistungsstärkeren Varianten, wo deutlich höhere Ströme fließen. Mit den langen Leitungen und den beiden Grafikkartenanschlüssen können wir das Golden Green Pro vor allem für Spiele-PCs in größeren Gehäusen empfehlen. Gerade den Strang mit dem CPU-Stecker zu verlegen, wird bei 60 cm deutlich einfacher als bei den anderen Kandidaten.
Das aus unserem Roundup bekannte
Corsair CX430 V2 430 W (
Preisvergleich) konnte sich abgesehen von den kürzeren Leitungen immerhin gegen ein vergleichbares Angebot von Thermaltake durchsetzen (von Inter-Tech ganz zu schweigen). Während das Crossload-Verhalten eher schlecht ausfiel und 80 PLUS kein herausragendes Merkmal ist, gefallen vor allem die sehr niedrige Restwelligkeit und die sechs SATA-Anschlüsse. Zu beachten ist auch, dass Corsair zumindest bei 230 V fast 85 % Wirkungsgrad erreichen konnte und damit sein Standard-Zertifikat mehr als ausfüllt. Auch bei diesem Modell müssen wir allerdings kritisieren, dass lediglich ein Grafikkartenstecker zur Verfügung steht. Gemessen an den niedrigen Marktpreisen können wir das Netzteil praktisch jedem empfehlen, der für seinen moderat leistungsstarken PC eine günstige Lösung sucht.
Eine der erfolgreichsten deutschen Marken darf selbstverständlich nicht in dieser Übersicht fehlen. Mit dem
be quiet! Straight Power E9 CM 580 W (
Preisvergleich) erhält der Kunde ein sehr leises Netzteil, was vor allem am Lüfter von Protechnic liegt. Dank "active clamp" erreicht das Modell den Status 80-PLUS-Gold problemlos. Der Hersteller FSP hat nicht zuletzt alle bekannten Schutzschaltungen integriert, wobei ausgerechnet der Berührschutz leidet. Das liegt an dem von be quiet! eingesetzen Lüftergitter, welches sich sehr einfach biegen lässt. Zu kritisieren ist auch das schlechte Ergebnis beim Crossload-Test. Bei dem Gerät handelt es sich um unsere erste Empfehlung mit teilmodularen Anschlüssen, was angesichts der Steckeranzahl auch Sinn macht. Wirklich beeindruckend ist der Wirkungsgrad bei 10 % Last (86,49 %), womit sich das Netzteil prinzipiell auch in leistungsschwachen Computern einsetzen lässt. Mit mindestens 55 cm langen Strängen und vielen SATA-Steckern ist das E9 aber eher als Allrounder zu sehen, der in Multimedia-PCs oder Rechnern mit High-End-Grafikkarten zum Einsatz kommt. Gerade Modder, die ihr System in Sachen Lautstärke optimieren, werden sich über das Straight Power freuen.
- 600 W und höher
Im höheren Leistungsbereich sind unsere Empfehlungen bereits etwas ausgedünnt, da wir uns in der letzten Zeit sehr auf Angebote für "durchschnittliche" PCs fokussiert haben. Das
Lepa G 650 W (
Preisvergleich) verfügt über ein teilmodulares Anschlusssystem mit flachen Leitungssträngen. Lediglich die fest integrierten Leitungen sind noch klassisch ummantelt. Ein größerer Kritikpunkt ist der günstige Lüfter von Yate Loon, wobei wir hinzufügen müssen, dass dieser überhaupt erst bei einer bestimmten Temperatur anläuft. Lepa erfüllt die Anforderungen für 80 PLUS Gold und überzeugt mit einer Restwelligkeit und Rauschspannung um 30 mV in der Spitze. Eine Alternative zu be quiet! bildet das G vor allem deshalb, weil der Hersteller CWT mit den Abwärtswandlern für +3,3 V und +5 V die Spannungsregulation verbessert. Wer schon viel Geld in leistungsstarke Komponenten gesteckt hat und daher ein vergleichsweise günstiges Netzteil mit hoher Effizienz kaufen möchte, kann hier zugreifen.
Beim
Seasonic Platinum 860 W (
Preisvergleich) ist der Name Programm. Mit 80 PLUS Platinum zählt das Netzteil zu den effizientesten am Markt. Das vollmodulare Stecker-Panel bietet zahlreiche Anschlussmöglichkeiten. Sowohl die Platine als auch die Lüfterblätter sind herausragend verarbeitet, zumal sich mittels Kippschalter zwischen einem semi-passiven und einem aktiven Lüfterbetrieb umschalten lässt. Elf SATA- und acht HDD-Anschlüsse lassen viel Spielraum für Erweiterungen. Seasonic bietet die geringste Restwelligkeit und Rauschspannung im gesamten Testfeld, womit das Netzteil vor allem qualitativ überzeugt. Das lässt sich der Hersteller aber auch gut bezahlen, weshalb das Modell vor allem für Enthusiasten gedacht ist, die ihre CPU mit Stickstoffkühlung übertakten und die Leitungen durch einen BigTower verlegen müssen. Wer in fast allen Kategorien die beste Lösung haben möchte, kommt um Seasonic kaum herum.
In 2012 wurde abgesehen von einem Kurztest lediglich ein Netzteil ab 1000 W getestet, das
Antec HCP-1000 Platinum 1000 W (
Preisvergleich), welches leider kaum noch verfügbar ist, aber dennoch erwähnt werden sollte. Die wenigen Käufer, die ein solches Modell für besondere Projekte benötigen, können noch einzelne Exemplare bei Amazon erstehen. In dem für Enthustiasten interessanten Bereich darf Antec nicht fehlen, da neben 80 PLUS Platinum und einem vollmodularen Steckersystem eine herausragende Lötqualität geboten wird. Mit sechs PCIe-Steckern lassen sich auch Triple-SLI- und vergleichbare AMD-Konfigurationen umsetzen, wobei die Steckerausstattung in Sachen Peripherie nicht besser als bei Seasonic ausfällt. Mit zwei Mainboard-Steckern ist das HCP genau wie das Platinum von Seasonic für Server-Mainboards mit zwei CPUs geeignet. In Sachen Zuverlässigkeit werden die entsprechenden Erwartungen für Server ebenfalls erfüllt, da das HCP entgegen dem aktuellen Trend über mehrere kleine +12-V-Ausgänge verfügt und eine sehr niedrige Restwelligkeit und Rauschspannung aufweist. Für Einsätze im professionellen Umfeld ist das Antec damit bestens geeignet, wenn das nötige Geld zur Verfügung steht.
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