AMD erweitert das Portfolio im Embedded-Segment

Der Embed­ded-Markt ist tra­di­tio­nell für den End­kun­den eher unsicht­bar, obwohl hier ein nicht zu unter­schät­zen­des Markt­po­ten­zi­al schlum­mert. Medi­zi­ni­sche Gerä­te, Auto­ma­ti­sie­run­gen und Werk­zeug­ma­schi­nen set­zen unter ande­rem auf die­se Gerä­te. Der aktu­el­le Trend der Indus­trie, sich mit dem The­ma “Inter­net der Dinge”/“Industrie 4.0” zu beschäf­ti­gen, sorgt zudem für eini­gen Schub. Nach­dem AMD nun für eini­ge Zeit eher vom Enga­ge­ment in den auf­stre­ben­den Märk­ten gespro­chen hat­te, war die Erobe­rung gro­ßer Markt­an­tei­le im Embed­ded-Bereich eine gro­ße Mel­dung.

Zur der­zeit statt­fin­den­den Embed­ded World hat der klei­ne x86-Rie­se die Erwei­te­rung des Port­fo­li­os bekannt­ge­ge­ben. Das Ziel ist, ein grö­ße­res Spek­trum an Anfor­de­run­gen sei­tens der Kun­den zu befrie­di­gen und gleich­zei­tig die Hard- und Soft­ware-Part­ner bei der Ent­wick­lungs­ar­beit zu ent­las­ten. Die neu­en Pro­duk­te der G-Serie sind Pin-kom­pa­ti­bel zu bekann­ten Pro­duk­ten, im Ein­zel­fall sind zur Imple­men­tie­rung gering­fü­gi­ge Anpas­sun­gen des BIOS not­wen­dig. Wei­ter­hin ist es die Stra­te­gie AMDs, mit den neu­en SoCs (Sys­tem on a Chip) die Sys­te­me für zukünf­ti­ge Anfor­de­run­gen wie etwa Vir­tu­al-Rea­li­ty-Anwen­dun­gen zu wapp­nen. Die Inte­gra­ti­on aktu­el­ler Hard­ware-Deko­der für Mul­ti­me­dia-Inhal­te spielt eben­falls eine gro­ße Rol­le.

Ange­kün­digt sind ins­ge­samt drei neue G-Serie-Klas­sen. Die Pro­duk­te spre­chen unter­schied­li­che Leis­tungs-, Abwär­me- und Preis­be­rei­che an. Nament­lich wird es sich um die LX-Fami­lie, die I-Fami­lie und die J-Fami­lie han­deln.

Die LX-Fami­lie run­det das Port­fo­lio nach unten ab und tritt als kos­ten­op­ti­mier­te Vari­an­te in die preis­li­che Kon­kur­renz zu 32-Bit-ARM-Pro­zes­so­ren. Mit zwei Jaguar+-Kernen und einer GCN-Com­pu­te-Unit (64 Stream­pro­zes­so­ren) soll auf dem Sockel FT3b ein TDP-Bereich von 6 bis 15 Watt abdeckt wer­den. Der Spei­cher wird wei­ter­hin im Sin­gle-Chan­nel-Modus betrie­ben. Die GPU der neu­en LX-Pro­zes­so­ren wird unter dem Label Rade­on R1E ver­trie­ben.

Modell CPU-Ker­ne CPU-Takt [GHz] L2-Cache Com­pu­te Units GPU-Takt [MHz] max. Spei­cher­takt ECC Tem­pe­ra­tur-bereich [°C] TDP [Watt]
GX-208JL 2 0,8 1 MB 1 267 DDR3-1333 ja 0 bis +90 < 6
GX-210JL 2 1,0 1 MB 1 267 DDR3-1333 ja 0 bis +90 6
GX-210JC 2 1,0 1 MB (2) 267 DDR3-1600 ja -40 bis +105 6
GX-212JC 2 1,2 1 MB (2) 300 DDR3-1333 ja 0 bis +90 6
GX-210JA 2 1,0 1 MB (2) 225 DDR3-1066 ja 0 bis +90 6
GX-209HA 2 1,0 1 MB (2) 225 DDR3-1066 ja -40 bis +105 9
GX-210HA 2 1,0 1 MB (2) 300 DDR3-1333 ja 0 bis +90 9
GX-216HC 2 1,6 1 MB (2) 300 DDR3-1066 ja -40 bis +105 10
GX-215GL 2 1,5 1 MB 1 497 DDR3-1600 ja 0 bis +90 15
GX-218GL 2 1,8 1 MB 1 497 DDR3-1600 ja 0 bis +90 15
GX-222GC 2 2,2 1 MB (2) 655 DDR3-1600 ja 0 bis +90 15
GX-217GA 2 1,65 1 MB (2) 450 DDR3-1600 ja 0 bis +90 15

Die I- und J-Fami­lie, die eben­falls der G-Serie zuge­ord­net wer­den, basie­ren nicht auf den Jagu­ar-Ker­nen, son­dern set­zen auf Exca­va­tor-Ker­ne. Die­se sind bereits von den Con­su­mer-Pro­duk­ten mit dem Code­na­men Car­ri­zo her bekannt und wer­den aktu­ell im Embed­ded-Seg­ment in der R-Serie (2. Gene­ra­ti­on) ein­ge­setzt.

Die Pro­zes­so­ren der I- und J-Fami­lie sind Pin-kom­pa­ti­bel zu den bekann­ten Pro­duk­ten der R-Serie mit dem Sockel FP4. Die rela­tiv gerin­ge Anzahl an x86-Ker­nen/­Threads soll durch höhe­re CPU-Takt­ra­ten kom­pen­siert wer­den. In der Sum­me sol­len die bei­den Fami­li­en im Paket auf­grund einer stär­ke­ren iGPU eine höhe­re Gesamt­re­chen­leis­tung gegen­über der LX-Fami­lie bie­ten.

Der größ­te Unter­schied zwi­schen den bei­den Fami­li­en ist die Aus­füh­rung des Spei­cher­in­ter­faces. Wäh­rend die I-Fami­lie mit einem gewohn­ten Dual-Chan­nel-Inter­face samt ECC (Feh­ler­kor­rek­tur­ver­fah­ren) aus­ge­stat­tet ist und als Lösung für Mul­ti­me­dia- und Com­pu­te-Anwen­dun­gen ver­mark­tet wird, muss sich die J-Fami­lie mit Abstri­chen begnü­gen. Es steht nur ein Spei­cher­ka­nal zur Ver­fü­gung (Sin­gle Chan­nel), der kein ECC bie­tet. AMD begrün­det die­sen Schritt als Maß­nah­me zur Opti­mie­rung der Leis­tungs­auf­nah­me. Um Nach­tei­le in der Spei­cher­band­brei­te zu kom­pen­sie­ren, erlaubt die J-Fami­lie einen höhe­ren DDR3-Spei­cher­takt.

Sowohl die I- als auch J-Fami­lie kommt mit einem H.265-Hardwaredekoder daher. Obwohl die J-Fami­lie die ver­meint­lich schlech­te­re Aus­gangs­po­si­ti­on hat, bekommt die­se eine 10-Bit-Kom­pa­ti­bi­li­tät spen­diert. Hier­durch erge­ben sich klei­ne­re Ände­run­gen bei der Video­en­gi­ne, die von den Ent­wick­lern BIOS-sei­tig abge­bil­det wer­den müs­sen.

Modell CPU-Ker­ne (x86) CPU-Takt (Basis/Turbo; [GHz]) L2-Cache Com­pu­te Units GPU-Takt
[MHz]
max. Spei­cher­takt Sin­gle-/Du­al-Chan­nel ECC cTDP-Bereich [Watt]
GX-217GI 2 1,7 / 2,0 1 MB 4 758 DDR4/
DDR3-1600
Dual ja 12 bis 15
GX-2xxGJ 2 1,8 / 2,2 1 MB 2 600 DDR4/
DDR3-1866
Sin­gle nein 8 bis 10
GX-2xxGJ 2 2,4 / 2,8 1 MB 2 686 DDR4/
DDR3-1866
Sin­gle nein 10 bis 15
RX-225FB 2 2,2 / 3,0 1 MB 3 464–533 DDR3-1600 Dual ja 15 bis 17
RX-425BB 4 2,5 / 3,4 4 MB 6 576–654 DDR3-1866 Dual ja 30 bis 35
RX-427BB 4 2,7 / 3,6 4 MB 8 600–686 DDR3-2133 Dual ja 30 bis 35

Als Aus­bau der I-Fami­lie plant AMD mög­li­cher­wei­se die Ver­öf­fent­li­chung von Pro­zes­so­ren, die für einen erwei­ter­ten Tem­pe­ra­tur­be­reich (z.B. -40 bis +105 °C) geeig­net sind. Bis jetzt wird für alle Pro­zes­so­ren der I- und J-Fami­lie Ein­satz­be­reich zwi­schen 0 und 90 °C ver­an­schlagt.

Wie schon von vor­he­ri­gen Pro­duk­ten bekannt, ver­spricht AMD eine Lang­zeit­ver­füg­bar­keit der vor­ge­stell­ten Pro­duk­te von 10 Jah­ren. Mit den Geo­de-Pro­zes­so­ren, die seit nun­mehr über 10 Jah­ren von AMD ver­kauft wer­den, soll­te man an die­sem Ver­spre­chen nicht zwei­feln müs­sen. Die Pfle­ge bereits bekann­ter Sockel durch den Her­stel­ler dürf­te zudem eini­ge Ent­wick­ler zufrie­den­stel­len, da so der Engi­nee­ring-Auf­wand mini­miert wird.

Die bal­di­ge Ver­füg­bar­keit der Pro­duk­te ist von AMD ange­kün­digt. Im März sol­len die ers­ten LX-Pro­zes­so­ren die Kun­den errei­chen, mit fer­ti­gen Pro­duk­ten kann im zwei­ten Quar­tal die­ses Jah­res gerech­net wer­den. Die I- und J-Fami­lie sol­len eben­falls schon bereit sein und eini­ge OEMs sol­len bereits fer­ti­ge Pro­duk­te in der Pipe­line haben.

Quel­le: AMD