AMD: Neuer Chipsatztreiber und neues AGESA Combo-AM4 1.0.0.3abb sollen Probleme beheben

Wie am Sams­tag ange­kün­digt, hat AMD Stel­lung zu eini­gen Pro­ble­men mit den neu­en Ryzen der drit­ten Genera­ti­on — Ryzen 3000 (“Matis­se”) — bezo­gen und in die­sem Zug einen neu­en Chip­satz­trei­ber mit ange­pass­tem Ener­gie­spar­plan und eine neue Ver­si­on des Ryzen-Mas­ter-Tools ver­öf­fent­licht. Außer­dem wur­den neue BIOS-Ver­sio­nen auf Basis des AGESA Com­bo-AM4 1.0.0.3abb ange­kün­digt.

In einem Blog­ein­trag ist AMD auf eini­ge Pro­ble­me ein­ge­gan­gen und stellt fest:

Wir haben das Pro­blem dia­gnos­ti­ziert und beho­ben, das dazu führ­te, dass Soft­ware-Über­wa­chungs­tools mit AMD Ryzen-Pro­zes­so­ren der 3. Genera­ti­on und dem Windows®-Update vom 10. Mai 2019 hohe Span­nun­gen und Takt­ra­ten auf dem Desk­top mel­de­ten.

Unse­re Ana­ly­se zeigt, dass bestimm­te belieb­te Soft­ware, die all­ge­mein als Anwen­dun­gen mit „gerin­ger CPU-Aus­las­tung“ ein­ge­stuft wer­den, häu­fig an den Pro­zes­sor indi­rek­te Anfor­de­run­gen nach der höchs­ten Leis­tung und dem höchs­ten Strom­ver­brauch stel­len.

Die drit­te Genera­ti­on von Ryzen ist so kon­zi­piert, dass sie extrem auf Anfra­gen nach höhe­rer Leis­tung reagiert. Dies hat zu einem anor­ma­len Ver­hal­ten geführt, das bei hohen Span­nun­gen und Takt­ra­ten in Über­wa­chungs­tools zu beob­ach­ten ist.

Unse­re Lösung besteht dar­in, den “AMD Ryzen Balan­ced” Ener­gie­spar­plan anzu­pas­sen, um die­se Fäl­le bei gerin­ger Aus­las­tung zu behe­ben, ohne die Fähig­keit des Pro­zes­sors zu ändern, auf anhal­ten­de Arbeits­las­ten wie Spie­le und die Erstel­lung von Inhal­ten zu reagie­ren.

 

In zwei Dia­gram­men ver­sucht AMD die Ände­run­gen durch den neu­en Ener­gie­spar­plan zu erklä­ren.

Das erst Dia­gramm zeigt eine Zeit­span­ne von 283 ms (von a bis b im Dia­gramm). Die Aus­schlä­ge zei­gen das Ver­hal­ten des Pro­zes­sors.
Die Span­nung springt schnell zwi­schen 1,072 V und 1,464 V — dut­zen­de Male in nur einer Vier­tel­se­kun­de. Die Desk­top­an­wen­dun­gen (Chat, Brow­ser, Game Laun­cher), die auf die­sem Sys­tem aus­ge­führt wer­den, stel­len gemein­sam schnel­le Anfra­gen nach Boosts und Leer­lauf.

Ver­hal­ten mit altem Ener­gie­spar­plan

Das zwei­te Dia­gramm zeigt das Ver­hal­ten mit dem neu­en Ener­gie­plan und die­sel­be Zeit­span­ne von 283-ms-Zeit­fens­ter. Die erwar­te­ten 1,464-V-Spitzen hal­ten jetzt nur noch etwa 25 ms an, was dar­auf hin­deu­tet, dass es eine kur­ze und stoß­wei­se Arbeits­be­las­tung gab, die danach been­det wur­de und dann den Leer­lauf erlaubt.

Außer­dem kann man beob­ach­ten, dass die Span­nung teil­wei­se auf bis zu 168 mV absinkt, was laut AMD dar­auf hin­deu­tet, dass der Pro­zes­sor Power Gating betreibt — also bestimm­te nicht genutz­te Berei­che kom­plett abschal­tet. 

Und am wich­tigs­ten sei es, dass bei 1,072 V die all­ge­mei­ne Betriebs­span­nung ange­zeigt wird, was dar­auf hin­deu­tet, dass die Ker­ne wach sind, aber mit leich­ten Last­zu­stän­den umge­hen kön­nen. 

Ver­hal­ten mit neu­em Ener­gie­spar­plan

Außer­dem hat AMD noch ein­mal fol­gen­de Punk­te zusam­men­ge­fasst, die man bei Ryzen 3000 erwar­ten soll bzw. kann:

WAS SIE VON IHREM PROZESSOR ERWARTEN KÖNNEN

Benut­zer von Pro­zes­so­ren der dritt­ten Genera­ti­on AMD Ryzen™ soll­ten von ihrem Pro­zes­sor fol­gen­des Ver­hal­ten erwar­ten nach­dem der neue Ener­gie­spar­plan ver­wen­det wird:

1. Wenn ein Pro­zes­sor­kern aktiv eine bedarfs­ar­me Arbeits­last aus­führt, sehen Sie den Chip bei
ca. 99% des Basistak­tes und einer Kern­span­nung bis zu 1,2V. Eine ord­nungs­ge­mäß funk­tio­nie­ren­des Über­wa­chungs­tool soll­te immer Wer­te anzei­gen, die hier gebün­delt sind, es sei denn.….

2. Wenn ein Pro­zes­sor­kern wirk­lich ohne Workload läuft, wird der Pro­zes­sor­kern in den “Core C6” (CC6) Power Gate Ruhe­zu­stand gesetzt. Der­zeit ist AMD Ryzen Mas­ter das ein­zi­ge Tool, das dies die­sen CC6-Zustand zei­gen kann. Die­ser Zustand kann oppor­tu­nis­tisch enga­giert sein, hun­der­te von Malen.pro Sekun­de. Die Span­nun­gen in die­sem Zustand kön­nen bis zu 0,200V und die Takt­fre­quen­zen bis hin­un­ter zu 0 MHz rei­chen.
a. Rand­be­mer­kung: Es ist auch mög­lich, dass sich alle Ker­ne in CC6 befin­den. In die­sem Fall kann der Pro­zes­sor selek­ti­ve Un-Core Berei­che ganz abschal­ten und  in einen noch tie­fe­ren Zustand schal­ten, der als Paket C6 (PC6) bezeich­net wird.

3. Sofern ein Über­wa­chungs­tool nicht in der Lage ist, den CC6-Schlaf­zu­stand zu unter­su­chen und zu mel­den, kann das Tool ein­fach die letz­te Span­nung und Takt­fre­quenz, die vor dem Ruhe­zu­stand des Pro­zes­sors beob­ach­tet wur­de, mel­den. Dies kann die Illu­si­on erwe­cken, dass die CPU “fest­steckt”, was inter­es­sant sein kann, wenn die CPU
vom High Boost in den Ruhe­zu­stand wech­selt.
a. Rand­be­mer­kung: Das Abtas­ten des tie­fe­ren PC6-Zustan­des weckt den Pro­zes­sor und zer­stört die Ener­gie­spar­zu­stän­de. Ein Pro­zes­sor in PC6 wird von den Tools erst aktua­li­siert, wenn die Ker­ne “auf­ge­weckt” wur­den.

4. Lade­span­nun­gen bis zu ~1,5V sind zu erwar­ten, wenn der Pro­zes­sor wirk­lich unter einer bestimm­ten Last steht. Wir ver­ste­hen, dass dies ganz anders ist als das, was Sie mit ande­ren Pro­zes­so­ren erlebt haben, aber dies ist das nor­ma­le Ver­hal­ten für eine AMD Ryzen CPU.

5. Fre­quenz­an­he­bung kann und wird auf dem Desk­top statt­fin­den. Zur Unter­stüt­zung des Boost wird eine Span­nung benö­tigt. OS
Hin­ter­grund­auf­ga­ben und Auf­ga­ben, die tri­vi­al erschei­nen (z.B. Web­sei­ten mit aus­ge­präg­tem Java­script), kön­nen anspruchs­vol­ler sein, als man denkst. Selbst ein unge­nutz­ter Desk­top kann erheb­li­che Hin­ter­grund­auf­ga­ben haben.

6. Wenn Sie die Leis­tung an der Steck­do­se mes­sen (z.B. Kill-A-Watt Gerät), soll­te es einen klei­nen Unter­schied geben
zwi­schen dem Win­dows Balan­ced und dem aktua­li­sier­ten AMD Ryzen Balan­ced Power Plan. Bei der Aus­füh­rung
des neu­en AMD Ryzen Balan­ced Plans soll­ten Sie einen Strom­ver­brauch von ca. ±5W im Ver­gleich zum
Win­dows Balan­ced Plan fest­stel­len. In der Zwi­schen­zeit sind die  Ände­run­gen an unse­rem Plan bes­ser geeig­net, um Leis­tungs­fä­hig­keit der drit­ten Genera­ti­on Ryzen™ aus­zu­nut­zen.

7. Wir wis­sen, dass eini­ge Enthu­si­as­ten den Balan­ced Power Plan, der mit Win­dows 10 aus­ge­lie­fert wird, als tem­po­rä­ren Work­around für das in die­sem Blog beschrie­be­ne Fre­quenz-/Span­nungs­ver­hal­ten ver­wen­det haben. Die­ser Work­around ist nicht mehr erfor­der­lich.

8. Da die Tem­pe­ra­tur eine Funk­ti­on von Span­nung und Fre­quenz ist, soll­ten die Tem­pe­ra­tu­ren des Desk­top-Pro­zes­sors schritt­wei­se mit dem neu­en Plan zurück­ge­hen. Dies liegt dar­an, dass der Pro­zes­sor weni­ger Zeit auf­wen­den wird um ein nicht benö­tig­tes, erhöh­tes Span­nungs- und Fre­quenz­ziel zu errei­chen. Aber es ver­steht sich von selbst: jeder Pro­zes­sor wird tran­si­en­te Tem­pe­ra­tur­spit­zen sehen, wenn ein Boost ange­wen­det wur­de, um Workloads zu bewäl­ti­gen (z.B. ein Brow­ser mit vie­len Tabs).

9. Und eine mythoszer­stö­ren­de Bemer­kung: Benut­zer soll­ten nicht ver­su­chen, einen maxi­ma­len Pro­zes­sor­zu­stand von 99% in einem
benut­zer­de­fi­nier­ter Ener­gie­plan zu set­zen. Dies deak­ti­viert den Boost, indem der Pro­zes­sor auf den Basistakt­be­schränkt wird.

Schließ­lich wur­de noch die neue AGESA Com­bo-AM4 1.0.0.3abb Ver­si­on ange­kün­digt, die Pro­ble­me mit dem Star­ten von Desti­ny 2, eini­ger Linux-Dis­tri­bu­ti­on wegen sys­temd und die War­nun­gen “Event 17, WHEA-Log­ger” im Win­dows Event Log besei­ti­gen sol­len

AGESA Com­bo-AM4 1.0.0.3abb wird in Pro­duk­ti­ons-BIO­Sen erschei­nen, wenn die Main­board-Her­stel­ler ihre Qua­li­täts­prü­fung abge­schlos­sen haben, um Sta­bi­li­tät und Zuver­läs­sig­keit zu gewähr­leis­ten. Die­ser Pro­zess dau­ert in der Regel eini­ge Wochen.