AMD sieht sich mit einer Sammelklage wegen Llano konfrontiert

In den USA ist eine Sam­mel­kla­ge gegen AMD zuge­las­sen wor­den. Grund ist die Markt­ein­füh­rung der APU-Serie Lla­no in der Peri­ode 2010–2012. Inves­to­ren wer­fen AMD, nament­lich genannt Rory P. Read, Tho­mas J. Sei­fert, Richard (Rick) A. Berg­man und Dr. Lisa T. Su, vor, bei offi­zi­el­len Ver­an­stal­tun­gen (Ear­ning Calls, Finan­cial Ana­lyst Day u.a.) fal­sche oder irre­füh­ren­de Anga­ben zur damals ange­kün­dig­ten APU-Serie Lla­no getä­tigt und daher erheb­li­chen Scha­den ver­ur­sacht zu haben. Die Kla­ge­schrift stammt bereits aus dem Jahr 2014, aller­dings ist der Fall erst jetzt zuge­las­sen wor­den.

AMDs dama­li­ge Fusi­on-Stra­te­gie sah vor, CPU und GPU zu einer APU zu ver­hei­ra­ten. Das ist auch gelun­gen, schließ­lich sind bis auf die AM3+- und Ser­ver-Pro­zes­so­ren alle heu­ti­gen AMD-Haupt­pro­zes­so­ren APUs (auch die mit deak­ti­vier­ter Gra­fik-Ein­heit wie bespiels­wei­se der Ath­lon X4 845). Die Ein­füh­rung ver­lief jedoch alles ande­re als rei­bungs­los. Wäh­rend die ers­te APU-Imple­men­tie­rung eigent­lich Lla­no 2010 hät­te wer­den sol­len, eine K10-CPU zusam­men mit einer Direc­tX-11-GPU in einem Die, muss­ten wegen Pro­duk­ti­ons­schwie­rig­kei­ten mit dem 32-nm-Pro­zess bei Glo­bal­Found­ries die klei­nen Bra­zos-APUs Onta­rio und Zaca­te für Net­books und Sub-Note­books vor­ge­zo­gen wer­den, die noch in 40-nm-Struk­tu­ren extern pro­du­ziert wur­den. Es soll­te schließ­lich bis Mit­te 2011 dau­ern, ehe Lla­no end­lich vor­ge­stellt wer­den konn­te und bis Ende 2011, ehe man die APUs auch tat­säch­lich im frei­en Markt kau­fen konnte.

Der Vor­wurf in der Sam­mel­kla­ge lau­tet nun, dass die AMD-Ver­ant­wort­li­chen all die­se Pro­ble­me zwar kann­ten, sie aber ver­schwie­gen oder viel zu spät kommun­ziert hät­ten. Stets sei von gro­ßer Nach­fra­ge und “game-chan­ger” im Zusam­men­hang mit Lla­no die Rede gewe­sen, und spä­tes­tens nach der Ver­schie­bung ins Jahr 2011 soll die Aus­beu­te bei der Pro­duk­ti­on, die sog. Yield-Rate, gut gewe­sen sein. Dies sei jedoch nicht zutref­fend gewe­sen. In Wahr­heit soll AMD die weni­gen Lla­no-APUs, die funk­ti­ons­fä­hig die Bän­der ver­lie­ßen, den gro­ßen OEMs zuge­schanzt haben, wäh­rend die “third par­ty dis­tri­bu­tors”, die klei­ne­re Sys­tem­in­te­gra­to­ren oder End­kun­den belie­fern, leer aus­ge­gan­gen sein sollen.

Als Fol­ge davon sol­len unzäh­li­ge Kom­po­nen­ten, wie etwa Main­boards, auf Hal­de geblie­ben sein. Und als AMD Lla­no end­lich an den “chan­nel” habe lie­fern wol­len und kön­nen, habe es kei­ne Nach­fra­ge mehr gege­ben, da inzwi­schen der Nach­fol­ger Tri­ni­ty ange­kün­digt wor­den sei, der auf einer ande­ren Platt­form lief, und zudem Haupt­kon­kur­rent Intel mit San­dy Bridge das einst als “game-chan­ging” ange­kün­dig­te Fusi­on-Kon­zept, CPU und GPU gemein­sam in ein Bau­teil zu inte­grie­ren, längst selbst rea­li­siert hat­te. Als Fol­ge davon sei­en Lager­be­stän­de im Wert von über 833 Mio. US-Dol­lar auf Hal­de geblie­ben, was den AMD-Akti­en­kurs nach­hal­tig belas­tet habe, kon­kret um knapp ‑74%. Zudem habe die AMD-Füh­rung die Pro­ble­me immer erst im Nach­hin­ein und häpp­chen­wei­se an die Öffent­lich­keit getra­gen und damit unter ande­rem gegen den Secu­ri­ties Exchan­ge Act of 1934 verstoßen.

Wer sich selbst ein Bild machen möch­te, kann in der Suchen-Funk­ti­on unse­res alten CMS die Stich­wör­ter “Lla­no”, “Fusi­on” oder “32 nm” bemü­hen und sich ins The­ma einlesen.

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