Polaris geht bei Ethereum die Luft aus – Entspannung im Handel?

Über die vertrackte Situation im Handel haben wir nun schon mehrfach berichtet. Seit einigen Wochen sind bestimmte AMD-Grafikkarten mit Polaris-GPUs praktisch nicht mehr zu bekommen. Egal welchen Preisvergleich man bemüht, die Karten sind ausverkauft. Und falls sich doch mal ein Exemplar in einen Laden oder auf eBay verirrt, ist der aufgerufene Preis dafür exorbitant.

Schuld an der Misere ist die starke Nachfrage nach diesen Grafikkarten aus der Miner-Szene, also von Anwendern, die mit Grafikkarten Kryptowährung schürfen. Früher wurden auch die einer breiteren Masse bekannten Bitcoins und Litecoins mit Grafikkarten geschürft. Dort ist die sogenannte Difficulty jedoch inzwischen so hoch, dass man mit GPUs keinen Blumentopf mehr gewinnt. Daher werden dafür mittlerweile hochspezialisierte, eigens dafür gebaute ASICs eingesetzt, um die letzten Bitcoins aus der endlichen Menge an möglichen Bitcoins noch gewinnen zu können.

Bei anderen Kryptowährungen wie Monero oder Ethereum wurde bereits bei der Entwicklung darauf geachtet, dass der Algorithmus möglichst nicht mit ASICs nachzubilden ist, sondern grundsätzlich General Purpose Hardware wie CPUs oder GPUs notwendig ist. Während Monero derzeit noch sehr gut mit CPUs geschürft werden kann, ist Ethereum eindeutig GPU-Land; genauer gesagt: AMD-GPU-Land. In Sachen Rohleistung waren die AMD-Grafikkarten der letzten Jahre den NVIDIA-Pendants praktisch durchgehend überlegen. Nur kam das nicht immer 1:1 als bessere Frameraten bei den Gamern an. Beim GPGPU-Computing dagegen, was Crypto-Mining ja ist, können die AMD-Grafikkarten ihre brachiale Rohleistung ausspielen. Das war zu Litecoin-Zeiten schon mit Tahiti so und ist jetzt bei Ethereum mit den aktuellen AMD-Boliden nicht anders.

Die Grafikkarten mit Polaris-10/20-GPUs waren bisher die Lieblinge der Miner, also Radeon RX 580, 570, 480 und 470, schließlich sind sie relativ preiswert, bieten eine hohe Rechenleistung und bleiben dabei noch relativ sparsam. Fiji- und Hawaii-GPUs sind auch sehr leistungsstark beim Minen, „verbrauchen“ aber ungleich mehr Strom. Daher kommt die extreme Knappheit der genannten Polaris-Karten auf dem Markt.

Doch das könnte sich nun ändern. Der Grundsatz aller Kryptowährungen ist, dass sie nicht in die Unendlichkeit geschürft werden können, sondern dass die Difficulty, also die Schwierigkeit, immer größer wird. Bei gleichbleibender Hashrate wird also immer weniger Kryptowährung errechnet. Das soll Inflation verhindern und im Gegenteil die Kurse nach oben treiben, da mit steigender Nachfrage nach immer mehr Einheiten einer Währung diese immer langsamer geschürft werden kann. Setzt sich eine Kryptowährung durch, sind dabei auf lange Sicht steigende Kurse praktisch garantiert.

An dieser Stelle kommt jedoch eine Besonderheit bei Ethereum zum Tragen: die DAG (directed acyclic graph) Dateigröße. Bei Legit Reviews ist aufgefallen, dass die Hashrates der Grafikkarten mit Polaris-10/20-GPU mit steigendem DAG enorm einbrechen:


Quelle: Legit Reviews

Wie man sieht werden alle Grafikkarten mit steigender DAG File Size langsamer. Keine jedoch trifft es so hart wie die derzeitigen Lieblinge der Miner, die Polaris-10/20-GPUs. Legit Reviews hat die Hashraten kommender DAGs simuliert. Bei DAG 199 (Anfang 2018 zu erwarten) schaffen die Polaris-GPUs nur noch gut die halbe Hashrate wie derzeit, wohingegen auf Hawaii basierende GPU oder die gesamte NVIDIA-Riege (auf niedrigerem Niveau) kaum einbrechen. Warum ausgerechnet Polaris-GPUs hier derart Federn lassen müssen, konnte noch nicht ermittelt werden. Legit Reviews hat den Entwickler der Claymore-Mining-Software befragt. Dieser sah sich außer Stande, softwareseitig, also an seinem Miner, gegenzusteuern. Eine Anfrage an AMD, ob treiberseitig Abhilfe geschaffen werden kann, ist noch offen.

Sofern hier keine Lösung gefunden wird, wird sich die Miner-Community demnach sehr bald einen neuen Liebling für das Schürfen von Ethereum suchen müssen; und genau das ist womöglich nicht die schlechteste Nachricht für „normale“ Anwender. Sobald sich das herumspricht, dürfte nicht nur die Nachfrage aus der Minerszene einbrechen, sondern auch unzählige gebrauchte Grafikkarten dieser Serie aus eben jener Gemeinde auf eBay und andere Marktplätze wandern, was auch die Preise wieder auf ein erträgliches Niveau senken sollte.