AMDs Vega der neue Star am Krypto-Mining-Himmel

Wir erinnern uns ans Frühjahr 2017: Plötzlich war der Grafikkarten-Markt wie leergefegt. Besonders betroffen waren Radeon-Grafikkarten der RX 470/480- und RX 570/580-Serie. Diese waren wochenlang so gut wie gar nicht zu bekommen und falls sich doch mal ein einzelnes Exemplar zu irgendeinem Händler verirrt hatte, wurden dafür Mondpreise aufgerufen. Selbst gebrauchte Grafikkarten der Vorgängerserien R9 290/390(X) wurden auf eBay teurer gehandelt, als sie ursprünglich mal neu gekostet hatten. Schuld daran war der Mining-Boom bei der Kryptowährung Ethereum. Im Gegensatz zu Bitcoin konnte Ethereum noch mit handelsüblichen Grafikkarten geschürft werden, und die Radeon-Karten mit GCN-Architektur eigneten sich besonders gut dafür.

Entsprechend gespannt war die Gemeinde, als mit Vega AMDs neueste Ausbaustufe auf den Markt kam. Doch zunächst machte sich Ernüchterung breit. Mit einer Ethereum-Hashrate von ca. 31 MH/s lag Vega nicht sehr weit vor beispielsweise einer alten R9 390X (30 MH/s), und auch bei Monero war die Leistung mit ca. 900 H/s verglichen z.B. mit einer Radeon RX 580 aus der Mittelklasse (630 H/s) enttäuschend. Doch anscheinend waren damals weder die Treiber, noch die Miner in irgendeiner Weise auf Vega optimiert.

Inzwischen gibt es von AMD einen auf Mining optimierten Blockchain-Treiber sowie speziell auf die Eigenheiten der Vega-Architektur optimierte Miner. Und seither ist Vega der neue Liebling der Krypto-Gemeinde, dieses Mal allerdings nicht bei Ethereum, sondern bei Monero. Mit der entsprechenden Software schafft Vega schon im Default-Zustand ca. 1700 H/s. Mit ein wenig Optimierung (GPU-Takt herunter, Speichertakt und Powertarget rauf) liefert Vega bei Monero oder anderen auf dem Cryptonight-Algorithmus basierenden Währungen (IntenseCoin, Sumokoin, Electroneum, B2B Coin, etc.) unglaubliche 2000 H/s. Zum Vergleich: eine NVIDIA GeForce GTX 1080 dümpelt hier bei ca. 500 H/s, denn eigentlich ist der Hash-Algorithmus – anders als bei den meisten anderen Coins – besonders gut für leistungsstarke CPUs geeignet, nicht für GPUs. Weitere Vergleichswerte gibt’s bei uns im Forum.

Entsprechend düster sieht es mit dem Preisgefüge Vegas auf dem Markt inzwischen wieder aus. Zum einen sind bisher nach wie vor nur Karten im AMD-Referenzdesign erhältlich. Die Partnerkarten – ursprünglich mal für Oktober angekündigt, inzwischen aber nicht vor Dezember zu erwarten – lassen noch auf sich warten, gerüchteweise, da derzeit Apple bevorzugt mit Vega-GPUs beliefert wird, damit der im Dezember startende iMac Pro mit Vega-GPU pünktlich starten kann. Die lieferbaren Vega-Karten sind zudem nach wie vor weit entfernt von den angepeilten unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers. Damals wurden 399 US-Dollar für die kleine RX Vega 56 ausgegeben, was beim aktuellen Wechselkurs inkl. Steuern ca. auch ziemlich genau 399 EUR ergibt. Die günstigste Karte zum Zeitpunkt dieser Meldung liegt jedoch bei saftigen 486 EUR. Etwas besser sieht es bei der großen RX Vega 64 aus, da diese beim Mining überraschenderweise keine wesentlichen Vorteile bietet. Hier sind UVP (499 EUR) und günstigste lieferbare Karte (539 EUR) nicht ganz so weit auseinander. Aber dennoch: normalerweise liegen die Straßenpreise deutlich unter der UVP.

Wie lange das noch so weitergehen wird, ist nicht abzusehen. Vermutlich so lange, wie der Markt der Kryptowährungen derart boomt. Just heute hat Bitcoin – immer noch die Referenzwährung – die Marke von 7000 EUR geknackt und auch die meisten Altcoins sind auf oder nahe ihrem Allzeithoch. Entsprechend hält die Goldgräberstimmung in der Mining-Community weiterhin an.