Kann AMD von Intels Lieferengpässen profitieren?

Nach­dem Intels Inte­rims-CEO gestern über die Maß­nah­men von Intel (wir berich­te­ten), mit denen man den momen­ta­nen Lie­fer­eng­päs­sen begeg­nen will infor­miert hat­te, war für die Bör­se klar: Das ist gut für Intel und schlecht für AMD. Die Akti­en von AMD gaben unmit­tel­bar nach der Ankün­di­gung Intels um über 8 Pro­zent nach und erhol­ten sich im Tages­ver­lauf nur lang­sam auf ein Minus von 5,22 Pro­zent. Doch ist AMD nicht trotz­dem in der Lage von der Situa­ti­on zu pro­fi­tie­ren?

AMD Kurs­ver­lauf am 28.09.2018 — Ankün­di­gung von Intel um 11 AM

Letzt­end­lich hat Intel nur ange­kün­digt, dass man sei­ne Inves­ti­ti­ons­aus­ga­ben in die “ver­al­te­te” 14-nm-Fer­ti­gungs­tech­nik um etwa 8 Pro­zent gegen­über der Pla­nung anhe­ben will, um auf den gestie­ge­nen Bedarf zu reagie­ren und um vor allem die eige­nen Umsatz­vor­aus­sa­gen für das gesam­te Jahr 2018 zu erfül­len. Letzt­end­lich ist nicht ganz klar, in wie weit sich Intel selbst in die Ver­le­gen­heit gebracht hat, nach­dem man die Volu­men­pro­duk­ti­on in der 10-nm-Fer­ti­gungs­tech­nik immer wie­der nach hin­ten ver­schie­ben muss­te. Denn klar ist, dass Intel viel eher geplant hat, mit der klei­ne­ren Fer­ti­gungs­tech­nik Volu­men zu pro­du­zie­ren und dann die 14nm-Kapa­zi­tä­ten für ande­re Pro­duk­te ein­set­zen woll­te oder wahr­schein­lich schon ein­ge­setzt hat.

So berich­te­te golem.de bereits vor zwei Wochen, dass das Apple-Modem für CPU-Knapp­heit bei Intel sor­gen könn­te, da die­se in der 14nm-Fer­ti­gungs­tech­nik bei Intel gefer­tigt wür­den.

Intels Part­ner, aber auch Dis­tri­bu­to­ren und Sys­tem­in­te­gra­to­ren war­nen seit Tagen, dass der CPU-Her­stel­ler mas­si­ve Lie­fer­eng­päs­se bei Pro­zes­so­ren und Chip­sät­zen hat. Asrock emp­fiehlt daher als Alter­na­ti­ve diver­se AMD-Platt­for­men, und HPE legt Kun­den nahe, doch Epyc- statt Xeon-CPUs zu kau­fen. Die Situa­ti­on wird durch die Ver­öf­fent­li­chung von App­les iPho­ne Xr sowie iPho­ne Xs (Max) zudem noch schlech­ter, da auch hier Chips ver­baut wer­den, die aus Intels über­las­te­ter 14-nm-Pro­duk­ti­on stam­men.

Zusätz­lich soll Apple bei den Spe­zi­fi­ka­tio­nen der neu­en Mac­Books, für die ein 10-mm-Pro­zes­sor von Intel vor­ge­se­hen war, auf einen 14nm Kaby Lake Pro­zes­sor Intels umge­schwenkt sein, was wei­te­re unge­plan­te Kapa­zi­tä­ten in Beschlag neh­men dürf­te.

Swit­ching CPUs isn’t necessa­ri­ly an easy pro­cess for Apple. The com­pa­ny famously designs small, tight­ly inte­gra­ted logic boards, bat­te­ries, and coo­ling sys­tems for its lap­tops, so increa­sing the size of a main chip would have a ripp­le effect across other inter­nal com­pon­ents. Unless Apple made the chas­sis thi­c­ker to accom­mo­da­te lar­ger com­pon­ents, the laptop’s over­all bat­te­ry and pro­ces­sor per­for­mance would likely have drop­ped as a con­se­quence of swit­ching to a lar­ger CPU.

Eini­ge Tage vor­her gab es bei Digi­ti­mes bereits Berich­te, dass Intel even­tu­ell Pro­duk­te sogar zu TSMC out­sour­cen könn­te, was sei­tens TSMC aber spä­ter demen­tiert wur­de. Letzt­end­lich hät­te das auch kei­nen Sinn gemacht, da man kurz­fris­ti­gen Bedarf so gar nicht hät­te decken kön­nen. Die Fra­ge ist jetzt ein­fach, wie hoch ist der Bedarf und kann ihn Intel auch nur annä­hernd decken. Aus­sa­gen von Indus­trie­ver­tre­tern, diver­se Medi­en­be­rich­te und Beob­ach­tun­gen bei Händ­lern las­sen dar­an zwei­feln und bie­ten eine güns­ti­ge Gele­gen­heit für AMD.

So bezwei­felt Mar­tin Wong,  Prä­si­dent und CEO von der tai­wa­ne­si­schen Fir­ma Com­pal  (einer der größ­ten Auf­trags­fer­ti­ger im PC- und beson­ders im Note­book-Bereich), dass sich die Situa­ti­on vor dem zwei­ten Halb­jahr ver­bes­sern wür­de. Ande­re Auf­trags­fer­ti­ger wie Wistron (ehe­mals Acer) haben bereits ihre Pro­gno­sen für das lau­fen­de Quar­tal gesenkt und spre­chen nun nur noch von einem Wachs­tum bei den Aus­lie­fe­run­gen von Note­books von 5 Pro­zent oder weni­ger, nach­dem vor­her 5–10 Pro­zent Wachs­tum ange­nom­men wur­den.

Die­se Pro­ble­me dürf­ten AMD in die Hän­de spie­len. Ers­te Berich­te spre­chen auch schon von Zuge­win­nen für AMD beim Note­book-Markt­an­teil im drit­ten Quar­tal von 1,7 auf 4,9 Pro­zent, was immer­hin einer Stei­ge­rung von 53 Pro­zent ent­spricht, wofür vor allem Acer und HP ver­ant­wort­lich sein sol­len. Im Desk­top-Seg­ment wird ein Anstieg von AMDs Anteil von 15,2 auf 16,7 Pro­zent im drit­ten Quar­tal gese­hen. Mit einem wei­te­ren Ramp von Ryzen-Pro­zes­so­ren gehen wei­te­re Mel­dun­gen bereits von Antei­len von 20 Pro­zent aus, die im vier­ten Quar­tal 2018 auf bis zu 30 Pro­zent stei­gen könn­ten.

Desk­top and mother­board ven­dors inclu­ding Asus­tek Com­pu­ter, Micro-Star Inter­na­tio­nal (MSI), Giga­byte Tech­no­lo­gy and ASRock have ram­ped up pro­duc­tion and ship­ments of devices fit­ted with AMD pro­ces­sors, dri­ving up the chipmaker’s sha­re of the desk­top pro­ces­sor mar­ket to over 20% in the third quar­ter. The com­pa­ny is very likely to see the figu­re fur­ther rebound to the level of 30% again.

Die Nach­fra­ge nach güns­ti­gen AMD-Sys­te­men in Chi­na, das seit 2017 AMDs wich­tigs­ten regio­na­len Absatz­markt dar­stellt, soll bereits laut Expreview.com (eng­li­sche Über­set­zung mit Goog­le) dazu geführt haben, dass AMD-Chip­sät­ze von ASUS und Giga­byte knapp wer­den, ins­be­son­de­re beim Ein­stei­ger-A320-Chip­satz sieht man lee­re Lager. Die Nach­fra­ge beim B450-Chip­satz ist eben­falls stark gestie­gen, was dort eben­falls zu knap­pen Bestän­den führt. Selbst Main­boards mit dem A68H-Chip­satz aus dem Jahr 2015 für AMDs Kave­ri Pro­zes­so­ren mit Sockel FM2+ ver­kau­fen sich so gut, dass sie im Han­del knapp wer­den. 

Umsät­ze von AMD von 2015 bis 2017 nach Regio­nen (Quel­le: SEC-Filings)

Gleich­zei­tig ver­teu­ern sich bei uns die Intel-Pro­zes­so­ren, so kos­tet ein Intel Core i7-8700K momen­tan 420 €, nach­dem die­ser laut Geinz­hals Preis­ent­wick­lung vor knapp 4 Wochen noch für 90 € weni­ger erhält­lich war. Was laut dem red­dit-User inge­bor, der bereits seit län­ge­rem die Pro­zes­sor­ver­kaufs­zah­len beim deut­schen Online­händ­ler Mind­fac­to­ry beob­ach­tet, dazu geführt hat, dass der Anteil der dort ver­kauf­ten AMD Pro­zes­so­ren auf nun über 70 Pro­zent gestie­gen ist. Bei den abso­lu­ten Ver­kaufs­zah­len ist eine Stei­ge­rung der ver­kauf­ten Pro­zes­so­ren pro Woche im Ver­gleich von Juni bis Ende Sep­tem­ber bei AMD von über 100 Pro­zent zu erken­nen, wäh­rend der Anteil Intels im glei­chen Zeit­raum deut­lich gefal­len ist.

Markt­an­teil Mind­fac­to­ry AMD/Intel und Abso­lu­te Ver­kaufs­zah­len by inge­bor (red­dit)

Gene­rell schei­nen die Anzei­chen dar­auf hin zu deu­ten, dass es Intel kurz­fris­tig nicht gelin­gen wird, die Kapa­zi­täts­eng­päs­se zu über­win­den. Wei­te­re Anhalts­punk­te dafür sind Kom­men­ta­re, die auf Grund von Daten eines Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens davon aus­ge­hen, dass sich HP und Dell bereits für 2019 mehr Pro­zes­so­ren von AMD sichern – im Fall von HP sogar angeb­lich bis zu einem Anteil von 30 Pro­zent an den HP-End­ver­brau­cher-PCs –, wäh­rend Dell den Anteil von AMD-Pro­duk­ten für Geschäfts­kun­den wei­ter erhö­hen will.

Ana­lyst Mark Lipa­cis cited a report from rese­arch firm Fubon, which said HP will adopt AMD pro­ces­sors for up to 30 per­cent of its con­su­mer PCs next year and Dell will use more AMD chips for its com­mer­ci­al PC line.