Raven Ridge von 4 bis 35 W – Summit Ridge erst 2017?

Im Forum von Semiaccurate wurde eine neue Folie geleakt, die angeblich und mutmaßlich von AMD stammt und die Roadmap bis einschließlich 2017 zeigt. Auf den ersten Blick enthält sie nichts Neues – die Derivate der neuen Zen-Architektur mit Codenamen Raven Ridge (APU) und Summit Ridge (CPU). Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich dann doch ein paar überraschende Details.

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Beginnen wir mit der mobilen Plattform. Hier sehen wir, dass die APUs auf Zen-Basis, genannt Raven Ridge, künftig das komplette Spektrum abbilden müssen. Die beiden verschiedenen Architekturen für kleine und große APUs wie zwischen 2011 und 2016 gibt es nicht mehr, die „Katzenarchitekturen” (Jaguar/Puma/Puma+/Tiger) mit ihren Implementierungen wie Kabini, Beema und Carrizo-L werden nicht fortgeführt. Das war ebenfalls bereits bekannt. Offenbar wird es auch keine Zweiteilung mehr innerhalb der Architektur geben, anders als aktuell bei Stoney Ridge, der einem halbierten Bristol Ridge gleicht.

Trotzdem soll Raven Ridge ein größeres Spektrum abdecken können als es AMD bisher mit zwei verschiedenen Architekturen oder Implementierungen möglich war. Die TDP-Spannweite ist bei Raven Ridge mit 4–35 W angegeben, wohingegen die APUs derzeit nur 12–35 W hüten. Bei den sparsamen Varianten Temash und Mullins, die für Tablets und andere passiv gekühlte Geräte gedacht waren, hat sich ja seit 2014 nichts mehr getan. Offenkundig ist AMD jedoch gewillt, dieses Segment wiederaufzunehmen, wenn schon nicht im Tablet gegen Intels Atom-Varianten, dann vielleicht wenigstens gegen Intels Core M.

Wie bei allen APUs seit Kaveri addiert AMD die CPU- und GPU-Compute-Units auf und gibt somit für Raven Ridge bis zu 16 Compute-Units (CUs) an, bestehend aus bis zu 4 CPU-Kernen und 12 GPU-CUs. Daraus lässt sich eine GCN-GPU ableiten, die mindestens 768 Shader-Einheiten aufweist. Zum Vergleich: Bei Carrizo und Bristol Ridge sind es derzeit nur 512 Shader-Einheiten im Vollausbau. Vernünftig auch, dass bei dieser ohnehin gewagten simplen Aufsummierung von CPU- und GPU-Kernen nur die echten CPU-Kerne berücksichtigt werden, nicht die logischen; Zen wird ja AMDs erste CPU-Archiktektur mit Simultaneous Multi-Threading (SMT), deren Ableger sich wie z.B. Intels Core i7 mit der doppelten Anzahl an Kernen beim Betriebssystem melden, um den Durchsatz durch Nutzung brachliegender Funktionseinheiten mittels zweier Threads zu erhöhen.

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Man weiß nicht so recht, was man von der Desktop-Roadmap halten soll. AMD hatte suggeriert, dass die Plattform AM4 nicht zur Markteinführung von Bristol Ridge vorgestellt wird, da es keinen Sinn habe, die neue Plattform als Mainstream einzuführen, weil das High-End-Gegenstück Summit Ridge (Zen-CPU) noch nicht fertig ist. Auf dieser Roadmap sieht es nun doch so aus, als würde AMD die AM4-Plattform noch 2016 mit Bristol Ridge für Desktop bringen und Summit Ridge erst 2017 nachschieben. Dabei hatte AMD erst kürzlich bei der Vorstellung der Quartalszahlen betont, dass Zen im Zeitplan liege. Dieser besagte allerdings, dass wir Zen noch 2016 sehen werden. Der Teufel liegt freilich oft im Detail. Womöglich wird AMD Summit Ridge noch 2016 mit der AM4-Plattform präsentieren, um einen Knaller vorweisen zu können, jene dennoch zunächst nur mit Bristol-Ridge-APUs verkaufen, bis Summit Ridge wirklich marktfähig ist. Oder aber es gab einen internen Kurswechsel, beispielsweise dass die Server-Varianten von Zen vorgezogen werden, denn in den letzten Wochen gab es auffallend viele Leaks zu neuen Server-Varianten von Zen (Zeppelin/Naples).

Letztlich werden wir es sehen; momentan ist es nur eine inoffizielle, durchgesickerte Info, deren Authentizität nicht verifiziert ist!