Erste Ryzen-Benchmarks zeigen gute Werte – Teil 2 (3DMark)

Update 14.02.2017, 12:00 Uhr: Nun schei­nen end­gül­tig alle Däm­me zu bre­chen. Wäh­rend AMD in den letz­ten Mona­ten den Infor­ma­ti­ons­fluss zum The­ma Ryzen noch gut im Griff hat­te – ein­zig Canard PC aus Frank­reich hat­te irgend­wie vor­ab Zugriff erhal­ten auf diver­se Ryzen-Sam­ples – sickern nun aus allen Rich­tun­gen Infos zur Leis­tungs­fä­hig­keit von Ryzen an die Öffent­lich­keit. Nach­dem erst kürz­lich (sie­he Ori­gi­nal­mel­dung unten) Bench­mark-Wer­te von CPU-Mark an die Öffent­lich­keit gelang­ten, sind es die­ses Mal 3DMark-Wer­te, aller­dings nicht der Gesamt-Index mit Gra­fik­kar­te, son­dern der CPU-las­ti­ge Phy­sics Score. Gele­akt sind die Infos bei Videocardz.com:

Erneut han­delt es sich um ein Modell der Revi­si­on F4 mit der Basistakt­ra­te 3,4 GHz und Tur­bot­akt­ra­te 3,8 GHz, was laut letz­ten Infos dem Modell AMD Ryzen 7 1700X ent­spre­chen dürf­te. Wie man sieht, wäre ein­zig der 10-Ker­ner Intel Core i7-6950K in der Lage, AMDs neu­en Acht­ker­ner zu schla­gen; dabei han­delt es sich beim 1700X noch nicht ein­mal um das Top­mo­dell. Beach­tet wer­den muss dabei jedoch, dass der Tes­ter Wer­te mit über­tak­te­ten und unüber­tak­te­ten Durch­läu­fen bunt gemischt hat.

Inter­es­sant auch die Wer­te der mut­maß­li­chen 6-Kern- (ZD3301BBM6IF4_37/33-Y) und 4-Kern-Model­le (ZD3201BBM4KF4_34/32_Y) von Ryzen: Wenn die durch­ge­si­cker­ten Infor­ma­tio­nen stim­men, dürf­te es sich beim Sechs­ker­ner um das Modell AMD Ryzen 5 1600X han­deln. Nur das Quad-Core-Modell passt nicht so recht zu den mut­maß­li­chen fina­len Wer­ten (sie­he Tabel­le unten).

Ori­gi­nal­mel­dung:
Bereits im Dezem­ber haben wir hier in der Com­mu­ni­ty bei­na­he 100 Ver­gleichs­wer­te zum Ren­der-Bench­mark Blen­der zusam­men­ge­tra­gen, um auf Basis von AMD selbst ver­öf­fent­lich­ter Wer­te eines Ryzen Engi­nee­ring-Sam­ples eine ers­te Stand­ort-Bestim­mung durch­zu­füh­ren. Schon damals, mit einem alten Step­ping und ohne Tur­bo, konn­te man sehen, dass Ryzen aus einem ganz ande­ren Holz geschnitzt ist als Bull­do­zer. Gegen­über sei­nem direk­ten Vor­gän­ger Vis­he­ra rech­ne­te Ryzen bei­na­he 4 Mal so schnell und erreich­te damit ziem­lich genau die Leis­tung der 1000-Dol­lar-CPU Intel Core i7-6900K. Wer die Wer­te noch ein­mal in Ruhe stu­die­ren möch­te, kann sie hier fin­den.

Nun, zwei Mona­te spä­ter, sind im Anandtech-Forum CPU-Mark-Wer­te eines fina­len AMD Ryzen 7 1700X auf­ge­taucht. Das Pos­ting wur­de inzwi­schen wie­der aus dem Live-Forum gelöscht, aber bekannt­lich ver­gisst das Inter­net nichts wenn es erst­mal archi­viert wur­de. Der Ryzen 7 1700X wird nicht das Top­mo­dell der Serie wer­den, arbei­tet wohl “nur” mit 3.4 GHz Basis- und 3.8 GHz Tur­bot­akt, wie wir ges­tern gese­hen haben. Zudem wur­de der Pro­zes­sor anschei­nend auf einem Main­board mit AMD A320 Chip­satz getes­tet, was dazu geführt haben dürf­te, dass XFR nicht aktiv war, jenes Fea­ture, das Ryzen bei guter Küh­lung so hoch tak­tet wie es die über 70 Sen­so­ren, die im Die ver­baut sind, erlau­ben.

Trotz die­ses Han­di­caps sehen die Wer­te sehr gut aus. Aus­nah­men sind Prime Num­bers und Phy­sics, wo Ryzen trotz sei­ner 8 Ker­ne nur in etwa die Leis­tung des Intel 4-Kern-Pro­zes­sors Kaby Lake erreicht. Womög­lich sind das jene Tests, die stark auf AVX(2)-Code set­zen. Wie wir in unse­rem aus­führ­li­chen Archi­tek­tur-Arti­kel bereits gezeigt haben, ist die­ses Sze­na­rio nicht ide­al für Zen, da AMD im Gegen­satz zu Intel die SIMD-Ein­heit nur 128 Bit breit aus­ge­legt hat. 256 Bit brei­te AVX-Befeh­le müs­sen daher auf zwei Mal durch­ge­schleust wer­den. Da AVX-Code in der Pra­xis kaum vor­kommt (Aus­nah­me: hoch­op­ti­mier­te HPC- oder Video-Enco­ding-Soft­ware), dürf­te der Rück­stand in die­sen Teil­dis­zi­pli­nen ver­kraft­bar sein, schließ­lich reicht es immer noch, um das Kaby Lake Top­mo­dell zu schla­gen.


Aus: AMD-Ryzen-Sor­ti­ment – das Bild wird kla­rer

Nun ist auch CPU-Mark nur ein syn­the­ti­scher Bench­mark, wenn auch mit unter­schied­li­chen Dis­zi­pli­nen. Zudem ist nicht klar, unter wel­chen Umstän­den die Wer­te ent­stan­den sind (genaue Kon­fi­gu­ra­ti­on) und iden­ti­sche Test­be­din­gun­gen haben wohl eben­falls nicht geherrscht. Das heißt, es gibt noch viel Luft für Unsi­cher­hei­ten. Den­noch scheint — sofern die Wer­te eini­ger­ma­ßen der Rea­li­tät ent­spre­chen — das spe­ku­lier­te Preis­ge­fü­ge zu pas­sen. An den 1000 Dol­lar teu­ren i7-6900K kommt der 1700X nicht ganz her­an. Gegen­über dem gut 400 Dol­lar teu­ren i7-6800K mit 6 Ker­nen und 12 Threads jedoch scheint man gut auf­ge­stellt zu sein und den nicht viel güns­ti­ge­ren i7-7700K scheint der 1700X im Griff zu haben.

Auch an die­ser Stel­le wie­der der Hin­weis: selbst wenn die Infos mitt­ler­wei­le zuneh­mend kon­kre­ter wer­den, darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass es sich hier­bei noch immer um inof­fi­zi­el­le, nicht bestä­tig­te Gerüch­te han­delt.