Zen 2 — AMD Ryzen 7 3700X und Ryzen 9 3900X im Test

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Technische Details: PCIe 4.0 und X570 Chipsatz, AM4 und Spectre

Präsentation zu Ryzen 3000

  X570 X470 B450 X370 B350 A320
Launch Juli 2019 April 2018 Juli 2018 März 2017 März 2017 März 2017
Her­stel­ler AMD ASMe­dia ASMe­dia ASMe­dia ASMe­dia ASMe­dia
Platt­form Bix­by Pro­monto­ry Pro­monto­ry Pro­monto­ry Pro­monto­ry Pro­monto­ry
Fer­ti­gung 14 nm 55 nm 55 nm 55 nm 55 nm 55 nm
Packa­ge 768 Ball OBGA 583 Ball LFBGA 583 Ball LFBGA 583 Ball LFBGA 583 Ball LFBGA 583 Ball LFBGA
TDP 11,2 — 14,9 Watt 5,8 Watt 3,2 Watt 5,8 Watt 3,8 Watt 3,2 Watt
Idle Power ? < 2 Watt < 2 Watt > 2 Watt > 2 Watt > 2 Watt
Spei­cher offi­zi­ell 3.200 MHz 2.933 MHz 2.933 MHz 2.666 MHz 2.666 MHz 2.666 MHz
XFR2 ja1 ja1 ja1 ja ja ja
PBO ja2 ja ja Nein Nein Nein
PCIe-Lanes (mit CPU) 40 38 28 38 28 24
PCIe 4.0 über Chip­satz ja nein nein nein nein nein
1 Enhan­ced XFR in Ver­bin­dung mit min­des­tens Ryzen 2000
2 Neue Ver­si­on nur in Ver­bin­dung mit Ryzen 3000 und dem X570-Chip­satz

Zusam­men mit Matis­se führt AMD auch einen neu­en “Chip­satz” ein, den AMD X570. Zu dem Begriff “Chip­satz”, der so ja nicht mehr stimmt, da Ryzen ein SoC ist, haben wir uns bereits bei der Markt­ein­füh­rung vor zwei Jah­ren aus­ge­las­sen. Da AMD den Begriff aber wei­ter­hin nutzt, wer­den auch wir das tun, um Irri­ta­tio­nen zu ver­mei­den.

Neu am X570 ist, dass es sich hier­bei nicht mehr um den Pro­monto­ry-Zusatz­chip han­delt, der von ASMe­dia ent­wi­ckelt wur­de, son­dern um einen AMD-eige­nen Chip. Laut AMD wur­de die­ser vom cIOD des Matis­se abge­lei­tet, wird aller­dings nicht in 12 nm bei Glo­bal­Found­ries gefer­tigt, son­dern im güns­ti­ge­ren 14-nm-Ver­fah­ren des Ur-Ryzen. Damit konn­te sich AMD die Ent­wick­lung eines sepa­ra­ten Chips spa­ren und die sel­be Tech­nik an zwei völ­lig unter­schied­li­chen Stel­len zum Ein­satz brin­gen.

Key­fea­ture des X570 ist, dass er über PCIe 4.0 mit dem PCI-Express-Con­trol­ler im Pro­zes­sor ver­bun­den ist, sofern ein Ryzen 3000 “Matis­se” zum Ein­satz kommt. Und auch die PCIe-Slots, die vom Chip und nicht vom Pro­zes­sor zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, unter­stüt­zen nun PCIe 4.0. Dafür ist aller­dings auch eine höhe­re Leis­tungs­auf­nah­me die Fol­ge, wes­we­gen der X570 auf den meis­ten Main­boards aktiv gekühlt wer­den muss.

So ist AMD die­ses Mal Vor­rei­ter, denn eine PCIe-4.0-Plattform kann Intel der­zeit nicht bie­ten. Vor Mit­te 2020 mit Rocket Lake-S und Tiger Lake-S dürf­ten von Intel auch kei­ne ent­spre­chen­den Platt­for­men mit die­sem Fea­ture zu erwar­ten sein.

Damit Anwen­der einen Nut­zen aus der gegen­über PCIe 3.0 ver­dop­pel­ten Trans­fer­ra­te zie­hen kön­nen, bedarf es natür­lich auch ent­spre­chen­der PCIe-4.0-Geräte. Eines davon lie­fert AMD zum Launch selbst. Die neu­en Gra­fik­kar­ten AMD Rade­on RX 5700 mit Navi-GPU beherr­schen PCIe 4.0.

Aller­dings hat die Ver­gan­gen­heit schon mehr­fach gezeigt, dass Gra­fik­kar­ten, ins­be­son­de­re wenn sie als Sin­gle-GPU im Sys­tem agie­ren – gar nicht so band­brei­ten­hung­rig sind und selbst PCIe 3.0 x8 gegen­über x16 meist kaum Leis­tungs­un­ter­schie­de in der Pra­xis zuta­ge för­der­te.

Anders sieht es im Sto­rage-Bereich aus, also z.B. bei schnel­len NVMe-SSDs, die via PCIe direkt ange­bun­den sind. Hier stie­ßen die schnells­ten Ver­tre­ter bereits an das Limit von PCIe 3.0 bei 4 GB/s brut­to, sodass hier gera­de recht­zei­tig ein Fla­schen­hals gewei­tet wird. Mit PCIe 4.0 ste­hen den han­dels­üb­li­chen M.2-SSDs mit x4-Anbin­dung dann 8 GB/s brut­to zur Ver­fü­gung. Ers­te PCIe-4.0-SSDs wur­den bereits ange­kün­digt, aller­dings kön­nen die Con­trol­ler das neue Limit aktu­ell noch nicht aus­rei­zen. Hier ist noch Luft für künf­ti­ge SSD-Model­le.

Präsentation zu Ryzen 3000

Sockel-AM4-Kom­pa­ti­bi­li­tät
Erfreu­lich ist, dass AMD es geschafft hat, Matis­se trotz aller Ände­run­gen im Auf­bau in das Kor­sett des Sockel AM4 zu zwän­gen. Mit ent­spre­chen­den BIOS-Updates der Her­stel­ler kann Ryzen 3000 damit auch auf zwei Jah­re alten Main­boards per Drop-In-Upgrade lau­fen. Da AM4 bereits 2016 für OEMs mit Bris­tol Ridge ein­ge­führt wur­de und über Sum­mit Ridge, Raven Ridge, Pin­na­cle Ridge, Picas­so und nun Matis­se ins­ge­samt ein hal­bes Dut­zend CPU-Fami­li­en auf­neh­men kann, könn­te es die viel­sei­tigs­te Platt­form wer­den, die AMD jemals gebaut hat. Mit Ver­meer und Renoir dürf­ten im nächs­ten Jahr sogar noch zwei fol­gen, die eben­falls für den Sockel AM4 vor­ge­se­hen sind. Nur bis der Sockel AM3/AM3+ in Sachen Lauf­zeit über­bo­ten wird, müs­sen noch ein paar Jah­re ver­ge­hen.

Natür­lich wer­den die Betrei­ber älte­rer AM4-Sys­te­me nicht in den Genuss aller Fea­tures von Matis­se kom­men. Die bekommt man aktu­ell nur bei Ver­wen­dung eines X570-Main­boards. Wo die Unter­schie­de lie­gen, zeigt obi­ge Tabel­le, wo man gegen­über dem Mit­be­werb steht, zeigt das AMD-Schau­bild.

Spec­t­re & Co.
Anfang des Jah­res 2018 schreck­te eine neue Klas­se an Sicher­heits­lü­cken die IT-Welt auf, durch die sich die Arbeits­wei­se moder­ner Out-of-Order-Pro­zes­so­ren aus­nut­zen lässt. Durch Sei­ten­ka­nal-Atta­cken lie­ßen sich Daten abgrei­fen, auf die nor­ma­ler­wei­se kein Zugriff bestehen soll­te. Den Anfang mach­ten Mel­tdown und Spec­t­re, und es folg­ten noch vie­le wei­te­re, wes­we­gen wir auf unse­re dama­li­ge Bericht­erstat­tung ver­wei­sen.

Um die Aus­wir­kun­gen die­ser Lücken zu lin­dern, muss­ten Betriebs­sys­te­me ange­passt wer­den, Trei­ber, Brow­ser und die Her­stel­ler scho­ben Micro­code-Updates nach, die Funk­tio­nen in den CPUs nach­rüs­te­ten, um den Betriebs­sys­te­men zu hel­fen, die Löcher zu stop­fen. Zu Beginn kos­te­te dies enorm Leis­tung. Im Lau­fe der Zeit, nach der ers­ten Panik und nach­dem cle­ve­rer pro­gram­mier­te Lösun­gen gefun­den wur­den, wur­de es bes­ser. Trotz­dem wäre es natür­lich opti­mal, wenn die Löcher in Hard­ware gestopft wür­den und nicht mit­tels halb­sei­der Micro­code-Hacks.

Im Gegen­satz zu Intel, die prak­tisch von jeder ent­deck­ten Lücke die­ser Gat­tung betrof­fen waren, sind AMD-Pro­zes­so­ren nur für ein­zel­ne Sze­na­ri­en anfäl­lig, näm­lich für die der Spec­t­re-Klas­se (Spec­t­re 1/2/NG). Die­se hat AMD nun per Hard­ware geschlos­sen, sodass Miti­ga­tio­nen mit ande­ren leis­tungs­min­dern­den Mit­teln unter­blei­ben kön­nen. Allein dadurch soll­te Zen 2 gegen­über Zen 1 leich­te Vor­tei­le haben.